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Bettina Wulffs Biografie: Ehre retten und Kohle machen

11.09.2012 | 17:18 |  Von Karl Gaulhofer (DiePresse.com)

Ex-First-Lady Wulff räumt in Buchform mit bösen Gerüchten auf. Klagen und Buch sollen falschen Gerüchten über eine Rotlichtvergangenheit ein Ende setzen. Was geht in dieser Frau vor?

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Berlin. Bettina Wulff hatte ihren stärksten Auftritt in der Rolle der stummen Statistin. Als ihr Mann am 17. Februar seinen Rücktritt als Bundespräsident verkündete, schwer gezeichnet von medialen und politischen Attacken, stand Deutschlands First Lady aufrecht, gefasst und tapfer lächelnd an seiner Seite. Und alle Welt fragte sich: Was geht in dieser Frau vor?

Heute wissen wir es: Es war ihr übel, sie war aufgeregt und fühlte sich „absolut übernächtig". Ihre größte Sorge galt freilich der Auswahl des passenden Kostüms. Von diesen intimen Details wissen wir dank einer Art Autobiografie mit dem Titel „Jenseits des Protokolls", die Bettina Wulff unter Mithilfe einer Journalistin geschrieben hat. Seit Montag läuft sie über die Ladentische deutscher Buchhandlungen. Und warme Semmeln wirken dagegen wie Ladenhüter.

Mit einigem Abstand von dem Albtraum, den sie mit ihren Kindern durchlitten hatte, schrieb sich die 38-Jährige ihren Frust von der Seele. Nicht nur, um die These des Boulevards zu widerlegen, sie habe ihren Gatten durch ihren Hang zu Luxus und leichtem Leben zur Annahme von Geschenken reicher Freunde verleitet. Sondern vor allem, um mit den im Internet blühenden Gerüchten aufzuräumen, sie habe einst als Escortgirl „Lady Victoria" in einem Etablissement namens „Château Osnabrück" gearbeitet. „Was soll ich sagen? Das ist einfach absoluter Quatsch." 173 Seiten muss der Leser auf das erlösende Dementi warten, nach Jahren, in denen Journalisten und Politiker das heißeste Gerücht Deutschlands offiziell tabuisierten, nur um untereinander über nichts lieber zu tuscheln.

Klagen als PR-Aktion

38 Unterlassungserklärungen hat Wulffs Anwalt über den Sommer eingesammelt. Kein einziger Beschuldigter habe versucht, den Wahrheitsbeweis anzutreten: „Alle verwiesen sie darauf, sie hätten nur vorhandene Gerüchte aufgegriffen." So ist das nun mal mit der Verleumdung, die als Lüftchen beginnt, sich zum Orkan steigert und als Bestseller endet.

Vorigen Freitag wurden der Moderator Günther Jauch und die Suchmaschine Google geklagt; am Montag brachte die „Bild" ganz groß Auszüge aus dem Buch. Die konzertierte PR-Aktion zum Verkaufsstart lässt auf ein geschicktes Eigenmarketing der gelernten Medienmanagerin und früheren „Continental"-Pressereferentin schließen. Aber immerhin strengt sie sich im Gegensatz zu ihrem Gatten mächtig an, Lücken im Lebenslauf zu vermeiden. Da werden alle Jugendlieben plappernd rekapituliert:

Rettungsschwimmer Tom, Fitnessklubbesitzer Achim und Torsten, der Vater ihres ersten Sohnes. Da wird von der groschenhefttauglichen Begegnung mit Christian berichtet (im Flugzeug, nicht im Nachtklub). Dabei fand sie ihn aus der Ferne gar nicht so toll: zu glatt, ohne Ecken und Kanten, erfährt der verblüffte Leser. Die Botschaft kommt an: Diese Frau hat Schweres durchgemacht, und sie kann einfach nicht lügen.

Im Zuge dieser Beweisführung erfahren wir freilich weit mehr, als wir wissen wollen. Ein ganzes Kapitel ist dem Tattoo am Oberarm gewidmet, das Christian so „cool" findet und in Boulevardmedien Furore gemacht hat. Allen Spekulationen, wofür das stilisierte Stammeszeichen stehen könnte, setzt die selbst ernannte Normalo-Frau ein abruptes Ende: „Die Wahrheit ist ganz einfach: Das Tattoo hat keine bestimmte Bedeutung." Sie wollte es einfach haben, dieses „Stück Lebensgefühl". Und wir Leser, die Bettina Wulff nun allzu gut kennen, müssen gestehen: Wir haben es fast so befürchtet.

 

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50 Kommentare
 
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Gast: wurschtwer
24.09.2012 16:02
2 1

Hasserfülltes Gesindel

Sorry, ich wehre mich normalerweise gegen das Wort, aber die ganzen Leute, die sie auf amazon fertigmachen, obwohl sie nicht einmal das Buch gelesen haben, sind für mich Gesindel.

Gast: Stimme der Demokratie
13.09.2012 12:50
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Schluß mit Werbung für Frau Wulff

Nicht nur, daß Ihr Mann mittlerweile schon Euro 217.000 Euro Ehrensold pro Jahr erhält, obwohl eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft gegen Ihn läuft. Nein, jetzt machen die Medien auch noch Werbung für das Buch der Gattin, damit diese damit nochmal ein paar Hunderttausend verdient. Deshalb: Keine Plattform mehr für die Eheleute Wulff in den deutschen Medien!

Antworten Gast: geoopster Heike
16.09.2012 09:54
8 1

Aber Rufmord ist okay?

Die AMAZON-Rezensionen und wichtigen "Umfragen" bei "den" Deutschen kann man ruhig in Frage stellen, weil nämlich die Zeitungs-Foren VOLL sind mit direkten (!) LINKS zu den Rechtsrotz-Ecken mit neuesten Anschüttungen und zu den halblustigen AMAZON-Tags (!), so wie auch hier.

Keine Ahnung, was so ein "langweiliger und überflüssiger" Internet-Flashmob auf AMAZON aussagen soll und warum schon wieder von allen Zeitungen das Wulff-Gequake von "BILD am Sonntag" zitiert wird. Anscheinend kann der Boulevard damit gute Kohle machen, egal was die Zeitungen an Unsäglichkeiten ÜBER sie erbrechen.

Nur sie selber soll die Pappe halten?
:-)

Gast: Vogel Strauss
13.09.2012 09:31
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Immerhin hat sie es mit diesem Theater ...

... in sämtliche deutschsprachige Medien geschafft und so erfolgreich Werbung für ihren Schinken gemacht.

Danke Google, daß ihr der Welt das Gratis-OS Android selbstlos und aus freien stücken geschenkt habt, das OS ist wirklich gratis! Echt jetzt!


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Re: Danke Google, daß ihr der Welt das Gratis-OS Android selbstlos und aus freien stücken geschenkt habt, das OS ist wirklich gratis! Echt jetzt!

Davon haben aber auch nur die Gerätehersteller einen Vorteil. Die Geräte wären mit Windows Phone auch nicht teurer.

mein Sarkasmus spielt auf das angeblich "gratis" an, in Wahrheit ist das ne Riesen Datensammelkraake ungeahnten Ausmaßes, die Google da der Welt untergejubelt hat


Antworten Antworten Antworten Gast: Trolli
16.09.2012 13:29
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Das ist doch verrückt.

Irgendwann kommt dann Google und sagt: "Release the Kraken", oder was?
Ich glaube, das ihr alle nur Vermutungen habt und keiner die Wahrheit wissen kann. Und genau das ist euer Problem.

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Da fehlt noch was

Und zwar die technische Anmerkung, dass das "Autocomplete" Verfahren von Google mitnichten technisch über jeden Zweifel erhaben ist. Sondern mindestens einen grundsätzlichen Haken hat: es erzeugt potentiell eine Rückkopplungs-Schleife, die sich selber aufschaukelt. Und zwar spätestens ab dem Punkt, ab dem etwas aufgrund der Häufigkeit der Suchanfragen in den Vorschlägen für andere auftaucht. Ab dem Zeitpunkt kann man die Häufigkeit der Suchanfragen nach einen bestimmten Begriff nicht mehr wirklich als Gradmesser für das echte öffentliche Interesse an einem Thema nehmen. Und auch davor ist es keineswegs gesagt, dass man den Algorithmus nicht nasführen kann, z.B. mit Linkspamming und ähnlichem (siehe seinerzeit die Suchergebnisse zu "Völlige Inkompetenz").

Es klingt vielleicht nach einer Haarspalterei, wenn man darauf hinweist, dass da grundsätzliche technische Probleme vorhanden sind. Aber das ist insofern wichtig, als sich ja Google bisher immer damit gerechtfertigt hat, dass ihre Algorithmen nur das widerspiegeln, was sich draussen im echten Leben abspielt. Und ihnen deswegen die Hände gebunden sind, da steuernd einzugreifen. Aber das stimmt so einfach nicht. Die Algorithmen geben ein recht gutes Abbild dessen, was sich so tut, aber sie sind auf nachvollziehbare Weise fehleranfällig und im Einzelfall auch kompromittierbar.

Antworten Gast: Trolli
16.09.2012 13:42
0 0

Re: Da fehlt noch was

Du weißt aber schon, dass die Vorschläge beim Auto-Complete nur durch direkte Suchanfragen generiert bzw. gepusht werden? Was wäre der Sinn darin, wenn ich nach "Wirtshaus" suche und jedes Wirtshaus, das in den Vorschlägen erscheint, damit unterstütze?
Es zählt immer nur das, was man am Ende wirklich sucht. Eigentlich logisch, oder?

Re: Da fehlt noch was

Und was hat das mit der B.Wulff zu tun...? beweist dass jetzt eine Rotlicht-Vergangenheit oder nicht ? Das würde mich als Frau natürlich besonders interessieren-bitte um männliche Aufklärung über Methoden von Suchmaschinen...!

Antworten Antworten Gast: geoopster Heike
16.09.2012 10:03
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gute Frage ...

in der Tat

:-)

Hätte die Presse auch davon berichtet, wenn es ein kleiner Arbeiter gewesen wäre?


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Re: Hätte die Presse auch davon berichtet, wenn es ein kleiner Arbeiter gewesen wäre?

Wohl nicht, da es wohl wenige gäbe, die das lesen wollten. Dann wäre auch jede Zeitungsausgabe dicker als ein Telefonbuch.

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Re: Hätte die Presse auch davon berichtet, wenn es ein kleiner Arbeiter gewesen wäre?

Wollen wir versuchen, Ihre Frage gemeinsam zu beantworten ?

Also, wir fragen: "Hätte die 'Presse' auch dann mehrere größere Berichte und Kommentare gebracht, wenn es sich um einen Friseurgehilfen gehandelt hätte, und zwar in folgendem Fall:

Seine Lebensgefährtin ist als BILLA-Kassierin gekündigt worden (aus welchem Grund auch immer), und da ihr Abgang in den umliegenden Gassen nicht unbemerkt geblieben ist, so kommt das Paar wieder einmal in den lokalen Tratsch. Denn vor Jahren schon, als die beiden hier zugezogen sind, gab es Gerüchte, dass er ("Wie der scho' ausschaut . . . !") früher als Gayboy gearbeitet haben soll.

Haben wir das ?

Dann denken wir uns noch dazu, dass er daraufhin die Haupttratschn zur Rede stellt, die Szene wird ungut, und am Schluss (wir überspringen einiges) erteilt der Bezirksrichter gleich mehreren vorgeladenen üblen SchwätzerInnen einen strengen Verweis.

Und nun wieder Ihre Frage:

Hätte die "Presse" diesem Fall gleich viel Raum geben sollen wie dem Fall Bettina Wulff ?

Antworten Antworten Gast: Trolli
16.09.2012 14:09
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Hätte die Presse auch davon berichtet, wenn es ein kleiner Arbeiter gewesen wäre?

Du meinst das alles ganz ernst, oder?
Kennst du eigentlich "Mitten im Leben"?
Das verfolgen mehr Leute als die Artikel in der Presse. Oder generell Nachrichten.

Re: Hätte die Presse auch davon berichtet, wenn es ein kleiner Arbeiter gewesen wäre?

Sie meinen einen Menschen der weniger "tapfer" (ist das das neue Wort für Finanzstark?) ist?

Ähnliche Algorithmen verwenden auch andere Suchmaschinen. Warum die nicht geklagt werden, wird wohl nur die Dame selbst wissen...

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Schlechter als der Artikel von Gaulhofer kann kein Buch sein.


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Re: Schlechter als der Artikel von Gaulhofer kann kein Buch sein.

Der letzte Satz war es wert den ganzen ARtikel zu lesen.

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Re: Schlechter als der Artikel von Gaulhofer kann kein Buch sein.

Bezieht sich auf den Artikel: "Ehre retten und Kohle machen".

Re: Nicht so streng

Also nein, ich bin ja wirklich einer der die Presse oftmals hart kritisiert. Aber die Einleitung lässt mein Herz höher schlagen. Endlich!

Ich kenne zwar den Herrn Gaulhofer nicht, aber er scheint zumindest eine Gewisse Bildung zu haben, wenn er das Libretto von Barbier von Sevilla wiedergeben kann.

Viele TV-Moderatoren scheitern schon daran, dass sie nicht einmal den Unterschied zwischen einer Oper und Operette kennen.

Und seit dem Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll für eine Werbung verwendet wurde, glaubt sowieso jeder dass diese eine Oper sei.

Seien wir Dankbar dafür, dass es noch Journalisten gibt, die abseits von belanglose Castings-Shows auch "musikalisch" etwas anderes beitragen können.

Re: Re: Nicht so streng

aber hallo...was hat es mit journalistischer leistung zu tun, ob derjenige sich mit oper und operette auskennt? ob er was über tschaikowsky weiß?

könnte jetzt auch sagen: wow, er kann pressing von raumdeckung unterscheiden! was für ein toller journalist! er kennt sich in einem ganz spezifischen kulturellen bereich (fußball/sport) aus, er muss super sein!

wenn er weiß, was fore-checking ist, dann informiert er sich sicher sehr genau, liefert detaillierte infos und schreibt differenzierte, zu 100% objektive und pointierte artikel, die nicht nur informieren, sondern auch zum nachdenken anregen, warnen, animieren!
wow!

also bitte, was ist denn mit ihnen los?

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Re: Re: Re: Nicht so streng

Ein wirkliches Problem im "Presse"-Forum: Ironie als solche zu erkennen scheint wirklich schwerer zu sein als man annehmen möchte.

Worum geht es Ihrem Vorposter (und, wie er gleich erkannt hatte, auch mir weiter oben) ?

Herr Gaulhofer hat einen Kommentar geschrieben, wie wir ihn so wie er dasteht nicht einmal in einer U-Bahn-Zeitung haben wollen.

Es ist ärgerlich, wenn die "Presse" ihrem Aufklärungsauftrag nicht nachkommt, und in einem Anlassfall, der soviele Möglichkeiten zu sehr wesentlichen journalistischen Erörterungen böte, nichts weiter tut, als auch ihrerseits eine publizistisch vogelfrei gestellte Frau durch den Kakao zu ziehen.

Alles johlt, das ist klar, und je gehässiger solch ein Artikel ist, um desto fröhlicher. Auch der Bildungsbürger (aus dessen Kreisen die Gerüchte ja sogar stammen sollen).

Aber wenn der Bildungsbürger auch mitjohlen will, so will er doch auch feiner bedient werden von seinem Medium, und solchem Drumherum dienen halt dann die mehr oder weniger gewichtigen Redefiguren aus dem Maturaklassenwissen.

Und sowas ist ärgerlich. Und wenn man sich ärgert, dann wird man halt bisweilen ironisch.

That's it.

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Re: Re: Re: Re: Nicht so streng

Anmerkung: Der Artikel, um den es ging, war der "Presse"-Kommentar "Bettina Wulffs Biographie: Ehre retten und Kohle machen".

Gast: 4x4
12.09.2012 12:37
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Re: Bitte unterstützen!!!

Für Liebhaber deutschen Sexualhumors.

 
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