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Katalonien: Hunderttausende demonstrieren für Unabhängigkeit

11.09.2012 | 21:04 |   (DiePresse.com)

Die Kundgebung war die größte in der Geschichte der Region im Nordosten Spaniens. Der katalanische Regierungschef warnt die Regierung in Madrid.

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Weit mehr als eine Million Menschen haben am Dienstag in Barcelona für einen unabhängigen katalanischen Staat demonstriert. Die im März gegründete Unabhängigkeitsbewegung Katalanische Nationalversammlung (ANC) hatte zu der Demonstration am Nationalfeiertag Kataloniens ("Diada") aufgerufen. Die Zahl der Teilnehmer übertraf alle Erwartungen. Die ANC sprach von zwei Millionen Teilnehmern. Die Polizei schätzte die Zahl der Demonstranten auf eineinhalb Millionen.

Die Großkundgebung im Zentrum Barcelonas unter dem Motto "Katalonien, ein neuer Staat Europas" war die größte in der Geschichte der Region im Nordosten Spaniens. Bis zu eintausend Reisebusse mit Demonstranten waren nach Angaben der katalanischen Zeitung "La Vanguardia" aus allen Teilen der Region in die Hauptstadt Kataloniens gefahren.

"Catalonia is not Spain" (Katalonien ist nicht Spanien), stand auf Englisch auf vielen Plakaten der Demonstranten. Hunderttausende katalonische Nationalisten schwenkten die gelbe katalanische Flagge mit ihren vier roten Streifen. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts CEO befürworten 51 Prozent der Katalanen die Unabhängigkeit. Diese Zahl sei in den vergangenen Jahren wegen der gravierenden Wirtschaftskrise in Spanien ständig gewachsen.

Der Regierungschef der autonomen Region Katalonien, Artur Mas, warnte die Zentralregierung in Madrid, dass "Kataloniens Weg in die Freiheit sich öffnen wird", wenn Madrid und Barcelona keine Einigung über einen Fiskalpakt erzielten. Die Regierung in Barcelona klagt seit längerem darüber, dass Katalonien mehr als 16 Milliarden Euro jährlich zur Entwicklung der restlichen Regionen Spaniens beisteuere, ohne dass davon etwas in die katalanische Kasse zurückfließe.

Katalonien ist mit 7,5 Millionen Einwohnern die wirtschaftlich stärkste Region Spaniens. Die separatistische Bewegung behauptet, dass ein unabhängiges Katalonien zu den wichtigsten Wirtschaftsmächten Europa gehören würde. Mit 42 Milliarden Euro ist Katalonien allerdings die am meisten verschuldete Region Spaniens. Die Schulden belaufen sich auf 21 Prozent des katalanischen Bruttosozialprodukts. Die Regionalregierung hatte im August bei der Regierung in Madrid Nothilfe im Umfang von gut fünf Milliarden Euro beantragt.

(APA/dpa)

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15 Kommentare

Reset des Systems

Der laufende Prozess der politischen Vereinigung Europas erhält zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt Bewährungsproben und Schwächungen.
Bevölkerungsgruppen unterschiedlicher Stärke finden sich in den einzelnen Nationalstaaten als Skeptiker oder klare Gegner des Einigungsprozesses zusammen. Die Entwicklung in Katalonien offenbart die Grenzen der zumutbaren Solidarität. Und dies zu einem Zeitpunkt, wo die spürbaren Belastungen die Bürger/Innen noch längst nicht wirklich erreicht haben. Ist das die Zukunft im geeinten Europa?
Offensichtlich wirken wirtschaftliche Komponenten stärker als nationalstaatliche Motive gegen den Einigungsprozess. Wenn diese Annahme in den Nationalstaaten mehrheitlich zutrifft, wird der laufende Einigungsprozess sich auflösen, bevor weitere substanzielle Schritte erreicht werden.
Bleiben werden nur eine Vielzahl neuer und ungelöster Fragen und ein Schuldenberg, zu dem sich niemand bekennen will.
Das ist dann die Ausgangslage, vor der Europa in Kürze stehen könnte.

Während Europafantasten von einem Einheitsstaat träumen, gehen die Massen für die Aufsplittung auf die Straße

Verantwortlich dafür sind die Europapolitiker, die am Volk vorbei regieren und vergessen haben das Volk mit ins Boot zu nehmen.

Letzten Endes werden auch sie es zu verantworten haben, wenn das europäische Friedensprojekt zerbricht, denn Solidarität hat nichts mit Selbstgefährung zu tun.

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/484683_Bedrohliche-Unwetterfront-ueber-Oesterreichs-Finanzen-gesichtet.html

Re: Während Europafantasten von einem Einheitsstaat träumen, gehen die Massen für die Aufsplittung auf die Straße

Die Aufsplittung von Nationalstaaten wird Europa sogar stärken.

Kein Volk in Europa soll mehr unter der Knechtschaft eines anderen Volkes leiden müssen, sondern selbstbestimmt und unabhängig seine starke Stimme in Europa ertönen lassen.

Freiheit für Flandern, Schottland, Katalonien und Südtirol!!!

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Freiheit für die Völker!!

Freiheit für Katalonien, Flandern, Schottland, Nordirland, Südtirol und Bayern!!

Re: Freiheit für die Völker!!

Die EU-Verträge wo jedes Land (Mitglied) und sei es auch noch so klein, jeweils eine Stimme hat lassen diese Bestrebungen als sehr vernünftig und vorteilhaft erscheinen - ob unter dem Schlagwort "Freiheit" oder einfach aus wirtschaftlichem oder politischem Kalkül

Antworten Gast: Deaf-Puma1
12.09.2012 07:33
0 0

Re: Freiheit für die Völker!!

Was hat mit Bayern zu tun?Träumer

Gast: noch einer
12.09.2012 00:51
2 2

Cui bono ?

Wurde bisher jede Abspaltungsbewegung in Europa von Politik und Medien strikt abgelehnt und bekämpft bekommt nun diese Abspaltungsbewegung mediale Unterstützung .

Unübersehbar steht auch die Schwächung der Nationalstaaten gegenüber internationalen Machtinteressen am Programm .

Gast: ites
11.09.2012 23:44
0 0

It's the economy, stupid

Spanien fast ruiniert, Katalonien floriert - zählt eins und eins zusammen. Am Boden bleiben sollen die schon, denn eines der größten Wirtschaftsmächte? Das glauben die selber nicht.

Jetzt wird's spannend


Volk abstimmen lassen

Wenn das Volk einen eigenen Staat will, soll es dies in einem Volksentscheid kundtun können.

Dasselbe gilt im Übrigen für Schottland und Südtirol.

Re: Volk abstimmen lassen

ich zweifle sehr daran, dass Südtirol da großes Interesse hat solange sie ihre derzeitige Autonomie beibehalten dürfen

Re: Re: Volk abstimmen lassen

Das glaube ich schon, dass Südtirol gerne absolut unabhängig wäre!

Es gibt ja auch diverse Bewegungen in diese Richtung. Stichwörter: Südtiroler Freiheit, Freistaat Südtirol, ....

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Re: Volk abstimmen lassen

Wenn es für den Kosovo funktionniert hat, warum nicht?

Antworten Gast: Und.
12.09.2012 07:43
2 0

Und

Und auch Wien. "Österreich" sollte abstimmen ob Wien weiter dazugehört!

Re: Und

Richtig! Vor allem die Oberösterreicher, Vorarlberger, Salzburger und Steirer sollten sich mal Gedanken darüber machen, ob sie den Wasserkopf Wien wirklich für alle Zeiten mitfinanzieren wollen.

Wien wird extrem subventioniert von den wirtschaftlich gesunden Bundesländern!