Ein Film über den Propheten Mohammed hat in der Nacht auf Mittwoch heftige anti-amerikanische Ausschreitungen in Ägypten und Libyen ausgelöst. In der libyschen Stadt Bengasi stürmten bewaffnete Islamisten das US-Konsulat. Sie feuerten mit Gewehren auf das Gebäude und legten Feuer. Laut dem arabischen Fernsehsender Al-Arabiya wurden auch Panzerfäuste eingesetzt.
Libyens Vizeregierungschef Mustafa Abu Shagour bestätigte Mittwochmittag den Tod von Botschafter Christopher Stevens im Kurznachrichtendienst Twitter, kurz darauf folgte die Bestätigung durch das Weiße Haus. Ein libyscher Regierungsvertreter sprach von einem Raketenangriff.
Auch der arabische TV-Sender Al Jazeera meldete unter Berufung auf libysche Sicherheitskräfte, dass vier Diplomaten getötet wurden - unter ihnen der Botschafter.Dreistündiges, "feiges Verbrechen"
"Die libyschen Sicherheitskräfte gerieten unter heftiges Feuer und waren auf die Intensität des Angriffs nicht vorbereitet", sagte ein Sprecher des Obersten Sicherheitskomitees. Die Ausschreitungen hätten etwa drei Stunden gedauert, danach habe sich die Lage beruhigt. Plünderer hätten das Chaos ausgenützt, um Tische, Stühle und Waschmaschinen aus dem US-Konsulat zu entwenden.
US-Außenministerin Hillary Clinton verurteilte den Angriff scharf und erklärte, sie habe mit dem libyschen Präsidenten Mohammed al-Magharif telefoniert, um den Schutz von Amerikanern in Libyen zu koordinieren. Al-Magarief habe die volle Unterstützung seiner Regierung zugesagt. In einer gemeinsamen Erklärung der libyschen Parlamentarier hieß es zu dem Anschlag: "Dies war ein feiges Verbrechen." Die Täter müssten unbedingt zur Rechenschaft gezogen werden. Auch US-Präsident Barack Obama verurteilte den "abscheulichem Angriff".
Kairo: Demonstranten hissen schwarze Fahne
In Kairo stürmten Demonstranten auf das US-Botschaftsgelände, rissen die US-Flagge herunter und hissten eine schwarze Fahne mit einer islamischen Inschrift. Vor dem Gebäude versammelten sich im Laufe der Nacht hunderte aufgebrachte Islamisten. Die Behörden schickten zusätzliche Sicherheitskräfte, um die Menge in Schach zu halten. Erst vor kurzem waren die Sicherheitsabsperrungen auf den Straßen rund um die Botschaft entfernt worden, nachdem örtliche Händler dies vor Gericht durchgesetzt hatten.
In Washington sagte US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland, die Botschaft arbeite mit ägyptischen Stellen zusammen, "um die Ordnung wiederherzustellen und die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen". Die Botschaft hatte zuvor in einer Erklärung "die fortgesetzten Bemühungen fehlgeleiteter Individuen, die religiösen Gefühle der Muslime zu verletzen", verurteilt.
Mohammed als Frauenheld und Mörder
Der Auslöser der Proteste war ein Filmtrailer mit dem Titel "Innocence of Muslims" ("Die Unschuld der Muslime"), der bereits seit Juli auf der Videoplattform "Youtube" kursiert. Darin wird der Prophet als Frauenheld, Kinderschänder und Mörder dargestellt sowie als "Bastard" beschimpft. Weiters nennt Mohammed einen Esel "das erste muslimische Tier".
Laut der "New York Times" hatte der Trailer wenig Aufmerksamkeit erhalten, bis in der Vorwoche eine auf Arabisch übersetzte Version davon auftauchte. Ein koptischer Christ aus Ägypten, der in den USA lebt und im Internet mit verbalen Breitseiten gegen Muslime aufgefallen sei, habe das Video auf seinem Blog veröffentlicht. Schließlich griffen Zeitungen und das Fernsehen in Ägypten das Thema auf.
Video-Produzent: "Ich bin wütend"
Produziert hat den Streifen ein US-Bürger mit israelischen Wurzeln. Sam Bacile, ein 52-jähriger Entwickler von Immobilienprojekten aus Kalifornien, bezeichnete den Islam im "Wall Street Journal" am Dienstagabend als "Krebs". Er habe den Trailer sowie den insgesamt zwei Stunden dauernden Film mithilfe von 60 Schauspielern und einer 45 Mann starken Crew produziert. Im Vorfeld hätte er dafür fünf Millionen Dollar (3,91 Millionen Euro) von rund einhundert jüdischen Spendern eingesammelt.
"Der Film ist ein politischer Film. Es ist kein religiöser Film", sagte er der Zeitung. Mit der negativen Reaktion habe er nicht gerechnet: "Es tut mir Leid für die Botschaft", erklärte er. "Ich bin wütend." Der vollständige Film ist bisher noch nicht gezeigt worden. Angebote für einen Vertrieb habe er bisher abgelehnt.
Pastor will Filmausschnitte in Kirche zeigen
Im Zusammenhang mit dem Video taucht ein weiterer Name auf, der mit islamfeindlichen Tendenzen in den USA in Verbindung gebracht wird: Pastor Terry Jones aus Florida. Jones hatte im Frühjahr 2011 mit der Verbrennung des Korans blutige Proteste in der islamischen Welt ausgelöst. Der evangelikale Pastor erklärte laut US-Medien, Ausschnitte des Films in seiner Kirche zeigen zu wollen. Der Film zeige "in satirischer Weise" das Leben Mohammeds und mache die "destruktive Ideologie des Islam" deutlich.
Terrorismusexperten weltweit befürchten nun weitere Ausschreitungen. Die höchste Gefahr drohe in Ländern mit militanten islamischen Rebellengruppen, teilte das auf die Beobachtung terroristischer Aktivitäten spezialisierte IntelCenter am Mittwoch in Alexandria bei Washington mit.
(APA/dpa/AFP)






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