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Libyen: Radikale töten US-Botschafter

12.09.2012 | 18:23 |  Von unserem Korrespondenten KARIM EL-GAWHARY (KAIRO) (Die Presse)

Salafisten in Bengasi und Kairo laufen Sturm gegen einen islamfeindlichen Film, in dem angeblich Mohammed verunglimpft werde. Eine Herausforderung für die neuen arabischen Regierungen.

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Es ist die neueste Episode, in der westliche Islamfeinde und arabische Salafisten einander die Steilvorlagen liefern. Am Anfang stand ein in den USA produzierter, für Muslime provokanter Film, am vorläufigen Ende stehen vier Tote im US-Konsulat in der ostlibyschen Stadt Bengasi, darunter auch der US-Botschafter in Libyen, Chris Stevens. Schon Mittwochmorgen, also pünktlich zum Jahrestag der Anschläge des 11. September, machte in Kairo die Nachricht von einem in den USA produzierten Film die Runde, in dem Prophet Mohammed verunglimpft werde. Kurz darauf verbreitete sich ein vierzehnminütiger Trailer via Youtube, Facebook und Twitter. Im Netz kursieren eine englische und eine in ägyptischem Dialekt synchronisierte Version. Der billig produzierte Streifen zeigt einen verschlagenen Mohammed als irren, sexbesessenen Frauenhelden, der zu Massakern an Angehörigen anderer Religionen aufruft.

Attacke mit Panzerfäusten

Wie beim Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen vor sechs Jahren blieb die pawlowsche Reaktion nicht aus: Salafisten-Fernsehkanäle riefen zu Protesten vor der US-Botschaft in Kairo auf. Mehrere tausend Menschen, meist Salafisten, zogen vor die Botschaft. Eine Gruppe Jugendlicher schaffte es, mit Leitern auf die Mauer zu klettern, in den Garten einzudringen und die wegen des 11. September auf Halbmast wehende US-Flagge herunterzuholen und zu verbrennen. Das Sternenbanner wurde durch eine schwarze Flagge ersetzt, auf der das muslimische Glaubensbekenntnis zu einem Gott und dem Propheten Mohammeds geschrieben stand.

Doch Kairo sollte für die US-Vertretungen in der Region nur ein Vorgeschmack sein. Im libyschen Bengasi attackierten Dienstagabend Bewaffnete, die sich als „Unterstützer der Scharia“ bezeichneten, mit Panzerfäusten das US-Konsulat und zündeten es an. Der zufällig anwesende US-Botschafter, Chris Stevens, und drei weitere Beamte des US-Außenministeriums starben. Und das ausgerechnet in der Stadt, in der der Aufstand gegen Diktator Muammar al-Gaddafi begann, und die der US-Luftwaffe zu verdanken hat, dass ein Rachefeldzug der Gaddafi-Truppen vor den Toren Bengasis gestoppt worden war. Am Mittwochabend wurde dann bekannt, dass es auch bis zu zehn Tote und Verletzte unter den libyschen Sicherheitskräften geben soll.

Gefahr für ägyptische Kopten

Der Islam sei ein „Krebsgeschwür“ erklärte der Produzent des zweistündigen Filmes, der die Unruhen ausgelöst hat. Sam Bacile, ein kalifornischer Immobilienunternehmer, hat das Drehbuch geschrieben. Auf seiner Webseite beworben, wurde der Film von Morris Sadek, einem im US-Exil lebenden, für extreme Ansichten bekannten ägyptischen Kopten.

Letzteres könnte die Spannungen zwischen Muslimen und koptischen Christen in Ägypten verschärfen, da einige radikale islamische Prediger die koptische Kooperation bei dem Film betonen. Ägyptens Kopten versuchen den Schaden zu begrenzen. Medhat Klada, der den Kopten-Organisationen in Europa vorsteht, bezeichnete Sadeks Positionen als „nicht für die koptische Exilgemeinden repräsentativ“. Sadek sei ein Extremist, der die Menschen in Ägypten gegen die Kopten aufhetze.

Auch die Maspero-Jugend, ein Zusammenschluss junger Kopten, die an dem Aufstand gegen Machthaber Hosni Mubarak teilgenommen hatten, ließen auf ihrer Facebookseite verlauten, dass Sadek weder den Mainstream des koptischen Patriotismus noch die Kopten in der Diaspora repräsentiere.

Anders, als der Streit um die Mohammed-Karikaturen findet diese neue Kontroverse in einer veränderten arabischen Welt statt. Zwar ist dort der Ärger über den Film groß, aber es ist die kleine und laute Minderheit der Salafisten, die den Fall für sich politisch zu nutzen sucht und das Gros der Demonstranten in Kairo und Angreifer in Bengasi stellt. Der gestützte ägyptische Diktator Mubarak hat die Salafisten als Schreckgespenst benutzt, auch während des Karikaturenstreits. Nach dem Motto: Wenn ihr keine Angriffe auf westliche Einrichtungen wollt, dann unterstützt mich.

Heute regiert in Ägypten mit Mohammed Mursi ein Präsident, der der Muslimbruderschaft entstammt und der die Regierungsverantwortung hat. Damit ist er auch für die Sicherheit der ausländischen Vertretungen zuständig. Noch versuchen sich die Muslimbrüder in einer Doppelrolle: Sie verurteilen den Film und rufen zu friedlichen Protesten auf. Ihr Sprecher Mohammed Ghozlan forderte die US-Regierung auf, sich zu entschuldigen und die Verantwortlichen zu bestrafen. Aber wollen die Muslimbrüder in Regierungsverantwortung bleiben, dürfen sie den Salafisten nicht den Islam auf der Straße überlassen.

Weckruf für neue Machthaber

Gleiches gilt für Libyens neue Regierung. Die Angriffe auf US-Einrichtungen sind für die neuen demokratisch gewählten arabischen Regierungen ein Weckruf, dass sie einer politischen Konfrontation mit den Salafisten auf Dauer nicht mehr ausweichen können. Neben der wirtschaftlichen Situation wird das die größte politische Herausforderung für die neuen Herrschenden in Kairo und Tripolis.

Auf einen Blick

Chris Stevens, US-Botschafter in Libyen, wurde Dienstagabend bei einer Attacke auf das amerikanische Konsulat in der ostlibyschen Stadt Bengasi getötet. Aus Wut über einen für Muslime provokanten US-Film schossen die Angreifer Raketen in das Gebäude. [AP]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2012)

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238 Kommentare
 
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Gast: Shalom
13.09.2012 14:32
1 1

In der Europäischen Union wird spekuliert, ob nicht der republikanische Wahlkampf hinter dem Angriff auf den Botschafter stecken könnte.


Gast: ach ja
13.09.2012 13:25
8 3

und?

Alkaida = USA

Die brauchen einen neuen Feind und der wird hurtig "produziert"!

Nur Vollkoffer gehen denen bei diesem Spiel auf den Leim ...

"Unser" Spindelegger kann daher entweder nur ein solcher oder ein Agent der Besatzer sein ...

Wer die eigenen Leute in Neu York in die Luft sprengt um dieses Zeil zu erreichen wird sich auch wegen eines popeligen Botschafters nichts groß antun ...

Gast: Friendly fire
13.09.2012 13:05
11 0

Bedauerlich - hat sich gerade dieser Botschafter

der als Freund Libyens galt, für die Bewaffnung der lokalen Demokraten gesetzt hat.

Gast: Aus schönen Zeiten
13.09.2012 12:32
1 0

Milliardenhilfe für Libyen rollt an

Familienbild der Guten (Sept.11)
http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/gemeinsam-fuer-ein-neues-libyen-1.12281036

"gibt es Bedenken, dem Übergangsrat Milliardensummen auszuhändigen, denn dieser ist zerstritten und schlecht organisiert."

Antworten Gast: dog_the_dog
15.09.2012 12:53
1 0

Re: Milliardenhilfe für Libyen rollt an

Milliarden schulden meinst du Europa hatte 200 Milliarden Schulden an Libyen, unglaublich das viele von euch null Ahnung von der tatsächlichen Geschichte des Libyenkrieg haben, Wasserprojekt ist komplett zerstört 25 jahre arbeit, folgende Staaten waren es Libyen, Ägypten Sudan, Tschad usw., das komplette Projekt in Libyen wurde zerstört, denkt einmal und fängt an Geschichte zu lesen

Gast: Was einem zum US-Regime einfallen könnte
13.09.2012 12:27
8 1

Wer Wind sät, wird Sturm ernten!


Antworten Gast: Drohnenbeobchter
13.09.2012 17:17
1 0

Re: Wer Wind sät, wird Sturm ernten!

Genau. Die haben da unten ein wenig "Wind" gemacht und jetzt werden sie die Drohnenstürme über ihren Häuptern zu spüren bekommen. Und wie aus dem Nichts werden aus 10.000 Meter Höhe die Raketen in die Ausbildungslager und Unterkünfte der Radikalen einschlagen, sie aus ihren Fahrzeugen pusten, wenn sie unterwegs sind.

Gast: Noch ein Opportunist
13.09.2012 12:25
15 0

Herr Spindelegger

hat den bewaffneten Regierungssturz unterstützt und den islamistischen "Aktivisten" persönlich gratuliert. Ist dieser NATO-Opportunisten nicht zu stoppen bevor er uns alle reinzieht?

http://www.heute.at/news/politik/art23660,609175

Gast: da schaust
13.09.2012 12:21
4 0

ist alles so ...

..wie immer,zuerst werden Waffen und Geld geliefert nebst militärischer Unterstützung;Und dann wird den Kriegstreibern die Rechnung präsentiert!

14 1

Bin schon gespannt, wie viele Magetonnen an NATO-Bomben es braucht,

bis Lybien nach den Vorstellungen der NATO funktioniert.
In vielen Staaten hat das bekanntlich nie funktioniert (Nordvietnam, Afghanistan, Laos, Kambodscha, Iran............
Und vor allem: Sehr bald werden die Chinesen billigere Bomben in größerer Menge produzieren als die USA.
Was dann?

Antworten Gast: Nahostreisender
13.09.2012 17:19
1 0

Re: Bin schon gespannt, wie viele Magetonnen an NATO-Bomben es braucht,

Du bist auch mehr ein Blitzky denn ein Gneisi.
Träum weiter so deinen harmlos-naiven Träume.

Gast: noch einer
13.09.2012 11:35
15 1

Was kommt in die Medien ?

Die Flugverbotszone gegen Libyen ,
mit ihren vielen tausenden Bombenangriffen
hat an die 80 000 Libyer das Leben gekostet.

Und nach Drohnenm.rden der USA in Pakistan schickt Pakistan jedes mal einen Flugzeugträger vor die US Küste ?

Na so was

das alles nur wegen an Blöden Film Menschen töten im Name des Glaubens wie Lange wie viel Jahrzehnte geht das noch das Morden 2012 bis 3213 ?

Amerikaner müssen aber viele Kriegsschiffe haben!

Die Sache kann mit Kriegsschiffen nicht geklaert werden. Amerika sollte ihre Boschaften aus allen muslemischen Laendern abziehen!

Antworten Gast: Seydali
13.09.2012 13:02
5 3

Re: Amerikaner müssen aber viele Kriegsschiffe haben!

Ja, richtig! Aber nicht nur die Botschaften
sondern seiner Truppen auch! Soll aufhören jeden Tag Muslime umzubringen und ihre Bodenschätze zu klauen.

Na, sowas aber auch...

"Spekuliert wird, dass die al-Qaida hinter dem Angriff stehen könnte."

Aha, jetzt auf einmal sind sie wieder die Bösen. Damals, als man ihnen für den Sturz von al-Gaddafi den Weg freigebombt hat, konnte man wohl noch nicht wissen...

Wenn Obama Cojones hätte, würde er sich wenigstens jetzt einsichtig zeigen und den Spruch von Winston Churchill, "Wir haben das falsche Schwein geschlachtet", ablassen... ;-)

Für die Destabilisierung


der gesamten Region sind doch die Amerikaner verantwortlich!

Beinahe alle Regierungschefs wurden ermordet und dem Islamistenmob wurde die Macht überlassen!

Das war offenbar der Plan, um einen größeren Krieg zu provozieren!


Gast: We came, we saw, he died
13.09.2012 10:34
14 0

Hillary Clinton zum Tod Gaddafis

Das hat der Tod der Frau Clinton aber viel Spass gemacht:

http://www.youtube.com/watch?v=Fgcd1ghag5Y

Antworten Gast: Blasius Bullenbeisser
14.09.2012 06:44
3 0

Re: Hillary Clinton zum Tod Gaddafis

Clinton über Iran:

http://www.youtube.com/watch?NR=1&feature=endscreen&v=08n4bj1Mz4A

http://www.youtube.com/watch?v=FTFyPigtjsc

Diese Psychopathen besitzen selber Tausende Atomwaffen und haben sie auch schon an 100.000en japanischen Zivilisten ausprobiert.

Sehr beunruhigend dieser Gedanke.

Und der Iran, der Niemandem mit Angriff oder Auslöschung gedroht hat und in den letzten 100 Jahren kein einziges Land angegriffen hat wird als "größte Bedrohung für den Weltfrieden" hochstilisiert und zwar von denen, die die wirkliche Bedrohung für den Weltfrieden darstellen und dargestellt haben, die letzten Jahrzehnte.

Antworten Gast: noch einer
13.09.2012 11:38
10 0

Re: Hillary Clinton zum Tod Gaddafis

Barbaren ....
der Gaddafi wurde nach seiner Gefangennahme mit einem Messer penetriert und gepfählt

Mit der verbleibenden Supermacht ins tiefste Mittelalter

Gast: Laurich M
13.09.2012 10:31
0 5

Was soll die Aufregung

Im Gegensatz zu Österreich stehen die Amerikaner zu ihren Diplomaten.
Wäre es ein Österreicher gewesen, würde man von einem bedauerlichen Unfall sprechen.

1 0

Re: Was soll die Aufregung

Na ja, schon gut, schon gut!
Was bliebe uns denn sonst über? Wir haben ja keine Flugzeugträger, sollten wir stattdessen vielleicht ein Ruderboot aus der Alten Donau hinschicken?

Gast: freerider
13.09.2012 10:22
4 0

Wann stehen wir auf?

FÜR DEN FRIEDEN!!!

Ich will keinen Krieg. Nein, ich will keinen Krieg!!!

Wo fang ich an, was soll ich machen?! Ich bin für den Frieden!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

http://www.youtube.com/watch?v=JmtQVCOih6A&feature=related


Gast: sisterle
13.09.2012 10:17
9 0

Die APA hat spekuliert ...

... dass Gaddafi Leute für den Angriff verantwortlich seinen. Das Geschmeiss, das mit Hilfe der Amis an die Macht gekommen ist, beißt jetzt die Hand, die sie gefüttert hat.

Gast: gast53
13.09.2012 10:16
4 0

na hoffentlich kann der Zerstörer jetzt Libyen befreien, Frieden stiften, und dann ist alles wieder gut


CFR Strategen

haben doch gerade die Arbeit von Alquaida in Syrien gelobt - das good cop bad cop Spiel ist schon was Schönes um die Leute zu verwirren!Tja die humanitäre Aktion in Lybien ist gleich erfolgreich wie in Agfghanistan und Iraq...

 
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