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Krankenkassen: Deutsche Ärzte stimmen für Streik

13.09.2012 | 17:55 |   (Die Presse)

Um in den Verhandlungen mit den Krankenkassen höhere Honorare zu erkämpfen, sollen in Deutschland noch im September Praxen geschlossen bleiben. Genau genommen ist das kein Streik, denn der wäre verboten.

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Berlin/Gau. Was Piloten und Stewardessen so gut beherrschen, proben jetzt auch die niedergelassenen Ärzte in Deutschland: Sie drohen mit Streik. Weil sie sich in den Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen nicht durchsetzen konnten, haben sie nun in einer Urabstimmung Kampfmaßnahmen beschlossen. Drei Viertel stimmten für Praxisschließungen noch im September. Genau genommen ist das kein Streik, denn der wäre verboten. Notfälle müssen versorgt werden, die Praxen sind also besetzt. Aber alle Patienten ohne akute Beschwerden müssen sich auf verschlossene Türen und lange Wartezeiten einstellen.

Im August hatten Kassen und Ärzte für 2013 verhandelt. Die Ärzte forderten plus elf Prozent, die Kassen wollten die Honorare hingegen um sieben Prozent kürzen. Ein Gesundheitsökonom als Schlichter setzte ein mageres Plus von knapp einem Prozent fest. Die Kassen waren damit zufrieden, die Ärzte stinksauer. Am Samstag wird nun über die Menge der vergütbaren Leistungen verhandelt, was den Konflikt noch lösen könnte.

Mehr Kosten, mehr Einnahmen

Wie aber kam es zu so konträren Forderungen? Weil die Kassen in den beiden letzten Jahren Defizite zu befürchten hatten, mussten die Mediziner auf Erhöhungen verzichteten. Nun melden die Kassen hohe Überschüsse und die Ärzte fordern einen Ausgleich für Inflation und Kostensteigerungen für drei Jahre. Die Kassen kontern mit einem Gutachten, wonach die Einnahmen zwischen 2007 und 2011 weit stärker stiegen als die Ausgaben – nämlich um 29 Prozent. Das scheint schwer zusammenzupassen. Des Rätsels Lösung: Die Menschen werden im Schnitt älter und behandlungsbedürftiger, Ärzte haben also mehr zu tun. Deshalb Honorare zu senken, meint ein Ärztevertreter, „ist so, als ob man der Feuerwehr das Geld kürzen würde, weil es mehr Brände gibt.“

In Summe geht es den deutschen Ärzten nicht schlecht. Allerdings gibt es gewaltige Unterschiede: Radiologen, Internisten oder Orthopäden verdienen sich oft eine goldene Nase. Hausärzte hingegen, die mit wenig Technik arbeiten, werden zuweilen sogar von Existenzängsten geplagt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2012)

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