Die Nato schränkt ihre Zusammenarbeit mit den afghanischen Sicherheitskräften deutlich ein. Künftig sollten gemeinsame Patrouillen und die Ausbildung im Allgemeinen nur noch ab einer bestimmten Truppenstärke erfolgen, teilte die Nato-geführte Isaf-Truppe am Dienstag mit. Die Zusammenarbeit kleinerer Einheiten soll hingegen "von Fall zu Fall bewertet und vom Regionalkommando beschlossen werden". Die Nato reagiert damit auf die sich zuletzt häufenden Anschläge afghanischer Soldaten oder Polizisten auf die internationalen Truppen.
Der Kommandant der Nato-Truppen in Afghanistan, US-General John Allen, habe "alle Einsatzkommandeure angewiesen, die Schutzeinsätze und taktischen Aktivitäten im Lichte der aktuellen Situation neu zu bewerten", hieß es aus US-Militärkreisen. Betroffen von der Anordnung ist den Angaben nach "die große Mehrheit" der 350.000 Mitglieder der afghanischen Sicherheitskräfte.
Gefahr durch Mohammed-Video gestiegen
Wie die Isaf mitteilte, wird das sogenannte Partnering künftig in der Regel auf Bataillonsebene oder höher stattfinden. Kleinere Einheiten benötigten nach Einzelfallprüfungen eine Sondererlaubnis ihrer jeweiligen Regionalkommandos. Die Bedrohungslage habe sich auch wegen des islamfeindlichen Mohammed-Videos verschärft. Im Feld arbeiteten bisher vor allem kleinere Einheiten zusammen, die etwa gemeinsam auf Patrouille gehen. Das "Partnering" ist ein Kernelement der Nato-Strategie in Afghanistan.
Die nunmehrige Entscheidung wird als Rückschlag für die Bemühungen der Nato gewertet, die afghanischen Kräfte für ihren künftigen Einsatz nach dem Abzug der ausländischen Truppen bis 2014 fit zu machen. Die afghanischen Streitkräfte und die Polizei sollen in die Lage versetzt werden, selbst für Sicherheit im Land zu sorgen.
Hintergrund der Entscheidung ist die steigende Zahl von Angriffen afghanischer Sicherheitskräfte auf Nato-Mitarbeiter. Allein in diesem Jahr kamen mindestens 51 Nato-Soldaten bei Angriffen durch afghanische Polizisten oder Soldaten ums Leben. Verglichen zum Vorjahr ist dies ein Anstieg um 40 Prozent. Der Befehl wurde erlassen, nachdem am Wochenende erneut ausländische Soldaten bei Angriffen durch afghanische Polizisten getötet worden waren.
(APA/AFP/Reuters/dpa)
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