Kairo/Damaskus. Ban Ki-moon sieht kaum noch Hoffnung. „Leider scheinen beide Seiten entschlossen, bis zum bitteren Ende zu kämpfen“, klagte der UN-Generalsekretär. „Militärische Mittel aber werden keine Lösung bringen.“
Immer mehr Teile Syriens versinken in Schutt und Asche, eine Menschenrechtsorganisation beschreibt Stadtteile in Damaskus und Aleppo inzwischen als „Desasterzonen“. Und trotzdem kann das Assad-Regime weiterhin auf die Rückendeckung seiner Verbündeten, Russlands, Chinas und des Iran, rechnen, während die Türkei, Katar und Saudiarabien die „Freie Syrische Armee“ mit Waffen versorgen. Und so nimmt der Bürgerkrieg immer mehr Züge eines erbarmungslosen Showdowns zwischen regionalen Kontrahenten an.
Die Schlacht sei nicht nur ein Angriff auf Syrien, sondern auf die gesamte „Achse des Widerstands“, tönte al-Assad nun beim Besuch des iranischen Außenministers Ali Akbar Salehi in Damaskus. Zu diesem Dreierbund, der sich als Bollwerk gegen Israel und den US-Einfluss in der Region versteht, zählen sich Syrien, der Iran und die Hisbollah. „Syrien hat starke, solide Beziehungen mit dem Iran“, bekräftigte Salehi dann auch im Gegenzug, räumte aber ein, Syrien stehe „vor einem Problem, das hoffentlich gelöst werden kann“.
Wie sich der Iran die Lösung vorstellt, darin sind die Machtzentren der Islamischen Republik offenbar zunehmend gespalten. Dem politischen Establishment dämmert, dass das Baath-Regime auf Dauer nicht mehr zu halten ist. So lotete Außenminister Salehi diese Woche in Kairo und Damaskus das ägyptische Angebot einer regionalen Kontaktgruppe bestehend aus der Türkei, dem Iran, Ägypten und Saudiarabien aus, obwohl Ägyptens Präsident Mohammed Mursi kategorisch den Sturz von Bashar al-Assad fordert. Irans Parlamentspräsident Ali Larijani traf sich kürzlich in Teheran mit Vertretern der syrischen Opposition.
Dagegen setzen die Revolutionären Garden, die dem Obersten Religionsführer Ali Chamenei unterstehen, allein auf die militärische Karte. Seit Juli hat Teheran nach Erkenntnissen westlicher Geheimdienste seine Transporte an Waffen und Personal ausgeweitet.
Waffen und Berater
An den Transporten beteiligt sind nach westlichen Erkenntnissen 117 iranische Zivilflugzeuge der Gesellschaften Iran Air, Mahan Air und Yas Air. Den Hauptteil des Nachschubs wickeln vor allem zwei Boeing-747 von Iran Air und Mahan Air ab, die in dem Geheimreport mit ihrer internationalen Flugkennung identifiziert werden.
„Nahezu täglich kommen Flugzeuge aus dem Iran via Irak nach Syrien, an Bord sind Revolutionäre Garden sowie tonnenweise Waffen für die syrische Armee und die Regimemilizen, die gegen die Rebellen kämpfen”, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters aus dem Text. Zusätzlich passieren zahllose iranische Lastwagen den Irak in Richtung Syrien, seit die Türkei alle Transporte blockiert.
Besonders verheerend seien nach Berichten von Augenzeugen vom Iran gelieferte primitive „Fässerbomben“, also schlichte Fässer, die mit 250 Kilogramm TNT sowie Benzin und Öl gefüllt sind. Sie werden von Hubschraubern über Wohnvierteln abgeworfen, um Artilleriemunition zu sparen.
Kürzlich hat der Kommandeur der Revolutionären Garden, Generalmajor Mohammad Ali Jafari, erstmals öffentlich zugegeben, dass Einheiten der al-Quds-Brigaden, die für Auslandseinsätze trainiert sind, in Syrien „als Berater“ agieren: „Das erfüllt uns mit Stolz.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2012)
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