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"Haben Angst, dass Soldaten unsere Frauen vergewaltigen"

21.09.2012 | 15:25 |  Von unserer Korrespondentin ANNA MAYUMI KERBER (Die Presse)

An der Küste Kenias tobt seit Wochen ein blutiger Kampf zwischen Stämmen um Land. Jene Sondertruppen, die das Gebiet befrieden sollen, werden aber immer mehr selbst zur Konfliktpartei.

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Mitten in einer Landschaft von Palmen, Reisfeldern, Bananenstauden, Mangobäumen und gelb-grünen Graslandschaften liegt das Dorf Ozi gespenstisch verlassen. Die Wände der Lehmhäuser sind verkohlt, die Dächer abgebrannt, niemand ist zu sehen. Erst nach einer Weile wagen sich vereinzelt einige junge Männer aus dem umliegenden Wald hervor, wo sie sich versteckt hatten. Sie tragen zerrissene Kleidung - und Macheten.
„Nun können wir nirgends hin", sagt ein Bursch namens Mtanza Kichao. Aus den umliegenden Dörfern seien etwa 5000 Menschen, vor allem Frauen und Kinder, auf eine Insel im Tana-Fluss vor den Angreifern geflohen. Es waren Kämpfer einer polizeilich-militärischen Spezialtruppe.

„Wir Männer haben Angst, dass die Soldaten unsere Frauen vergewaltigen", sagt der Bursch. Und man fürchte, dass die Angreifer zurückkehren könnten - also jene paramilitärische Einheit namens „GSU" (General Service Unit), die eingesetzt wurde, nachdem bei Massakern im Tana-Delta an der Küste Kenias nahe Mombasa in den vergangenen Wochen mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen waren - oft auf grausame Weise, etwa indem man sie zerhackte oder verbrannte. Dabei ging es um Racheakte zwischen im Delta lebenden Volksgruppen, den Pokomo und Orma, die um Land streiten. Auch mindestens neun Polizisten starben.

Begonnen hatte das Drama in Ozi vergangenen Montag. Mtanza Kichao schildert, wie über 400 Soldaten mit Fahrzeugen und einem Helikopter kamen und das Dorf anzündeten. Medien und dem Roten Kreuz wurde der Zugang verwehrt. Nicht zuletzt deswegen drängt nun auch der Parlamentsabgeordnete der Tana-Region auf eine Untersuchung des Falles.

Rund 1800 zusätzliche Soldaten und Polizisten wurden zuletzt in der Region stationiert. Sie sollen die Lage sichern, Täter der früheren blutigen Fehden fassen und illegale Waffen konfiszieren.

Mohamed Abdallah ist außer sich. In Kipini, dem Fischerdorf in dem er lebe, habe soeben eine „Säuberungsaktion" stattgefunden. „18 oder 20 Soldaten haben mir die Tür eingetreten, das Fenster zerstört." Er habe gerade das Schloss für den Riegel an seiner Holztüre öffnen wollen, da stießen ihn die Männer zur Seite, traten die Tür ein und nahmen seine kleine Bleibe auseinander. Eine Schüssel liegt umgekippt am Boden, Reis ist überall verteilt, ebenso Kleidung. „Die Ohrringe meiner Schwester haben sie auch mitgenommen", fügt der hagere Mittzwanziger hinzu.

Als der Konvoi mit Hunderten Soldaten gegen Mittag wegfährt, haben sie knapp 50 Männer, teils junge Burschen, dabei, darunter auch den Bruder des Häuptlings. Kaum eine Stunde später laden Männer im Ort einen Mann von einem Auto ab, er windet sich vor Schmerzen, kann nicht mehr gehen und kaum sprechen. Die Soldaten hätten ihn und andere Verhaftete verprügelt und auf die Straße gestoßen. Die anderen Männer kehren nach und nach in Gruppen zurück, zu Fuß, mit starrem Blick.

Eigentlich hätten die GSU-Truppen, die unter anderem die Präsidentengarde stellen und in manchen Einheiten von israelischen Offizieren in der Aufstandsbekämpfung trainiert werden, Frieden stiften sollen. Jetzt besteht allerdings die Sorge, dass das Vorgehen der Truppe noch mehr Aggressionen anfachen könnte.

Immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen den sesshaften Pokomo und den viehtreibenden Orma um Weideflächen und Wasser. Dabei sei das nicht immer so gewesen, wie Omar, der seit 50 Jahren in Ozo lebt, sich erinnert. „Als ich jung war, lebten die Ormas weit weg. Wenn es trocken war brachten sie ihr Vieh, und wir ließen sie auf unseren Ländereien grasen", sagt er mit sanfter Stimme. Das habe seit Kolonialzeiten her so funktioniert und sich erst in den 1980ern geändert: „Da kam nämlich die Politik ins Spiel."

Welcher Volksgruppe in Kenia ein Politiker angehört, kann nämlich ausschlaggebend sein, ob eine Straße zu einem Dorf gebaut wird, wer Subventionen erhält, welche Ländereien von wem verwaltet werden oder welche vielleicht an Investoren verkauft werden. Im rund 40.000 km2 großen Tana-Delta (also rund die Hälfte der Fläche Österreichs) gibt es vermehrt auch internationale Investoren. Der kenianische Anti-Korruptionsexperte John Githongo erklärt das Problem so: „Das (das gegeneinander Ausspielen von Volksgruppen und Stämmen, Anm.) machen sie immer mit kenianischen Geschäftspartnern, und die wiederum sind immer mit hiesigen Politikern verhabert." Und es gebe verschiedene Methoden, Menschen von Grundstücken wegzubringen. Ob das in Ozi der Fall war, also eine gezielte Vertreibung, kann im Moment noch keiner sagen.

Zwei vermeintliche Massengräber, die man nur wenige hundert Meter von Ozi entfernt fand, geben indes neue Rätsel auf: Als sie am Donnerstag geöffnet wurden, fand man darin nämlich nichts - bis auf einen einzelnen menschlichen Fuß und Hautreste, zudem stank es nach Verwesung. Das Rote Kreuz und die Polizei vermuten, dass die Körper von mindestens 20 vermissten Menschen in diesen Gräbern lagen, aber zwischenzeitlich heimlich beiseite geschafft wurden, um Beweismittel zu vernichten.

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4 Kommentare
Gast: gast1984
21.09.2012 21:58
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UNODA und IANSA gebt den Frauen die Waffen wieder zurück!

Frauen haben ein Recht sich gegen Gewalt zu verteidigen!

Antworten Gast: gast1985
22.09.2012 11:44
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Re: UNODA und IANSA gebt den Frauen die Waffen wieder zurück!

Können sich eh verteidigen - mit den "Waffen einer Frau".

Antworten Antworten Gast: gast1984
22.09.2012 18:56
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Re: Re: UNODA und IANSA gebt den Frauen die Waffen wieder zurück!

Wie das funktioniert liest man in der Zeitung!

zuerst soll man auf Befehl (die Anderen) unterwerfen und dann nicht einmal die Frauen als Beute haben dürfen ???

(gegen ein Berufsheer und für ein Dienstjahr mit freier Tätigkeitswahl für Burschen und Mädchen)