NAIROBI/MOGADISCHU. Drei Tage zuvor saß Abukar Albadri mit seinen ehemaligen Kollegen im „The Village“, einem Restaurant in Mogadischu, das nun in Trümmern liegt. Nur wenige Stunden vor dem Anschlag habe er mit einem der Opfer, Liban Ali Nur, SMS ausgetauscht. „Als ich von der Explosion hörte, habe ich versucht ihn anzurufen.“ Ohne Erfolg. Von einem Kollegen erhielt er dann die Nachricht, dass sein Freund tot sei.
Insgesamt wurden bei dem Selbstmordattentat in einem Luxusrestaurant in Mogadischu in der Nacht auf Freitag mindestens 20 Menschen getötet und 30 weitere verletzt. Die radikal-islamische Terrororganisation al-Shabaab hat sich zu dem Anschlag bekannt. „Es war ein unglaublicher Schock“, so Albadri. Natürlich wisse auch er, dass Journalisten in Somalia ein deklariertes Ziel der Terrorgruppe seien. Immerhin habe er genau aus diesem Grund seinen Beruf aufgegeben.
Sein Freund Liban Ali Nur und ein befreundeter Kollege waren noch auf dem Parkplatz vor dem Restaurant, „als ein Mann eine Waffe aus einem Plastiksack zog“, so Albadri. „Er erschoss beide.“ Als daraufhin die Gäste des Lokals in Panik gerieten und zu flüchten begannen, habe sich der erste der drei Attentäter in die Luft gesprengt. Es folgte eine zweite Explosion im Garten. Eine dritte im Gebäude selbst. 2012 gilt bereits als das Jahr, in dem die meisten Medienschaffenden in Somalia umgekommen sind.
Albadri hat viele Jahre als Journalist und Fotograf für lokale und internationale Medienorganisationen gearbeitet – bis August 2007. Damals wurde sein Freund Mahad Ahmed Elmi, ein bekannter Radiomoderator, erschossen. Albadri sollte der Nächste sein. „Ich erhielt einen Anruf“, erzählt er. „Abukar, ich rufe an, um dir zu sagen, dass wir beschlossen haben, dich umzubringen. Du hast es nicht verdient zu leben.“ Fünf Tage habe er sich versteckt, weitere Drohungen folgten. Dann floh er – zuerst nach Dschibuti, durch Uganda nach Kenia und schließlich nach Schweden. Nicht als Asylant, sondern auf Einladung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, für die er bis 2011 arbeitete.
Kein Interesse an Aufklärung
Die Übergangsregierung in Somalia hätte kein Interesse daran gezeigt, die Morde an Journalisten zu untersuchen. Nun aber hat Albadri Hoffnung. Im August gab es in Somalia die ersten Wahlen seit den Achtzigern, vergangene Woche wurde Hassan Sheikh Mohamud zum Präsidenten angelobt. Noch immer sind weite Teile des Landes in der Hand von Terrormilizen. In den letzten Monaten gelang es internationalen Truppen, diese weiter zurückzudrängen. Mit der Eroberung der Stadt Kismayo, 50 Kilometer südlich von Mogadischu, konnten sie einen weiteren Erfolg verzeichnen. Albadri darf hoffen, eines Tages wieder als Journalist arbeiten zu können.
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