Die syrische Armee hat nach Angaben eines Kommandanten der Rebellen mittlerweile die Kontrolle über den Großteil des Staatsgebiets verloren. Einzig die Überlegenheit des Militärs in der Luft halte die Führung noch an der Macht, sagte der Rebellenoberst Ahmed Abdel Wahab am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP in der Ortschaft Atma nahe der türkischen Grenze. Er ist nach eigenen Angaben Kommandant einer Brigade von rund 850 Kämpfern der Freien Syrischen Armee (FSA). "Ob mit oder ohne ausländische Hilfe - der Fall des Regimes ist eine Frage von Monaten, nicht von Jahren", sagte er.
Würden die Rebellen über effiziente Panzerabwehr- und Flugabwehrgeschütze verfügen, würden sie "sehr schnell überlegen sein", sagte Wahab. Doch auch, wenn das Ausland die Aufständischen nicht mit solchen Waffen unterstütze, würden sie letztlich siegen: "Dann dauert es nur länger, das ist alles." Den Angaben des Kommandanten zufolge kontrollieren die Aufständischen mittlerweile die meisten Regionen des Landes, wo die Soldaten nur noch "Gefangene in ihren Kasernen" seien und diese nur selten verließen. Zudem könnten sich die Aufständischen außer im Großraum Damaskus "frei bewegen".
Wahab desertierte nach eigenen Angaben vor neun Monaten, blieb aber in Kontakt mit Offizieren, die noch immer bei der regulären Armee dienen. Die Moral bei den syrischen Streitkräften sei "sehr schlecht", sagte Wahab. Viele sunnitische Militärs trauten sich aus Angst um ihre Familien nicht, zu den Aufständischen überzulaufen. Die Angaben sind wegen der Einschränkungen für Reporter in Syrien nur schwer zu überprüfen.
210 Tote an einem Tag
Am Samstag sollen in Syrien mindestens 210 Menschen getötet worden sein, darunter 145 Zivilisten. Die meisten Toten gab es Menschenrechtsbeobachtern zufolge im Großraum Damaskus und in der nordsyrischen Millionenmetropole Aleppo. Auch am Sonntag wurden wieder Gefechte gemeldet. Nach Angaben von Aktivisten brachen erneut Kämpfe in Aleppo sowie in der Provinz Daraa aus.
Die staatliche Nachrichtenagentur Sana verkündete die Freilassung von 121 Regimekritikern aus Aleppo, die "keinen Mord begangen" hätten. Auch in den Protesthochburgen Homs und Hama seien in den vergangenen Tagen Dutzende Gefangene auf freien Fuß gesetzt worden. Meldungen aus Syrien sind wegen der Medienblockade von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.
(APA/dpa)
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