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Gefangen in Assads Geheimdienstnetz

26.09.2012 | 18:16 |  CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Wie 17 Nachrichtendienste und eine Million bezahlte Informanten das Regime absichern. Ein militärischer Umschwung werde erst möglich sein, wenn die „Freie Syrische Armee“ schwere Waffen zur Verfügung habe.

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Wien. Seinen 43. Geburtstag hat sich Zaher Saadaldin anders vorgestellt. Da sitzt er nun in seiner schwarzen Wolljacke im Café Westend auf dem Wiener Gürtel, trinkt Earl Grey und gibt ein Interview. Vor Kurzem noch war der Syrer groß im Geschäft. Er entwickelte Immobilien in Damaskus, kaufte Häuser, renovierte sie und verhökerte sie wieder. Dafür brauchte er gute Kontakte zum Assad-Clan. Aber das war kein Problem. Denn Zaher Saadaldin stand unter dem Schutz der Herrscherfamilie. „Für sie gelte ich heute als Verräter.“

Das Verhältnis verschlechterte sich schlagartig, als er begann, politisch aktiv zu werden und im Februar sogar seine eigene Bewegung gründete: die „Nationale Entwicklungspartei“. Ab diesem Moment schloss er nähere Bekanntschaft mit dem syrischen Geheimdienst. „In Damaskus gibt es mehr Geheimdienststellen als Bäckereien“, erzählt er. Das System erinnert an die Blockwarte der Nazis. An jeder Ecke lauern Informanten, oft kleine Händler. Und in den Kellern ihrer Geschäfte befänden sich oft kleine Gefängnisse. „Ich war drei Meter unter der Erde eingesperrt.“

Drei Mal war der smarte Immobilienhändler in Einzelhaft: für zwei Monate, für einen Monat, und einmal für zehn Tage. Er kam frei. Er hatte ja Beziehungen, und Syriens System ist korrupt. „Ich kann noch heute jeden aus dem Gefängnis freikaufen“, sagt er.

Das Problem sei zunächst aber immer, herauszufinden, wohin die Vermissten verschwunden sind. Denn in Syrien gebe es insgesamt 17 Geheimdienste mit unzähligen Sektionen, die sich gegenseitig kontrollieren. Saadaldin nimmt einen Zettel, zeichnet einen Kreis, und schraffiert eine Hälfte. „Syrien ist wie eine Torte“, sagt er. „50 Prozent des Geldes rinnt in die Geheimdienste und die Armee. Dafür beschützen sie Assad.“ Rund eine Million Syrer stehe auf der Gehaltsliste der Geheimdienste. „Ein normales Leben ist in dieser Gesellschaft nicht möglich. Wenn jemand laut an die Tür klopfte, hatte ich schon Angst“, sagt der Syrer.

 

Eiserne Schützenhilfe aus Iran

Zuletzt kamen auch noch die unberechenbaren Shabiha-Milizen hinzu. Als Saadaldin einen Drohanruf von ihnen bekam, wusste er, dass es Zeit war, das Land zu verlassen. Das ist jetzt zweieinhalb Monate her. Seither lebt er in Istanbul und unterstützt von dort die Revolution in seiner Heimat.

Schwer zu sagen, ob Saadaldin zuversichtlich oder pessimistisch ist. Überraschend ist es für ihn jedenfalls nicht, dass Assad noch an der Macht ist. Das Regime habe sich 50 Jahre vorbereitet, um seinen Sturz zu verhindern, sich Vertraute aus jeder Volksgruppe erkauft und eiserne Schützenhilfe aus Teheran gesichert. „Das Regime verdankt sein Überleben vor allem der logistischen und finanziellen Unterstützung durch den Iran.“ Teheran kaufe Erdöl und stütze die syrische Währung, schicke Scharfschützen und sogar Kampfpiloten.

Der Bürgerkrieg könne sich noch Jahre hinziehen. Denn der Assad-Clan habe die Entscheidung getroffen, die Macht um keinen Preis abzugeben. Fallen aber werde das Regime erst, wenn die Opposition geeint sei. Doch daran hätten auch ausländische Mächte kein Interesse. Jeder stärke seine eigene Gruppe, Katar vor allem die Salafisten. Anfangs hätten Extremisten vom Schlag der al-Qaida keine Rolle bei den friedlichen Protesten in Syrien gespielt. Doch dann habe Assad Radikale aus den Gefängnissen freigelassen, um Chaos zu säen und einen Vorwand für den Einsatz von Gewalt zu haben. „Ein hoher Geheimdienstler hat mir einmal gesagt: Für uns ist es leichter, 1000 Kämpfer in den Griff zu bekommen als 100 Demonstranten.“

Ein militärischer Umschwung werde erst möglich sein, wenn die „Freie Syrische Armee“ schwere Waffen zur Verfügung habe und von einem befreiten Gebiet in Syrien aus operieren könne. Viele Soldaten, auch viele hochrangige Mitglieder des Regimes, seien bereit, abzuspringen, doch es gebe keinen sicheren Ort für sie. Saadaldin wertet es als ein positives Zeichen, dass die Freie Syrische Armee nun ihr Hauptquartier aus der Türkei nach Syrien verlegen wolle.

Ob nach Assad nicht Anarchie droht? Saadaldin ist sich der Gefahr bewusst. Das Ziel seiner politischen Arbeit ist es, sich für den Tag X nach Assads Sturz vorzubereiten und Sicherheitsgarantien für die Minderheiten auszuarbeiten, auch für die alawitischen Glaubensbrüder des Assad-Clans.

Doch erneuern werde sich Syrien erst in der nächsten Generation, glaubt er. „Uns hat das Assad-Regime für immer geschädigt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2012)

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30 Kommentare
 
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Gast: Unverstanden
30.09.2012 10:13
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Da kommen die Großmächte nicht vor.

In dem Artikel kommen die NATO, die EU und die Russen nicht vor, deswegen ist (für mich) der Artikel nicht glaubwürdig.

Oder merken die Menschen in Syrien diese treibenden Kräfte womöglich gar nicht?

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Was will das Assad-Regime?

Mit brutalsten Gewaltmethoden und grausamsten Menschenrechtsverletzungen an der Macht bleiben. Das wird den Assads nicht gelingen.

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Dumme Kommentatoren

Die Dummheiten fast aller Kommentatoren, die sich hier und anderswo für das faschistische Assad-Regime engagieren, lassen in nur einem Satz zusammenfassen: Sie sind gegen die syrischen Revolutionäre, weil sie gegen den "Westen" und vor allem gegen die USA sind.

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"Schwer zu sagen...

ob Saadaldin zuversichtlich oder pessimistisch ist." sollte eigentlich "schwer zu sagen ob Saadaldin die Wahrheit sagt" heißen...

Gast: wieni2010
27.09.2012 10:49
0 0

Syrian Rebels control ground above Abu Dahur Airfield

Interessanter Artikel der NYTimes

Syrian Rebels control ground above Abu Dahur Airfield "where they can fire onto 2 runways - forcing Syria AF to clease flights"

http://www.nytimes.com/2012/09/27/world/middleeast/rebels-make-gains-in-blunting-syrian-air-attacks.html

Gast: Kommentar senden
26.09.2012 22:26
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Hier also der zusammengefasste "Wunschzettel" der Rebellen an den Weihachstmann "Westen"

1) Geld
2) Waffen
3) Schwere Waffen
4) Ach, wenn ihr schon dabei seid, könnt ihr dann nicht eben ein ordentliches Stück Land (oder gleich alles) für uns erobern uns sichern, so dass wir die Armee immer angreifen können, aber auch in Sicherheit rennen wenn sie zurück schießen?

Was wollen die islamistischen Terroristen ?

Sie wollen alle umbringen, die nicht ihren islamistischen Glauben vertreten !

Sie schneiden ihren Gegnern den Kopf ab !
Was haben sie damit erreicht ???
Nichts !!!
Dem Geist des Menschen - kann niemand den Kopf abschneiden !!!!!!!!!!!
Der Geist des Menschen, seine Seele ist unsterblich ...

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Re: Was wollen die islamistischen Terroristen ?

Die desertierten syrischen Soldaten und Geheimdienstoffiziere wurden zu wichtigen Quellen für internationale Nichtregierungsorganisationen und UN-Kommissionen. Die Vielzahl der Aussagen, ihre Detailfülle und viel Übereinstimmungen beweisen, dass Militär und Geheimdienste für die Verhaftung und systematische Folter von mehr als 200.000 Syrern verantwortlich sind. Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International und Human Rights haben in mehreren Berichten grausame Formen der Folter dokumentiert und damit dem Assad-Regime Verbrechen gegen die Menschlichkeit nachgewiesen.

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interessant, wie ein redakteur

der presse aus einem interview mit einem emigrierten regierungs-gegner versucht, die leser mit bombastischen zahlen zu beeindrucken:
"17 geheimdienste, 1mio agenten, 3meter unter der erde, etc."
verzeihung, hr ultsch, aber ihre manipulation ist etwas zu offensichtlich.

Gast: CIAregime
26.09.2012 19:17
13 7

Es wäre auch mal interessant zu erfahren

wie das Geheimdienstnetz der USA das Regime dort zusammenhaltet.

Angefangen von facebook, google, über das Pentagon bis zu den Massenmedien die einem Monopol unterliegen, bis zum US-Aussenministerium das eher den Anschein erweckt eine Aussenstelle der Geheimdienste zu sein als umgekehrt.

Wann kommt endlich mal ein erschöpfender Artikel über die Geheimdienst-machenschaften in den USA und seinem Protektorat EU?

Wäre interessant.

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Re: Es wäre auch mal interessant zu erfahren

Hätten wir hier in Deutschland eine Situation und "Recht" wie in Syrien, bekämen Sie für Ihren Kommentar, d.h. für den "Versuch der Beschädigung der Beziehungen Deutschlands zu anderen Staaten", eine 18monatige Gefängnisstrafe, und würden zuvor während der Verhöre gefoltert.

alle Kommentare stimmen überein ... die große Mehrheit der Leser kennen die Wahrheit ...

... und das gegen eine fast unbezwingbare Einheit der Massenmedien, die in stetiger und ungebrochener Weise immer den gleichen Schmarren immer die gleichen Lügen verbreiten ..

Ihr werdet die Wahrheit niemals zerstören können, liebe Zensoristen und Journalisten - verlasst euch drauf ... wir haben sogar Verständnis für eure elende Situation .....

Antworten Gast: @EmanuelSwedenborg
26.09.2012 19:35
12 7

Re: alle Kommentare stimmen überein ... die große Mehrheit der Leser kennen die Wahrheit ...

ich habe keine Verständnis für Leute die die Wahrheit und ihren Journalisten eid für Geld verraten.

Solche Kreaturen haben sich keinerlei Verständnis verdient.

Verbrechen ist Verbrechen und Verrat ist Verrat, merken sie sich das!

wer sein Volk udn die Wahrheit verrrät steht in einer dunklen Reihe von Leuten die faktisch alle menschenverachtenden Regimes der Weltgeschichte ermöglicht haben.

Doese Leute verkaufen ihr GEwissen und ihre Seele für Geld, das ist nur mies.

Gast: biersauer
26.09.2012 18:23
11 7

Müssen sich die "Rebellen" erst die Wohnhäuser freikämpfen?

Ist ja klar, dass sie dann behaupten, sie wurden als Zivilisten von der Armee bombartiert

Gast: antifashist
26.09.2012 17:34
17 9

Die ganzen antifaschistischen politiker heute

knnen sich ihr "niemals wieder" behalten;

die sollen sich ihre Sprüche sonstwohin stecken,

in Syrien passiert das "niemals wieder" immerwieder tagtäglich, und die westlichen Politker und Journalisten finden nichts dabei.

Das beweist dass sich seit der zeit des Faschismus nicht viel geändert hat:der Faschismus geht heute auch von den Besitzern der grossen Militärs aus, sowie früher...

Es geht auch um unser Geld !

Unser Finanzsystem steht vor dem Abgrund. Zu viele Dollar wurden aus Luft generiert, und die suchen nun ein materielles Äquivalent, andernfalls droht eine deftige Inflation. Deshalb jammert nicht immer rum, wenn jetzt erst mal der Assad und dann die iranischen Mullahs abserviert werden. Unsere Luftgeldpyramide braucht das Öl.

Antworten Gast: 100 Grad
26.09.2012 15:45
4 0

Re: Es geht auch um unser Geld !

@ Celsius,

Themaverfehlung - setzen !

Gast: freiepresse
26.09.2012 15:11
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Die Tatsache dass die westlichen Massenmedien behaupten

"frei und unabhängig" zu sein und "objektiv der Information der Bevlökerung dienen", ist eine Lüge und Betrug.

Denn - die Massenmedien belügen und manipulieren die Bevölkerung auch im Sinne ihrer Eigentümer, neben doch objektiven und fundierten Informationen!

Warum wird niemals in den 50.000 Massenmedien des Westens über die Eigentumsverhältnisse derselben berichtet?
Dass es ein Medienmonopol gibt dass zentral gesteuert wird?
Dass die grossen Nachrichtenagenturen aus denen 99% aller internationanlen Meldungen stammen allesamt von Individuen eines bestimmten Volkes gegründet wurden und heute in exklusivem Besitz einigerweniger Leuten stehen?

Ich meine, nur ein Idiot würde meinen, jemand gibt viel Geld für eine Zeitung aus nur um dann alles unbeeinflusst zu lassen;
aber gerade diese Lüge wird ja von den medien selber behauptet.

Dass die ganze Kriegsberichterstattung aus Sicht der USA in den meisten Massenmedien einseitig und manipulativ ist begreifen ja sogar die ärgsten Hirnis heutzutage.

Warum greift hier nicht die Justiz ein, oder die Sicherheitsbehörden, die sonst bei jedem F..z der Opposition tätig wird udn anklagt?

Ich meine, allein die Berichterstattung über den Syrien-konflikt ist Beweis genug dass die "westlichen Freien Medien" eben NICHT frei und unabhängig berichten!

Re: Die Tatsache dass die westlichen Massenmedien behaupten

volle Zustimmung!

Antworten Gast: Rotzgrün
26.09.2012 16:28
5 5

Re: Die Tatsache dass die westlichen Massenmedien behaupten

Bitte nicht falsch verstehen!
Aber sie sollten vorsichtig sein, in Österreich können solche Aussagen zu Geldstrafen oder sogar zu bedingte Haftstrafen führen.

Auch wenn ich ihnen teilweise zustimme würde ich nie so weit gehen einen "Generalverdacht" auszusprechen!!

Re: Die Tatsache dass die westlichen Massenmedien behaupten

vergessen Sie es. Ich lese ja auch nur die Presse usw um zu wissen was der Bevölkerung verkauft wird !!!

Man muss schon gewisse Blogs lesen um vielleicht ein wenig Hintergrund wissen zu erlangen wie zb zerohedge.com

Unterstützung für Syrien

Wo kann ich eigentlich für die rechtmäßige syrische Regierung meine Unterstützung zeigen?

Warum nur werden hier immer ...

... Terroristen mit Rebellen verwechselt?

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Re: Warum nur werden hier immer ...

Warum verwechseln Sie Rebellen, zutreffender ist Revolutionäre, mit dem terroristischen Assad-Regime?

Re: Warum nur werden hier immer ...

ist halt die (österreichische) Presse (Achtung: der Zensor "liest" mit)

Gast: Kommentar senden
26.09.2012 13:28
21 6

Verzweifelt?

Jetzt senden sie wieder Selbstmord-Killerkommandos los, genau wie vor den westlichen Waffenlieferungen, als sie fast am Boden waren.

 
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