25.05.2013 20:57 Merkliste 0

"Shalom Ajad": Ein Paria auf Abschiedstournee

26.09.2012 | 21:41 |  Von unserem Korrespondenten Thomas Vieregge (Die Presse)

Irans Präsident Ahmadinejad zog auf der UN-Generalversammlung mit gezielten Provokationen die Aufmerksamkeit auf sich.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

[NEW YORK] Das Boulevardblatt aus dem Hause Rupert Murdochs stellte sich bei Irans Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad mit einem Präsent ein. Unter dem flapsigen Titel „Shalom and Welcome, Ajad" ließ die „New York Post" ihm einen Geschenkkorb jüdischer Spezialitäten zukommen: Bagels, Gefilte Fish, Borschtsch, Käse von Zabar's, Tickets für eine Broadway-Show, einen Prospekt des Holocaust-Museums, einen Untersuchungsbericht zum 9/11-Terror - all dies passend zu Jom Kippur. Am Mittwoch begingen Juden den Versöhnungstag, den höchsten Feiertag.


Vor den Barrikaden seines Hotels und der UN-Zentrale bot sich das übliche Ritual dar: Pro- und Anti-Iran-Demonstranten schrien sich im Herzen der größten jüdischen Metropole der Welt die Seele aus dem Leib. Der Paria der Weltgemeinschaft - nach dem Tod Osama bin Ladens und Muammar al-Gaddafis Feindbild Nummer eins - war zur Abschiedstour mit großer Entourage, einer Flugzeugladung voller Hofstaat und Claqueuren, in New York eingefallen.


Es ist Ahmadinejads letzte Stippvisite vor dem UNO-Forum, Mitte nächsten Jahres endet seine zweite und letzte Amtszeit. Und er nahm seine letzte Gelegenheit auf der Weltbühne wahr, um mit seinen wohlbekannten gezielten Provokationen die größtmögliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Isoliert und im Visier

Innenpolitisch immer stärker isoliert, außenpolitisch als notorischer Brandstifter gezeichnet, wegen des Atomprogramms im Fadenkreuz des Westens und geschwächt durch die Wirtschaftssanktionen der USA und der EU, spulte der iranische Präsident in Serieninterviews seine Leier herunter. Er suchte sein Heil in der Offensive - ein Propaganda-Spektakel der Extraklasse.
„Ich liebe alle Menschen in den USA", ließ er einen verdutzten CNN-Moderator Piers Morgan wissen. In seiner irrlichternden Rede vor der UNO richtete er sich vor einem halb leeren Plenum an die „Brüder und Schwestern" in aller Welt, an die „Brüder Adams".


Er sprach mit silberner Zunge, beschwor Friede, Einheit und Harmonie, Gerechtigkeit und die Prinzipien der Humanität, als würde er sich für den Lorbeer eines Friedensnobelpreises bewerben. Das Podium der UNO funktionierte er wie weiland Gaddafi zur Predigerkanzel um. Düster raunte er von den „Kräften der Zerstörung", dem Übel des Kapitalismus und Neokolonialismus. Die westlichen Diplomaten saßen auf Nadeln, um wie auf Stichwort aus Protest das Plenum zu verlassen. Ahmadinejad hatte sein Pulver allerdings bereits im Vorfeld verschossen.

Hasstiraden und Liebesschwüre

Hasstiraden und erratische Liebesschwüre - dies war seine Strategie, um einen Keil zwischen die traditionell eng Verbündeten USA und Israel zu treiben, die Kluft zwischen US-Präsident Barack Obama und dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu in der Frage eines potenziellen Militärschlags gegen Teheran zu verbreitern. In seiner Rede drehte er das Bedrohungsbild um: Nicht der Iran stelle eine Bedrohung für die Welt dar, der „Gottesstaat" werde vielmehr selbst von seinen Feinden bedroht.
Der 56-Jährige plädierte vage für eine neue Weltordnung, er gerierte sich als Advokat der Palästinenser und als Eiferer gegen „unzivilisierte Zionisten". Israel bezeichnete er als Fremdkörper, es habe keine Wurzeln in der Region geschlagen - und ignorierte so die jüdische Historie. Der jüdische Staat habe die USA gleichsam in Geiselhaft genommen. Solcherart bestätigte er seine Reputation als Antisemit. In der Vergangenheit hat er Israel mit seiner vergifteten Suada überzogen, dem Judenstaat mal das Existenzrecht abgestritten, mal den Holocaust geleugnet.

Mursis Debüt

Die Drohungen Netanjahus mit einem Angriff gegen die iranischen Nuklearanlagen hatte er zuvor selbstsicher als „Bluff" abgetan. Im gegenteiligen Fall sei der Iran zum Vergeltungsschlag bereit. In Interviews schwadronierte Ahmadinejad von einer friedlichen Lösung in Syrien unter seiner Vermittlung, eine militärische Unterstützung für den Verbündeten in Damaskus stellte er energisch in Abrede.
Während der professionelle Provokateur Ahmadinejad seine Abschiedsvorstellung vor der UNO gab, feierte der ägyptische Präsident Mohammed Mursi sein Debüt. Drängendstes Problem sei die Palästinenserfrage. Es sei Zeit, dass die Palästinenser die „Früchte von Freiheit und Würde" ernteten. Die USA hatte er schon vorher an ihre Verpflichtung erinnert, sich an das Friedensabkommen von Camp David zu halten. Sein Kommentar zum Disput um das Mohammed-Video: Meinungsfreiheit erfordere Verantwortungsbewusstsein.

 

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

46 Kommentare
 
12
Gast: Gustav Gunkel
27.09.2012 21:39
12 1

Übrigens:

Dieses Forum wird ZENSIERT!

Mein heute vormittag abgeschicktes Posting wurde nicht veröffentlicht, wie etliche davor ebenfalls.

Anscheinend hat DIE PRESSE es nötig, unangenehme - weil einer gewissen Propaganda zuwiderlaufende - Postings zu zensieren, wie übrigens DER STANDARD ebenfalls - Der Kurier scheint mit freier Meinungsäußerung kein Problem zu haben - dort werden Postings 1 Sek. nach dem Abschicken veröffentlicht.

Ich schrieb in meinem heutigen nicht veröffentlichten Posting u.a., daß Ahmadinejad der "Paria der Globalisten", aber sicher nicht der "Paria der Weltgemeinschaft" sei und daß 40 der 120 "Blockfreien Staaten" sich vor kurzem im Iran zu einer Konferenz tragen und daß Ahmdienjad auch für Russland und China kein "Paria", sondern ein nach wie vor geschätzter Politiker und Geschäftspartner sei.

Gast: alibaba1
27.09.2012 20:59
13 1

erfrischend

festzustellen, das so viele Menschen noch einen gesunden Menschenverstand besitzen und sich von der angloamerikanischzionistisch beeinflussten Berichterstattung nicht ins Boxhorn jagen lässt.

Liebe Presse.com Redaktion: wann ziehen sie ihre Konzequenzen daraus?

Gast: alibaba1
27.09.2012 20:43
12 0

Zensur von Presse.com

Warum zensieren sie wichtige Fakten der Geschichte?

Warum sollen ihre Leser nicht über das Schicksal von aufmüpfigen Generalsekretären informiert werden?
Wikipedia ist bereits zensiert, da müssen sie die Zensur nicht zum Exzess treiben.

hier das Schicksal von Dag Hammarskjöld, UN Generalsekretär 1962

http://de.wikipedia.org/wiki/Dag_Hammarskj%C3%B6ld

Er wollte Frieden stiften in einem afrik. Land, das viele Rohstoffe verfügte.

11 0

Liebe "Die Presse" Redaktion

es wäre doch im Interesse der eigenen Meinungsbildung ihrer Leser wenn Sie bei der nächsten UNO Vollversammlung einen Korrespondenten schicken der ein bisschen weniger seine eigene Abscheu gegenüber bestimmten Menschen (egal, wie berechtigt diese auch sein mag) zum Ausdruck bringt und wirklich berichtet. dadurch werden die Artikel vielleicht ein wenig trockener, aber auf jeden fall qualitativ ihrer Zeitung mehr würdig.

9 2

iran

man kann es drehen und wenden wie man will,die westlichen zionisten und ein paar lustige aus israel wollen unbedingt krieg fuehren gegen den iran weil er seit zig jahren an der atom bombe baut.na bum. wenn der iran tatsaechlich eine atombombe haben wollte,haette er sie schon laengst,da koennen sie sicher sein. der grosse fehler den der praesident begangen hat ist, der gleiche den sadam hussain und gadaffi begangen hat,sie haben sich vom dollar losgesagt,hussain hat in den euro investiert,gadaffi wollte eine eigene gold waehrung,der iran will auch mehr in euro oder sich mehr in yuan bezahlen lassen!! ja wo kommen wir da hin wenn nicht alle in dollar bezahlen der weltleitwaehrung
was passiert wenn das schule macht
dann ist amerika geschichte
das gilt es zu verhindern
mit aller macht und sei es krieg.

0 2

abgesehen davon...

dass Ahmedinejad mit großer Wahrscheinlichkeit psychisch krank ist: es gibt semitische Juden (sephardim/mizrahi), die sehr wohl eine historische Verbindung mit dem Land dass momentan Israel heißt haben, und die Nachfahren europäischer Juden (aschkenazim) dessen einzige Verbindung zu dem Land eine ideologisch/religiöse ist. bleiben wir mal sachlich, oder ist das in Bezug auf Israel gar nicht möglich? Schalom!

Antworten Gast: Tehran
29.09.2012 18:52
5 0

Ahmedinejad mit großer Wahrscheinlichkeit psychisch krank

Kein Anlaß zu Sorge.

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=bCw-oWp1wf8

Können Sie das vielleicht noch prozentual untermauern ?

einige Experten, wie Shlomo Sand, sprechen von ca. 10 - 15 % Sephardim, der Rest ist Mimikry.

Gast: Demokratius
27.09.2012 16:43
9 0

Israel bezeichnete er als Fremdkörper, es habe keine Wurzeln in der Region geschlagen

Was er wirklich meint:
http://www.nypost.com/f/print/pagesix/cindy_adams/no_more_israel_h4kjPIab5EtBjAxsWoFYoO

Antworten Gast: DER ADVOKAT
27.09.2012 17:50
8 0

Re: Israel bezeichnete er als Fremdkörper, es habe keine Wurzeln in der Region geschlagen

FREMDKÖRPER: Na klar, die Israeliten waren ja Zweitausend-Jahre nicht präsent in dieser Region!
Und in historischer Zeit haben die ISR, so wie seit 1948 auch in dieser Region-NUR UNFRIEDEN GESTIFTET und unter sich selbst und mit den jeweiligen Nachbarn-KRIEG GEFÜHRT!!
Woher wir das, der Rest der Welt wohl kennen, ja woher nur?!
0,004%-der Weltbevölkerung erklären "DEM REST" der westlichen Hemisphäre seine herkunftsbedingte-SUPERIORITÄT!!

Gast: schonwiedereingast (dauerzensuriert)
27.09.2012 15:13
2 0

Hetzartikel

kein Wunder, wenn jemand seine Rede damit beginnt
"es ist nicht mehr möglich Billionen von Dollar an unwirklichem Vermögen in die Weltwirtschaft zu injizieren, nur durch das Drucken von Geld..."

was sich hier über ein "Propaganda-Spektakel der Extraklasse" mokiert, entpuppt sich seinerseits als primitive Propaganda;
Erinnerungen an das Dritte Reich werden wach, beängstigend


Gast: B-Stelle
27.09.2012 14:10
0 0

Da kenne sich einer aus!

...im Herzen der größten jüdischen Metropole der Welt.

Aber...

Antworten Gast: @B-Stelle
27.09.2012 15:47
0 0

Re: Da kenne sich einer aus!

wo die "grösste jüdische Metropole der Welt" liegt und wie sie heisst ist im ARtikel hier beschrieben.

Vielleicht könnte dann in einem Folgeartikel über die Kolonien dieser Metropole geschrieben werden?

Gast: T. Light
27.09.2012 13:29
5 1

Bush und Powell

sowie Netanyahu haben mehr vor der UNO gelogen als dieser ansonsten widerliche iranische Präsident...
Aber das ist der Presse nicht so wichtig, schließlich ist man ja ein Lakai des Großkapitals..

Gast: Ein Wahrheitssucher
27.09.2012 13:27
4 2

Ahmedinjad ist eine jämmerliche Figur

und verabscheunswert. Dennoch hat er fast nur die Wahrheit gesprochen. Die Presse macht es sich wie immer leicht mit ihren Hasstiraden gegen diesen lächerlichen iranischen Präsidenten, denn dann muss sie sich nicht mit der Wahrheit auseinander setzen.
Er hat zu Recht eine Reform der UNO gefordert; genauso spricht er die Wahrheit, wenn er sagt, dass Israel die Nahostpolitik der USA diktiert.
Und dass die USA und Israel den Iran bedrohen ist die Wahrheit..

Antworten Gast: alibaba1
27.09.2012 20:47
6 0

Re: Ahmedinjad ist eine jämmerliche Figur

Was für eine Figur würden sie abgeben, wenn sie gegen eine Welt- und Atommacht mit all ihren Lakaien aufbegehren würden?

Von den Drohungen der Atomzionisten ganz zu schweigen!

0 0

Re: Ahmedinjad ist eine jämmerliche Figur

such weiter nach der wahrheit noch bist du nicht am ziel

Antworten Antworten Gast: aliababa1
27.09.2012 21:49
2 0

Re: Re: Ahmedinjad ist eine jämmerliche Figur

Ahmadineschad ist auf jeden Fall sympatischer als all die angloamerikanischzionoistischen Terroristen und Kriegsverbrecher gegen die Menschlichkeit.
Das israelische Volk, zumindest diejenigen die noch Hirn besitzen verurteilen ihre eigene Regierung.
Was wir hier erfahren ist reine Propaganda. Die Menschen die Frieden wollen werden untergebuttert.
Der Iran ist das letzte Puzzle des geopolitischen Schachspieles der USA (Dick Cheney). Die titale Kontrolle des nahen Osten ermöglicht die energetische Erpressung Chinas.

Antworten Antworten Gast: alibaba1
27.09.2012 21:22
2 0

Re: Re: Ahmedinjad ist eine jämmerliche Figur

Genie und Wahnsinn liegen meist dicht bei einander.
Bei den Bush's und den meisten amerik. und israelischen Politikern ist von ersterem absolut nichts vorhanden. Im Gegenteil, Adjektive wie korrupt, kriminell, verlogen, intrigant, skrupellos, terroristisch, gemein, menschenfeindlich, verbrecherich, gesetzlos usw. gehören zu deren Eigenschaften.
Nicht zu vergessen, dass alle israelischen Politiker Mörder und Terroristen sind. Die haben den Arabern gezeigt wie man das macht. Die waren Arafats Lehrer!

Gast: alibaba1
27.09.2012 13:11
3 0

Gesteuertes "Bashing"

Immer wieder zu beobachten wie brav und linientreu viele Medien das „Bashing“ gegen Ahmadineschad und Iran ausführen.
Das lässt nicht nur schlimmstes befürchten. Die Gewissheit ist furchterregend, und man wird an schlimme Zeiten in der Geschichte erinnert.

Der CIA gibt jährlich Milliarden aus um weltweit Journalisten und Reporter zu kaufen. Ganze Zeitungen und Sender sind in deren Händen.
Das ist Alltagsgeschäft des CIA seit deren Gründung. Zumindest BND, MAD und Verfassungsschutz in der BRD sind Wurmfortsätze des CIA. Der Schwerpunkt liegt auf Wurm! W. Schäuble: "die BRD ist seit dem 8.5.1945 nie mehr souverän gewesen!"
Muss man sich da noch wundern?
Ist das in Österreich etwa anders?

0 0

Re: Gesteuertes "Bashing"

stimmt und weist du wer die cia gegruendet hat? die rothschilds diejenigen die das geldmonopol in der hand haben und alles andere auch

Antworten Antworten Gast: alibab1
27.09.2012 20:54
0 0

Re: Re: Gesteuertes "Bashing"

mit Verlaub...

die Rothschilds verfügten bereits im 18. und 19. Jahrhundert über einen eigenen Geheimdienst. Die Blaupause für alle späteren Geheimdienste.
Ich bin kein Anhänger der Rothschild Verschwörungstheorie.
Außerdem wurde die CIA als Nachfolgeorganisation erst nach dem 2. Wk gegründet. Sie stand in starker Konkurrenz zum FBI. CIA und FBI erpressten sich gegenseitig. Edgar Hoover war schwul (in USA eine Katastrophe) und er sammelte zu seiner Sicherheit Informationen von allen wichtigen Leuten, die ihm gefährlich werden konnten. Nur so konnte er so lange am Ruder bleiben.

"...Mitte nächsten Jahres endet seine zweite und letzte Amtszeit." - Danach hält er Vorträge an den renommierten englischen Universitäten Oxford und Cambridge. ;-)

Gast: Gustav Gunkel
27.09.2012 12:30
0 0

Hier Ahmadinejads Rede vor der UNO:

http://www.youtube.com/watch?v=rYKy4dfSF-o

Antworten Gast: Gustav Gunkel
27.09.2012 13:14
1 0

Re: Hier Ahmadinejads Rede vor der UNO:

Dieser Link funktioniert:

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=RKaBayz0r2I#!

Sehr sympathisch, der Herr.

Wenn er nur kein Moslem wäre.

 
12