Der WikiLeaks-Mitbegründer Julian Assange meldete sich in einer Videobotschaft zu Wort. Am Rande der UNO-Vollversammlung hatte Ecuadors Außenminister Ricardo Patiño am Mittwochabend kurzfristig eine Diplomatensitzung zu der Causa organisiert, bei der Assange live zugeschaltet wurde. Eine Viertelstunde lang las er eine Erklärung vor, in der er US-Präsident Barack Obama zum Handeln aufforderte. Das berichtete "Spiegel Online" am Donnerstag.
"Es ist Zeit, dass die USA ihre Verfolgung von WikiLeaks beendet, ihre Verfolgung unserer Leute beendet und ihre Verfolgung unserer Quellen beendet", sagte Assange. "Es ist Zeit für Obama, das Richtige zu tun und sich den Kräften des Wandels anzuschließen, nicht nur in netten Worten, sondern auch in netten Taten." Weder Schweden noch Großbritannien hätten "irgendwelche Garantien" gegeben, um seine Auslieferung an die USA zu verhindern.
Ministertreffen soll Lösung bringen
Am heutigen Donnerstag will sich Patiño mit seinem britischen Amtskollegen William Hague treffen, um eine Lösung der Krise zu finden. "Je länger dies dauert, desto mehr verschlechtert sich Assanges Leben ungerechtfertigt, verschlechtert sich sein Gesundheitszustand ungerechtfertigt", sagte er vorab. Es ist Assanges hundertster Tag in der ecuadorianischen Botschaft in London. Dorthin hat sich der Australier geflüchtet. In seiner einstigen Wahlheimat Schweden wird er wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung gesucht.
Assange vermutet die USA als Drahtzieher hinter den Vergewaltigungsvorwürfen. US-Politiker haben gefordert, ihn als Landesverräter anzuklagen, weil WikiLeaks zehntausende US-Geheimdepeschen veröffentlicht hatte. Die australische Zeitung "Sydney Morning Herald" meldete am Mittwoch sogar, das Weiße Haus habe Assange offiziell zum "Staatsfeind" erklärt - "dieselbe juristische Kategorie" wie al-Qaida.
"Haft unter Guantanamo-Bedingungen"
"In den USA ist er der öffentliche Feind Nummer eins", betonte auch Baher Azmy, juristischer Direktor der New Yorker Menschenrechtsgruppe Center for Constitutional Rights, in dem Bericht von "Spiegel Online". Bei einer Auslieferung "ist es unwahrscheinlich, dass er einen fairen Prozess bekommt." Vielmehr drohe Assange eine lebenslange Haftstrafe- unter "Guantanamo-mäßigen" Bedingungen, so Azmy.
(Red.)
Baustellen, Pleiten, SkandaleDer US-Präsident ringt um seine Glaubwürdigkeit
Staatsbürgerschaftstest neuKönnten Sie Österreicher werden?
Zitate der Woche''Die Ehre lasse ich mir nicht abschneiden''
X-47BGroßdrohne hebt erstmals von Flugzeugträger ab
''Kim on Tour''Der Diktator als Pappkamerad
