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Georgien: Oppositionschef verkündete seinen Wahlsieg

02.10.2012 | 06:28 |  von unserem Korrespondenten Eduard Steiner (Die Presse)

In aufgeheizter Stimmung stimmten die Georgier am Montag über ein neues Parlament ab. Laut ersten Nachwahlbefragungen lag die Opposition voran, doch auch Präsident Saakaschwili reklamierte den Sieg für sich.

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[MOSKAU/TIFLIS] Der Milliardär wollte keinen Spielraum für Zweifel an seinem Sieg lassen: „Wir haben gewonnen! Das georgische Volk hat gewonnen", jubelte Georgiens Oppositionschef Bidsina Iwanischwili am Montagabend, wenige Stunden, nachdem die Parlamentswahl in dem kaukasischen Staat zu Ende gegangen war. Georgiens Staatsfernsehen hatte erste Nachwahlbefragungen veröffentlicht. Und darin lag Iwanischwilis Bündnis mit 35 Prozent der Stimmen voran. Die Partei des 44-jährigen Präsidenten Michail Saakaschwili kam demnach nur auf 30 Prozent. Laut den Sendern Rustawi 2 und Imedi erzielte die Opposition 51 Prozent, die Regierungspartei 41 Prozent.

Präsident Saakaschwili und seine Anhänger dachten Montagabend aber nicht daran, so einfach klein beizugeben. Sie pochten darauf 53 der 73 Parlamentssitze erhalten zu haben, die über Direktmandate vergeben werden. „Das heißt, dass wir die Mehrheit im neuen Parlament haben werden", sagte Parteisprecherin Chiora Taktakischwili. Dass keine der beiden Seiten zunächst eine Niederlage eingestehen wollte, erfüllte Beobachter Montagabend mit Sorge: Sie fürchteten, der Machtkampf könnte in den kommenden Tagen von den Wahlurnen auf die Straße getragen werden.

Die Wahlkommission verkündete dann in der Nacht auf Dienstag erste Ergebnisse. Nach Auszählung von knapp acht Prozent der Wahlbezirke kommt Iwanischwilis Bündnis Georgischer Traum auf 57,3 Prozent der Stimmen. Die Regierungspartei von Saakaschwili liegt bei knapp 38 Prozent.

Europäischer Traum auf dem Spiel

Der gestrigen Wahl waren bereits massenweise Demonstrationen vorausgegangen. Oppositionschef Iwanischwili sicherte sich vor der Abstimmung noch schnell die Unterstützung von Patriarch Ilija. Und Präsident Saakaschwili, der seit acht Jahren regiert, stilisierte den Urnengang zur Schicksalswahl für die gesamte Region hoch. In gewisser Weise hat Saakaschwili, der seit der Rosenrevolution 2003 das Land erfolgreich von Korruption befreit hat, recht mit der Feststellung, die Wahl habe Einfluss darauf, wie es mit „dem europäischen Traum" und „der Idee der Demokratie" im Land weitergehe.

Weil die stimmenstärkste Partei fortan den Premierminister ernennt und dieser ab 2013 gegenüber dem Präsidenten aufgewertet wird, geht es für Saakaschwili ans Eingemachte. Dabei hatte er mit der beschlossenen Umstellung vom Präsidialsystem auf parlamentarische Demokratie - ähnlich wie autoritäre Despoten in der Ex-UdSSR - für sich selbst vorgesorgt. Schließlich muss er laut Verfassung 2013 aus dem Präsidentenamt scheiden.
Saakaschwili ist der Mann des Westens und das beste Beispiel dafür, dass radikale Reformen auch in Ex-Sowjetstaaten möglich sind. Als solcher freilich hat er gleichzeitig eine Machtfülle in sich vereinigt, die sogar seinen Anhängern aufzustoßen begann. Wirklich ins Wanken aber kam er erst vor zwei Wochen durch das Aufkommen eines Folterskandals in einem Gefängnis. Gewiss, auch Iwanischwili, der von Saakaschwili als Handlanger Russlands diskreditiert wird, betonte bis zum Schluss, am Westkurs festzuhalten.

Hohe Arbeitslosigkeit

Für Georgiens neue Regierung gilt es, die Wirtschaft auf Vordermann zu bringen. Das agrarisch geprägte Land, das kaum Rohstoffe besitzt, hat laut offiziellen Zahlen 16 Prozent Arbeitslose. Unabhängige Quellen sprechen von bis zu 30 Prozent. Obwohl viele Menschen in der Landwirtschaft tätig sind, müssen die meisten Güter importiert werden, was eine negative Handelsbilanz schafft. Als Markt für ausländische Investoren ist das Land mit 4,5 Millionen Einwohnern zu klein. Mit der Niederlage im Krieg gegen Russland 2008 hat Georgien einen bedeutenden Teil seines Territoriums verloren.
Mit radikalen Wirtschaftsreformen aber hat Saakaschwili in vielem ein gutes Fundament gelegt, auf dem die nächste Regierung aufbauen muss. Die Aussöhnung mit Russland hingegen bleibt Zukunftsmusik.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2012)

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8 Kommentare

Georgien im Würgegriff der Füchse

Die Parlamentswahlen in Georgien sind geschlagen. Ein dem Westen genehmer Sieger steht fest. Sein Kontrahent , Präsident Saakaschwili mit laufender Amtszeit bis 2013 - hat die eigene (Partei)Niederlage eingestanden.Der neue starke Mann, Bidsina Iwanischwili, fordert den unterlegenen Parteiführer Saakaschwili auf, sein Präsidentenamt sofort zurück zu legen. Dies geschieht entgegen vorab gemachter Arbeitswillens-Bekundungen. Die georgische Verfassung sieht eine weitestgehende Machtteilung zwischen Präsidentenamt und Parlament vor.
Der neue "starke Mann" in Georgien ist aber auch auf ein Koalitionsbündnis angewiesen, das seine Beständigkeit erst unter Beweiß stellen muss.

Mit seinem forschen Vorstoß bringt er nicht nur dieses Bündnis sondern auch parlamentarische Spielregeln ins Wanken.
Georgien steht an einer Wegkreuzung zwischen regionaler Stabilisierung und internationaler Destabilisierung. Die einseitigen US-Präferenzen des neuen Mannes sind bekannt und werden Georgien vermutlich kein Glück bescheren.

Die zur Auswahl gestandenen Kandidaten Iwanischwili und Saakaschwili haben dazu geführt, dass verängstigte Wähler einen der beiden Füchse zum Oberhaupt eines Hühnerstalls gewählt haben!
Armes Georgien.

Wann hört das Foltern in georgischen Gefängnissen endlich auf?

Es wurde durch ein Video bekannt, dass in georgischen Gefängnissen Saakashvili-Gegner mit Besen gefoltert wurden.
Dagegen gab es lauten Protest, der durch die Wahl nun zur "Besen-Revolution" führte.
Für Österreich war Georgien bisher jedoch ein sicheres Land, in das man hunderte Asylwerber zurück transportiert hat.
Woher hat das Innenministerium seine Informationen? Von Saakashvili.
Wieder einmal verschläft die österreichische Beamtenschaft die aktuelle Entwicklung.

Gast: Sehe mit großer Skepsis in die Zukunft von Georgien
03.10.2012 19:00
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Der Schurke Saakashvili wird das Feld nicht räumen

Der Schurke Saakashvili wird nicht abtreten, sondern der siegreichen Opposition das Regieren so schwer wie möglich machen. Das werden harte Zeiten für Geogien und eine Art Unregierbarkeit kommt auf das Land zu.
Und ob ein reicher Milliardär wirklich an die Zukunft seiner Bürger und nicht eher an die Ausweitung seiner finanziellen und sonstigen Macht denkt, ist erst abzuwarten.
Außerdem besteht die einstige Opposition, und nunmehrige Mehrheit aus so viel sehr gegensätzlichen Gruppen, die nur die Gegnerschaft zum Despoten Saakashvili einte.
Vielleicht wird Georgien noch weiter auseinanderbrechen, Konflikte zwischen einzelnen Regionen gibt es genug und das weiß vor allem Russland sehr genau

Gast: asklepi0s
02.10.2012 11:05
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Moskau/Tiflis

noch eine Frage an die Redaktion? Wenn es hier um die georgischen Wahlen geht, warum steht am Beginn des Artikels: (Moskau/Tiflis)
Wissen sie nicht dass es sich hierbei um 2 verschiendene Länder handelt?

faymanns bruder

:-) endlich gefunden

Gast: Arme Georgier, das habt ihr nicht verdient
01.10.2012 23:44
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Despoten, Wahlfälscher und Wahnsinnige

oder alle drei Sorten zugleich:
ein Herr Dschugashvili, besser bekannt unter Jozef Stalin, gewissenloser Despot vor allem, aber auch paranoid
ein Herr Gamsakurdia (erster Präsident des unabhängigen Georgien): wahnsinnig geworden und dann durch Putsch der Nationalgarde abgesetzt
Saakashvili: vom Revolutionär zum Despot mit Folterkammern
einigermaßen normal war noch Schewardnadse
Und was kommt nun ..... ?

Antworten Gast: asklepi0s
02.10.2012 11:01
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Re: Despoten, Wahlfälscher und Wahnsinnige

ergänzend möchte ich anmerken. sie haben recht! armes, georgisches volk. das hat es nicht verdient!

Antworten Gast: asklepi0s
02.10.2012 10:59
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Re: Despoten, Wahlfälscher und Wahnsinnige

schewardnadse war noch einigermaßen normal? ich würde an ihrer stelle den informationskanal wechseln! und zwar rede ich aus sicht der gerogischen bevölkerung. aus europäischer sicht mag ihr bild evtl. entstanden sein. aber vorsicht es ist trügerisch!