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Deutschland: Steinbrück legt starken Start hin

01.10.2012 | 18:33 |  KARL GAULHOFER (Die Presse)

Der SPD-Vorstand nominiert Steinbrück einstimmig als Kanzlerkandidat. Der Streitpunkt Pensionsreform wird vertagt. Parteilinke und Grüne hadern mit der Kür. Bündnis mit Linkspartei oder Piraten schließt er aus.

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Berlin. Die deutschen Sozialdemokraten haben zurzeit nur ein Thema: Wie viel Platz brauchen die Beine von Peer Steinbrück? Am Sonntag hielt der unlängst gekürte Kanzlerkandidat eine flammende Rede auf dem SPD-Landesparteitag in Nordrhein-Westfalen. Doch es gab nicht nur Applaus für den Frontmann, der vom rechten Parteiflügel aus angreift, um in einem Jahr Merkel vom Thron zu stoßen.

„Das Programm muss zum Kandidaten passen“, ermahnte er die Parteilinken, die zugeben, dass er nicht ihr Wunschkandidat ist. „Ihr müsst mir etwas Beinfreiheit einräumen.“ Das Stöhnen und Murren war verhalten, aber nicht zu überhören. Da grätschte der 65-Jährige seine Beine, um zu zeigen: Es geht um nicht mehr als „einen Meter achtzig“. Was soll in diesem Durchmesser Raum finden? Steinbrücks Vorbild ist Gerhard Schröder, der 1998 Wähler aus der bürgerlichen Mitte für die SPD gewann. Als Abgeordneter hält der Ex-Finanzminister oft hoch dotierte Reden vor Bankern und Managern, bei der Parteibasis sah man ihn bisher kaum. Nur 28 Prozent der Deutschen glauben, dass sich der Sozialdemokrat auch um die kleinen Leute kümmert. Damit das Match um die Mitte gewonnen werden kann, darf ihm die Partei nicht allzu viele Zugeständnisse abtrotzen. Am Montag nominierte der Vorstand Steinbrück einstimmig. Aber bei der Korrektur der Rentenreform gewann der linke Flügel Terrain: Es bleibt nicht bei Parteichef Sigmar Gabriels moderatem Vorschlag, eine Arbeitsgruppe wird ihn überarbeiten.

 

Fühler zur FDP ausgestreckt

Probleme bereitet manchen auch die „befremdlich“ überstürzte Kür. Während die Grünen um ihr Spitzenduo in einer Urabstimmung ringen, wurde die K-Frage in der SPD heimlich von drei Herren geklärt. Ein Sonderparteitag im Dezember darf den Kandidaten nur noch abnicken. Klar ist Steinbrücks Ziel: Er will Kanzler einer rot-grünen Koalition werden. Darauf lassen sich auch die Grünen voll ein, wenn auch ohne rechte Begeisterung über ihren Partner.

Ein Bündnis mit Linkspartei oder Piraten schließt der Herausforderer aus. Doch damit die SPD die Union überholt, muss sie eine massive Wechselstimmung erzeugen, die es heute nicht gibt. Auch Rot und Grün zusammen kommen in Umfragen auf nicht mehr als Schwarz plus Gelb. Für einen klareren Vorsprung bräuchte es die FDP, also eine Ampel – sofern es die Liberalen in den Bundestag schaffen. Noch schließt man in Berlin ein solches Bündnis aus.

Aber zarte Avancen gibt es. FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki, einst sein Kommilitone in Kiel, hielt die Laudatio bei der Präsentation der Steinbrück-Biografie vor einer Woche. Die liberale Nachwuchshoffnung Christian Lindner lobt den Kandidaten als „respektable Persönlichkeit“. Bei den Grünen werden da böse Erinnerungen wach: an einen Ministerpräsidenten in Nordrhein-Westfalen, der sie 2003 aus der Landesregierung werfen wollte, um eine Liebesheirat mit den Liberalen einzugehen. Sein Name: Peer Steinbrück.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2012)

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7 Kommentare

Für ein Zusammengehen von Linken und Piraten im Bundestagswahlkampf

Nachdem sich der designierte Kanzlerkandidat der immer wieder verräterischen Spezialdemokraten, laut Oskar Lafontaine "der Schlimmste der Agenda-Politiker", dezidiert gegen ein Bündnis mit den beiden (m.o.w.) fortschrittlichen Parteien im parlamentarischen Spektrum ausgesprochen hat, möchte ich Linken und Piraten dringend empfehlen, schon im Vorfeld der Bundestagswahl zusammenzuarbeiten und womöglich auch auf einer gemeinsamen Liste zu kandidieren - denn warum sollte im "Bund" nicht möglich sein, was in der hessischen Landeshauptstadt so trefflich funktioniert?!
http://misanthrope.blogger.de/stories/2134503/

Antworten Gast: L.M.
02.10.2012 17:37
0 0

Re: Für ein Zusammengehen von Linken und Piraten im Bundestagswahlkampf

Weil der Bund eben nicht die hessische Landeshauptstadt ist, Berlin knapp 82.000.000 Bürgern gerecht werden muss, Frankfurt jedoch nur knapp 700.000.

Gast: Hannelore Busch
01.10.2012 22:12
0 4

Steinbrück - der Hanseate

Steinbrück ist eine super Wahl!!

Antworten Gast: EU-Fan
02.10.2012 09:46
0 2

Re: Steinbrück - der Hanseate

Bin auch Ihrer Meinung. Endlich wieder mal einer, der Tacheles spricht, so wie die alten Politiker eines Schlages von Helmut Schmidt, Franz-Josef Strauß oder Herbert Wehner. Und nicht solche Neuzeitpolitiker, die nur in einstudierten langweiligen Wischiwaschisätzen emotionslos nichtssagendes Zeug schwätzen.

Gast: Guckst du
01.10.2012 18:47
1 0

Warum können das die unverbesserlichen Linken in der SPD nicht begreifen?:

Helmut Schmidt kam vom rechten Flügel.
Schröder kam vom rechten Flügel.
Steinbrück käme vom rechten Flügel und hätte sehr gute Chancen seine Gegnerin Merkel zu stürzen. Warum? Weil das Volk mit Linksphantasierereien nichts anfangen kann, mit realistischen Ideen jedoch sehr wohl.

Antworten Gast: Gast73
01.10.2012 23:48
3 0

Re: Warum können das die unverbesserlichen Linken in der SPD nicht begreifen?:

Bilderberg 2011 - Confronting Participant Peer Steinbrück

http://www.youtube.com/watch?v=HceXSOfSXtk

Antworten Antworten Gast: EU-Fan
02.10.2012 09:41
0 2

Re: Re: Warum können das die unverbesserlichen Linken in der SPD nicht begreifen?:

Na und?
Es gibt eine Menge Staaten übergreifende Organisationen von den „Bilderbergern“ über die „Trilateriale Kommission“ bis hin zum deutsch-amerikanischen Netzwerk „Atlantik-Brücke“ und dem „Deutsch-französischen Freundschaftsvertrag“.
Und warum hast du jetzt ein Problem damit?