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Friedlicher Machtwechsel in Georgien

02.10.2012 | 18:17 |  Von unserem Korrespondenten EDUARD STEINER (Die Presse)

Der Oppositionschef Bidsina Iwanischwili soll neuer Premier werden. Georgiens Präsident Michail Saakaschwili gesteht seine Niederlage ein. Doch noch ist er der mächtigste Mann im Land.

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Moskau. Über Jahre galt er als schier unersetzlich. Und in der Tat war seit seiner Machtübernahme bei der „Rosenrevolution“ 2003 niemand in der Lage, ihn zu übertrumpfen. Nun aber wurde Georgiens Präsident Michail Saakaschwili erstmals geschlagen. Obwohl erst ein Viertel der Stimmen ausgezählt war, gestand der 44-jährige Staatschef am Dienstag ein, dass seine Partei die Parlamentswahl am Montag verloren hat. Seine Partei werde in die Opposition wechseln und von dort aus achten, dass alles, wofür Georgien in der Welt Berühmtheit und Sympathie erlangt habe, auch erhalten bleibe, sagte er. „So funktioniert Demokratie, dass Entscheidungen von der Mehrheit getroffen werden. Wir achten diese Wahl.“

Damit scheint klar, dass Saakaschwilis Partei das Ruder auch nicht mehr durch Direktmandate wird herumreißen können, wie zuvor erwartet. Damit ist auch klar, dass erstmals in Georgiens Geschichte ein Machtwechsel durch demokratische Wahl erfolgt ist.

Der Multimilliardär Bidsina Iwanischwili hat es geschafft. Weniger dadurch, dass er als erster die zersplitterte Opposition geeint hat, sondern dadurch, dass er den vor zwei Wochen aufgeflogenen Folterskandal in einem Gefängnis und den Frust über den immer autoritäreren Kurs des Reformers Saakaschwili für sich nützen konnte. Seit dem verlorenen Krieg gegen Russland 2008 hatte Saakaschwilis Heldenimage zu verblassen begonnen.

Doch noch ist er der mächtigste Mann im Land. Erst ab 2013, wenn er aus dem Präsidentenamt ausscheiden muss und der Premier laut neuer Verfassung stärkster Mann wird, übernimmt Iwanischwili das Steuer. Umgehend rief er gestern seine Gegner zur Zusammenarbeit auf. Auch er will nach eigenen Angaben das Land in die EU und Nato führen. Was Iwanischwili auch vollziehen dürfte, ist die Aussöhnung mit Russland, wo er sein Vermögen gemacht hat, das er nun angeblich zu 99 Prozent mit Georgien teilen will.

 

Lob von Wahlbeobachtern

Trotz einer Atmosphäre der Einschüchterung lobten Wahlbeobachter den Urnengang als demokratisch und frei. Womit Georgien ein Lehrstück für einen friedlichen Machtwechsel in der Region geliefert und Saakaschwili Reife in einer gefährlich aufgeheizten Atmosphäre bewiesen hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2012)

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22 Kommentare

Hunderte Asylwerber wurden nach Georgien abgeschoben

In den Folterstaat von Saakashvili.
Das Innenministerium hielt Georgien fuer ein sicheres Land.
Nun musste Saakashvili abtreten wegen des Folterskandals in seinen Gefaengnissen.
Die Besenrevolution - denn
mit Besen wurden die Regimegegner gefoltert.

Gast: Sehe mit Skeptizismus die Zukunft
03.10.2012 02:04
0 1

Der Schurke Saakashvili verstellt sich nur, das werden harte Zeiten für Geogien

Und ob ein reicher Milliardär wirklich an die Zukunft seiner Bürger und nicht eher an die Ausweitung seiner finanziellen und sonstigen Macht denkt, ist erst abzuwarten.
Außerdem besteht die einstige Opposition, und nunmehrige Mehrheit aus so viel sehr gegensätzlichen Gruppen, die nur die Gegnerschaft zum Despoten Saakashvili einte.
Vielleicht wird Georgien noch weiter auseinanderbrechen, Konflikte zwischen einzelnen Regionen gibt es genug und das weiß vor allem Russland sehr genau !

Wird in Österreich auch kommen!

-Dass dur diejenigen Regierungsverantwortung nehmen, die es vorher schon bewiesen haben etwas zu können - "also self made Millionäre!"
Alle anderen möchtegern Clowns und anderen-Geldverschwender sollen keine Führungsfunktion bekommen!

Antworten Gast: HBY
02.10.2012 21:38
0 0

Re: Wird in Österreich auch kommen!

Genau. Ein gutes Beispiel ist auch Trusk in Polen.

Gast: geil auf die EU
02.10.2012 17:35
0 3

glühender EU-Fan


mein Traum wird wahr: Demnächst auch Georgien, Mongolei und Bangladesh im Club.

Antworten Gast: HBY
02.10.2012 21:39
0 0

Re: glühender EU-Fan

Warum Mongolei und Bangladesh?

der name ist programm

man wählt einen traum. schaumamal in 3 jahren, was davon übrig ist...

Gast: Pensador
02.10.2012 15:17
0 4

Georgien ist nicht Europa und kann nie zur EU gehören.

Die EU-Fan-Liebe ist eine einseitige und wird es bleiben. Niemand hat das Recht und in keinem EU-Staat hat man Lust, ohne Willen des Volkes der europäischen EU-Staaten schon wieder in rechtswidrige Beitrittsverhandlungen mit einem neuen asiatischen Staat einzutreten.
Das hat man in Brüssel bereits jetzt den Georgiern klarzumachen. Damit es nicht wieder wie im Fall Türkei die fotzige Ausrede gibt, man habe ja bereits zum Verhandeln begonnen und müsse nun fortsetzen.

Das sollten besser nicht in Tiflis den Menschen erzählen

wenn man mit Europa das christliche Abendland umreisst, dann ist Georgien europäischer als die Europäer. Nach Armenien handelt es sich bei Georgien um die ältesten Staaten in denen das Christentum Staatsreligion wurde. Rom brauchte hundert Jahre länger.
Sie werden wohl kaum einen Georgier finden, der sich als Asiate definiert.

Re: Georgien ist nicht Europa und kann nie zur EU gehören.

die grenzen europas sind nur ungenau definiert. außerdem befindet sich bereits jetzt ein staat in der eu, der laut den meisten definitionen nicht teil des geographischen europas ist.
übrigens: wie können eu-beitrittsverhandlungen rechtswidrig sein?

Antworten Antworten Gast: Gauderli Zenzi
02.10.2012 21:40
0 2

Re: Re: Georgien ist nicht Europa und kann nie zur EU gehören.

Und welcher Staat soll das sein? Österreich vielleicht bei Ihren konfusen Gedankengängen?

Re: Re: Re: Georgien ist nicht Europa und kann nie zur EU gehören.

zypern liegt zumindest geographisch ziemlich eindeutig in asien.

Gast: Tbi-Lisi
02.10.2012 14:47
5 0

Georgier sind wohl schlauer als Österreicher..

in Georgien werden nämlich Politiker, die Verfehlungen zu verantworten haben, abgewählt.

In Österreich werden bei der nächsten Wahl wieder Millionen Irre bei den ultrakorrupten bürgerverhöhnenden Parteien ihr Kreuzerl machen.

Was für ein...

... Format (niveau) hat die Presse eigentlich, wenn das erste Wort im Artikel falsch ist?

Antworten Gast: B52-Bomber
02.10.2012 21:43
0 0

Re: Was für ein...

Wieso? Ist Moskau falsch geschrieben? Schreibt man das seit neuestem anders? Heißt die alte Zarenstadt jetzt gar Putingrad oder so?

Re: Re: Was für ein...

naja... als "alte zarenstadt" wird wohl meistens st. petersburg bezeichnet.

Antworten Gast: Pensador
02.10.2012 15:22
0 1

Re: Was für ein...

Wenn's nur das wäre!
"Niveau" hat dieses links"liberale" Halbgebildetenblatt schon längst keines mehr.
Und dass ihnen nicht noch mehr Abonnenten und Leser abhanden kommen, liegt einzig daran, dass es keine ernsthaften Alternativen gibt. Denn die anderen Postillen sind noch mieser.

Antworten Gast: baro palatinus
02.10.2012 14:46
0 0

jaja

die tücken des copy & paste

Gast: Bravo, bravo, bravo - und doch auch: was kommt jetzt
02.10.2012 13:30
2 1

Der Krawatten-Esser S. muss also abtreten

und es war auch schon längstens Zeit. Fast hätten ihn ja in dem Krieg, den er vor 2 oder 3 Jahren entfesselt hat, die Russen geschnappt. Die sind aber dann freiwillig vor Tiflis stehen geblieben. Er hat vor lauter Angst seine Krawatte vor den Fernsehkameras angeknappert.
Folter, Einschücherung, Schlägertrupps waren an der Tagesordnung unter dem Herrn Saakashvili, aber er blieb dennoch ein Liebling des Westens.
Und was kommt jetzt: ein Oligarch. Georgien hat keine Glück mit seinen Politikern. Gamsachuria wurde wahnsinnig, Shewardnadse war halbwegs normal, aber eben noch eine Sowjettyp.
Und dann in ferner Vergangenheit: Dschugashwili - Sie müssten wohl wissen, wie er mit seinem Kampfnamen hieß: Jozef Stalin -
ja der war auch Georgier und wurde durch meisterhaftes Intrigenspiel und unvorstellbare Skrupellosigkeit der Herr über die große Sowjetunion.

Re: Der Krawatten-Esser S. muss also abtreten

riesiger schwachsinn ihr kommentar. besser informieren bevor sie hier halbwahrheiten und stammtischgeschwätz verbreiten!

Antworten Antworten Gast: Klarstellung zu roottjk
02.10.2012 19:03
1 1

Das war aber kein Stammtisch...

Das Krawattenanknabbern des Herrn Saakasvili sah man weltweit, es wurde von BBC aufgenommen. Den Krieg hat er allerdings schon früher entfesselt - 2008 - und nicht erst vor 3 Jahren, wie oben behauptet, und er hat ihn gleich mit einem schweren Kriegsverbrechen begonnen, nämlich gegen die Zivilbevölkerung der südossetischen Hauptstadt mit Artillerie, Bomben und Panzern vorzugehen - da ist er eines Geistes mit Assad gewesen, ja, was die Zahl der Todesopfer in sehr kurzer Zeit betrifft, sogar noch schlimmer. Erst die russische Intervention stoppt das, was schon als Völkermord angelegt war.
Dennoch blieb er ein Liebling des Westens. Dass er dann auch noch zum Tyrannen mit Folter als strukturellem Mittel wurde, dürfte wohl bekannt sein.
Der erste Präsident Georgiens nach dem Zerfall der Sowjetunion namens Swiad Gamsachurdia wurde tatsächlich wahnsinnig (schizophren) und durch einen Putsch seiner Nationalgarde aus dem Amt gejagt. Ihm folgte der ehemalige sowjetische Außenminister Schewardnadse nach, der relativ normal regiert, ohne dass schwere Menschenrechtsverletzungen geschahen. Er wurde durch die sogenannte "Rosenrevolution" von Saakashvili gestürzt.
Und das Josef Stalin ein Georgier war und nach dem Tod Lenins die Macht in der Sowjetunion an sich riss, indem er die halbe kommunistische Partei der Sowjetunion und viele Generäle der Roten Armee hinrichten ließ und auch Trotzky ermorden, dürfte auch bekannt sein.
Dass diese Politiker alle Georgier waren, machte eben der Zufall.

Re: Das war aber kein Stammtisch...

Als normal würde ich es nicht gerade definieren, wie unter Schewardnadse das Land regiert wurde. Georgien war damals hoch korrupt und in der Hand von einigen Mafiaclans und Paramilitärs (die hatten übrigens auch den Abchasienkonflikt entfesselt).
Was Saakaschwili von vielen seinerzeit hoch angerechnet wurde ist das Verschwinden der Korruption und dass überhaupt etwas im Land vorangegangen ist.

Im Fadenkreuz der Terroristen