Bei einem Fernsehinterview am Rande der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit platze dem scheidenden Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, der Kragen. Der Auslöser: Ein Passant rief dem SPD-Politiker in München zu: „Die Bayern bezahlen den Nürburgring." Beck drehte sich daraufhin um und schrie: „Können Sie mal das Maul halten, nen Moment einfach das Maul halten?" Er sei nur ehrlich, konterte der Kritiker, darauf Beck: „Sie sind nicht ehrlich, Sie sind dumm."
Der Hintergrund: Seit Längerem wird Beck Missmanagement bei der größtenteils landeseigenen Nürburgring-Besitzgesellschaft vorgeworfen. Sie musste Insolvenz anmelden, das Land reagierte mit Zuschüssen von Steuergeld in dreistelliger Millionenhöhe. Bayern plant gerade eine Klage gegen den Länderfinanzausgleich, das Bundesland will nicht Projekte und soziale Wohltaten in anderen Bundesländern finanzieren müssen - wozu nach Meinung des Passanten auch der Nürburgring zählt.
"Wer austeilt, muss einstecken"
Anstatt sich nach seinem verbalen Ausfall zu entschuldigen, forderte der SPD-Politiker Verständnis für sein ruppiges Verhalten - und legte nach. „Auch ein Politiker muss sich nicht alles gefallen lassen", betonte Becks Sprecherin Monika Fuhr gegenüber der „Bild"-Zeitung vom Freitag. Der Ministerpräsident sei immerhin von dem Mann angeschrien worden und habe sich gegen diese Frechheit „mit deutlichen Worten verwahrt." Wer austeile, müsse auch einstecken können, ergänzte Fuhr.
Die Bitte um Verständnis stößt bei der CDU in Rheinland-Pfalz auf Ablehnung. Generalsekretär Patrick Schnieder kommentierte das Verhalten Becks als einem Ministerpräsidenten unwürdig. Die SPD versucht zu relativieren: „Für mich war das ein Temperamentsausbruch", meinte SPD-Generalsekretär Alexander Schweitzer. Die CDU lege das „Moralempfinden einer höheren Töchterschule" an den Tag. „Ich als Pfälzer weiß, dass zwischen Pfälzern und Bayern schon von jeher ein rustikaler Umgangston gepflegt wurde."
Der verbale Ausraster ist nicht der erste mit dem Beck für Schlagzeilen sorgt. 2006 hatte der Arbeitslose Henrico Frank Berck für Hartz IV und Millionen Arbeitslose verantwortlich gemacht, woraufhin der Politiker sagte: „Wenn Sie sich waschen und rasieren, haben Sie in drei Wochen einen Job." 2008 beim Starkbieranstich am Münchner Nockherberg erklärte Beck einem Betrunkenen: „Sie sind ein ungehöriger, dummer, frecher alter Mann".
Kurt Beck ist seit 1994 Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz und damit der derzeit am längsten amtierende Ministerpräsident in Deutschland. Von 2006 bis 2008 war er Bundesvorsitzender der SPD, von November 2006 bis Dezember 2008 Vizepräsident der Sozialistischen Internationale. Am 28. September 2012 kündigte Beck an, aus gesundheitlichen Gründen Anfang 2013 vom Amt des Ministerpräsidenten zurückzutreten. Seine Nachfolge soll die derzeitige Ministerin für Soziales, Gesundheit und Demografie im Kabinett Beck Marie Luise Dreyer antreten.
(Red.)
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