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Venezuela-Wahl: 'Anti-Imperalisten' bangen um Chavez

05.10.2012 | 18:25 |  Von unserem Korrespondenten ANDREAS FINK (Die Presse)

Die Präsidentenwahl hat begonnen. Im Fall eines Machtwechsels müssten die Verbündeten des linkspopulistischen Präsidenten auf lukrative Ölgeschäfte verzichten.

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Buenos Aires/Caracas. In Venezuela hat die Präsidentenwahl begonnen. Bis 18 Uhr Ortszeit (0.30 Uhr MESZ) haben die Wahllokale geöffnet. Die Venezolaner stimmen heute nicht nur über ihre Zukunft ab – sondern über die einer ganzen Region. Die Wellen, die von einem Machtwechsel ausgingen, würden an die Gestade von ganz Lateinamerika rollen. Sie wären bis in den Nahen Osten spürbar.

Seit seinem Amtsantritt 1998 drängte Hugo Chávez an das Schachbrett der Weltpolitik. Dort verschob der Ex-Offizier Figuren wie selten ein Dritte-Welt-Führer zuvor. Er war die Speerspitze des Südens gegen die USA, jene in allen Ländern Lateinamerikas traditionell nach Belieben wirkende Übermacht aus dem Norden. Er war – gemeinsam mit Brasiliens Präsidenten Lula – auch der Motor der Union Südamerikanischer Staaten Unasur, die sich als Gegenpol zu der US-dominierten Organisation Amerikanischer Staaten OAS formierte. Dabei half ihm seine verbale Überzeugungskraft ebenso wie sein stattliches Scheckbuch.

 

Teure Ölgeschenke für treue Freunde

„Vom Ausgang unserer Schlacht am 7. Oktober wird ein erheblicher Teil der Zukunft der Menschheit abhängen“, sprach der wahlkämpfende Comandante in typischer Diktion. Sein Kontrahent, Henrique Capriles Radonski, hat seinen Anhängern auf jedem seiner 270 Wahlkampfauftritte versichert, dass die Spendierhosen eingemottet werden, wenn er in den Palacio Miraflores einziehen sollte. Fast 70 Mrd. Dollar seien dem Land durch Chávez‘ Generosität entgangen, behauptet Capriles. „Ab 2013 wird kein Fass Öl mehr an andere Länder verschenkt.“ Das hätte massive Auswirkungen – vor allem auf Kuba. Die Insel bekommt täglich zwischen 100.000 und 120.000 Barrel Öl, und kann einen Teil davon auf dem grauen Markt direkt zu Dollars machen. Bezahlt wird mit der Arbeit der 44.000 kubanischen Ärzte, Krankenpfleger und Sporttrainer, die in Venezuelas Armenvierteln Dienst tun. 20 Mrd. Dollar seien Venezuela während des vergangenen Jahrzehnts durch den Kuba-Deal entgangen, schätzt der Oppositionsabgeordnete Carlos Berrizbeitia. „Wenn wir gewinnen, dann werden die Castristas in Kuba noch lauter heulen als die Chavistas hier.“ Im Juli flog Raúl Castro nach Moskau und Peking, um seinem Regime einen Schlag zu ersparen wie nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991. Der greise Fidel schickte seinem Ziehsohn Hugo im September eine ermunternde Grußadresse. Zur gleichen Zeit empfing Bruder Raúl laut der Chávez-kritischen Zeitung „El Universal“ eine Geheimdelegation der venezolanischen Opposition.

Auch in Nicaragua wird Venezuelas Wahl mit Nervosität verfolgt werden, waren die 510 Mio. Dollar Wahlkampfhilfe aus Caracas doch entscheidend für die Wiederwahl des Sandinistenführers Daniel Ortega 2011. Insgesamt bekam seine Regierung aus Caracas 7,5 Mrd. Dollar geschenkt, seitdem Ortega 2007 an die Macht zurückgekehrt ist.

 

Ende der Alianza Bolivariana (Alba) droht

Die beiden anderen großen Mitglieder der Wirtschaftsgemeinschaft Alba, Bolivien und Ecuador, dürfte ein Machtwechsel in Caracas ökonomisch weniger treffen, die hohen Preise für Öl, Gas und Mineralien halfen vor allem Evo Morales seine anfängliche Abhängigkeit von Hugo Chávez zu reduzieren. Doch das bolivarianische Bündnis dürfte ohne seinen „Big Spender“ wenig Zukunft haben: „Wenn Chávez verliert, dann wird Alba verschwinden“, glaubt der ecuadorianische Politologe Martín Pallares.

Die Aussicht auf eine Destabilisierung des Kontinents wird auch in Brasilia und Buenos Aires mit Unbehagen verfolgt. Cristina Kirchner verbindet eine enge Freundschaft mit Hugo Chávez. Aber auch Brasilien, dessen Wirtschaft massiv nach Venezuela exportiert und von der chavistischen Abneigung gegen US-Unternehmen profitiert, hofft auf einen Sieg von Hugo Chávez.

Eine lange Nacht dürften von Sonntag auf Montag die Beamten in Ministerien in Teheran haben, denn Chávez gehört zu den engsten Alliierten von Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinejad. Venezolanische Banken halfen der iranischen Wirtschaft, das internationale Embargo zu umgehen und wuschen Milliarden Dollar. Die US-Geheimdienste beobachten die iranisch-venezolanische Freundschaft mit Unbehagen. Deswegen dürfte auch in einigen Büros in Jerusalem das Licht nicht ausgehen: Trotz aller Diskretion gilt es als offenes Geheimnis, dass Israel zu den wichtigsten Unterstützern der Opposition gehört, im Mai empfing Premier Benjamin Netanjahu den venezolanischen Oppositionsführer Antonio Ledezma.

Und auch in Peking und Washington steht Caracas ganz oben auf der Agenda, schließlich wählt am Sonntag das Land mit den – nach OPEC-Angaben – größten Erdölreserven der Welt. China hat Chávez etwa 42 Mrd. Dollar geliehen, schätzt der Wirtschaftsdienst Bloomberg – und bekommt dafür im Gegenzug Erdöl zu Sonderpreisen. Und die USA wären nicht nur gern den Quälgeist im Süden los, ihre Unternehmen würden nur zu gerne die Ausbeutung der Bodenschätze im Orinoco-Becken anführen. Dort lagern Öl, Gold und Diamanten.

Auf einen Blick

Venezuelas Präsident Hugo Chavez (58) muss nach 14 Jahren im Amt am Sonntag um seine Wiederwahl bangen. Erstmals hat der Linkspopulist es mit einem ernst zu nehmenden Konkurrenten zu tun: mit dem ehemaligen Gouverneur Henrique Capriles Radonski (40). Einzelne Meinungsforschungsinstitute sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. Capriles ist der Spitzenkandidat eines Oppositionsbündnisses. Insgesamt treten sechs Bewerber an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2012)

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23 Kommentare

südamerika

ein hoffnungsträger für die armen und ausgebeudeten.

Gast: Das dritte Auge
07.10.2012 00:03
7 1

Chavez verliert? Kein Problem

wir schicken ihm Cap, Pendl, Faymann, Ostermayer und ein paar andere Sozialisten aus unserem Parlament. Für Amon ist im Flugzeug sicher auch noch Platz.

Diese wissen wie man die Opposition aussticht ohne Gewalt anzuwenden und trotzdem ohne dass die Opposition eigentlich etwas dagegen machen könnte außer dass sie die Wahl hat zwischen Rot/Schwarz Kompromiss und Ausschaltung.

ist venezuela etwa doch eine demokratie?



pardauz! man kann den staats- und regieungschef im auokratisch-diktatorisch-ur bösen caudillo-venezuela also ABWÄHLEN???!!! ganz neue aussichten. als langjähriger presse-leser haut mich das echt von den socken, damit hätte ich nicht gerechnet. denn ich wurde hier immer dahingehend informiert, dass dieser chavez-diktator demokratie nicht zulässt und abgeschafft hat.

Antworten Gast: nasichanet
07.10.2012 13:19
3 0

Re: ist venezuela etwa doch eine demokratie?

Sie wollen einen Chavez in Österreich?

Antworten Antworten Gast: noch einer
07.10.2012 16:28
0 1

Re: Re: ist venezuela etwa doch eine demokratie?

Sie nicht ?
Was wissen sie über Chavez ?

Die Darstellung des Hr. Chavez in unseren Medien ist absurd --- da wird nur das Feindbild "Chavez" bedient .

Antworten Antworten Antworten Gast: bergziege
07.10.2012 18:08
1 0

Re: Re: Re: ist venezuela etwa doch eine demokratie?

Es gibt unbestritten Profiteure seitdem Chavez an der Macht ist. Die Unruhen übergeht man am besten? Ein Wechsel könnte nicht schaden. Sollte das der Fall sein, werden Chavez und seine Leute nicht freiwillig gehen. Sie könnten sich jedoch ein Beispiel an Georgien nehmen.

Antworten Gast: diktator?
06.10.2012 20:14
6 1

Re: ist venezuela etwa doch eine demokratie?

was sie hier machen, ist genau das, was sie der presse unterstellen. seien sie doch bitte so freundlich und zeigen sie mir anhand einer archivrecherche die textstelle, in der die presse den chavez als diktator bezeichnet hat. meine archivanfrage dazu ergab folgendes ergebnis: "Ihre Suche nach "chavez+diktator" ergab 0 Treffer."
auch ihre behauptung über die tv-sender ist falsch. lesen sie bitte diesen text, der vor drei tagen in der presse zu genau dem thema erschienen ist: http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/1297601/Die-Medienmacht-des-Hugo-Chvez?from=suche.intern.portal

die presse, der treueste us-vasall in österreich, ist schon voll der vorfreude



frage: ich hab in dieser zeitung immer gelesen, dass der chavez ein brutaler diktator ist, der die opposition unterdrückt, etwa indem in regelmäßigen abständen den "letzten unabhängigen fernsehsender venzuelas" schließen lässt (und es gibt immer noch einen "letzten unahängigen fernsehsender"). wie kann es sein, dass in so einer gemeinen diktatur wie chavez-venezuela ein machtwechsel durch abwahl des "diktators" überhaupt möglich ist? wie kommt das?

Antworten Gast: yoshi1
07.10.2012 14:22
3 0

Re: die presse, der treueste us-vasall in österreich, ist schon voll der vorfreude

Auch eine Abwahl Putins ist möglich. Würden sie ihn dadurch automatisch als legitimen Volksvertreter nach unseren Standards bezeichnen?

Propaganda, Lügen, Stimmenkauf und Bestechung sind jedenfalls Werkzeuge von Chavez. Lediglich über gleichwertige de-facto-Unterdrückung von Opposition und Gegnern ist mir in Venezuela nicht viel bekannt.

Re: die presse, der treueste us-vasall in österreich, ist schon voll der vorfreude

Weil er Gott sei gedankt doch nicht alles kann und darf wie er gerne möchte.

Re: Re: die presse, der treueste us-vasall in österreich, ist schon voll der vorfreude

aber er ist doch laut auskunft der presse ein allmächtiger diktator! wie kann es da durch wahlen einen machtwechsel geben? wo doch niemand gegen ihn sein darf, sonst wird er grausam unterdrückt? und opposition ist ja dort auch unmöglich bzw. verboten bzw. beides. also wie passt das zusammen?

oder...moment mal...ist venezuela etwa eine DEMOKRATIE????!!!!

Re: Re: Re: die presse, der treueste us-vasall in österreich, ist schon voll der vorfreude

Du müsstest ein wenig mehr über Südamerika lesen und wissen!
Der Trend in ganz Südamerika ist es Diktatorische Demokratien zu gründen, sei es in Ecuador, Bolivien, Brasilien oder Venezuela.
Zum Beispiel unser Ex-Präsident Lula, hat das Parlament mit Monatlichen Zahlungen an die Parlamentähre gekauft um seine Personkultur und seine Idiotischen für Brasilien ganz unnötige Gesetze durch zu bringen.

Es fehlt nur noch das dieser halben alphabet dreimal mit den Fuss aufschlägt und schreit:

Ich Will, Ich Will und Ich Will!!!!

heute chavez weg

morgen die vassilaku

Antworten Gast: bergziege
07.10.2012 18:10
0 0

Re: heute chavez weg

Nein. Die rot-grüne Stadtregierung. Alles in einem bitte.

16 5

Chavez abgewählt...

Es wäre mal wieder an der Zeit für positive Nachrichten, damit werden wir momentan nicht gerade verwöhnt... Vielleicht macht der Hugo ja den Anfang und verschwindet von der Bildfläche, würde der Welt sicher nicht wehtun...

Antworten Gast: noch einer
06.10.2012 01:02
3 7

Chavez gewählt

Der alte besitzenden Klasse
wurden durch Chavez die Privilegien genommen .
Die Einnahmen aus der Erdölförderung werden heute auch für Bildung und soziale Unterstützung verwendet .

Antworten Antworten Gast: tutep
07.10.2012 13:27
2 0

Re: Chavez gewählt

Er ist Teil der besitzenden Klasse.

Re: Chavez gewählt

Ja! Ja! Aber nur ein Bruchteil, die meisten Einnahmen werden für politische und für das Volk nutzlose Personenkult verwendet.

Antworten Antworten Antworten Gast: noch einer
07.10.2012 12:08
2 1

Re: Re: Chavez gewählt

Bei meinem Aufenthalt in Venezuela
habe ich von einem Personenkult nichts gesehen .
Weder Plakate ,abgesehen von wenigen Ausnahmen ,von Chavez ,
noch die Präsenz von Chavez
auf den Bildschirmen war groß .
Es gibt einen Regierungssender ,
die meisten Sender sind aber private/kommerzielle Sender .

Re: Re: Chavez gewählt

gottlob ist das ja im rest der welt viel besser. vor allem in den usa, gell?

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Re: Re: Re: Chavez gewählt

Besser als in Venezuela? Ja. Glauben Sie es jemandem der im Gegensatz zu Ihnen beide Länder gesehen hat.

Re: Re: Re: Re: Chavez gewählt

no-na sind die usa reicher und wohlhabender als südamerikanische armenhäuser. aber unter chavez ist einiges für die armen getan worden, was früher nicht passiert ist - bei aller möglicher korruption gehts dort millionen menschen besser als jemals zuvor. und das ist die leistung vonn chavez.

kein mensch behauptet dort wäre das paradies ausgebrochen, aber die ständigen behauptungen er wäre ein "diktator" und alle öleinnahmen fließen nur in dunkle kanäle ab stimmen einfach nicht. diese dämonisierungen als auch die versuche in ihm eine heilsbringer zu sehen, haben nichts mit der realität zu tun.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: seitegegenseite
07.10.2012 13:29
1 0

Re: Re: Re: Re: Re: Chavez gewählt

Schön und gut dass er Almosen verteilt hat oder was auch immer, aber was tun die für sich bzw. was dürfen / können die tun in der Chavez-Ära?