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Türkei: Der ungeliebte "Krieg der AKP"

06.10.2012 | 17:52 |  von Susanne Güsten (ISTANBUL) (Die Presse)

Selbst Anhänger des türkischen Premiers Erdoğan halten den offensiven Kurs gegenüber Syrien für falsch. Einen Einmarsch sowieso. Nach einer aktuellen Umfrage lehnen zwei Drittel der Wähler die Linie Erdoğans ab.

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Mehmet Yilmaz schüttelt den Kopf. „Wir sollten uns da ganz raushalten“, sagt der Mittfünfziger aus der türkischen Metropole Istanbul. Mehr als 20 Jahre war Yilmaz, der in Wirklichkeit anders heißt, bei der Armee. Als Pilot steuerte er Kampfhubschrauber während der schlimmsten Jahre des Kurdenkriegs in Südostanatolien. Er hat mit eigenen Augen gesehen, was ein Krieg anrichten kann. Und jetzt befürchtet er, dass die Türkei in einen neuen Krieg mit dem Nachbarn Syrien hineinschlittert. „Wenn wir nach Syrien gehen, kommen wir da so schnell nicht mehr raus.“

Yilmaz steht mit seiner Sorge nicht allein: „Nein zum Krieg“, skandieren tausende Demonstranten am zentralen Taksim-Platz. Im gerade vom türkischen Parlament beschlossenen Mandat für eine Intervention der Armee in Syrien sehen sie den ersten Schritt zum Krieg. Die Kritiker befürchten, dass die Lage nach dem Tod von fünf türkischen Zivilisten durch syrischen Beschuss der Grenzstadt Akcakale und dem anschließenden Vergeltungsschlag der türkischen Armee mit Artillerie weiter eskalieren könnte. Auch in Ankara und anderen Städten wird demonstriert, in der Hauptstadt setzt die Polizei Tränengas ein, um die Kundgebungsteilnehmer an einem Marsch aufs Parlament zu hindern.


Breite Skepsis. „Der Krieg der AKP“ sei das, steht auf einem Transparent bei der Demo in Istanbul. Die machtgewohnte Regierungspartei von Premier Recep Tayyip Erdoğan, die in den vergangenen zehn Jahren drei Wahlen souverän gewann, hat bei der Kundgebung am Taksim einen schweren Stand. Erdoğan mag versucht sein, die Proteste als Reaktion einiger vaterlandsloser Gesellen abzutun. Der Premier ließ erkennen, dass er die Angelegenheit tatsächlich so sieht. Die Gegner des Syrien-Mandats hätten vor der Geschichte versagt, erklärte er.

Aber ganz so einfach ist die Sache nicht. Die Skepsis gegenüber der Syrien-Politik der Regierung geht quer durch die Gesellschaft und betrifft auch die AKP-Wählerschaft. Nach einer aktuellen Umfrage lehnen zwei Drittel der Wähler die Linie Erdoğans im Syrien-Konflikt ab – selbst jeder dritte AKP-Wähler ist dagegen, was die Regierung in Sachen Syrien unternimmt.

Ganz besonders groß ist der Widerstand in der Grenzprovinz Hatay im Süden der Türkei. Dort halten sich die meisten syrischen Flüchtlinge in der Türkei auf – ausgerechnet in einer Gegend, in der viele arabisch-alawitische Muslime leben. Auch die syrische Elite um den Assad-Clan gehört der alawitischen Religion an, und so hat Assad in Hatay etliche Anhänger. Die syrischen Flüchtlinge dagegen sind überwiegend Sunniten, die sich zur Opposition gegen Assad zählen.

Bei Demonstrationen in Hatay machte sich schon in den vergangenen Wochen der Unmut über die Anwesenheit der Syrer Luft. Die Regierung in Ankara reagierte rasch – und leitete eine Umsiedlung von Flüchtlingen in andere Gebiete der Türkei ein.


An der Wahlurne begraben. Auch in Akcakale, Brennpunkt der militärischen Auseinandersetzungen zwischen Syrern und Türken in den vergangenen Tagen, bekam die Regierung die Wut der Bevölkerung zu spüren. Die Toten des syrischen Angriffs seien in den Herzen der Menschen begraben worden – „die Politiker begraben wir an der Wahlurne“, stand auf einem Spruchband, das während eines Beileidsbesuches von Arbeitsminister Faruk Celik in Akcakale entrollt wurde.

Die Menschen in Akcakale fühlen sich von der Politik alleingelassen. Schutzlos seien die Bewohner den syrischen Querschlägern ausgesetzt gewesen, die seit Wochen immer wieder einschlugen. „Wir wurden unserem Schicksal überlassen“, sagt ein Arbeiter.

Die Opposition in Ankara argumentiert ebenfalls, die Regierung habe die Sicherheit der Türkei und ihrer Bürger aufs Spiel gesetzt, indem sie sich im Syrien-Konflikt so glasklar auf die Seite der Assad-Gegner gestellt habe. Auch der traditionelle Anti-Amerikanismus der türkischen Linken spielt bei der Kritik eine Rolle. In linksgerichteten türkischen Tageszeitungen wird die Erdoğan-Regierung regelmäßig als „Subunternehmer“ Washingtons beschimpft. Der Premier werde von den USA vorgeschickt, um Syrien nach Washingtons Wünschen neu zu ordnen, ohne dass sich die Amerikaner dabei die Finger schmutzig machen müssten, lautet der Vorwurf. „Mörder USA“ stand auf Schildern der Demonstranten auf dem Taksim.

Auch Mehmet Yilmaz, der ehemalige Hubschrauberpilot, ist der Ansicht, dass „imperialistische Mächte“ hinter der Syrien-Krise stehen. Die Türkei solle in einen Krieg hineingeschubst werden, damit der weitere Aufstieg des Landes zur regionalen Führungmacht verhindert werde, sagt er.

Was alle Erdoğan-Kritiker verbindet, ist die Befürchtung, dass die Regierung und ein Teil der Medien versuchen, eine Hurra-Stimmung für einen Krieg zu erzeugen. In einem Krieg würden die Entscheidungen immer von jenen getroffen, die selbst nicht befürchten müssten, ums Leben zu kommen, schrieb der Chefredakteur der unabhängigen Tageszeitung „Taraf“. Für die Regierung hat er eine Warnung parat, die auch der Ex-Pilot Yilmaz teilt: „Es ist schwerer, einen Krieg zu beenden, als ihn zu beginnen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2012)

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35 Kommentare
 
12
Gast: Kärnten
07.10.2012 11:35
4 0

Prima ohne Untersuchung, schon bestätigt

Sofort nach dem Einschlag der Granaten in der Türkei wusste man aus dem FF wer diese abgeschossen hat. Prima wenn die überall so schnell währen.???.
Ich komme aus der Region es wird viel gelogen un vertuscht glaubt nicht das was die Medien in der Türkei zeigen, diese sind zu 90% gekauft und tanzen nach Erdogans Pfeife.
Macht die Augen auf, wer hier den Krieg anzettelt.

Re: Prima ohne Untersuchung, schon bestätigt

Was ist mit den Zweisprachigen Ortstafeln lieber Kärntner,der sehr besorgt ist um das wohl der schwächeren ? Kümmert ihr euch um die Scheuchbande,und lasst uns Türken unsere Probleme selbst lösen ! Die Türkei grenzt an drei Meere,das ist 3 Nummern zu groß für euch Klein-See Menschen.

Antworten Antworten Gast: DieAntwort
08.10.2012 09:52
0 0

Die tägliche Nachricht eines beleidigten Türken der keine Kritik verträgt...


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Was ist das Problem?

Die Türkei hat mit minimalem Aufwand eine 10km Sicherheitszone an der Grenze geschaffen und Assad klar signalisiert, daß seine Spielchen nicht toleriert werden. Und Assad hat gekuscht - womit er in der arabischen Welt sein Gesicht verloren hat - und das ist gut so.
Zugegebenermaßen wäre der europäische Gutmenschen und Diktatorenversteher Ansatz eine Kommission einzusetzen und herumzudiskutieren ...

Wenn die Syrer alle Palästinenser und Kurden bewaffnen,

so wie das die NATO mit der syrischen "Opposition" machen, dann geht es endgültig rund im nahen Osten.

Re: Wenn die Syrer alle Palästinenser und Kurden bewaffnen,

Wau,so viel nichts unter einer Schädeldecke ist rekordträchtig !

Antworten Gast: Global Player
07.10.2012 11:58
0 0

Re: Wenn die Syrer alle Palästinenser und Kurden bewaffnen,

geopolitische Überlegungen:
Nachdem die Ami und ihre Verbündeten etwa Ende 2014 aus Afgh abziehen werden...ist Handlungsbedarf
wohin mit den vielenTruppen?
der nächste Kriegseinsatz(gegen den Iran) wird von langer Hand vorbereitet!
dazu benötigtman einen Helfer im Nahen (und Mittleren Osten) und vor allem einen Kriegsgrund.
Im Zangengriff werden die Ami versuchen genau an diesem crosspoint(TR,Irak,Iran,Syr) sich einzunisten-dies v.a. mit Hilfe der Türkei als Natomitglied-ein paar Mrd Schützenhilfe ebnen den Weg..
was spielen hier ein paar zigT. Tote eine
Rolle bei diesen Planspielen?
hier geht und ging es niemals um Frieden,Freiheit,etc. sondern um Macht und Einfluss für die Zukunft
bzw. um Öl und Ressourcen aller Art

Bei den Türken bricht die Panik aus....

.. es zeichnet sich ab, dass trotz heftigster Unterstützung von NATO-Seite ist der Umsturzversuch in Syrien am Scheitern.
Dass aber nachher die Syrer weiterhin die Kurden so intensiv an die Kandarre legen wie vorher, ist auszuschließen. Damit wird die Angelegenheit zum Bumerang und das Kurdenproblem wird die Türkei immer weiter destabilisieren....

Re: Bei den Türken bricht die Panik aus....

hıhhh...
Welche Panik?
Das Eisen wird erst jetzt heiss.... Warte ab, was noch danach kommt!

Volkswille ist nicht mehr Grundlage für Regierungen

"Mehmet Yilmaz" und die Mehrzahl der türkischen Bevölkerung zeigen sich aufgeklärt und ihrem Premier Erdogan in vielerlei Hinsicht überlegen.

Das Ergebnis der "Umfrage" zeigt aber auch die Volksohnmacht, wenn Demokratien zu reinen Parteioligarchien mutieren. Selbst wenn es um existenzielle Entscheidungen geht, kann gegen die Mehrheit des Volkswillens gehandelt werden.

Diese beklemmende Situation ist mittlerweile in vielen "Demokratien" auch in Europa festzustellen.


Re: Volkswille ist nicht mehr Grundlage für Regierungen

braucht man garnicht den Rest von Europa ansehen! kann man genauso gut daheim sehen

6 0

Kompliment,

wer hätte gedacht, dass das türkische Volk die Machenschaften der Politik so klar durchschaut.

Re: Kompliment,

Das Tuerkische Volk ist die Herrschaft der Militaers einfach leid.

Gast: Peterundich
06.10.2012 23:17
13 2

Netter Beitrag.

Vielleicht sollte erwähnt werden das Erdogan und seine Regierung die Terroristen in Syrien mit Waffen beliefert. Das ist unter Kriegsverbrechen ein zu stufen und Erdogan und seine Regierung müssen dafür vor ein Internationales Gericht gestellt, verurteilt und eingekerkert werden.

Antworten Gast: Gesichtschirurg
07.10.2012 09:11
1 1

Re: Netter Beitrag.

Vielleicht sollten Sie wissen, dass es die USA, GB und Israel sind die diesen Konflikt begonnen haben und dass unsere gleichgeschaltete Presse seit Monaten zu beobachten ist, wie sie diesen Konflikt anheizende Gerüchte verteilt.

Ihre absurde Forderung ist ein Beweis für die selektive Wahrnehmung und die Doppelmoral der Nutzniesser dieses Konfliktes.

Gast: Bravo Erdogan
06.10.2012 22:32
7 5

Die Einmischung der Türkei in den Syrischen Konflikt wird am Ende die Türkei selbst in den Abgrund reißen.

Und das ist auch gut so ......

Gast: Göktürk
06.10.2012 21:57
2 10

nicht Neidisch sein

Bei der Nächstenwahl bekommt Hr Erdogan 60 % der Sitimmen.Hier geht es um die Türkei nicht um die Eu oder Assad ob ihnen gefällt oder nicht.

Erdogan ist entweder politisch irre oder tatsächlich der Subunternehmer der USA!

Ohne eine Untersuchung des Vorfalles, ist ohnehin nicht zu sagen, wer dahinter steckt! Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Ari-Angriffe nicht "bestellt" wurden, geht gegen Null!

Während in Aleppo TÜRKEN kämpfen, und türkische Offiziere Einheiten in. Aleppo befehligen, kommt Erdogan und glaubt der Rest der Welt ist so doof, dass sie auf seinen VERBRECHERISCHEN 1er SCHMÄH reinfallen!

Was Erdogan hier mit beinahe hündischer Ergebenheit abliefert, ist zudem ein klarer Verstoss gegen die Regeln der internationalen Gemeinschaft!


Antworten Gast: Mazze
06.10.2012 21:48
2 7

Re: Erdogan ist entweder politisch irre oder tatsächlich der Subunternehmer der USA!

Was soll man da noch großartig untersuchen. Die Syrische Regierung hat sich ja schon wegen dem Vorfall entschuldigt also ist es wohl glasklar das die syrische Regierung für die Bomben die auf die Türkei abgeschoßen wurden verantwortlich ist und nicht die Rebellentruppen. Ich teile die Angst vieler Leute das sich der Krieg auf weitere Staaten in der Region ausbreitet aber ich finde was die Türkei gemacht hat absolut legitim. Sie haben das Recht, nein vielmehr noch die Pflicht ihre Bürger zu beschützen.

Re: Re: Erdogan ist entweder politisch irre oder tatsächlich der Subunternehmer der USA!

Sie sind komplett falsch informiert!

Die letzte Info ist, dass die Granate aus NATO-Beständen stammt!

Soweit zur Legitimität der Handlungen der Türkei, ein Land ausserhalb von Europa und leider in der NATO!

Somit ist die NATO für AUT uninteressant!

Warum sollte Syrien zuerst bewusst in die Türkei schießen...

um sich nachher dann dafür zu entschuldigen???
Sie glauben aber auch wirklich jeden Blödsinn, den unsere Medien so verzapfen zwecks Desinformation.

Antworten Antworten Gast: Demokrit
07.10.2012 08:39
6 0

Re: Re: Erdogan ist entweder politisch irre oder tatsächlich der Subunternehmer der USA!

Bitte, in den internationalen Zeitungen wie FAZ, Die Zeit oder Le Mond, genau lesen. Die syrische Regierung hat der Familie ihr Beileid ausgedrückt, sich jedoch nicht entschuldigt! Auch wenn das von gewissen Lohnschreibern(von den USA gesteuert) anders dargestellt wird. Die besseren Waffen genügen heutzutage nicht mehr. Die Mächtigen dieser Welt gängeln die "freien Medien" und uns. Bleiben wir wachsam und kritisch. "Traue keinem (keiner) über Dreißig"! (1968-Spruch).

Gast: andi007
06.10.2012 19:47
3 17

wtf?

wo liegt das problem, ein türkischer flieger wurde abgeschossen, syrische artillerie bringt türken um, die reaktion ist, die türkei schießt mit artillerie zurück (keine flugeinsätze); möglicherweise unverhältnissmässig, aber nicht mehr

es liegt nicht annähernd ein krieg in der luft, die türkei denkt nicht daran, in syrien einzumarschieren, erdogan denkt nicht daran! die türkei verteidigt mit stärke ihre grenzen und sonst gar nichts

die medien schreiben einen krieg herbei, denn es nicht gibt! schon als der türkische jet abgeschossen wurde, haben die medien so getitelt, passiert ist absolut nichts und so wird es auch dieses mal sein, mit der Ausnahme, das die türksiche Artillerie syrische Stützpunkte in ihrer Reichweite angreifen wird! Das türkische Militär wird mit Sicherheit nicht nach Syrien gehen.

Re: wtf?

lassen wir einmal die Hintergründe ausser acht! Jeder Krieg wird am Anfang mit "Verteidigung" begründet. Irgendwann läuft dann alles aus dem Ruder. Die Verlierer sind immer alle Beteiligten Bevölkerungen. Ich bitte Herrn Erdogan und seine Komplizen in den Kampfanzug an die Front!

Antworten Gast: noch einer
06.10.2012 20:10
15 1

Re:

der Terrorismus gegen die
syrische Regierung wird u.a .
von der Türkei aus gelenkt .
Das abgeschossene Flugzeug war tief in Syrisches Gebiet eingedrungen ..

Die NATO und das NATO Land Türkei schüren diesen Konflikt .

False flag Operationen (wer hat die Granate auf türkisches Gebiet abgeschossen ?) sind an der Tagesordnung .

Antworten Antworten Gast: NA UND
06.10.2012 23:13
0 9

Re: Re:

NA UND

 
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