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Philippinen schließen Frieden mit islamistischen Rebellen

07.10.2012 | 18:14 |  Von unserem Korrespondenten SASCHA ZASTIRAL (Die Presse)

Die Schaffung einer halbautonomen Region in Mindanao soll den jahrzehntealten blutigen Konflikt beenden. Damit erscheint die Lösung eines der hartnäckigsten Konflikte Asiens in greifbarer Nähe.

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Bangkok/Manila. Nach jahrzehntelangen Kämpfen mit 120.000 Toten können sich die Menschen auf den Südphilippinen erstmals realistische Hoffnungen auf Frieden machen: Bei den Verhandlungen zwischen der Regierung und der „Islamischen Moro-Befreiungsfront” (MILF) gab es offenbar den entscheidenden Durchbruch. Präsident Benigno Aquino III. erklärte am Sonntag, die Regierung habe sich mit den Rebellen auf ein „Rahmenabkommen“ geeinigt, auf das bald ein Friedensvertrag folgen soll.

Vorgesehen ist eine halbautonome Region in den mehrheitlich muslimischen Teilen Mindanaos. Die Zentralregierung werde jedoch die Kontrolle über die Verteidigungs- und Sicherheitspolitik sowie über die Außen- und Währungspolitik behalten. Nachrichtenagenturen zitierten einen Sprecher der Rebellen mit den Worten, seine Gruppe sei „sehr glücklich“ über das Abkommen. Damit erscheint die Lösung eines der blutigsten und hartnäckigsten Konflikte Asiens in greifbarer Nähe.

 

Al-Qaida-nahe Gruppen aktiv

Mindanao ist die zweitgrößte Insel der Philippinen und die Heimat der meisten Muslime des Landes, die etwa fünf Prozent der Bevölkerung ausmachen. Zugleich ist die Region reich an Bodenschätzen und verfügt über einige der fruchtbarsten Anbaugebiete des Landes. Anfang der 1970er-Jahre eskalierten Forderungen nach Selbstverwaltung: Es kam zum bewaffneten Aufstand, dem 120.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Mindestens zwei Millionen sind vor den Kämpfen zwischen der Regierung und mehreren bewaffneten Separatistengruppen geflohen. Vor etwa zehn Jahren hat sich der Konflikt verschärft, als islamistische Terrorgruppen wie Abu Sayyaf, die Verbindungen zu al-Qaida haben, ihre Aktivitäten in der Region intensiviert haben. Auch die Jemaah Islamiah, eine staatenübergreifende islamistische Organisation mit Basis in Indonesien, ist in Mindanao aktiver geworden. Sondereinheiten der philippinischen Armee ist es seitdem – mit großer Unterstützung der USA – gelungen, Abu Sayyaf und ähnliche Gruppen zurückzudrängen.

Bereits 1990 sollte eine Autonomieregelung die Auseinandersetzungen beenden. Doch die Rebellen gaben sich damals mit der Schaffung der „Autonomen Region des Muslimischen Mindanao“ nicht zufrieden. Mehrere Versuche, die MILF zu einer Friedenslösung zu bewegen, sind seitdem gescheitert. Eine aggressive Militärstrategie Ende der 1990er-Jahre hat ebenso wenig gebracht wie spätere Verhandlungen.

 

„Völlige Freiheit für Christen“

Bereits 2008 unterzeichneten Regierung und Rebellen eine Friedensvereinbarung. Das Oberste Gericht setzte das Abkommen jedoch in allerletzter Minute außer Kraft. Die Richter hatten damals einer Beschwerde von Bürgermeistern und Gouverneuren in Mindanao – unter ihnen Christen und Muslime – Recht gegeben, die befürchteten, gegen ihren Willen in einen neu geschaffenen Gliedstaat Bangsamoro integriert zu werden. Das Gericht kritisierte die Regierung in ungewohnt schroffen Worten dafür, die Verhandlungen mit den Rebellen „heimlich” geführt und der Vereinbarung „in despotischer Weise“ zugestimmt zu haben.

Daher bemühte sich die Regierung von Benigno Aquino III., der 2010 mit dem Versprechen in den Wahlkampf gegangen war, er werde für eine Friedenslösung in Mindanao sorgen – um mehr Transparenz. Auch die Rebellen bemühten sich, auf die Sorgen von Bewohnern der Region einzugehen, die einer Autonomie weniger enthusiastisch gegenüberstehen. So versprachen sie den Christen in Mindanao „völlige Freiheit bei der Ausübung ihres Glaubens“. Vertreter ethnischer Minderheiten sollen im Lokalparlament des neu zu schaffenden Gliedstaates reservierte Sitze erhalten.

Präsident Aquino kündigte an, es werde vor der Gründung des geplanten neuen Gliedstaates eine Volksabstimmung geben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2012)

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5 Kommentare

Frieden?

Wohl eher ein Teilsieg einer bestimmten Religion.

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„Völlige Freiheit für Christen“

Nie im Leben!!
Die werden jetzt mal "Frieden" schließen um im Endeffekt dann alles zu fordern.

Diese Gruppen lassen es nicht zu das außer ihrer Religion noch eine andere in ihrem Refugium existiert!

Re: „Völlige Freiheit für Christen“

super kommentar von jemanden,der keine ahnung von philippinen hat!

Antworten Antworten Gast: hmm
08.10.2012 08:59
0 3

Re: Re: „Völlige Freiheit für Christen“

Da werden Sie sicher völlig Recht haben! Der Beitragsverfasser dürfte nie im Leben auch nur dort gewesen sein geschweige denn umfassendere Landeskenntnisse haben.

Er scheint auch in der Schule nicht aufgepasst zu bzw. nur eine sehr dürftige Schulbildung haben sonst müsste er wissen, dass die Philippinen von Spanien zwangschristianisiert worden sind und die Rebellen von Mindanao sich bis heute gegen diesen christlichen Terror der nach der Übernahme der Kolonialverwaltung durch die Vereinigten von Nordamerika vor allem von den dort beheimateten evangelikalen und protestantischen Kirchen in Zusammenarbeit mit der römisch katholischen Kirche noch verstärkt worden ist zur Wehr setzen!

Ohne damit besondere Sympathie gegen die muselmanische Spielart des abrahamitischen Obskurantismus´zu demonstrieren sollte man dennoch die Kirche im Dorfe stehen lassen und historische Ereignisse und Entwicklungen nicht nach Tagesbedarf für miese schäbige Propaganda umdeuten ...

Terroristen sind keine Rebellen.


Im Fadenkreuz der Terroristen