Paris/R.b. Zwölf Verdächtige sind seit Samstag in Haft, einer starb bei einem Feuergefecht mit der Polizei – doch damit ist die Jagd nach gewaltbereiten Islamisten noch nicht vorbei. Denn Frankreichs Regierung rechnet mit weiteren Festnahmen. Im ganzen Land gebe es „hunderte Individuen“, die als Terroristen infrage kämen, sagte Innenminister Manuel Valls am Montag.
Die Razzia am Wochenende belegt, dass die terroristische Bedrohung in Frankreich nicht aus dem Ausland kommt, sondern aus den Plattenbausiedlungen an den Rändern der Metropolen – von französischen Muslimen. Anlass für die Polizeiaktion war ein Anschlag auf ein jüdisches Lebensmittelgeschäft in einem Pariser Vorort am 19.September, hinter dem die nun ausgehobene Gruppe stecken soll.
Als beispielhaft für dieses terroristische Profil kann der 33-jährige Jérémie Félix Louis-Sidney angeführt werden, der am Samstag erschossen wurde, als er sich mit Waffengewalt seiner Festnahme widersetzte. Laut der Staatsanwaltschaft habe er in einem Testament geschrieben, er wolle als „Märtyrer“ sterben. Louis-Sidney war 2008 wegen Drogenhandels zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Offenbar führten Begegnungen im Gefängnis zu seiner Konversion zum Islam.
Negativer Einfluss der Imame
Auf die Problematik der islamischen Seelsorge in den Gefängnissen weist der Imam und Hochschulprofessor Boubaker El-Hadj Amor hin. Im Unterschied zu den katholischen Priestern arbeiten die muslimischen Seelsorger ehrenamtlich. Sie seien bei Weitem nicht zahlreich genug, um sich um die seiner Schätzung nach mehr als 10.000 inhaftierten Muslime zu kümmern. „An ihrer Stelle erklären sich dann irgendwelche Individuen zu Imamen und üben einen negativen Einfluss auf Mitgefangene aus.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2012)
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