Peking. Beweise gibt es keine. Bis heute ist nicht von einem Fall bekannt, in dem die chinesischen Technologieunternehmen Huawei und ZTE tatsächlich irgendwelche Geheiminformationen über ihre ausländischen Kunden der Führung in Peking oder dem chinesischen Militär weitergegeben hätten. Und dennoch holt der US-Kongress nun zum Schlag gegen sie aus.
In einem Untersuchungsbericht des US-Kongresses heißt es, Huawei und ZTE stellten eine Sicherheitsgefahr für die USA dar und stünden „vermutlich unter Einfluss der Regierung in Peking“. Aufträge an ZTE und Huawei oder gar Übernahmen durch die Firmen könnten die nationale Sicherheit gefährden. China habe die Mittel und auch die Gründe, Telekommunikationsunternehmen weltweit für „bösartige Ziele“ einzusetzen. Die an dem Bericht beteiligten Kongressabgeordneten fordern die US-Regierung auf, jegliche Übernahmen und Fusionen mit Beteiligung von Huawei und ZTE zu verhindern. Indirekt rufen sie damit zu einem Boykott dieser beiden chinesischen Konzerne auf.
Ein Offizier und Unternehmer
Die Vorwürfe sind nicht neu. Schon seit Jahren warnen Sicherheitsexperten der USA vor allem vor dem Konzern Huawei, dem eine Nähe zum chinesischen Militär nachgesagt wird. Und tatsächlich: Obwohl Huawei offiziell als Privatunternehmen gelistet ist, war Firmengründer und derzeitiger Chef Ren Zhengfei vorher Offizier der Volksarmee und auch lange Zeit in der staatlichen Rüstungsindustrie tätig, bevor er 1987 Huawei gründete. Die Nähe zur Staatsspitze liegt auf der Hand. Doch um die engen Handelsbeziehungen mit China nicht zu belasten, mied es die US-Politik bisher, die Vorwürfe allzu laut zu formulieren. Nun ist in den USA aber Wahlkampf. Und die Politiker trauen sich.
Bill Plummer, Vizepräsident von Huawei in den USA, weist die Vorwürfe dennoch zurück. 70 Prozent der Umsätze würden im Ausland erwirtschaftet, Huawei werde sie nicht zugunsten irgendeiner Regierung aufs Spiel setzen, versicherte er dem US-Fernsehsender CBS. Inzwischen ist das Unternehmen mit Sitz in der südchinesischen Stadt Shenzhen nach Ericsson die globale Nummer zwei in der Netzwerk- und Telekommunikationstechnologie und beschäftigt in mehr als 150 Ländern 140.000 Mitarbeiter. Huawei beliefert 45 der weltweit 50 größten Telekomunternehmen – darunter auch Vodafone, Deutsche Telekom und O2 – und wartet regelmäßig deren Netze. Telekom-Ausrüster ZTE ist mit rund 70.000 Mitarbeitern weltweit die Nummer fünf.
Der Name Hua (für China) impliziert bereits Staatsnähe – was in der Volksrepublik aber noch nicht viel heißt. Nach Angaben des China-Experten Richard McGregor sind gerade einmal 30 Prozent aller Unternehmen in China wirklich in privater Hand. Die große Mehrheit ist auf die eine oder andere Weise mit dem Staat und der kommunistischen Partei verwoben.
In der Netzwerktechnologie gilt die Gefahr der Wirtschaftsspionage als besonders groß. Australien hat erst vor wenigen Monaten ZTE von einer Ausschreibung ausgeschlossen, weil Canberra befürchtet, mit ZTE-Technologie könnte das nationale Breitbandnetz anfälliger für Hackerangriffe aus der Volksrepublik werden.
Leicht zu knacken
Ähnliches haben deutsche Spezialisten bei Huawei festgestellt. Sie werfen dem Unternehmen vor, die eigenen Router (wahrscheinlich bewusst) so auszustatten, dass sie leicht zu knacken sind. Auch hinter diesem Vorwurf steckt die Vermutung, auf diese Weise könnte der chinesische Staat vereinfacht Daten ausspähen. In Europa stammen viele Surfsticks für das mobile Internet per Handynetz von Huawei.
Offensichtlich zeigt der Boykott-Aufruf der US-Abgeordneten Wirkung. Das US-Unternehmen Cisco hat nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters am Montag seine langjährige Zusammenarbeit mit ZTE aufgekündigt.
Huawei ist nach Ericsson die globale Nummer zwei in der Netzwerk- und Telekommunikationstechnologie und beschäftigt in mehr als 150 Ländern 140.000 Mitarbeiter. Der in der südchinesischen Stadt Shenzhen ansässige Konzern beliefert 45 der weltweit 50 größten Telekomunternehmen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2012)
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