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USA: Die Angst vor Chinas Lauschangriff

08.10.2012 | 18:08 |  von unserem Korrespondenten felix lee (Die Presse)

Abgeordnete in Washington werfen den chinesischen Technologieunternehmen Huawei und ZTE staatlich angeordnete Wirtschaftsspionage vor und rufen zum Boykott auf. Beweise gibt es allerdings keine.

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Peking. Beweise gibt es keine. Bis heute ist nicht von einem Fall bekannt, in dem die chinesischen Technologieunternehmen Huawei und ZTE tatsächlich irgendwelche Geheiminformationen über ihre ausländischen Kunden der Führung in Peking oder dem chinesischen Militär weitergegeben hätten. Und dennoch holt der US-Kongress nun zum Schlag gegen sie aus.

In einem Untersuchungsbericht des US-Kongresses heißt es, Huawei und ZTE stellten eine Sicherheitsgefahr für die USA dar und stünden „vermutlich unter Einfluss der Regierung in Peking“. Aufträge an ZTE und Huawei oder gar Übernahmen durch die Firmen könnten die nationale Sicherheit gefährden. China habe die Mittel und auch die Gründe, Telekommunikationsunternehmen weltweit für „bösartige Ziele“ einzusetzen. Die an dem Bericht beteiligten Kongressabgeordneten fordern die US-Regierung auf, jegliche Übernahmen und Fusionen mit Beteiligung von Huawei und ZTE zu verhindern. Indirekt rufen sie damit zu einem Boykott dieser beiden chinesischen Konzerne auf.

 

Ein Offizier und Unternehmer

Die Vorwürfe sind nicht neu. Schon seit Jahren warnen Sicherheitsexperten der USA vor allem vor dem Konzern Huawei, dem eine Nähe zum chinesischen Militär nachgesagt wird. Und tatsächlich: Obwohl Huawei offiziell als Privatunternehmen gelistet ist, war Firmengründer und derzeitiger Chef Ren Zhengfei vorher Offizier der Volksarmee und auch lange Zeit in der staatlichen Rüstungsindustrie tätig, bevor er 1987 Huawei gründete. Die Nähe zur Staatsspitze liegt auf der Hand. Doch um die engen Handelsbeziehungen mit China nicht zu belasten, mied es die US-Politik bisher, die Vorwürfe allzu laut zu formulieren. Nun ist in den USA aber Wahlkampf. Und die Politiker trauen sich.

Bill Plummer, Vizepräsident von Huawei in den USA, weist die Vorwürfe dennoch zurück. 70 Prozent der Umsätze würden im Ausland erwirtschaftet, Huawei werde sie nicht zugunsten irgendeiner Regierung aufs Spiel setzen, versicherte er dem US-Fernsehsender CBS. Inzwischen ist das Unternehmen mit Sitz in der südchinesischen Stadt Shenzhen nach Ericsson die globale Nummer zwei in der Netzwerk- und Telekommunikationstechnologie und beschäftigt in mehr als 150 Ländern 140.000 Mitarbeiter. Huawei beliefert 45 der weltweit 50 größten Telekomunternehmen – darunter auch Vodafone, Deutsche Telekom und O2 – und wartet regelmäßig deren Netze. Telekom-Ausrüster ZTE ist mit rund 70.000 Mitarbeitern weltweit die Nummer fünf.

Der Name Hua (für China) impliziert bereits Staatsnähe – was in der Volksrepublik aber noch nicht viel heißt. Nach Angaben des China-Experten Richard McGregor sind gerade einmal 30 Prozent aller Unternehmen in China wirklich in privater Hand. Die große Mehrheit ist auf die eine oder andere Weise mit dem Staat und der kommunistischen Partei verwoben.

In der Netzwerktechnologie gilt die Gefahr der Wirtschaftsspionage als besonders groß. Australien hat erst vor wenigen Monaten ZTE von einer Ausschreibung ausgeschlossen, weil Canberra befürchtet, mit ZTE-Technologie könnte das nationale Breitbandnetz anfälliger für Hackerangriffe aus der Volksrepublik werden.

 

Leicht zu knacken

Ähnliches haben deutsche Spezialisten bei Huawei festgestellt. Sie werfen dem Unternehmen vor, die eigenen Router (wahrscheinlich bewusst) so auszustatten, dass sie leicht zu knacken sind. Auch hinter diesem Vorwurf steckt die Vermutung, auf diese Weise könnte der chinesische Staat vereinfacht Daten ausspähen. In Europa stammen viele Surfsticks für das mobile Internet per Handynetz von Huawei.

Offensichtlich zeigt der Boykott-Aufruf der US-Abgeordneten Wirkung. Das US-Unternehmen Cisco hat nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters am Montag seine langjährige Zusammenarbeit mit ZTE aufgekündigt.

Auf einen Blick

Huawei ist nach Ericsson die globale Nummer zwei in der Netzwerk- und Telekommunikationstechnologie und beschäftigt in mehr als 150 Ländern 140.000 Mitarbeiter. Der in der südchinesischen Stadt Shenzhen ansässige Konzern beliefert 45 der weltweit 50 größten Telekomunternehmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2012)

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19 Kommentare
Gast: werbistdu
09.10.2012 16:35
0 0

wer mit dem verbrecherischen

System in China Geschäfte machen will, wird sich früher oder später schön wundern

Zum Glück ...

... klären uns die USA auf, dass es da draußen ganz viele böse Spione gibt und dass wir aufpassen sollten. Wahrscheinlich sind sie eh noch die einzig Guten, die uns nicht ausspionieren wollen.

Antworten Gast: Uncle Sams Neffe
09.10.2012 11:10
1 0

Re: Zum Glück ...

Sie haben recht.

Aber ich halte doch lieber zur USA als zu China.

Die USA hat einen Vertrauensvorschuss da sie uns schon ein paar mal den Hintern gerettet haben.

Hingegen die Chinesen tun alles um uns überall auszustechen.

Die USA ist nicht perfekt aber sie ist für uns als Europäer mit sicherheit das geringere "Übel" (falls man es so überhaupt nennen kann)

God bless America

Ich glaube den Chinesen mehr als den Amerikanern!

Wenn ich sehe, wie die Amerikaner auf der ganzen Welt unheil anrichten, könnte mir eigentlich jeder lieber sein als die Amerikaner!

Gast: Ösi
09.10.2012 09:07
2 1

Apple will bloß sein Spionagemonopol verteidigen.

Spione beschuldigen Spione. Dass die größten Wirtschaftsverbrecher der Welt die Konkurrenz ausschalten möchten ist ein ganz logischer Schritt. Ob die Chinesen die besseren Spione abgeben ist hier die Frage. Aber die amerikanische Beweiseführung kennen wir schon vom Irak (siehe Bio- und Atomwaffen). Stellt sich nur die Frage, wieso die Amidienste (zB. das FBI) die I-Phone Nutzer überwachen und wie diese dort zu den Daten kommen - verm. staatliche Schnittstellenanbindung. Aber man kann es (wie immer) auf eine einfache Formel herunterbrechen: Überwachung und Spionage durch Amerikaner = gut - Überwachung und Spionage durch andere = schlecht. Wann erkennt die Welt, wer ihr wirklicher Feind (Umweltverschmutzung, Atombedrohung, Kriegstreiberei, Zerstörung von Wirtschaftsgemeinschaften wie der EU usw.) ist. Ist dies noch die freie Welt???

Globale Intelligenz

Sollten diese chines. Firmen Ihre Positionen missbrauchen, so ist/wäre dies ein sehr kurzsichtiges Verhalten.

Eventuell vorsätzlich eingebaute "Fehler" sind von Spezialisten der Konkurrenz und von Hackern schnell zu finden und ebenso schnell publiziert.

Das "Know How" ist nicht nur auf China konzentriert, sondern Gott sei Dank auf den gesamten Globus verteilt.

Es geht also viel wahrscheinlicher ums - no na - ums Geld ...

Wenn also nun ZTE bei CISCO als Lieferant hinausfliegt, wer kommt dann ... no na - eine US-Firma. Die hatten wahrscheinlich die besseren Lobbyisten in Washington.

+++

Gast: Nachleser
09.10.2012 08:32
2 0

Der erste Satz sagt schon alles:

"Beweise gibt es keine."

Dass die USA es wagt ...

... irgendwem Spionage vorzuwerfen ist sowas von lächerlich.

Gast: Pfui.
09.10.2012 07:35
4 0

Pfui

Pfui, man kann doch nicht einfach andere Länder ausspionieren, das dürfen doch nur die Vereinigten Zustände... ...wo kämen wir hin wenn das jeder macht?

5 0

Die USA brauchen eine solche Technologie nicht. Sie setzen die Unternehmen gleich unter Druck und bekommen die Informationen aus erster Hand.

Klar wenn sie auf diese Art und Weise Konkurrenz vermeiden möchten.

Nur noch lächerlich

Wie schon geschrieben wurde, hätten die Amis die Möglichkeiten im Vorfeld die Hardware technisch zu untersuchen. So aber bleibt nur ein 'Geschmack'.


die regierung ist offenbar besorgt, dass eine andere regierung ebenfalls die eigenen buerger ausspaeht

diesen spass will man sich schliesslich nur allein goennen

3 1

$

Gimme me my dollars back, I want my dollars back, ..........gimme , gimme my dollars back.

Gast: Christopher Eichner
08.10.2012 21:36
7 1

Gerecht

Interessant, dass jetzt jemand dieses Problem beim Namen nennt.

Chinesische Unternehmen, kaufen amerikanisch und europäische Unternehmen, jedoch können westliche Unternehmen nicht chinesische Unternehmen aufkaufen.

Kommunismus ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Statt das Bankengeheimnis zu bekämpfen, sollte der BND diese Unternehmen unterwandern und dort Festplatten Daten stehlen. Damit schützen sie unsere Wirtschaft.

Gast: Carapan
08.10.2012 21:35
5 3

Big Brother

Big Brother hat Angst vor dem Big Bother.
Lustig oder?

Gast: Jesus Moses
08.10.2012 20:00
8 2

Lächerlich

Da steht den USA ein ganzes Zentrum voll von Spezialisten mit tausenden von Mitarbeitern in der NSA zur Verfügung und die "behaupten", es wäre "vielleicht" irgendwas unsicher. Die sind also nicht in der Lage, ein paar Kilobyte an Mikrocontroller-Code zu analysieren und zu prüfen, ob die Verschlüsselung oder der Zugang zum Router undicht ist? Im Gegenzug hat die NSA ihre Finger in jedem Netz drin und die USA hören jedes Jahr automatisiert Milliarden von Telefongesprächen ab. Mal ganz davon abgesehen, dass nahezu JEDE US Firma (und so ziemlich jedes andere Land in der westlichen Welt) Elektronik in China produzieren lässt und somit die Türen Sperrangelweit offen sind, nahezu alles auszuspionieren. Da fragt man sich schon, was für dumme Menschen zu solchen noch dümmeren Aussagen kommen und wieso dann nahezu alles in China produziert wird, geschweige denn irgendwelche Sicherheitsstandards an derartige Geräte gestellt werden, die vom Hersteller nachgewiesen werden müssen. Ein Land voller Heuchler, in dem nahezu nichts, aber auch gar nichts nachhaltig und sinnvoll gemacht wird, ausser unglaubliche Mengen an Kohle in Bomben und sonstigen Scheiss zu investieren, Hauptsache der Sprit kostet nichts und man braucht keine Abgasfilter.


Re: Lächerlich

ein wahrer USA kenner!

ist China jetzt der neue Boogieman?

wenn die US-Regierung widerrechtlich die Daten aller Bürger in den Untergundbunkern in UTAH speichert oder an die Frontfirmen des Mossad weitergibt stört es niemand...

Antworten Gast: yoshi1
08.10.2012 19:58
5 0

Re: ist China jetzt der neue Boogieman?

Wirtschaftsspionage und Sicherheitsfanatismus sind auch 2 paar Schuhe.