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Pussy-Riot: Hartes Urteil mit „Signal der Milde“

10.10.2012 | 17:48 |  Von unserem Korrespondenten EDUARD STEINER (Die Presse)

Die russische Justiz beendete gestern das Berufungsverfahren in Moskau gegen die drei Kunstaktivistinnen: Eine junge Frau kam auf Bewährung frei, zwei bleiben aber weiterhin in Haft.

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Moskau. Über Monate hinweg haben die drei jungen Frauen der russischen Punkband Pussy Riot die Nachrichten aus dem Riesenreich bestimmt. Sie erlangten durch die unerbittliche Reaktion des Staates eine Publicity, die doch wieder den Machthabern geschadet hat. Und sie traten mit ihrer Aktion in Russland eine überfällige und gleichzeitig diffuse Diskussion über die Grenzziehung zwischen Staat und Religion los.

Am gestrigen Mittwoch wurde nun der juristische Schlusspunkt gesetzt. Das Berufungsgericht in Moskau hat das Urteil „Zwei Jahre Straflager“ gegen zwei der Regimekritikerinnen bestätigt. Die dritte von ihnen, die 30-jährige Jekaterina Samuzewitsch, geht auf Bewährung frei. Mit dazu beigetragen hat ihre neue Anwältin, die dem Gericht glaubhaft machte, dass ihre Mandantin bei der Performance des umstrittenen Punkgebetes in der Moskauer Christus-Erlöser-Kathedrale nicht mehr anwesend gewesen sei. Zur Erinnerung: Ende Februar, wenige Tage vor den Präsidentenwahlen, hatten die Aktivistinnen in der Kathedrale die Gottesmutter singend um die Vertreibung Wladimir Putins aus der Politik gebeten und auch den Patriarchen Kirill verbal attackiert, weil dieser angeblich mehr an Putin als an Gott glaube.

 

Auf religiöse Ebene übertragen

Auch gestern beteuerten die drei Frauen, ihr Punkgebet sei nicht antiklerikal, sondern rein politisch gemeint gewesen. Ihre Entschuldigungen bei Gläubigen seien nicht akzeptiert worden, sagte eine der Inhaftierten; eine Buße jedoch, wie sie die Russisch-Orthodoxe Kirche (ROK) fordere, sei inakzeptabel.

Es ist genau der Graubereich zwischen Staat und Religion, der die Causa so verworren macht. Die Band selbst hat den Altarbereich der Kirche zur Aussendung einer politischen Botschaft verwendet. Der Kreml hat die politische Botschaft wohl gehört, wollte die Causa aber auf eine religiöse Ebene übertragen und hat in Ermangelung eines Blasphemie-Paragrafen den Straftatbestand des „Rowdytums aus religiösem Hass“ gezückt. Die ROK konnte sich daher entspannt zurücklehnen und ließ an ihrer statt eine Handvoll Personen, die sich vom Auftritt direkt beleidigt fühlten, das Gefecht vor Gericht führen.

Die Bürger selbst aber durchliefen ein Wechselbad der Gefühle, weil sie sich einerseits der Entweihung der religiösen und staatlichen Machtsymbole ausgesetzt sahen, obwohl sie andererseits selber mehrheitlich nicht an Gott und immer weniger auch an Putin glauben. Dazu kam, dass die Inhaftierung der Frauen, zumal sie junge Mütter sind, zunehmend Mitleid bei ihnen weckte.

Es ist nun der Staat, der offene Fragen, die in der Causa manifest wurden, eiligst lösen will. Ende September wurde ein parteiübergreifender Gesetzesantrag im Parlament eingebracht, der bis zu fünfjährige Haftstrafen für die Verletzung religiöser Gefühle vorsieht. Die lange Zeit schleppende Annäherung mit der Kirche hat plötzlich an Fahrt gewonnen, das zeigen auch Polizeirazzien in Kunstausstellungen. Der Geist des orthodoxen „Aktivismus“ ist aus der Flasche und könnte mit seinem nationalistischen Potenzial für die Machthaber gefährlicher werden als der dissidente Protest, so der Publizist Andrej Kolesnikow. In jedem Fall hat die ROK zu verstehen gegeben, dass sie ihre Tradition als Stabilisatorin autoritärer Systeme fortsetzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2012)

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80 Kommentare
 
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Gast: Kognitivist
11.10.2012 12:45
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Einem Zitat zufolge: Durch das Unrecht, das wir anderen zufügen, entehren wir uns selbst-von

Wie stürzt man jemanden der von der breiten Masse gewählt und unterstützt wird ?

Mit angemeldeten und organisierten Demonstrationen in Russland, kommt man auf ne Anzahl von maximal 10.000-20.000 Teilnehmer, nicht gerade sehr wirkungsvoll, um einen Regime-wechsel auszulösen.

Also geht man zu Kommunikations-Guerilla Taktiken (-googeln) über, um Misstände des Staates anzuprangern und diese Girls beherrschen dieses Handwerk nur teilweise mittelmäßig Gut.
Solche Taktiken wurden auch von der US-amerikanischen Hardcore-Punk-Szene, die Grrrl Bewegung durchgeführt (siehe Wiki).

Da der Pussy Riot-Hype bei der breiten russischen Bevölkerung eher mehr auf Erbrechen stoßt, war ihre Aktion ein richtiger Schuss in den OFEN.
Jedoch haben sie mit Erfolg die westliche Gesellschaft zum Nachdenken erregt.

Wer hätte nämlich den Zwang vor der Bewegung gehabt, sich mit den russischen Internierung-Strafgefangenenlagern näher zu beschäftigen ?
regt auch viele westliche Putin-Befürworter zum nachdenken an !

In Russland interessieren sich jedoch nur wenig Menschen für die Pussy Riot, auch wenn das für die Girlies bedeutet, 2 Jahre in einem "menschen-verachtenden" Strafgefangenen-Lager zu sitzen, denn zu oft haben sie schon gegen Gesetze verstoßen, solche Aktionen...

(Vandalismus, unangemeldete Protestaktionen, Schwangeren-Sex in der Öffentlichkeit etc etc)

...werden halt von der hartgesottenen orthodox russischen Bevölkerung nicht unterstützt, jetzt ist halt einmal zu viel des Guten gewesen.

Antworten Gast: Machen wir es gleich so...
11.10.2012 13:14
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Jeder der anders denkt als mir gefällt ab ins Gefängnis!

Wie dieses Spiel ausgeht ist leicht gesagt, 100% - 1 Mensch kommen ins Gefängnis, bis dorthin wird eben die Schraube immer weiter zugedreht bis dieser Idealzustand erreicht ist, der einzig möglich Weg wenn Menschen nicht in der Lage sind miteinander zu leben, und auch Respektieren, dazu gehört eben auch Schwangerschaftserotik und Beschimpfungen auf Kirchen und Machthabern.

Bezeichnend!

Dieselben Kreise, die Islamkritiker einbuchten wollen und sich über die Unterdrückung des freien Wortes im Westen freuen, setzen sich für straffreie Kirchenschändung und Blasphemie in Russland ein.

Antworten Gast: starbuster
11.10.2012 11:24
0 6

Re: Bezeichnend!

Und die selben Kreise, die in Österreich ständig wegen der ach so unterdrückten Meinungsfreiheit winseln, wollen in Russland Menschen mit einer "falschen" Meinung in Straflagern zu Grunde richten.

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linksbürgerliches Spießertum eben!


Das ist

kein Signal der Milde sondern ein Signal des Zynismus, ein Signal dafür was Putin unter einem Rechtsstaat versteht.
Nimmt man den Tierschützerprozeß in Österreich, dann frägt man sich wer da von wem abschaut!?

Gast: Ich bin echt Froh...
11.10.2012 07:21
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Das wir einen Verfassungsschutz haben, samt Überwachungsinstrumenten...

Schließlich schützt und dient dieses Netzwerk all jene die sich um die Freiheit von Pussy-Riot einsetzen ebenso als auch jene die das als Kunst sieht!

Das ich bisher streiktest dagegen war, war meine kleinkarierte Sichtweise das es nichts Böses in diesem Land gibt, das dieses Land von Bösen so sehr umgeben ist das die Künstler und ihre Freunde zu schützten sind, dafür haben hier verdammt viele USER sehr beigetragen!

Also, im diesem Sinne eine Dankeschön!

Gast: Bürger01
11.10.2012 05:55
3 8

Putins Allmacht

Wer Putin kritisiert , der hat mit diktaturüblichen drakonischen Strafen zu rechnen . Dass sich die orthodoxe Kirche für solche Schauprozesse hergibt ist menschenverachtend. Erstaunlich ist die positive Reaktion vieler Österreicher , hier scheinen subjektive Ehrgefühle eine größer Rolle als der Verstand zu spielen .

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Pressefreiheit / ha ha

Habe einen kritischen Kommentar zum Artikel hier geschrieben - und weg ist er.

Aber sich ueber Russland beschweren..

2 0

auch mein Kommentar ging nicht durch,

dabei habe ich mir den Vergleich Pussy Riot / Moha ed Filmchen erlaubt und dabei die unterschiedliche Bewertung der Medien von religiösen Gefühlen kritisiert.

an alle kunst- und politprofis hier:

1.) politurteil:
p. riot ist in haft weil sie PUTIN kritisiert hat!
das mitglied ist frei, weil es VOR der aktion bereits verhaftet war! trotzdem wurde es schuldig gesprochen! komische justiz, oder?

punk war und ist über protest definiert! ob euch dieser gefällt oder nicht - egal.

2.) kunst:
fakt ist eins: kein konservativer, kein rechter und schon gar kein durchschnittspresseposter kann es in sachen partizipation und durchschlagskraft mit den mädels aufnehmen, die aktiv eine diktatur bekämpfen. und dafür - und nur dafür - sitzen sie.

wenn euer kunstbegriff bei schuhplatteln und coelho aufhört - gut. aber dann seid bittebitte so nett und spielt euch nicht als die experten für eh alles auf, sondern haltet bittschön brav die pappn.

Gast: Der Arschkriecher
10.10.2012 22:53
1 0

Pussy Riot?

Zumindest sind die nun um einiges bekannter,
als wir Lesebriefschreiber hier im Presseforum.

Gast: Nobelpreis 2012!
10.10.2012 22:16
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Es würde mich nicht wundern wenn Pussy-Riot heuer diesen ehrwürdigen Friedensnobelpreis bekommt!

1.) Es ist schon fast Tradition russische Aktivsten diesen Preis zukommen zu lassen.
2.) Kommt man um die Verlegenheit umher, einen chinesischen Aktivisten zu küren, mit schwersten Konsequenzen die keiner wirklich will.
3.) Mit Rußland ist weit leichter Kirschen essen als mit China.
4.) Die Kunstaktion war rein friedlich bei der nichts beschädigt wurde noch jemand verletzt wurde.

Könnte sein das es ein Abkommen gibt Pussy-Riot und die Aktivisten werden im Rahmen einer Weihnachtsamnesty freigelassen, und des Landes verweisen, als Gegenzug kein Friedensnobelpreis.

Zweite Variante Pussy-Riot bekommt den Preis, und dürfen nicht mehr einreisen, damit wäre das Problem auch elegant gelöst.

P.S.: Sämtliche Anschuldigungen die hier gemacht wurden sind unhaltbar, Pussy-Riot hat mit rein friedlichen mitteln Protest gezeigt, wer meint das er sich dennoch verletz fühlt in seinen Gefühlen durch diese Aktivsten sollte besser fachliche Hilfe anfordern als diese in diesem Forum zu suchen!

Wie?

Dumme Krawallmacher nennt man jetzt "Band"? So ein Unfug zum Quadrat.

naja.

dumme poster denken oft sie hätten die wahrheit mit löffeln gefressen. auch dies: unfug zum quadrat.

Der Text des "Gebets" sagt alles

Wer den Text dieses so bezeichneten Gebets gelesen hat und sich dann noch immer für Pussy Riot stark macht, dem ist nicht zu helfen. Wenn die vielgepriesenen westlichen Werte sich mit so etwas identifizieren - und das ist ja anscheinend der Fall - so kann man sich nicht wundern, wenn eine dermaßen abartige, verlogene und präpotente Auffassung eine Gesellschaft produziert, die dem Untergang geweiht ist. Betrachtet man die Formulierungen genauer, so sind darin verschlüsselte Aussagen enthalten, die ein Schlag ins Gesicht aller Menschen sind, die Respekt vor höheren Mächten und Symbolgestalten für Tugenden haben, die sich dem Abschaum eben nicht erschließen. Man muß deshalb noch keine Betschwester oder der
so bezeichnete Kerzelschlucker sein.

Antworten Gast: politicallyincorrect
11.10.2012 00:29
1 5

Re: Der Text des "Gebets" sagt alles

Ich habe mir das "Gebet" gerade durchgelesen...

Ich hätte mit wesentlich Schlimmerem gerechnet - da wird ja quasi nur über die politische Führung geschimpft - und für so etwas bekommt man in Russland Gefängnisstrafen - lächerlich.

Es ist wohl besonders "christlich" junge Mütter wegen solcher Lapalien von ihren Kindern zu trennen.

Zum Glück haben die Religiösen in Westeuropa nicht mehr viel zu melden.

Re: Re: Der Text des "Gebets" sagt alles

Ich versuche es nochmals, da meine Antwort offenbar nicht genehm war: Sie haben das "Gebet" anscheinend etwas selektiv gelesen. Wenn ihnen die Zeile "Göttlicher Dreck, Dreck, Dreck" nicht weiter schlimm vorkommt, kann man auch nichts machen. Oder:"Um den Heiligsten nicht zu betrüben, müssen Frauen gebären und lieben" ist der feministische Ruf nach straffreier Abtreibung, die ja innerhalb der westlichen "Wertegemeinschaft" ein Menschenrecht ist, aus der Perspektive der Kirche aber als (lt. Katechismus) ein verabscheuungswürdiges Verbrechen ist. Die aufforderung "Mutter Gottes, werde Feministin" und die Zeile "Die Jungfrau Maria ist bei den Protesten mit uns" ist der unverfrorene Anspruch, einen Eckstein aus der katholischen Religion herauszubrechen und für sich zu vereinnahmen. Die westlichen Eliten fördern diese Einstellung, da ist mir der Putin allerdings um einiges lieber. Es gehört quasei zum guten Ton, die katholische Religion unbehelligt herunterzumachen. Sollen die mutigen Herrschaften doch versuchen, das bei anderen Religionen zu machen, da wird man ihnen mit Recht den Marsch blasen.

Gast: Be-obachter
10.10.2012 20:39
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Nachdem ich zufällig

einen Link erhielt, wo das Vorleben der 3 Mädchen geschildert war, wundert es mich, dass sie überhaupt so billig davongekommen sind.
Ich sag nur: wiederholter Vandalismus, Ladendiebstahl, Erregung öffentlichen Ärgernisses...

Da hätten sie auch in Österreich ihr "Schmalz" abgekriegt.

Ich glaub auch nicht, dass der Putin soviel Einfluss hat, dass er einem Gericht befehlen kann, wie es zu urteilen hat.

Gast: h775
10.10.2012 20:18
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feigling putin hat angst vor starken frauen

und den rechten mobb im forum freuts dass sie verurteilt wurden armseliges völkchen

Starke Frauen?

Das ist meistens nur die Umschreibung für: "Mit dem Schnellzug durch die Kinderstube gerast", sprich: schlechtes Benehmen, ordinäre Frauen, Rücksichtslosigkeit und ähnliches.
Wirklich starke Frauen schaffen etwas, sind selbständig und wollen nicht ständig irgendwas von Männern.

Warum sollen Frauen und Künstler ...

... anders verurteilt werden als Männer und Nicht-Künstler?
Gleiches Recht für Alle! Ich find das Urteil ausgezeichnet.

Re: Warum sollen Frauen und Künstler ...


Bei uns kommen wesentlich harmlosere Schriftsteller für viele Jahre ins Gefängnis!


Solche Punks gehören hinter Gittern!

Und das solange wie nur möglich. Immerhin verderben sie die Gesellschaft.

SIE verderben die gesellschaft...


Gast: Good Pussy
10.10.2012 16:46
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Pussy Riot ist eine linksgerichtete Sponti-Truppe

Die Franfurter Allgemeine hat die "Punk Band", als die sie von den Systemmedien glorifiziert werden, detailliert analysiert.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/pussy-riot-lady-suppenhuhn-11867761.html

Da ist nichts von Kunst oder Kultur zu finden, bei Ihrem Auftritt in der Kathedrale haben sie offenbar zum ersten Mal eine Gitarre in der Hand gehabt.

Falls Russland tatsächlich eine richtige Dikatatur wäre, wären die schon längst auf nimmer wiedersehen verschwunden, wie z.B. in Belarus unter Lukaschenko.

 
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