Die Spannungen zwischen der Türkei und Syrien haben sich erneut verstärkt: Ermittler sollen an Bord des am Mittwoch in Ankara zur Landung gezwungenen syrischen Passagierflugzeugs 300 Kilogramm militärische Güter entdeckt haben. Das berichten mehrere türkische Zeitungen am Donnerstag. Adressat der von der Türkei beschlagnahmten Fracht aus Russland war demnach das syrische Verteidigungsministerium, schreibt die Zeitung "Star". Die russische Nachrichtenagentur Interfax will dagegen erfahren haben, dass sich keine Militärgüter an Bord befanden. Auch Syrien bestreitet das vehement.
Das Regime in Damaskus reagierte jedenfalls empört: Es handle sich um einen "feindlichen Akt", erklärte das Außenministerium. Die türkische Führung müsste die Fracht "vollständig und unbeschädigt" zurückgeben. Der syrische Verkehrsminister Mahmud Said warf der Türkei "Luftpiraterie" vor. Damaskus will nun auch auf Stromimporte aus der Türkei verzichten, bisher lag der Anteil bei 20 Prozent.
"Sperrgebiet, betreten verboten"
Wie am frühen Donnerstagabend bekannt wurde, soll nun auch die "Freundschaftsbrücke" zwischen der Türkei und Syrien zu einer tödlichen Falle umgebaut worden sein. Die zehn Meter lange Brücke über den Grenzfluss Asi sei von den regimetreuen syrischen Truppen abgesperrt worden, um die Bewegungsfreiheit der Armee der Rebellen einzuschränken, berichtete am Donnerstag die türkische Agentur Anadolu. Gleichzeitig habe die syrische Armee Sprengsätze unter der Brücke platziert, Stacheldraht gespannt und ein Schild mit der Aufschrift "Achtung Minen" aufgestellt. Das türkische Militär habe daraufhin die Brücke mit einem Eisentor und einem Schild mit der Aufschrift "Sperrgebiet, Betreten verboten" abgeriegelt.
Der syrische Airbus war am Mittwoch von türkischen Kampfjets zur Landung gezwungen worden und durfte seine Reise nach Damaskus erst in der Nacht fortsetzen. Die beanstandete Fracht wurde von den türkischen Behörden beschlagnahmt.
Diplomatischer Streit
Wie die Zeitung "Hürriyet" schreibt, löste die Untersuchung der Fracht auch einen Streit zwischen türkischen Behördenvertretern und russischen Diplomaten aus. Die russischen Vertreter protestierten demnach gegen die Öffnung von Behältern, die als diplomatisches Gepäck deklariert und versiegelt waren. Die mutmaßlichen militärischen Güter sollen in separaten Paketen innerhalb dieser Behälter gefunden worden sein.
Das Außenministerium in Moskau sei besorgt, dass das Leben der 17 russischen Passagiere an Bord gefährdet worden sein könnte. Präsident Wladimir Putin sagte zudem am Donnerstag eine Reise in die Türkei ab - offiziell wegen anderer Termine. Die Zeitung "Wedomosti" zitierte aber einen Kremlbeamten mit den Worten, Putin wolle sich in dem eskalierenden Konflikt zwischen Damaskus und Ankara nicht auf eine Seite stellen.
Angespannte Beziehungen
Die Beziehungen zwischen der Türkei und Syrien sind stark angespannt. In den vergangenen Tagen kam es an der türkisch-syrischen Grenze zu Schusswechseln - so auch am Mittwoch, als auf türkischer Seite erneut mehrere Mörsergranaten einschlugen. Der türkische Generalstabschef Necdet Özel drohte Syrien mit härteren Vergeltungsschlägen, falls der Beschuss nicht aufhöre.
Die syrische Führung warf der Türkei vor, sie habe die jüngsten Angriffe an der Grenze selbst inszeniert. Die regierungsnahe syrische Tageszeitung "Al-Watan" schrieb am Mittwoch, Ziel dieser Taktik sei es, die Einrichtung eines "befreiten Gebietes" im Norden der syrischen Provinz Idlib durchzusetzen.
(APA/Reuters/dpa/AFP)
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