Nato-Stabwechsel in Brüssel und Kabul

11.10.2012 | 18:22 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

John Allen, Oberkommandierender der Nato-Truppen in Afghanistan, avanciert zum Nato-Befehlshaber in Brüssel. Joseph Dunford wird zu seinem Nachfolger in Kabul.

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Washington. Viel länger als ein Jahr hat sich zuletzt kein US-Oberkommandierender am Hindukusch gehalten: Entweder wurden sie kurzerhand abgesetzt oder befördert. Stanley McChrystal wurde im Frühsommer 2010 ein allzu offenherziges Interview im Magazin „Rolling Stone“ zum Verhängnis. Präsident Barack Obama zitierte ihn daraufhin ins Weiße Haus und nominierte David Petraeus, den Mann für alle Fälle, zu McChystals Nachfolger. Als Obama Petraeus ein Jahr später an die Spitze der CIA hievte, nahm John Allen auf dem Schleudersitz in Kabul Platz.

Für Anfang kommenden Jahres kündigte die US-Regierung die nächste Rochade an: Allen avanciert zum Befehlshaber im Nato-Hauptquartier in Mons bei Brüssel, Joseph Dunford übernimmt vom Vier-Sterne-General, einem Kameraden aus dem Marine-Korps, die brisante Mission in Afghanistan. Er ist der fünfte Oberkommandierende in fünf Jahren.

Dunford muss bis Ende 2014 den US-Rückzug organisieren und die Verantwortung für die Sicherheit der afghanischen Armee übertragen. Der Abzug der US-Truppen – derzeit sind noch knapp 70.000 US-Soldaten stationiert – geht Hand in Hand mit einer Zunahme von Anschlägen durch die Taliban. Zuletzt häuften sich Attacken auf Camps der Alliierten, Selbstmordattentate und Angriffe durch afghanische Soldaten. Im längsten US-Krieg der Geschichte, der vor wenigen Tagen in sein zwölftes Jahr ging, sind bisher beinahe 2000 US-Soldaten gefallen.

 

Obamas Selbstkritik

Im US-Wahlkampf spielt der Afghanistan-Krieg indes keine Rolle. Dass Mitt Romney in seiner Parteitagsrede den Krieg ganz zu erwähnen vergaß, rief allenfalls die reflexhafte Kritik der Demokraten hervor. Zur Debatte steht derweil die Untersuchung der Begleitumstände des Angriffs auf das US-Konsulat in Bengasi in Libyen und ob das Außenministerium die Sicherheitsanforderungen negiert habe. Die Republikaner werfen der Obama-Regierung vor, die Involvierung der al-Qaida in die Attacke am Jahrestag des 9/11-Terrors verschleiert zu haben.

Für das nächste TV-Duell am Dienstag versprach Obama indessen mehr Aggressivität. „Ich hatte einen schlechten Tag“, sagte er selbstkritisch. „Ich war zu höflich.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2012)

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