Das UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien hat dem früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic eine Anwaltsrechnung über 146.000 Euro gestellt. Das Gericht in Den Haag habe entschieden, dass "der Angeklagte 146.501 Euro zu den Kosten seiner Verteidigung beitragen soll", teilte das Tribunal am Donnerstag mit. Über die Gesamtkosten für die Verteidigung machte das Gericht keine Angaben, erklärte aber, dass es mit Ausnahme der "Beiträge des Angeklagten" die Kosten übernehme.
Karadzic muss sich seit Oktober 2009 wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs vor dem Haager Tribunal verantworten. Er war im Juli 2008 in der serbischen Hauptstadt Belgrad gefasst worden, nachdem er sich 13 Jahre lang versteckt gehalten hatte. Der frühere bosnische Serbenführer, der sich vor Gericht selbst verteidigt, aber über Rechtsberater verfügt, fordert seinen Freispruch in allen Anklagepunkten.
Insgesamt starben im Bosnienkrieg zwischen 1992 und 1995 etwa 100.000 Menschen. Rund 2,2 Millionen weitere Menschen wurden vertrieben. Allein bei dem als Völkermord eingestuften Massaker von Srebrenica vom Juli 1995 wurden etwa 8000 muslimische Jugendliche und Männer verschleppt und getötet. In dem Prozess gegen Karadzic ist die Beweisaufnahme der Anklage seit dem 4. Mai abgeschlossen. Die Beweisaufnahme der Verteidigung soll am 16. Oktober beginnen.
(APA/AFP)
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