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Kolumbien sucht Frieden in Norwegen

13.10.2012 | 17:53 |  von ANDREAS FINK (Die Presse)

Die berühmt-berüchtigte Rebellengruppe „Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc) und Vertreter der Regierung in Bogotá verhandeln ab Montag in Oslo über ein Ende des jahrzehntelangen Bürgerkriegs.

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Es ist eine illustre Runde, die sich dieses Wochenende aus Havanna aufmacht und in den norwegischen Herbst fliegt. Doch die Männer sind harte Wetter gewohnt. Die zehnköpfige Mission führen vier Herren an, die 160 Haftbefehle auf sich vereinen. In Kolumbien bekannt unter den Kampfnamen Ivan Márquez, Rodrigo Granda, Andrés Paris und Marco León Calarca gehören sie zur Spitze der „Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc), der mächtigsten Guerilla der Welt. Sie will in Oslo mit Regierungsvertretern aus Bogotá über ein Ende des fast fünf Jahrzehnte währenden Konflikts in Kolumbien reden.
Der fünfte Farc-Verhandlungsführer kann allenfalls per Telefon mitreden: Er nennt sich Simón Trinidad und sitzt in den USA eine 60-jährige Haftstrafe ab – ohne Chance auf Freigang.

Rebellen ohne Aussicht. Den Gesprächen, die Montag beginnen, gingen zwei Jahre Sondierung voraus. Kolumbiens Präsident, Juan Manuel Santos, war nach seiner Wahl 2010 von Rebellenboten angesprochen worden, der damalige Farc-Chef Alfonso Cano sah wohl, dass seine 8000 Männer und Frauen nach der Aufrüstung des Militärs unter Präsident ?lvaro Uribe nicht mehr siegen konnten. Die Farc, die vor einem Jahrzehnt ein Drittel Kolumbiens regiert hatten, mussten sich auf „Hit and Run“-Aktionen beschränken und verloren den Rückhalt im Volk.

Santos, der Ex-Verteidigungsminister, war einverstanden, stellte aber Bedingungen: keinen Waffenstillstand und keine entmilitarisierte Zone. Er will nicht, dass die Guerilleros eine lange Feuerpause zur Reorganisation nutzen. Genau das passierte beim letzten gescheiterten Friedensversuch 1998–2002. Die Farc akzeptierten – und blieben dabei, obwohl die Armee Ende 2011 ihren Chef Cano erschoss.

Santos brachte seither ein Gesetz durch, das vertriebenen Kleinbauern ermöglichen soll, ihr Land zurückzubekommen, sonst erhalten sie Brachland. Die Guerilla ließ alle Soldaten und Polizisten frei, die sie festhielt (einige seit über einem Jahrzehnt), und schwor dem Menschenraub ab.

Trotz des guten Willens ist die Ausgangslage in Oslo schwierig. Das zeigt der Themenplan: 1.) Entwicklung der Landwirtschaft und Agrarreform; 2.) Möglichkeit des Wechsels der Rebellenführer in die Politik und Amnestien; 3.) Entwaffnung der Guerilla; 4.) Ausstieg der Rebellen aus dem Drogenhandel; 5.) Entschädigung der Kriegsopfer.

Die extrem ungerechte Landverteilung hatte vor 48 Jahren den Kleinbauern Manuel Marulanda und andere dazu bewogen, die Farc zu gründen. An den Grundlagen der Rebellion hat sich nichts verändert, tatsächlich vergrößerten die Vertreibungen durch rechte Paramilitärs vor allem in Nordkolumbien die Latifundien noch, etwa 3,5 Millionen Menschen wurden von Guerilleros und Paramilitärs vertrieben.

Nächster Stopp Havanna?
Auch wenn Santos den Zeithorizont der Gespräche mit „Monaten, nicht Jahren“ markiert, ist abzusehen, dass die Runde in Havanna weitergeht. Norwegen und Kuba sind Garantiemächte der Gespräche, Chile und Venezuela Beobachter. Der jüngste erneute Wahlsieg von Hugo Chávez in Venezuela gilt als hilfreich: Chávez wirkte mehrfach als Vermittler.

Seine Präsenz ist eines der Argumente des Hauptgegners der Gespräche mit den Farc: Kolumbiens beliebter Ex-Präsident Uribe. Er fürchtet wohl, zwei Jahre vor der nächsten Wahl den Lieblingsfeind zu verlieren. Über zwei Drittel der Kolumbianer sehen die Gespräche dennoch positiv. Doch nur 50 Prozent erwarten ein gutes Ende.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2012)

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1 Kommentare
Gast: Miguelito_EPL
18.10.2012 03:03
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Große Hoffnung

Große Hoffnung habe ich als Kolumbiene für das Treffen in Oslo heute zwischen die Regierungsvertreter und die FARC ep.
Nach 11 Regierung frieden versuch und mehr als 50 Jahre Bürgerkrieg musst nun Frieden endlich kommen.
So kann ich wieder nach Hause kommen nach 13 Jahre in Exil.
Luis Sepulveda