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»Schweden hat Ikea, wir haben den Frieden«

13.10.2012 | 18:19 |  von Hannes Gamillscheg (Die Presse)

Über den »ehrlichen Makler« Norwegen.

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Ein „Oslo-Abkommen“ zur Beendigung des Bürgerkriegs in Kolumbien wird es nicht geben: Nur der Auftakt der Gespräche zwischen der Regierung in Bogotá und der Farc-Guerilla findet in Norwegens Hauptstadt statt, dann ziehen die Parteien weiter nach Kuba, um mit den reellen Verhandlungen zu beginnen. Sollte es tatsächlich gelingen, 50 Jahre Feindseligkeiten zu beenden, können die Unterhändler aber wohl mit einer neuen Einladung nach Oslo rechnen: dann, wenn ihr Einsatz eines Tages mit dem Friedensnobelpreis belohnt wird.

„Der Nobelpreis setzt Oslo als Friedensmetropole auf die Weltkarte“, sagt Kristian Harpviken, Chef des Friedensforschungsinstituts „Prio“. Den Ruf pflegt Norwegen seit 20 Jahren, um sich als „ehrlicher Makler“ für Konflikte weltweit zu profilieren. Den Auftakt machte der Friedensprozess im Nahen Osten, der nach dem Motto „Land für Frieden“ Israel Sicherheit und den Palästinensern einen Staat bringen sollte. Gute Beziehungen norwegischer Sozialdemokraten zu Israels Arbeiterpartei und der PLO hatten die Grundlage für die Geheimgespräche geschaffen. Das machte Schule: Von Sri Lanka bis Sudan, von Somalia bis Haiti, von den Philippinen bis Nepal reicht die Liste der Konfliktherde für Norwegens Vermittler.

„Wo Schweden Ikea und Finnland Nokia hat, hat Norwegen Friedensvermittlung als Teil seines Markenzeichens“, stellt der Politologe Terje Tvedt fest. Als kleiner Staat mit unbeflecktem Ruf und großzügigen Finanzen sei Norwegen für diese Rolle prädestiniert, meint Harpviken. „Wir können in den meisten Konflikten neutral sein, weil wir keine Eigeninteressen haben“, sagt der Friedensforscher. Zudem habe man Wissen und Erfahrung gesammelt und sei bereit, sich langfristig zu engagieren.

Fehlschläge drohen immer. Das garantiert aber keinen Erfolg. Der „Oslo-Prozess“ für Nahost, 1994 mit dem Nobelpreis geehrt, gilt heute als eklatanter Fehlschlag. In Sri Lanka bemühten sich Norweger seit 2000 um Vermittlung zwischen Regierung und „Tamil Tiger“-Rebellen. Die Tiger wurden 2009 besiegt – jetzt seien Norweger „nirgends in der Welt unbeliebter als dort“, sagt Harpviken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2012)

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