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Unabhängigkeit: Schotten öffnen Tor zur Abspaltung

15.10.2012 | 18:17 |  von unserer Korrespondentin Julia Kastein (Die Presse)

2014 dürfen die Schotten über ihre Unabhängigkeit abstimmen. Die Begeisterung dafür ist gesunken, viele wollen nur größere Autonomie. Unklar ist auch, ob ein unabhängiges Schottland in der EU bleiben könnte.

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London. Bis zur Volksabstimmung um Schottlands Unabhängigkeit mögen es noch zwei Jahre sein. Doch Großbritanniens Premier David Cameron absolvierte gestern, Montag, bereits seinen ersten Wahlkampfauftritt gegen die Abspaltung des nördlichsten Landesteils vom Vereinigten Königreich.

Bevor Cameron in Edinburgh eintraf, um mit Schottlands Erstem Minister, Alex Salmond, (vergleichbar einem österreichischen Landeshauptmann) den mühsam ausgehandelten Fahrplan für das Referendum abzusegnen, schaute er noch schnell bei der Rosyth Werft in Fife vorbei.

Dort wird gerade der Flugzeugträger HMS Queen Elizabeth zusammengesetzt, das bisher größte britische Kriegsschiff und ein Milliarden-Auftrag, an dem ein halbes Dutzend Werften im gesamten Königreich beteiligt sind. Die Botschaft war klar: Wenn Schottland künftig eigener Wege geht, wären seine Werften an solchen Prestige und Arbeitsplätze sichernden Projekten nicht mehr beteiligt.

Monatelang hatten sich die Regierungen in London und Edinburgh einen zähen Kleinkrieg um die Volksabstimmung geliefert. Nach der gestern unterschriebenen Vereinbarung soll nun im Herbst 2014 abgestimmt werden – und nicht, wie von der Zentralregierung zunächst gefordert, schon im kommenden Jahr. Die schottischen Nationalisten hoffen, die 100 Wochen bis zur Wahl nutzen zu können, um den Patriotismus ihrer Landsleute erneut zu schüren.

 

Cameron schloss Hintertürchen

Salmond und seine Partei waren mit dem Referendums-Versprechen 2011 an die Macht gekommen, doch seither ist die Begeisterung der Schotten für die Unabhängigkeit laut Umfragen deutlich geschrumpft, nur noch rund ein Drittel der Wähler ist dafür.

Salmond wollte sich deshalb auf dem Stimmzettel gerne noch ein Hintertürchen offenhalten: Die Schotten hätten nach seiner Vorstellung auch die Möglichkeit haben sollen, für größere Unabhängigkeit, etwa in Haushalts- und Steuerfragen, bei weiterem Verbleib in der Union stimmen zu können. Dies ist laut Umfragen die bevorzugte Variante seiner Landsleute.

Doch in dieser Frage setzte sich London durch: Keine weitere Devolution, sondern eine klare Entscheidung für oder gegen die Union – und damit möglicherweise das Ende von 305 Jahren gemeinsamer Geschichte.

Um möglichst vielen Schotten ein Mitspracherecht bei der historischen Entscheidung einzuräumen, konnte Salmond sich auch mit der Forderung nach einem Ausnahme-Wahlrecht für die über 16-Jährigen durchsetzen.

Die Nationalisten argumentieren, dass Schottland mit seinen Rohstoffvorkommen (80 Prozent der Öl- und Erdgasvorkommen liegen vor der nördlichen Küste) und seiner Wirtschaftskraft alleine besser dastünde. Anders als der Rest des Landes produzierten die Schotten seit Jahren Haushaltsüberschüsse.

Dabei ist längst nicht entschieden, welchen Teil der gewaltigen britischen Schuldenlast ein unabhängiges Schottland übernehmen müsste – und wie viel Nordseeöl es im Gegenzug behalten dürfte.

 

Bleibt Queen Staatsoberhaupt?

Unklar ist auch, ob ein unabhängiges Schottland in der EU bleiben könnte, welche Währung dort gelten würde (Salmond selbst schließt auch einen Euro-Beitritt nicht aus), ob das Land in der Nato bleiben würde – und nicht zuletzt, ob Elizabeth II. weiterhin das Staatsoberhaupt wäre.

Doch bis diese Fragen geklärt sein müssen, steht den Schotten noch ein langer Wahlkampf bevor. Nationalist Salmond setzt dabei auf die politische Kraft des Sports: 2014 werden in Schottland die Commonwealth Games ausgetragen, die Schotten treten bei diesen, anders als bei den Olympischen Spielen, mit einer eigenen Mannschaft gegen Engländer und Waliser an. Der dort gepflegte Nationalstolz soll die Schotten dann in die Unabhängigkeit katapultieren.

Auf einen Blick

Die Schotten stimmen im Herbst 2014 über eine Abspaltung vom Vereinigten Königreich ab. Die Modalitäten wurden am Montag von Briten-Premier David Cameron und Schottlands Erstem Minister, Alex Salmond, vereinbart. Nationalist Salmond hofft, dass ihm das späte Datum und die Ausnahme vom Wahlrecht – alle über 16-Jährigen dürfen abstimmen – hilft. Mehr Autonomie als dritte Alternative, wie von Salmond gefordert, steht nicht zur Wahl.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2012)

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15 Kommentare
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der witz ist ja dass niemand die englaender fragt ob sie

die von ihnen subventionierten schotten loshaben wollen ...

FREIHEIT FÜR

SCHOTTLAND
KATALONIEN
UND SÜDTIROL!!!!!

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Re: FREIHEIT FÜR

Katalonien? Na aber ganz sicher nicht. Ansonsten: Zustimmung

Gast: Antoniantemour
16.10.2012 09:08
4 0

England????

Die Schoten werden sich nicht von England lossagen, sondern eher von Indien und Pakistan.
Freiheit für Schottland.

es wäre für die Schotten eine gute Möglichkeit

das Pfund los zu werden und den Euro einzuführen auch wenn London das nicht möchte...

0 1

Re: es wäre für die Schotten eine gute Möglichkeit

erstens waern das nicht möglich, da SCO die Kriterien derzeit sicher nicht erfüllt. zweitens gibt die schottische Nationalbank seit jeher das schottische Pfund heraus. man braucht also lediglich die Bindung an sterling kappen. drittens wird es nix mit Unabhängigkeit, weil sie selber ganz genau wissen, dass sie mentalitaetsmaessig eher mediterran veranlagt sind. ich liebe dieses Volk, ihre Eigenheiten, Dialekte und spirit[s]. aber sie können genauso unabhängig überleben wie Bremen oder Berlin.

Antworten Antworten Gast: Salisburgo
16.10.2012 19:15
1 0

Re: Re: es wäre für die Schotten eine gute Möglichkeit

zur info es gibt keine schottische nationalbank. schottische banken können eigene pfundnoten drucken aber nur soviele wie sie englische pfundnoten dafür im safe liegen haben.

hoffe die schotten lösen sich von den engländern ... hoffe auch für die waliser aber die sind ja vor allem im süden von cymru schon englisch umgevolkt

1 0

Re: Re: es wäre für die Schotten eine gute Möglichkeit

Wir leben in einem System in dem Griechenland die Kriterien erfüllt. Und da behaupten Sie, ein starker Finanzplatz wie Schottland würde das nicht schaffen? Wissen Sie überhaupt, was Schottland ist?

Re: es wäre für die Schotten eine gute Möglichkeit

Das mit der Euro-Einfuehrung hat Salmond die letzten zwei Jahre nicht mehr wirklich laut gesagt... :-)

Eine EU ohne Schottland...

wäre um einiges ärmer. Wobei ich mir ihren Separationswillen aufgrund ihrer Geschichte durchaus verstehen kann. Im Gegensatz zu den Engländern sind die Schotten ein zwar stolzes aber absolut sympathisches Völckchen. Bei einem Beitritt zur Euro-Zone wäre es aber ein schöner Gedanke, sich beim Whiskyimport nicht mehr mit Wechselkursen herumschlagen zu müssen.
Slainthe
glenturret

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Re: Eine EU ohne Schottland...

waere REICHER denn Schottland ist Nettoempfaenger aus dem Regionalfoerderungsfond ... brauchst nur die Schilder ueberall anschaun dort, was die EU dort alles bezahlt hat..Strassen, Renovierungen...

Antworten Gast: TFI1
16.10.2012 09:14
2 0

Re: Eine EU ohne Schottland...

Die Union ist ja von Schottland ausgegangen, nicht umgekehrt. Zudem weiß ja jeder, dass die Eliten aus Schottland in GB das Sagen haben.

Nur, interessant ist, dass sie doch alle auch nach einer Trennung britische Bürger bleiben wollen.

Die Folgen für Nordirland dürften auch gewaltig sein, denn die Unionisten werden hauptsächlich von Schottland unterstüzt. Ich glaube nicht, dass es einen UK mit NI aber ohne Schottland geben wird.

Zumindest wird es die Wahl geben, und das Ergebnis wird ja respektiert.

Was kommt noch? Südtirol, Katalonien, Flandern....


Antworten Antworten Gast: schlÄchter
16.10.2012 13:39
1 0

Re: Re: Eine EU ohne Schottland...

sg TFI1!
solange eine friedliche trennung möglich ist und eine einbindung innerhalb eines europas der regionen/staaten (dann sind es halt nochmehr), die nauch außen und in der wirtschaft eng kooperieren, sehe ich da prinzipiell kein problem.

2014 wird man sehen wie die schotten entscheiden - es ist jedenfalls begrüßenswert, dass auch die britische regierung ein solches referendum zulässt - wie es ausgehen wird kann man jetzt noch nicht realistisch absehen-(wirtschaftliche lage schottlands, des UK, europas, der usa - außenpolitische und sicherheitspolitische situation) auch die folgen nicht.

wie gesagt: wenn innerhalb eines geeinten oder zumindestens funktionerienden föderalen europas sezessionen friedlich stattfinden - dann kann das durchaus auch erfolgreich für alle beteiligten sein. das wäre ein wirklicher quantensprung für unser old-europe (und eines friednsnobellpreises würdig?).

mfg
s.

16 0

die

Schotten sind bessere Europäer als die Großbritannier.

Re: die

meinen Sie die Engländer ? oder die Briten, oder wirklich alle im Vereinigten Königreich untergebrachten Völker ohne die Schotten ?