Die gerichtlichen Anhörungen im "Jahrhundertverfahren" gegen die fünf mutmaßlichen Hauptverantwortlichen der Terroranschläge vom 11. September 2001 gehen möglicherweise ohne die Angeklagten weiter. Zum Auftakt einer neuen Runde von Hearings am Montag im US-Gefangenenlager Guantánamo Bay (Kuba) erlaubte es der zuständige Sonderrichter den fünf Beschuldigten, auf Wunsch der Prozedur fernzubleiben.
Allerdings soll dies zunächst nur für die mehrtägigen Anhörungen dieser Woche gelten. Bei den für Dezember geplanten weiteren Hearings will Richter James Pohl neu in dieser Frage entscheiden. Zu den fünf Angeklagten gehört neben dem mutmaßlichen Chefplaner Chalid Scheich Mohammed auch Ramzi Binalshibh, der zur "Hamburger Zelle" um den Todespiloten Mohammed Atta gehörte. Der Beginn des Hautverfahrens vor einem Militärtribunal wird frühestens im nächsten Jahr erwartet. Im Fall eines Schuldspruchs droht den Angeklagten die Todesstrafe.
Kein fairer Prozess?
Bei einer ersten Anhörung im Mai hatte es teilweise chaotische Szenen gegeben, die Angeklagten legten eine totale Verweigerungshaltung an den Tag. Am Montag erschienen sie kooperativer. Aber ihre Anwälte sagten am Abend vor Journalisten, dies bedeute nicht, dass sie die Gerichtsprozedur akzeptierten. Sie seien nach wie vor der Überzeugung, dass sie keinen fairen Prozess erhielten.
Insgesamt soll es bei der Anhörung in dieser Woche um 25 Anträge hauptsächlich der Verteidigung zu Verfahrensfragen gehen. Das Hearing am Montag ging aber nur schleppend voran, weil sich das Tauziehen um das Recht der Angeklagten auf Abwesenheit über Stunden hinwegzog.
Die Fünf sollen nach richterlichem Beschluss in dieser Woche jeden Morgen gefragt werden, ob sie in den Gerichtssaal wollen. Der Vertreter der Anklage, Mark Martins, hatte für eine Anwesenheitspflicht plädiert, da es im Verfahren um die Todesstrafe gehe, also immens viel auf dem Spiel stehe.
Verfahren per Video verfolgen
Journalisten sowie Angehörige der Opfer der Anschläge konnten am Montag das Verfahren in Guantánamo und auf dem US-Militärstützpunkt Fort Meade (US-Staat Maryland) per Video verfolgen.
Neben Chalid Scheich Mohammed und Ramzi Binalshibh müssen sich Ali Abdel Asis Ali, Mustafa Ahmed al-Hausawi sowie Walid bin Attasch verantworten. Hauptanklagepunkte sind Terrorismus, Flugzeugentführung, Verschwörung, Mord, Angriff auf Zivilisten, vorsätzliche schwere Körperverletzung und Zerstörung von Eigentum. Bei den Anschlägen am 11. September 2001 kamen rund 3000 Menschen ums Leben.
(APA/dpa)
Prozess zu 9/11: Attentätern droht Todesstrafe




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