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Kuba: Castro-Regime erleichtert Ausreise

16.10.2012 | 18:12 |  von unserem Korrespondenten SANDRO BENINI (Die Presse)

Bewohner der Insel brauchen ab Jänner nur noch einen Pass, um ins Ausland reisen zu dürfen. Doch die Opposition spricht von einer Scheinreform. Parteizeitung „Granma“ erhebt schwere Vorwürfe gegen die USA.

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Mexiko stadt/Havanna. Kubas Regierung hat die Reform bereits vor zwei Jahren versprochen, nun soll sie umgesetzt werden: Ab dem 14.Jänner 2013 brauchen kubanische Bürger nur noch einen gültigen Pass, wenn sie ins Ausland reisen wollen – und allenfalls das Visum des Gastlandes. Damit beseitigt der kubanische Staatschef Raúl Castro eine Einschränkung, die sein Bruder Fidel in den 1960er-Jahren eingeführt hat: die Vorschrift, wonach Reisewillige eine Erlaubnis der Behörden sowie eine schriftliche Einladung eines Ausländers oder einer ausländischen Institution brauchen. Diese Dokumente wurden zwar ab den Neunzigerjahren relativ großzügig erteilt, doch war der bürokratische Aufwand groß und ihre Ausstellung mit insgesamt mehr als 300 Dollar teuer – in einem Land, in dem der monatliche Durchschnittslohn 20 Dollar beträgt.

In dem nun in staatlichen Medien publizierten Dekret zu den Reiseerleichterungen hieß es zudem, dass die maximale Dauer, die sich kubanische Reisende außerhalb des Landes aufhalten dürfen, von elf auf 24 Monate erhöht werde. Danach müssen sie in einem kubanischen Konsulat eine Verlängerung beantragen.

 

Wer erhält einen Reisepass?

In einem Kommentar zum neuen Gesetz erhebt die Parteizeitung „Granma“ schwere Vorwürfe gegen die USA: Kubas neue Migrationspolitik berücksichtige „das Recht des revolutionären Staates, sich gegen die subversiven Pläne der amerikanischen Regierung und ihrer Verbündeter zu verteidigen“. Insbesondere werde Kuba Maßnahmen ergreifen, um das „von der Revolution geschaffene Humankapital vor dem Talenteraub durch die Mächtigen zu schützen“. Konkret dürfte dies bedeuten, dass Kubas Regierung bestimmten Berufsgruppen die Ausstellung eines Passes erschwert oder verweigert – etwa Ärzten, Ingenieuren, hochrangigen Funktionären oder Spitzensportlern. Es bleibt auch abzuwarten, ob Dissidenten nach dem 14.Jänner einen Pass erhalten.

Die Mehrheit der kubanischen Bevölkerung besitzt kein Reisedokument. Die in Madrid ansässige Exilorganisation „Kuba Demokratie jetzt!“ bezeichnete die neue Verordnung als „Scheinreform“, weil die Regierung nach wie vor willkürlich entscheiden könne, wer reisen darf und wer nicht.

Das Verhältnis zwischen der kubanischen Regierung und den Ausgewanderten ist seit Jahrzehnten gespannt und widersprüchlich. Die knapp zwei Millionen Emigrierten, von denen 80 Prozent in den USA leben, hat das Regime wiederholt als konterrevolutionäre Landesverräter gebrandmarkt. Der von Fidel Castro geprägte Begriff war „Würmer“. Andererseits sind die Überweisungen der Exilkubaner an ihre auf der Insel verbliebenen Angehörigen für die Revolution überlebenswichtig. Die angekündigte Reiseerleichterung, die zu einem ganzen Paket teilweise bereits umgesetzter ökonomischer und politischer Reformen gehört, ist ein Versuch, das Thema Migration zu entideologisieren.

 

Innenpolitisches Ventil

Den Auswanderungswillen eines beträchtlichen Teils der Bevölkerung hat die Regierung in der Vergangenheit mehrmals als innenpolitisches Ventil und außenpolitisches Druckmittel eingesetzt. Und oft war sie dabei erfolgreich. Indem das Regime unmittelbar nach der Revolution viele Angehörige der Mittelschicht emigrieren ließ, wurde es tausende Oppositionelle los und konnte deren Häuser an die Armen verteilen. Castros Drohung, die Schleusen für eine Massenauswanderung zu öffnen, hat die US-Regierung während der sogenannten Bootskrise 1994 an den Verhandlungstisch gezwungen. Seither weisen US-Behörden auf offener See aufgegriffene kubanische Flüchtlinge ab.

 

Castro schickte Verbrecher in USA

Legendär ist die Auswanderungswelle, die sich 1980 vom kubanischen Hafen Mariel über Florida ergoss. Fidel Castro hatte dafür gesorgt, dass sich unter den 125.000Emigranten zahlreiche zuvor aus dem Gefängnis entlassene Schwerverbrecher sowie geistig Kranke befanden. Der Unmut in der amerikanischen Öffentlichkeit war groß und richtete sich nicht nur gegen Castro, sondern auch gegen den damaligen Präsidenten Jimmy Carter.

Auf einen Blick

Ab 14.Jänner brauchen Kubaner nur noch einen Reisepass und ein Visum des Gastlandes, um ins Ausland zu reisen. Der Großteil der Bevölkerung besitzt aber keinen Pass. Oppositionelle befürchten, das Regime werde über die Passaustellung weiter kontrollieren, wer das Land verlassen dürfe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2012)

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31 Kommentare
 
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Gast: dorisel
21.10.2012 14:25
0 0

Wer weiß das....

Ich bin deutsche Rentnerin, lebe mit ständiger Aufenthaltgenehmigung meist in Cuba, reise nach Deutschland mit deutschem Pass und der Carta Blanca für jedesmal 150 CUC. Was kommt nun auf mich zu ? muss ich jetzt jedesmal zum deutschem Konsulat nach Havanna wenn ich von Cuba nach Deutschland reisen möchte, brauche ich für Deutschland ein Einreisevisum ??. Wer kann mir dazu Auskunft geben oder welche Behörde ist dafürr zuständig ??

Gast: Dirección de Inmigración y Extranjería
17.10.2012 02:10
0 0

ACHTUNG FALSCHMELDUNG

Die Überschrift spricht fälschlicher Weise von "Reisefreiheit", der Artikel nur noch von "Erleichterungen". Dass "keine Genehmigung" mehr benötigt würde, ist ein grobes Missverständnis: Der bisher notwendige Vorgang der Beantragung einer Reiseerlaubnis wird lediglich mit dem bisher noch genehmigungsfreien Vorgang der Beantragung eines Reisepasses zusammengelegt, und der bürokratische Zwang einer ausländischen Einladung entfällt. Der Staat behält aber wie bisher die volle Kontrolle, wen er reisen lässt und wen nicht. Wem bisher keine Reiseerlaubnis erteilt wurde, dem wird in Zukunft stattdessen einfach kein Reisepass ausgestellt. Bisherige Reisepässe müssen zur "Aktualisierung" vorgelegt werden. Genau so regelt es das auch im Internet veröffentlichte Gesetz. Politisch ändert sich also nichts, nur deutlich billiger und etwas flexibler wird das Reisen. Von Reisefreiheit als verbrieftem Menschenrecht leider noch keine Spur.

Stockholm-Syndrom

Ganz klarer Fall. Die Eingesperrten bedanken sich bei ihrem Peiniger für den Hofgang. Eigentlich unglaublich.

Re: Stockholm-Syndrom

Geht schon los. Bin gespannt, wie viele rote Kummerl-Stricherln ich kassiere. Danke für die Bestätigung.

Gast: Kubaner
16.10.2012 18:48
1 0

juhu

jetzt können wir endlich nach nordkorea fahren und sehen, wie schön es ist, wenn der realsozialismus endlich in den von uns allen angestrebten kommunismus übergegangen ist! angeblich haben mehr als 3/4 aller nordkoreaner sogar ein eigenes, zweisitziges cabrio, mit einem ganzen ochsen power davor!

Gast: La Habana
16.10.2012 18:40
1 1

Ihr linken Gutis seid wieder einmal gefordert

Wohnungen,Häuser,Hängematten frei machen. Eure neuen Genossen kommen.

Gast: Istvan iishmahel jarkutikov
16.10.2012 15:15
0 1

Kuba ist ein gutes Land

mit guten Menschen
eine schöne Insel
ein reiches Land
zumindest die wichtigen Rohstoffe
wie Energie - Cuba Rum
und die richtigen guten Genussmittel
- die havanna Zigarre
haben sie
Warum sollte da jemand das Land ( das Paradies )
verlassen wollen?

Antworten Gast: NNHH
17.10.2012 11:22
0 0

Re: Kuba ist ein gutes Land

Kuba ist ein heruntergekommenes Land. Wie alle Länder, die von Kommunisten regiert werden und wurden.

Gast: baro palatinus
16.10.2012 13:51
0 0

da wird der chavez aber hupfen

nicht nur wegen des "humankapitals"

Na schau, wie eine linke Partei...

manchmal auch "fortschrittlich" handeln kann.

Fast 60 Jahre musste diese sozialistische Schein-Demokratie auf so eine Entscheidung warten.

Gast: Pepe
16.10.2012 13:03
3 0

Kuba gewährt seinen Bürgern Reisefreiheit......

....BRAVO!

nah super!

und womit wollen sie reisen? Kein Geld, Kein Auto, Kein Flugzeug, Kein Schiff.... sie könnten nach Key West schwimmen...

Gast: Da Bese
16.10.2012 12:44
0 3

Selbst Fidel Castro will die Slumdogs los haben

Auf gut Deutsch will Fidel Castro die Slumdogs aus Kuba raus haben. Gerade die kann man in einer Marktwirtschaft aber nicht brauchen, da sie keine Leistungen erbringen können, die am Markt wirklich gefragt sind und folglich werden die im Westen komplett verelenden und dann kann sich der Kommunist feiern lassen!

Ein kluger Schachzug! Der Westen wird durch die in Scharen ausreisenden Slumdogs geschwächt, die, die etwas können müssen in Kuba bleiben, das stärkt natürlich die Volkswirtschaft Kubas wiederum, da sie ja weniger Slumdogs im Land erhalten müssen.

Gast: naund
16.10.2012 12:09
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und?

Was anderswo selbstverständlich ist, ist in Kuda eine Sensation.

Re: und?

Kuda liegt genau wo?

Antworten Antworten Gast: nanonanet
16.10.2012 21:36
0 0

Re: Re: und?

Kuba meinte er - no na net.

Antworten Antworten Gast: naund
16.10.2012 21:35
0 0

Re: Re: und?

Tippfehler passieren halt. Und? Ich meinte natürlich Kuba - aber das wissen Sie selber. Sie sind wahrscheinlich ein K..., der sich brüskiert fühlt!

Antworten Gast: naunder
16.10.2012 12:47
3 0

umverteilung

was in kuba selbstverständlich ist anderswo und überall eine sensation

Re: umverteilung

Noch einmal versuchen, es hat wieder nicht geklappt!

4 0

.

Eine historische Entwicklung, ein (viel) zu kurzer Artikel.

Fidel Castro

Bravo,danke!

Antworten Gast: Schamane12745
16.10.2012 20:55
0 0

Re: Fidel Castro

Wieso bedankst du dich? Wieso fragst du die nicht, warum sie so bescheuert waren, über Jahrzehnte hinweg das gesamte Volk einzusperren nach Kommunistenart und sich somit selber jedwede Grundlage unter den Füßen wegzuziehen.
Du hättest schreiben müssen: "Warum denn erst jetzt, ihr Idioten!" Wäre ehrlich gewesen.

Oh, na dann ist mir dieser Vorzeigestaat gleich noch sympathischer.


Re: Oh, na dann ist mir dieser Vorzeigestaat gleich noch sympathischer.

Cuba hat immerhin die beste Ärzteausbildung der Welt.

Antworten Antworten Gast: naund
16.10.2012 21:38
0 0

Re: Re: Oh, na dann ist mir dieser Vorzeigestaat gleich noch sympathischer.

Doe möchte ich nicht genießen, denn es müßte heißen, dass ich dort wohnen müßte.

Antworten Gast: pff
16.10.2012 11:30
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Re: Oh, na dann ist mir dieser Vorzeigestaat gleich noch sympathischer.

Die Presse sollte endlich eine Sarkasmusschriftart einführen.

 
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