Russische Spezialeinheiten haben den Moskauer Oppositionsführer Sergej Udalzow aus seiner Wohnung zu einem Verhör abgeführt. Dem 35-jährigen Gegner von Präsident Wladimir Putin wird Anstiftung zu Massenunruhen vorgeworfen. "Das ist Willkür und eine Provokation. Ich hoffe, die Gesellschaft wird nicht schweigen", sagte Udalzow am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge.
Nach Ausstrahlung eines Fernsehbeitrags zu angeblichen Putschplänen hatte die Moskauer Justiz Ermittlungen aufgenommen. Nach Angaben eines Justizsprechers befanden Ermittler, dass das von dem regierungsnahen Sender NTV mit einer versteckten Kamera gefilmte Material über ein angeblich konspiratives Treffen zwischen Udalzow und dem georgischen Abgeordneten Giwi Targamadse nicht manipuliert, sondern glaubwürdig sei.
"Planung von Terrorakten"
Die Polizei durchsuchte am Mittwoch in der Früh das Haus Udalzows und seiner Mitarbeiter Konstantin Lebedew und Leonid Raswosschaew. Der Anführer der oppositionellen Linksfront-Bewegung schrieb auf Twitter, er werde nach Abschluss der Hausdurchsuchung zur Befragung mitgenommen. Der Sprecher des Ermittlungskomitees, Wladimir Markin, warnte in ungewöhnlich scharfen Worten, dass "die Organisation von Massenunruhen und die Planung von Terrorakten in unserem Land nicht ungestraft bleiben kann".
In dem Fernsehbeitrag "Anatomie eines Protests II", der am 5. Oktober von NTV ausgestrahlt wurde, wird Udalzow und seinen beiden Mitarbeitern vorgeworfen, mit Targamadse die Planung eines Putsches ausgehend von der westrussischen Stadt Kaliningrad besprochen zu haben. Demnach wolle Udalzow tschetschenische Extremisten anwerben, um Anschläge zu verüben. Finanziert werden sollte der Putsch den Angaben zufolge von dem früheren Bankchef Andrej Borodin, der heute im Exil in Großbritannien lebt.
"Delirium eines Wahnsinnigen"
Udalzow bezeichnete die Vorwürfe vergangene Woche als "Delirium eines Wahnsinnigen", doch die Ermittler kamen eigenen Angaben zufolge nach Auswertung des gezeigten Videomaterials zu dem Schluss, dass es nicht manipuliert sei und darauf tatsächlich die Stimme von Udalzow zu hören sei. Der Linksfront-Führer war während der Proteste nach der umstrittenen Parlamentswahl und gegen die Wiederwahl von Präsident Wladimir Putin im Winter zu Bekanntheit gelangt und wurde wiederholt festgenommen und inhaftiert.
Im Falle einer Verurteilung drohen dem Chef der Linken Front bis zu zehn Jahre Haft. Seine Anwälte rechneten in Kürze mit einem Haftbefehl.
(APA/dpa/AFP)
Baustellen, Pleiten, SkandaleDer US-Präsident ringt um seine Glaubwürdigkeit
Staatsbürgerschaftstest neuKönnten Sie Österreicher werden?
Zitate der Woche''Die Ehre lasse ich mir nicht abschneiden''
X-47BGroßdrohne hebt erstmals von Flugzeugträger ab
''Kim on Tour''Der Diktator als Pappkamerad
