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Beirut: Polizei-Geheimdienstchef getötet

19.10.2012 | 21:45 |   (DiePresse.com)

Wissam al-Hassan war ein Vertrauter des libanesischen Oppositionschefs, der der syrischen Führung von Präsident Assad feindlich gegenübersteht.

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Bei einem Bombenanschlag in der libanesischen Hauptstadt Beirut ist am Freitag nach Angaben aus Regierungskreisen auch der Chef des Polizei-Geheimdienstes getötet worden. Wissam al-Hassan sei unter den Todesopfern. Hassan war ein Vertrauter des libanesischen Oppositionschefs Saad al-Hariri, der der syrischen Führung von Präsident Bashar al-Assad feindlich gegenübersteht. Ende des Jahres sollte Hassan Chef der Polizei werden. Bei dem Anschlag wurden mindestens drei Menschen getötet. Es gibt 96 Verletzte. Zunächst war von acht Todesopfern die Rede gewesen.

Hassan hatte auch die Untersuchungen des Bombenanschlags geleitet, bei dem 2005 der libanesische Ex-Premier Rafik al-Hariri getötet worden war. Hinter dem Attentat werden das Regime in Syrien und die mit ihm verbündete radikale libanesische Schiitenorganisation Hisbollah vermutet.

Explosion zur Hauptverkehrszeit

Die Bombe ging am Freitag um 14 Uhr zur Hauptverkehrszeit in einem christlichen Viertel im Osten der Stadt hoch. Nach Angaben des Generalstaatsanwaltes Hatem Madi wurde das mit Sprengstoff beladene Auto "dutzende Meter weit" geschleudert. Ermittler sagten, die Sprengladung sei 30 Kilogramm schwer gewesen. "Wir haben eine riesige Explosion gehört. Der Boden zitterte unter unseren Füßen", sagte ein 19-jähriger Passant. Eine 25-Jährige suchte in den Trümmern nach ihrer Mutter.

Nur etwa 200 Meter vom Anschlagsort entfernt befindet sich die Zentrale der christlichen Partei Kataeb, auch Phalange genannt, die Syriens Machthaber Bashar al-Assad feindlich gegenüber steht. In Libanons Nachbarland Syrien wütet derzeit ein blutiger Konflikt zwischen Assads Armee und den Truppen der Aufständischen. Syrien hatte sich jahrzehntelang als Schutzmacht des Libanon verstanden und dort Truppen stationiert.

Syrien beschuldigt

Der zur oppositionellen Zukunftsbewegung gehörende Abgeordnete Nihad al-Mashnuk sagte: "Die Explosion von Ashrafiyeh ist eine Botschaft des syrischen Regimes, das dabei ist, sich aufzulösen. Es ist eine Botschaft, mit dem Ziel, die Libanesen in Angst und Schrecken zu versetzen." Die syrische Regierung wies jede Verantwortung von sich. Schon wenige Minuten nach dem Anschlag im Nachbarland veröffentlichten die staatlichen syrischen Medien eine Stellungnahme von Informationsminister Omran al-Zoubi. Dieser verurteilte den Anschlag als "feigen Akt des Terrorismus".

Der Libanon war zwischen 2004 und 2008 von einer Serie von Sprengstoffanschlägen erschüttert worden. Schon damals kam der Verdacht auf, das Regime des syrischen Präsidenten Assad könnte an der Planung der Anschläge beteiligt gewesen sein. Als Folge des Bombenattentates auf den früheren libanesischen Regierungschef Rafik al-Hariri im Februar 2005 hatte Syrien seine letzten Truppen aus dem Nachbarland abziehen müssen.

Präsident Assad warnt seit Beginn des Aufstandes in Syrien vor einem "Flächenbrand", der bald die ganze Region erfassen werde.

(Red./APA)

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10 Kommentare

In Syrien gab es bisher mindestens 20 Sprengstoffanschläge

die insgesamt wohl 100 x mehr Todesopfer forderten.
Das war kein besonderes Thema in den Medien. Jetzt in Syrien kennt der mediale Aufschrei keine Grenzen!

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genauer schauen!

Wenn ein derartiger Anschlag in einer so angespannten Situation stattfindet, sollte man meiner Meinung nach genau ueberlegen, wer davon profitieren koennte. Syrien? Was sollte der Nutzen sein? Hizbollah? Gleiche Frage nach dem Nutzen! Koennte es nicht Viel eher so sein, dass andere Staaten grosses Interesse daran haben, auch den Libanon zu destabilisieren, damit die Achse Syrien-Hizbollah-Iran zusammenbricht? Und vielleicht auch westliche Staaten das unterstuetzen? PS: bitte stellen sie niemals die Hizbollah auf die gleiche Stufe wie die Salafisten. Wer das tut, hat weder Ahnung von Politik, noch von Geschichte und schon gar nicht von Religion!

Spekulationen usw...

Die NZZ liefert dazu mehr Details:

http://www.nzz.ch/aktuell/international/bombenanschlag-erschuettert-beirut-1.17699671

"Hassans letzter Coup war die Festnahme des prosyrischen Politikers Michel Samaha, der beschuldigt wird, im Auftrag von Damaskus Bombenanschläge in Libanon geplant zu haben."

Der Anschlag auf Hassan war höchstwahrscheinlich eine Machtdemonstration Syriens.

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Re: Spekulationen usw...

Das müssen Sie mir einfach genauer erklären! Welchen Vorteil bringt das für Syrien??? Was sollte solch eine Machtdemonstration auslösen?Aufgebrachte Sunniten? Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Alewiten bzw. Schiiten? Ich kann da die für Syrien positiven Aspekte nicht wirklich erkennen!!!

Re: Re: Spekulationen usw...

Der Libanon wird von Syrien als Provinz angesehn aus der sie ihr Militär abziehen mussten. Haben sie sich einmal die Wirtschaftsstruktur des Libanon angesehn? Ein erheblicher Teil der Wirtschaftskraft wird durch den Finanzsektor erzeugt, woher diese Gelder kommen können sie sich denken: aus Syrien. Fast jeder Einwohner Beiruts hat Verwandte in Damaskus.
Vertrieben wurden Assads Truppen aus Damaskus auf Druck Frankreichs, verantwortlich gemacht wurde dafür Rafiq Hariri den Assad letztlich liquidiert hat. Grund war die Verlängerung der Amtszeit von Lahoud, den Hariri loswerden wollte - Lahoud war von Assad eingesetzt. Der Disput zwischen pro-syrischen Kräften und den Leuten um Saad Hariri (Sohn von Rafiq) dauern verständlicher Weise noch immer an. Hassan war einer der wichtigsten Vertrauten von Rafiq und Saad und hat mit Beginn der Aufstände in Syrien Assads Männer im Libanon zu verfolgen und auch zu verhaften. Syrien hat kein Interesse daran seinen Einfluss im Libanon geschmälert zu sehen. Daher das Attentat.

Wo gehobelt wird, fallen Späne ...


Gast: Konservativer
19.10.2012 19:12
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Linke? Gutmenschen? Palästina-Bewegte? Friedenstäubchen? Euer Statement zur Lage?


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Hmmm...

Ich denke man wird einen islamistischen Anschlag gegen die Christen einfach Assad in die Schuhe schieben - ich denke eher an die Hisbullah oder an Salafisten - beide extreme Islamisten - so wie es sie auch bei uns immer mehr gibt - siehe Gewaltdemos in Solingen, Köln... - DiePresse berichtet.

Antworten Gast: BJK
19.10.2012 20:46
3 0

Re: Hmmm...

Habe ich auch zuerst gedacht, aber die schnelle Reaktion des Ministers ist verwunderlich.
In wenigen Minuten handeln Minister in der Regel nur dann, wenn sie schon im vorhinein bescheid wusste.

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Hmmm.

Wenn ich Christen und Bombenanschlag höre ist Assad bestimmt nicht das erste was mir da in den Sinn kommt.