22.05.2013 22:23 Merkliste 0

Tot, verhaftet oder geflohen - Gaddafis Getreue im Visier

21.10.2012 | 18:28 |   (Die Presse)

Ein Jahr nach dem Tod des Diktators soll sein Sohn Khamis ums Leben gekommen sein. Die meisten der noch lebenden Mitglieder des Gaddafi-Clans sind mittlerweile ins Ausland geflohen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Tripolis/Wb/Ag. Tot, im Exil oder untergetaucht: Der Clan des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi bleibt im Visier der neuen Regierung. Sohn Khamis, schon im Vorjahr totgesagt, starb laut Medienberichten erst jetzt bei Kämpfen in Bani Walid, einer der letzten Hochburgen des Gaddafi-Regimes. Der ehemalige Kommandant einer Eliteeinheit soll entgegen früheren Angaben einen Nato-Luftangriff im August 2011 überlebt haben. Seit damals dürfte er den Widerstand gegen die neuen Machthaber organisiert haben. Gerüchte gab es am Wochenende auch über eine Festnahme von Gaddafis ehemaligem Sprecher Moussa Ibrahim.

Die meisten der noch lebenden Mitglieder des Gaddafi-Clans sind mittlerweile ins Ausland geflohen. Eine Übersicht über das Schicksal der wichtigsten Getreuen des vor einem Jahr getöteten Staatschefs:

Saif al-Islam. Der Sohn mit Beziehungen zu Österreich ist seit November 2011 in Libyen in Haft. Wegen Kriegsverbrechen fordert der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes seine Auslieferung nach Den Haag, doch die neue Regierung in Tripolis will das Verfahren im eigenen Land abwickeln. Saif, der mit dem verstorbenen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider befreundet war, galt einst als möglicher Nachfolger Gaddafis. Er war bei seiner Flucht nach Niger aufgegriffen und verhaftet worden.

Saif al-Arab. Als Student in München fiel der Sohn Gaddafis wegen Diskothekenschlägereien auf. Nach unbestätigten Angaben eines libyschen Regierungssprechers starb er am 1. Mai 2011 durch Nato-Bomben.


Safiya. Die zweite Ehefrau Gaddafis ist mit ihren Kindern nach Algerien geflohen.

Mohammed. Der älteste Sohn des Ex-Herrschers leitete einst das libysche Post- und Telekom-Unternehmen. Er besaß selbst zwei Mobilfunkunternehmen. Auch er ist nach Algerien geflohen.

Hannibal. Der über die Landesgrenzen hinweg bekannte Sohn des Diktators befindet sich ebenfalls in Algerien. Er geriet durch sein Luxusleben und Gewalttaten in die Schlagzeilen. 2005 soll er eine Frau in Paris verprügelt haben. 2007 verhaftete ihn die Justiz in Genf, weil er Hausangestellte misshandelt haben soll.

Aischa. Die Tochter ist Juristin und gehörte zu den Rechtsanwälten des später hingerichteten irakischen Diktators Saddam Hussein. Sie leitete bis zum Umsturz eine libysche Wohltätigkeitsorganisation. Während der Umbrüche flüchtete sie hochschwanger mit ihrer Mutter Safiya nach Algerien. Dort bekam sie ihr Kind.

Al-Sadi. Der Sohn Gaddafis soll sich in Niger aufhalten. Bis 2003 führte er eine Eliteeinheit im Kampf gegen Islamisten in Libyen, dann ging er als Fußballprofi nach Italien, kam kaum zum Einsatz und musste nach Dopingvorwürfen gehen. Er steht auf der Fahndungsliste von Interpol, Niger verweigerte bisher seine Auslieferung.
Mutassim Billah. Er wurde in Sirte gefangen genommen und angeblich von Milizionären erschossen. Mutassim floh nach einem Zerwürfnis mit seinem Vater nach Kairo, durfte aber später zurückkehren und die Präsidentengarde führen.
Milad Aubustaia. Der adoptierte Neffe des Diktators ist verschollen. Während eines US-Bombenangriffs auf Tripolis 1986 soll er der Legende nach das Leben des Diktators gerettet haben.

Hana. Das Schicksal der Adoptivtochter ist ungeklärt. Sie soll 1986 im Alter von 15 Monaten durch US-Bomben auf Tripolis getötet worden sein. Kürzlich entdeckten Dokumenten zufolge lebt sie aber, hat eine Ausbildung als Ärztin und lebte zuletzt in Tripolis.

Auf einen Blick

Jahrestag. Vor einem Jahr wurde der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi getötet. Seine Familie befindet sich seitdem auf der Flucht. Am Wochenende wurde der Tod einer seiner Söhne, Khamis, gemeldet. Er soll bis zuletzt den Widerstand gegen die neue Regierung organisiert haben. Die noch lebenden Mitglieder des Clans sind entweder im Ausland oder befinden sich in Haft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

1 Kommentare
0 1

Geh!

Nur keine Sorge - die Gaddafi-Frauen lassen sich gerade die Nägel lackieren und dann geht's ab zum Luxus-Shopping. Um die mach' ich mir bei dem zusammengeraubten Vermögen echt keine Sorgen.