"Athen findet Ausreden, um Mazedonien zu blockieren"

23.10.2012 | 18:19 |  WIELAND SCHNEIDER UND SEBASTIAN WEDL (Die Presse)

Mazedoniens Außenminister Nikola Poposki im Interview mit der "Presse" über den Streit mit Griechenland, den er rasch lösen will, und "falsche Ängste" vor neuen Anwärtern für die Europäische Union.

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Die Presse: Wegen des Streits um den Namen Mazedonien blockiert Griechenland den Beginn von EU-Beitrittsverhandlungen mit Ihrem Land. Jetzt ist Griechenland durch die Krise geschwächt. Könnte es dadurch leichter werden, einen Kompromiss zu finden?

Nikola Poposki: Viele glauben, dass das ein Vorteil für uns sein könnte, aber es hat diese Frage komplizierter gemacht. Alle politischen Kräfte in Griechenland sind gezwungen, sich auf das dominierende Thema Krise zu konzentrieren. Bilateralen Angelegenheiten wie mit Mazedonien wird nur wenig Energie gewidmet. Aber wir können das nicht einfach aufschieben, bis bessere Zeiten kommen. Das Problem ist Anfang der 90er-Jahre aus dem Nichts aufgetaucht. Griechenland hat behauptet, das unabhängige Mazedonien stelle eine Gefahr für seine Sicherheit und territoriale Unversehrtheit dar. Jetzt, 20 Jahre später, zeigt sich noch deutlicher als damals, dass das Unsinn ist. Viele Mazedonier machen Urlaub in Griechenland. Griechische Unternehmen investieren in Mazedonien. Unsere Wirtschaft ist nicht groß genug, um die griechische Wirtschaft zu retten, aber wir leisten einen Beitrag dazu. Viele Griechen haben großes Interesse daran, die unsinnige Blockade zu beenden.

In Mazedoniens Hauptstadt, Skopje, werden zahlreiche neue Statuen errichtet: von Philipp von Makedonien und Alexander dem Großen. Ist das im Streit mit Griechenland nicht kontraproduktiv?

Das wird als Ausrede missbraucht. Wir sind schon viele Jahre zuvor blockiert worden, obwohl diese Monumente noch nicht standen. Wir haben in den vergangenen Jahren gesehen, dass Griechenland eine große Zahl Ausreden entwickelt hat, um eine unvertretbare Blockade zu rechtfertigen. Es ist viel wichtiger, sich auf die Zukunft zu konzentrieren. Und nicht Ausreden zu finden – wofür Griechenland Talent hat.

Mazedonien hat den Flughafen in Skopje „Alexander der Große“ getauft. War das die Rache für die Blockade durch Griechenland?

Die Griechen haben den Flughafen in Thessaloniki in „Macedonia“ umbenannt. Und der Flughafen in Skopje wurde in „Alexander der Große“ umbenannt. Eine irrationale Blockade gegen einen kleineren Nachbarn ist kontraproduktiv und schafft das Gefühl, dass die nationale Identität Ausdrucksformen finden muss. Je mehr man eine Nation unter Druck setzt, umso sichtbarer werden solche Gefühle.

 

Ist es nach wie vor attraktiv, der EU beizutreten, jetzt, da sie in Problemen steckt?

Wir sind nach wie vor EU-Fans. Die Unterstützung für die Union hat in der Bevölkerung die 85-Prozent-Marke noch nie unterschritten. Die Menschen haben von der Illusion Abstand genommen, dass die EU-Mitgliedschaft Garantie für Wohlstand eines jeden Einzelnen ist. Der Grad der Zustimmung ist aber gleich hoch geblieben, denn aus mazedonischer Perspektive ist Europa viel mehr als die simple ökonomische Dimension.

 

Obwohl Mazedonien seit sieben Jahren auf den Beginn von Beitrittsverhandlungen wartet?

Die Mazedonier bleiben überzeugt von der europäischen Idee: Die Zustimmung zum EU-Beitritt ist gleich hoch geblieben, aber viele haben das Vertrauen in die europäischen Institutionen verloren. Die EU-Kommission hat drei Jahre hintereinander gesagt, Mazedonien ist bereit für den Beginn von Beitrittsverhandlungen. Es ist dann sehr schwierig, den Menschen zu erklären, dass ein einziger Mitgliedstaat – Griechenland – die Beitrittsgespräche blockieren kann.

 

Ist es schwieriger geworden, der Europäischen Union beizutreten?

Es ist komplizierter geworden. Die Union ist sehr vorsichtig geworden, wegen nicht so gut gemanagter Dinge bei früheren Erweiterungswellen. Dazu kommt die Wirtschaftskrise. Die Bevölkerung der EU-Staaten denkt: Wir haben jetzt ein Problem, und wenn wir noch jemanden aufnehmen, wird das Problem größer. Das basiert auf falschen Ängsten: Einige Staaten, die nicht in der EU sind, haben eine bessere Performance als einige in der EU. Unser Schuldenstand ist einer der niedrigsten in Europa. Wir haben die Maastricht-Kriterien immer eingehalten. Wenn wir EU-Mitglied wären, hätten wie uns am Fonds zur Rettung reicherer Staaten beteiligen können. Wir haben zwar ein Riesenproblem mit Arbeitslosigkeit, aber wir versuchen das zu lösen, indem wir Mazedonien als gute Destination für Investoren bewerben.

Auf einen Blick

Mazedoniens Außenminister Poposki will den Konflikt mit Athen rasch lösen. Athen weigert sich, Mazedonien als Staatsnamen anzuerkennen und wirft Skopje vor, Teile der griechischen Geschichte zu vereinnahmen. [Reuters]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2012)

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16 Kommentare
Gast: Ile
26.10.2012 16:01
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Geschichte Makedoniens

Ich denke um etwas Licht in die Problematik herbeizuführen, sollte man recherchieren warum es zwei bzw. drei, ja sogar vier Teile Makedoniens gibt. Warum eine Republik Makedonien und warum erst in den neunziger Jahren eine Makedonisierung in Griechenland. Ich denke das weiss nur ein Bruchteil, geschweige von den Griechen.
http://www.faz.net/aktuell/politik/politische-buecher/adamantios-skordos-griechenlands-makedonische-frage-330-vor-und-1949-nach-christus-11909439.html

Gast: Belesener
25.10.2012 12:31
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Ablenkungen, wo es nur geht!

Warum befasst sich der Verfasser nicht einmal mit dem Interimsabkommen, der von beiden Ländern ja in den 1990er unterschrieben wurde? Der beinhaltet unter anderem einen sehr wichtigen Artikel, der die Haltung Griechenlands bestätigt:

Athen und Skopje verpflichten sich, feindliche Propaganda zu unterlassen (Art. 7)

Das Projekt Namens "Skopje 2014" mit seiner 22 Meter Alexanderstatue, seinen architektonischen Bauwerken im griechischen Stil, diese dann aber "mazedonisch" nennen, bestätigt dass es sich hierbei um Propaganda handelt. Wieso muss ein von Slawen regierendes Land, dass auch mehrheitlich slawisch ist, permanent versuchen griechische Kultur zu usurpieren? Ausreden, wie Herr Poposki es nennt, sind das definitiv nicht. Siehe dazu Artikel 4 des Interimsabkommens.

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Re: Ablenkungen, wo es nur geht!

sehr belesen scheinen sie nicht gerade zu sein

Antworten Gast: lächerlich
25.10.2012 17:33
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Re: Ablenkungen, wo es nur geht!

das ist mal wieder typisch :D bevor man etwas postet sollte man sich vorher informieren die Buaprojekte in "Skopje 2014" sind zum größtenteil gebäude die rekonstruiert werden im jahre 1963 wurde die gesammte stadt durch ein erdbeben zerstört nur wenige gebäude haben dem erdbeben stand gehalten und nun zu deinem interimsabkommen dieses abkommen verpflichtet griechenland ebenso, makedonien nicht zu behinder bei den wunsch auf aufnahme in internationalen organisationen. das gericht in den haag hat MAKEDONIEN RECHT gegeben das griechenland gegen das abkommen verstoßen habe als es MAKEDONIEN bei der aufnahme in die NATO behinderte und nun zu einer kleinen geschichtsstunde griechenland als land existiert erst seit 1830 nach den balkankriegen 1913 wurde das historische Makedonien in drei teile aufgeteilt (bulgarisch serbisch und griechisch) das war während den territorialen expansionen griechenlands die bis ungefähr 1947 andauerten so am ende des 2 weltkrieges wo die makedonischen partisanen den griechen die ärsche gertettet haben hatte die griechische monarchie die hosen voll gehabt das sie gestürtzt werden könnte und ist auf die partisanen los gestürmt mit freundlicher unterstützung eines krebsgeschwürs welches sich usa nennt und weiteren westlichen staaten es kam zu einem exodus gegenüber den makedoniern im heutigen nördlichen griechenland und vertreibungen sowie immigration von asia griechen im heutigen gr.land von denen wirklich niemand weis zu wen sie wirklich gehören ... LG

die Griechen haben recht

die "anderen" sind nur Rucksackträger oder Lügner

Re: die Griechen haben recht

Sehr Treffend formuliert :D

Gast: erstdann
23.10.2012 23:26
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zuerst

Zuerst sollen die mal ihre Finanzen in Ordnung bringen. Erst dann können wir weiterreden.

Re: zuerst

Das werden sie früher oder später... Fyrom wird nie was auf die reihe bekommen

Gast: Europa19
23.10.2012 22:13
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Typisch FYROM

Hübsch, wie der Typ immer die unagenehmen Fragen ausweicht.

Gast: gasthans
23.10.2012 21:25
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zyp"Athen findet Ausreden, um Mazedonien zu blockieren"

Bei zypenr haben sie auch die EU erpresstt.. und problem blebt immer nocht.. werden euch nie gelöst..

Antworten Gast: Fehlschlag
23.10.2012 22:58
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Re: zyp"Athen findet Ausreden, um Mazedonien zu blockieren"

Abgesehen von ihrem inhaltslosem Beitrag bewegen sie sich im offtopic Bereich und spucken heiße Luft ohne Fakten oder Quellen zu posten.

Nun versuchen sie mal ihre Aussage zu untermauern und nicht einfach nur zu hetzen.

Gast: hellas
23.10.2012 20:58
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Makedonien ist nicht Mazedonien

Makedonien ist weder slawisch noch albanischem ursprungs, und in Mazedonien leben mehrheitlich nur diese zwei kulturen.

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Re: Makedonien ist nicht Mazedonien

Lerne mal die Geschichte Makedoniens der letzten 200 Jahre. Dann merkst du schon was das Problem der Griechen Punkto Makedonien ist. Es geht nicht einfach um einen Namen sondern um die Vertuschung griechischer Greueltaaten gegen die wie die Griechen sie nennen slawischen Mazedonier.

Gast: hellas
23.10.2012 20:58
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Makedonien ist nicht Mazedonien

Makedonien ist weder slawisch noch albanischem ursprungs, und in Mazedonien leben mehrheitlich nur diese zwei kulturen.

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Re: Makedonien ist nicht Mazedonien

warum benennen sie dan nicht Griechenland mit den Namen Maqedonien?

Antworten Antworten Gast: SKG
26.10.2012 09:19
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Re: Re: Makedonien ist nicht Mazedonien

Weil Makedonien nur ein Teil Griechenlands ist....

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