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Italien: Berlusconi droht Regierung Monti zu stürzen

28.10.2012 | 12:48 |   (DiePresse.com)

Der kürzlich verurteilte Ex-Premier kritisierte "Rezessions-Regierungschef" Monti scharf - und erwägt, dem Fachleutekabinett vor dem Ende der Legislaturperiode das Vertrauen zu entziehen.

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Lange Zeit war es still um Silvio Berlusconi. Nachdem er, bedrängt von Affären und Prozessen, im vergangenen November als italienischer Regierungschef unter Schmährufen und Pfiffen abtreten musste, hatte der 76-Jährige mehrere Monate fern vom Rampenlicht verbracht. Doch das am Freitag gefällte Urteil der Mailänder Richter, die Italiens TV-König wegen Steuerbetrugs zu vier Jahren Haft verurteilten, hat den Löwen in Berlusconi wieder geweckt. Der gebürtige Mailänder mit den saloppen Sprüchen und den Macho-Allüren gönnte sich eine Auszeit im prestigereichen Urlaubsressort seines Freundes Flavio Briatore im kenianischen Malindi, unterzog sich einer strengen Diät und kämpfte laut seinen engsten Mitarbeitern mit einer schleichenden Depression. Jetzt ist er zurück: Kämpferischer denn je will der lombardische Lebemann zurück auf das politische Parkett und droht jetzt sogar, das Fachleutekabinett seines Nachfolgers Mario Monti zu stürzen.

Am Tag nach dem Mailänder Urteil griff Berlusconi bei einer fast zweistündigen Pressekonferenz die Justiz an, nannte seinen Nachfolger Monti einen "Rezessions-Regierungschef" und übte wegen ihrer Haltung in der Euro-Schuldenkrise scharfe Kritik an Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel. Angesichts der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung des Landes werde sein Mitte-Rechts-Block in den kommenden Tagen entscheiden, ob man Monti das Vertrauen entziehen oder das Ende der Legislaturperiode abwarten werde, warnte Berlusconi, der zwei Jahrzehnte lang den Stiefelstaat geprägt hat.

Seine Worte stürzen die seit fast einem Jahr in Rom amtierende Übergangsregierung aus Technokraten in die Ungewissheit. Die Legislaturperiode könnte unter den Hieben des unberechenbaren Berlusconi schon vor ihrem geplanten Ende im kommenden März zu Ende gehen.

"Volk der Freiheit" stärkste Einzelpartei

Berlusconis Mitte-rechts-Partei "Volk der Freiheit" (PdL - Popolo della libertá) ist die stärkste Einzelpartei in der heterogenen Koalition, die Montis Fachleuteregierung unterstützt. Sie wird auch vom Mitte-links-Block und von einigen Zentrumsparteien getragen.

Sollte der 69-jährige Monti die Unterstützung von Berlusconis Partei verlieren, müsste er zurücktreten. Das wäre ein harter Schlag für das Ansehen Italiens, das seit Monaten um das Vertrauen an den Finanzmärkten kämpft, um nicht unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen zu müssen. Vor allem würde dies auf internationaler Ebene große Bedenken über die Fähigkeit des Landes auslösen, den von Monti in die Wege geleiteten Sparkurs und Reformprozess zu Ende führen zu können.

Berlusconi will zwar nicht für die Wahl im Frühjahr 2013 als Spitzenkandidat seiner Partei antreten. Trotzdem will er sich für eine klare Kursänderung in Italien einsetzen. Monti beschuldigte er, mit seinem brutalen Sparkurs die Wirtschaft in eine Rezessionsspirale ohne Ende getrieben zu haben. Die Steuerzahler seien wegen des aggressiven Verhaltens des Fiskus im Kampf gegen die ausufernde Steuerhinterziehung verunsichert.

Er wolle sich für die Abschaffung der verhassten Immobiliensteuer und des Verbots einsetzen, Beträge von über 1000 Euro bar zu zahlen, versicherte der Ex-Premier. "Den Italienern geht es schlecht, sie haben Angst vor dem Fiskus, sie haben Angst, ihr Geld auszugeben. So liegt die Wirtschaft lahm und die Unternehmen gehen pleite", erklärte Berlusconi. Noch nie hatte der langlebigste und umstrittenste italienische Politiker seit der Nachkriegszeit die wirtschaftspolitische Linie seines Nachfolgers so scharf kritisiert.

Monti: "No comment"

Monti reagierte mit einem "No comment" auf die unerwartete Attacke des TV-Königs. Mitarbeiter des Ex-EU-Kommissars erklärten hinter vorgehaltener Hand, der Wirtschaftsprofessor halte eine politische Krise in Rom für unwahrscheinlich. Italien müsse noch zu vielen internationalen Verpflichtungen nachkommen, um sich in dieser Phase eine Krise erlauben zu können.

In der Ansprache bei einem Seminar in Rom gab Monti zwar zu, dass seine Regierung einige Fehler gemacht habe. "Ich bin aber auf unsere Beschlüsse stolz. Wir haben bewiesen, dass wir uns bei den Bürgern Gehör verschaffen können, ohne schreien und falsche Versprechen machen zu müssen", kommentierte Monti.

Obwohl er kühle Nerven bewahrt, ziehen sich dunkle Wolken an Montis Horizont zusammen. Seine Popularität sinkt, die Wirtschaftskrise ist stärker denn je, am Samstag gingen Zehntausende in Rom auf die Straße, um gegen seine Krisenpolitik zu demonstrieren. Die Demonstranten folgten einem Aufruf kleinerer linker Parteien, Vereine und Gewerkschaften, im Rahmen eines "No-Monti-Day" gegen die Sparmaßnahmen der Regierung zu protestieren. Am Rande des Protestzuges in der Hauptstadt gab es Ausschreitungen. "Mit einem Europa, das sich auflehnt, lasst uns die Regierung Monti verjagen", stand auf einem riesigen Spruchband am Kopf des Demonstrationszuges. Der Premier hofft, dass dies nicht allzu früh eintreten wird.

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(APA)

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50 Kommentare
 
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Gast: HB4242
28.10.2012 13:56
3 1

Der Berlusconi ist sicher kein Armer,

aber sich mit GS samt Hintermännern anzulegen wird ihm sich ein paar Schuhnummern zu groß ....

Antworten Gast: Barrorscho
28.10.2012 14:50
5 1

einer muss ja mal damit anfangen,

oder wie lange will die Welt noch vor diesen Abzockern auf dem Bauch kriechen?

Antworten Antworten Gast: HB4242
28.10.2012 15:05
0 0

Re: einer muss ja mal damit anfangen,

der Zug (was zu verändern) ist längst abgefahren !

(die Meisten wollen es nur nicht wahrhaben oder verdrängen es einfach ....)

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Da kann die FPK noch lernen!

Der zerstört nicht ein bundesland, der nimmt sich klein ein ganzes EU-Land zum kaputtmachen.
Häfenbruder.

Re: Da kann die FPK noch lernen!

Naja, der Sozi namens Monti hat da aber mehr Schaden angerichtet in seiner ziemlich kurzen Amtszeit, zuerts Steuern erhöhen danach Steuern senken????. ... Aber eins ist gut, der Monti hats eingesehen, er wird bei der nächsten Wahl nicht antreten.

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Re: Re: Da kann die FPK noch lernen!

Das verdrehte Weltbild der Rechtsliberalen.

Antworten Antworten Antworten Gast: HB4242
28.10.2012 15:29
3 1

Das verdrehte Weltbild der Rechtsliberalen.....

Das verdrehte Weltbild werden wir bald kennenlernen !

(es ist weder liberal, noch sozial und schon gar nicht demokratisch .....)

Gast: Hermann vom Gipfel
28.10.2012 13:31
4 4

Der einzige Weg für Berlusconi ist jetzt die Diktatur?

damit müsste er dann auch keine Haftstrafe berbüßen?

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Re: Der einzige Weg für Berlusconi ist jetzt die Diktatur?

Die Diktatur ist eigentlich Monti. Die aktuelle Regierung wurde von den Italienern nicht gewählt.

Re: Re: Der einzige Weg für Berlusconi ist jetzt die Diktatur?

Geh bitte, wenns vom italienischen Wahlsystem keine Ahnung haben, dann seiens doch lieber ruhig!

0 0

Re: Re: Der einzige Weg für Berlusconi ist jetzt die Diktatur?

Die Regierung wird in Italien NICHT gewählt!

Antworten Antworten Gast: xxxyyyzzz
28.10.2012 15:54
1 0

Re: Re: Der einzige Weg für Berlusconi ist jetzt die Diktatur?


Das Volk bestimmt bzw. wählt die Legislative sprich das Parlament und nicht die Exekutive/Regierung. Insofern geht die Kritik, dass die Regierung nicht vom Volk gewählt wurde ins Leere.

Die vom Volk gewählten Abgeordneten haben sich auf Monti geeinigt und diesen gewählt.

Gast: Nemesis
28.10.2012 13:30
4 6

Linkes Panikgrunzen im Forum vor Berlusconi?

Sehr schön.

2 4

Re: Linkes Panikgrunzen im Forum vor Berlusconi?

Eher mitleidiges Mundwinkelverziehen über den ohmmächtigen Zorn eines altgewordenen rechtsliberalen Populisten.

Wenn man sich die Entwicklung in der EU anschaut ...

... wird mir der Berlusconi zunehmend sympatischer. ... gg

Gast: sepplmair
28.10.2012 13:18
6 3

was für eine regierung

monti ist nie gewählt worden. also kann man ich auch nicht stürzen.

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Re: was für eine regierung

Monti wurde von Goldman Sachs gewählt. Da zu befürchten ist, dass Berlusconi von den Italienern gewählt würde, muss er von politischen Ämtern ferngehalten werden. Moderne Demokratie.

Man kann nicht erwarten einen Politiker mit der braven Mentalität eines Beamten zu haben, der in Verhandlungen für das Land dann plötzlich alle Gegner über den Tisch zieht. Man kann nicht alles gleichzeitig haben. Die Italiener würden ihn daher sofort wieder wählen.

Wieso hat diese Witzfigur

Berlusconi immer noch so viel Einfluss und Macht?! Die spinnen, die Italiener!

Re: Wieso hat diese Witzfigur

Aus dem selben Grund, wieso eine SPÖ in diesem Land noch so viel Macht hat.

Antworten Antworten Gast: grüne
28.10.2012 14:57
3 2

Re: Re: Wieso hat diese Witzfigur

lieber berlusconi als die spö.

Antworten Antworten Antworten Gast: HB4242
28.10.2012 15:14
1 1

Re: Re: Re: Wieso hat diese Witzfigur

Also ich kann auf alle 3 verzichten !

(Berlusconi, SPÖ und Grüne ....)

Dieser Soziopath, kranke Narzisst steht dem Nikolai Chauchesku um nichts nach

An Depression erkrankt ?! Sehr gut !
Ich wünsche es ihm von ganzen Herzen !

Mit dem R.... zur W... und Peng

Und ein herzhaftes Lachen

Antworten Gast: Richtig, aber noch schlimmer
28.10.2012 15:14
1 0

Re: Dieser Soziopath, kranke Narzisst steht dem Nikolai Chauchesku um nichts nach

Der Tyrann Ceausescu (so schreibt man es) war sogar noch besser als dieser perverse Milliardär und Mafiaboss

Berlusconi droht Regierung Monti zu stürzen



Klassisches Beispiel von Alters-Demenz!

Na ja, jetzt versteht man auch das Urteil

und weshalb Kres10zia, die Q, einen so nervösen Delete-Finger hat...

 
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