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Ungarn: Wählerregistrierung sorgt für Ärger

30.10.2012 | 17:42 |  von unserem Korrespondenten Peter Bognar (Die Presse)

Wer sich in Ungarn nicht neu als Wähler registrieren lässt, darf vier Jahre lang nicht bei Urnengängen abstimmen. Die Opposition tobt über das neue Gesetz und spricht von einer weiteren Beschneidung der Demokratie.

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Budapest. Ungarns nationalkonservative Regierung von Viktor Orbán sorgt mit einer weiteren Verfassungsänderung für Aufregung. Die Regierungspartei Fidesz beschloss im ungarischen Parlament, eine verpflichtende Wählerregistrierung einzuführen. Wer in Ungarn künftig wählen will, muss sich registrieren lassen. Die Verfassungsänderung sieht vor, dass sich die Wähler entweder persönlich beim Gemeindeamt oder über das Internetportal der Regierung registrieren. Nur im Ausland lebende Magyaren können dies per Brief tun. In beiden Fällen muss die Anmeldung aber bis spätestens 15 Tage vor Parlamentswahlen erfolgen. Die Registrierung gilt für den Zeitraum einer Legislaturperiode, also für vier Jahre, und umfasst auch Gemeinde-, Regional- und Europawahlen. Wer sie versäumt, darf vier Jahre lang an keiner Wahl in Ungarn teilnehmen.

Maßnahme für Doppelstaatsbürger?

Die verpflichtende Wählerregistrierung ist in Ungarn höchst umstritten. Während die Opposition von einer weiteren Beschneidung der Demokratie spricht, führt die Regierung Orbán pragmatische Gründe ins Treffen: Für die Regierung sei die Einführung einer Wählerregistrierung vor allem deshalb notwendig, um den Doppelstaatsbürgern und jenen rund 250.000 Magyaren, die im Ausland arbeiten, die Möglichkeit zu geben, an ungarischen Wahlen teilzunehmen.

Zur Erinnerung: Unmittelbar nach ihrem Antritt im Mai 2010 hat die Regierung Orbán das sogenannte Doppelstaatsbürgerschaftsgesetz verabschiedet, um den rund 2,5 Millionen Auslandsmagyaren die ungarische Staatsbürgerschaft und das Wahlrecht in Ungarn zu geben. Als weiteres Argument bringt die Regierung vor, mit der Wählerregistrierung das Wahlsystem zu vereinfachen und die Kosten zu minimieren. Rückendeckung für die Regierung gab es hierbei vom Direktor des regierungsnahen Thinktanks „Századvég“, András Lánczi. Gegenüber der konservativen Wochenzeitung „Heti Válasz“ schmetterte er kürzlich das Argument ab, wonach es viele Wähler gebe, die sich erst kurzfristig entscheiden, ob sie wählen gehen oder nicht. Dieses Argument spotte einer verantwortungsvollen Wählerhaltung. Demgegenüber befürchten viele Kritiker, dass die Regierung mit der Einführung der Registrierung das Ziel verfolge, ungebildete und sozial benachteiligte Schichten von Wahlen auszuschließen. In den Augen des Analysten des regierungskritischen Politikforschungsinstituts „Political Capital“, Róbert László, habe es den Anschein, als hätte Fidesz vor jenen unentschiedenen Wählern die größte Angst, die für die Politik wenig Interesse zeigen, sprich: unberechenbar sind.

Heftige Kritik an Regierung Orbán

Die Opposition läuft gegen die Verfassungsänderung Sturm. Ein Abgeordneter der oppositionellen Sozialisten, Zsolt Molnár, bezeichnete die Pflichtregistrierung als „nicht notwendig“. Laut Molnár lehnen 80 Prozent der Ungarn eine Registrierung ab. Inakzeptabel sei, dass diejenigen Wähler, die es künftig versäumen, sich zu registrieren, von allen Wahlen einer Legislaturperiode ausgeschlossen seien. Dies ist weder mit der Verfassung noch mit dem gesunden Menschenverstand vereinbar, sagte Molnár.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2012)

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16 Kommentare

Warum diese Aufregung?

In jeder Demokratie werden die Bürger registriert um wählen zu dürfen.

In Brasilien gibt es Wahlpflicht vom 18 bis zum 70 Lebensjahr. Jeder Staatsbürger muss sich beim Wahlamt registrieren und bekommt einen Wählerausweis um Wahlbetrug zu verhindern.

Liebe Landsleute!!!!! Ihr wollt immer nur Rechte aber eure Pflichten als Staatsbürger vergisst oder vernachlässigt Ihr.

Schön schau ma aus.

und die EU schweigt sich aus ...

... wie immer in den vergangenen Jahren !

Gast: ökono-mist
31.10.2012 12:09
0 0

Österreich: Abrupte User-Registrierungspflicht bei einer großen, traditionsreichen österreichischen Tageszeitung und das damit einhergehende Kappen des Informantenschutzes sorgt für Empörung unter sinnerfassenden Lesern!


P. S.: Werden wir nun alle - traditionsfrei - untergehen?! (Schlag nach bei Konrad Lorenz' "Das Abreißen der Tradition"!)

Klar daß sich die vereinigte LInke Europas an Orban reibt, denn der arbeitet den Postkommunismus in Gestalt des ungarischen Sozialismus ab.

Nach der Wende haben sich Sozialisten bereichert und Korruption zum System gemacht. Daß Orban nun seine2/3 Mehrheit nützt ist nur zu verständlich.
Übrigens sind die linken Argumente zur Registrierung Unsinn, die Registrierung berhindere angeblich einfache Menschen zur Wahl zu gehen. Man sollte wissen, daß die Masse der am flachen Land lebenden Ungarn Orban gewählt hat. Die sogenannte Intelligentsia in Budapest und Umgebung wir wohl so fähig und mutig sein sich registrieren zu lassen.
Die Argumente sind überdies windschief, da es viele Staaten mit Registrierungspflicht gibt und nicht die undemokratischsten.

Gast: Weingeist
30.10.2012 19:58
3 3

Das verstösst klar gegen die Europäische Menschenrechtskonvention...

und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wird das im Eilverfahren klarstellen, sobald sich jemand beschwert.

Wird ein peinlicher Bauchfleck für Viktor, aber ihm geht es eh nur darum, seinen Wählern zeigen zu können, dass Europa gegen ihn ist...

Forum der Lemminge

Ist schon interessant, dass in diesem Forum hunderte gegen Griechenland posten, aber totale Fans von Orban sind.

Orban hat Österreich weit mehr Geld gekostet als Griechenland.

Und das waren keine Garantien, sondern Cash!

Re: Forum der Lemminge


Das bringen auf den "einzig richtigen linken Weg" kostet europaweit Steuergelder- wie wahr.

Nicht marxistisch denkende Staatschefs, wie Orbán scheinen hier ein Problem zu sein. Ganz unabhängig davon, was sie tun.

Wie damals in der Sanktionen-Zeit in Österreich...

links oder rechts interessiert niemanden mehr

Orban installiert in Ungarn einfach ein Reich wo er der Gipsy King ist.


Wenn man zu blöd oder zu uninteressiert oder einfach zu träge ist, um sich registrieren zu lassen

dann ist es wirklich besser man stimmt auch nicht ab.
Meine Achtung für Orban steigt mit jeder einzelnen Maßnahme, die hier von unseren Medien als "autoritär" dargestellt wird.

Re: Wenn man zu blöd oder zu uninteressiert oder einfach zu träge ist, um sich registrieren zu lassen

solange es nicht im eigenen Land solche Zustände gibt,gelle
wie sagte kürzlich ein über Nacht berühmt gewordener Spitzensportler
"ein bißchen Diktatur muss sein"
toll

Gast: mmnnxx
30.10.2012 10:05
3 0

Ein offenes Geheimnis in U, dass die Sozialisten f ein paarEuro "benachteiligte Sc.hichten" zu gemäßen Stimmabgabe bewegten

Irgfendwann wird man sich auch im Westen überlegen müssen, ob die Demokratie nicht ein so wichtiges Gut ist, dass man sich dafür per Wählerregistrieung bemühen wird müssen. Übrigens soll diese auch v.a. der liberalen Oppositionspartei LMP zugute kommen. Hillary Clinton kann zumindest in diesem Fall nicht mehr gegen U hetzen, weil die WR in Amerika schon seit jeherüblich ist

Gast: Mariahilfer
30.10.2012 09:46
8 0

Bildungsfern?

Zu bildungsfern um sich zu registrieren, dann
ja auch zu bildungsfern um mitzuentscheiden!

So oder so

Eines ist amtlich: Die Ungarn lieben Ihren Orbán und Orbán liebt Ungarn und setzt sich im Gegensatz zu den ein paar linken Träumern für die eigenen Leute ein. Das ist super-gut so.

kurbelt

die wahlbeteiligung sicher massiv an

schade, dass charlie chaplin schon tot ist.

ansonsten hätte er hier ein modernes vorbild für einen neuen "der große diktator"-film....

Antworten Gast: yoshi1
30.10.2012 11:59
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Re: schade, dass charlie chaplin schon tot ist.

Sie sind im falschen Forum um damit punkten zu können. Hier finden nur nationalistische Postings Anklang, man merkt wirklich wie sich viele Presseleser einen starken Mann an ihrer Spitze wünschen.. zugutehalten muss man ihnen, dass sie liberalerweise auch eine eiserne Lady akzeptieren würden.. das wars aber dann auch schon.