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Botschafter der Ukraine: "Stronach ist auch ein Oligarch"

01.11.2012 | 18:28 |  von Von Jutta Sommerbauer (Die Presse)

Botschafter Andrii Bereznyi wehrt sich im Interview mit "der Presse" gegen den Vorwurf von "unfairen" Parlamentswahlen in seinem Land - und sieht Parallelen zwischen Österreich und der Ukraine.

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Die Presse: Wie haben die Ukrainer in Österreich bei den Parlamentswahlen abgestimmt?

Andrij Bereznyi: Etwas mehr als 2000 Ukrainer hatten das Recht, ihre Stimme abzugeben, 354 nahmen teil. Klitschkos „Udar“ liegt an erster Stelle mit 96 Stimmen, dann kommt „Swoboda“ mit 95 Stimmen, auf Platz drei liegt die „Vereinigte Opposition“ mit 83 Stimmen, und auf Platz vier die „Partei der Regionen“ mit 49 Stimmen.

Wie erklären Sie sich dieses Ergebnis?

Die Menschen, die in Westeuropa leben, sind stärker von europäischen Thematiken beeinflusst, populistische Parteien sind in Europa auch am Wachsen.

 

In der Ukraine haben sowohl Nationalisten als auch Kommunisten zugelegt. Kann man von einer Radikalisierung der Wählerschaft sprechen?

Ich glaube nicht. Was die Kommunisten betrifft: Nach dem Zerfall der Sowjetunion, in der Periode des wilden Kapitalismus, ist kaum etwas von der sozialdemokratischen Ideologie übrig geblieben. Die heutigen Kommunisten haben sich modernisiert, sie sprechen nicht mehr von Atheismus, sondern von den Rechten der Arbeitnehmer. Ich war am 42. Parteitag der österreichischen Sozialdemokraten eingeladen, und ihre Rhetorik ähnelt jener der Kommunistischen Partei in der Ukraine sehr.

 

Österreichs Sozialdemokraten sind Kommunisten?

Man kann sich nennen, wie man will. Es gibt Parteien, die die Interessen der Arbeitgeber vertreten, und andere, die die Interessen der Arbeitnehmer vertreten. Die Partei der Regionen von Präsident Janukowitsch ist vergleichbar mit der ÖVP oder den Republikanern in den USA. Sie ist die Partei der Arbeitgeber und Geschäftsleute, ihre Interessen liegen im Gewinn. Es ist eine ukrainische republikanische Partei.

 

Manche nennen sie auch Oligarchenpartei.

Dann ist Frank Stronach auch ein Oligarch, und seine Partei eine Oligarchenpartei! Aber wir sind üblicherweise nicht so grob in unserer Rhetorik. Bei uns existiert die Marktwirtschaft erst seit 20 Jahren. Aber wenn man unbedingt will, kann man diese Geschäftsleute Oligarchen nennen.

Ist es nicht sonderbar, dass die Industriellenpartei mit den Kommunisten wohl wieder gemeinsame Sache machen wird?

Im Prinzip ist das in Österreich doch auch so bei einer Großen Koalition. Jedenfalls ist für mich das Wahlergebnis positiv, es gibt neue Gesichter im Parlament. Die Ukraine geht ihren Weg nach Europa, den Weg der Demokratisierung.

 

Kritiker sagen: Jetzt dürfen ein paar Parteien Demokratie spielen, aber die Macht auf Regierungsebene ist ja doch hermetisch abgeriegelt.

Da bin ich nicht so pessimistisch. Die Oppositionsparteien können eine Koalition gründen und Dinge ändern. Es ist eine andere Frage, ob sie sich einigen können. Bei uns ist die politische Konfrontation stärker als in anderen europäischen Ländern ausgeprägt.

 

Apropos Weg nach Europa. Die Wahlbeobachter der OSZE haben die Vorwahlperiode stark kritisiert. Bald wird es wohl nicht zur Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der EU kommen. Was sagen Sie dazu?

Das ist alles sehr bedauerlich. Die Vorbereitung zu diesen Wahlen war nicht schlechter als bei den Wahlen von 2010 oder 2004. Es gibt österreichische Beobachter, die den Ablauf positiv eingeschätzt haben (s. Artikel).

 

Die Kritik der OSZE ist für Sie eine politisch motivierte und keine sachlich fundierte Kritik?

Ja. Man will offenbar einen Grund finden, um die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens auf das nächste Jahr zu verschieben oder bis zu den Präsidentenwahlen 2015 in die Länge zu ziehen. Und natürlich besteht die Problematik von Lutsenko und Timoschenko. Timoschenkos Partei ist sehr populistisch, sie hat sich einfach mit der Demokratie geschmückt.

Warum geht es in der politischen Auseinandersetzung in der Ukraine immer um Vergeltung, um gegenseitige Vernichtung?

Die Ukraine ist eine junge Demokratie. Man glaubt, dass man mit dem Auslöschen des Gegners Probleme lösen kann. Aber so werden nur neue geschaffen.

 

Die Opposition fantasierte am Tag nach der Wahl schon von Janukowitschs Amtsenthebung.

Das zeugt von Unreife und führt nur zu neuen Radikalisierungen. Die Amtsenthebung des Präsidenten war immer ein Thema – auch unter Krawtschuk, Kutschma, Juschtschenko.

 

Unter Janukowitschs Präsidentschaft wurden zwei Mitglieder der Exregierung ins Gefängnis verfrachtet. Ist das nicht dieselbe Vergeltungslogik?

Das würde ich nicht sagen. Beide sind gemäß dem Strafrecht der Ukraine in Haft.

Zur Person

Andrii Bereznyi (geboren 1958 in Kiew) ist seit 2010 Botschafter der Ukraine in Österreich. Er absolvierte seine Ausbildung zum Diplomaten in Moskau und hatte später mehrere Leitungsfunktionen in Staatskonzernen inne. Von 2003 bis 2006 war er stellvertretender Wirtschaftsminister. Bereznyi spricht neben Ukrainisch und Russisch auch fließend Deutsch und Englisch. [Vienna Insurance Group (VIG) /AP]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2012)

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15 Kommentare
Gast: Mr.
02.11.2012 07:52
2 0

Wo ist J. Edgar wenn man ihn braucht?

Also schön langsam verstehe ich warum viele Amerikaner allergische Reaktionen bekommen bei allem was auch nur ansatzweise nach Sozialismus und Kommunismus riecht.

Der Botschafter hat eigentlich recht wenn er die SPÖ für eine Kommunistenpartei hält. Ansonsten hätte er die Parteiveranstaltung verlassen müssen.

die Aussagen

dieses "Botschafters" ähneln Aussagen Botschafter anderer totalitärer Staaten.

Immer versuchen sie krampfhaft, ihre Diktaturen daheim zu verteidigen.

Gast: Gast: Leopold
02.11.2012 02:43
2 0

Frank Stronach

Herr Frank Stronach ist ein Mensch dem alle Achtung gebührt, er ist der gebürtige Österreicher der in diesem Land etwas politisch verändern wird, wo alle anderen Parteien versagt haben. Ich hatte schon mit vielen Politikern zu tun, und weiß wie so manche Herrschaften mit dem Wort ( Ehrlichkeit ) umgehen.
Ich wünsche Frank Stronach und seinem Team sehr viel Erfolg, damit Österreich in die Zukunft blicken kann.

Die Bezeichnung Oligarch kann man aber stehen lassen.


Lieber Botschafter

Schweigen ist Gold.

Gast: Franz Xaver Süßmeier
01.11.2012 22:08
0 1

Penunzen

Was war den Sozis diese Aussage wert? Bargeld zieht bei diesen Hunden immer

Gast: Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein!
01.11.2012 20:56
6 1

jetzt reichts dann.....

...Stronach gibt SEIN GELD AUS, welches er sich selbst verdient hat.....die meisten Politiker geben das Geld aus, welches sie den Steuerzahlern gestohlen haben....

Antworten Gast: Johan Meltini
01.11.2012 22:40
0 4

Re: jetzt reichts dann.....

sie verteidigen einen Oligarchen? Unseren Miniberlusconi?

Re: Re: jetzt reichts dann.....

bitte informieren sie sich, was unter "Oligarch" zu verstehen ist und erst dann äussern sie sich zu diesem Thema!

Gast: Stefan Grauermann
01.11.2012 20:40
0 3

Ach ja!

Ubi ius habet habet ius!

Wo er Recht hat hat er Recht!

Gast: Hallo Nachbar
01.11.2012 19:14
2 0

Koalition PDR und KP

Der Botschafter scheint auf seinem eigenen Planeten zu leben. Eine Koalition der PdR und der KP Ukraine mit den Bündnissen in Westeuropa zu vergleichen hinkt. Man stelle sich nur mal vor, wenn sich in Deutschland Merkels CDU/CSU mit der SED-Nachfolgern Die Linke zusammenschließen würden! Das Parteiprogramm der ukrainischen KP mit den Programmen westeuropäischer Sozialdemokraten zu vergleichen ist entweder Dummheit oder Frechheit.

Re: Koalition PDR und KP

und das wissen Sie besser als der Botschafter?

Antworten Antworten Gast: Hall Nachbar
01.11.2012 22:53
3 1

Re: Re: Koalition PDR und KP

Jack-2: Ja, ich weiß es besser als dieser moskautreue Botschafter, ich habe einen Kopf und ein Hirn zum Nachdenken, sie etwa nicht? Oder warum plappern Sie diesen Unsinn nach?

Antworten Antworten Gast: Mamma Leone
01.11.2012 22:49
1 0

Re: Re: Koalition PDR und KP

Who the hell is that guy? It seems he pretends to be somethink like an ambassador.

Gast: b745
01.11.2012 19:09
0 7

wo er recht hat hat er recht

korruption im stil eines strohsack