"Außereheliche Affäre": CIA-Chef tritt zurück

10.11.2012 | 13:54 |   (DiePresse.com)

"Nachdem ich 37 Jahre verheiratet gewesen bin, habe ich einen schweren Fehler begangen", kommentierte David Petraeus seinen Rücktritt. Sein bisheriger Vize soll ihn ablösen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Der hoch dekorierte ehemalige US-General David Petraeus ist überraschend als Chef des Auslandsgeheimdienstes CIA zurückgetreten. Als Grund nannte der 60-Jährige eine außereheliche Affäre. Präsident Barack Obama würdigte in einer Erklärung die langjährigen Verdienste von Petraeus und nahm dessen Rücktritt am Freitag an. Die Affäre um den pensionierten Vier-Sterne-General löste bei Regierung und Opposition Bedauern aus. Zugleich kochten in Washington Spekulationen hoch.

Petraeus hatte erst im September des Vorjahres das Amt des CIA-Chefs von Leon Panetta übernommen, der an die Spitze des Verteidigungsministeriums wechselte. Zuvor kommandierte Petraeus unter anderem die US-Soldaten im Irak und führte die ISAF-Truppen im Kampf gegen die Taliban in Afghanistan an. Nach seiner Ernennung zum CIA-Chef war gemutmaßt worden, dass Obama mit diesem Schachzug eine mögliche Kandidatur des populären Generals für das gegnerische Lager der Republikaner verhindern wollte.

Mehr zum Thema:

Als Ministerkandidat gehandelt

Experten werteten das Ausscheiden von Petraeus so kurz nach Obamas Wiederwahl als schweren Schlag für den Präsidenten. Petraeus war auch als Kandidat für ein Ministeramt in der neuen Regierung gehandelt worden. Als kommissarischer Nachfolger bei der CIA wurde Petraeus' bisheriger Stellvertreter Michael Morell benannt.

Der frühere Oberbefehlshaber im Irak und in Afghanistan teilte in einem Schreiben an seine Mitarbeiter mit, er habe um seine Demission gebeten. "Nach über 37 Ehejahren habe ich ein extrem schlechtes Urteilsvermögen gezeigt, indem ich eine außereheliche Beziehung unterhielt", schrieb Petraeus. "Ein solches Verhalten ist nicht zu rechtfertigen, weder als Ehemann noch als der Leiter einer Organisation wie unserer." Innerhalb der CIA gibt es allerdings keinen Verhaltenskodex, der für solch einen Fall einen Rücktritt vorsieht.

Der CIA war im Zusammenhang mit der Ermordung des US-Botschafters in Libyen eine falsche Informationspolitik vorgeworfen worden. Die Geheimdienst-Expertin der Demokraten, Dianne Feinstein, schloss aber politische Hintergründe für Petraeus' Schritt aus. Der Streit um fehlerhafte CIA-Informationen über die Ermordung des US-Botschafters in Benghazi habe damit nichts zu tun, sagte die Vorsitzende des Geheimdienst-Ausschusses.

Nach dem Anschlag auf das US-Konsulat in Benghazi hatte die CIA Obama tagelang versichert, die Attacke sei aus einer spontanen Protestaktion erwachsen. Wie sich später herausstellte, handelte es sich aber um einen geplanten Terroranschlag von islamischen Extremisten am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001. CIA-Kreise hatten sich damit gerechtfertigt, dass ihre Angaben zum damaligen Zeitpunkt dem Kenntnisstand entsprachen.

Der Anschlag, bei dem der US-Botschafter und drei weitere US-Amerikaner getötet worden waren, war später zum Wahlkampfthema geworden. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney warf Obama Fehleinschätzung und Irreführung vor.

"Sündenbock für Benghazi"

"Die Leute werden sagen, dass er (Petraeus) ein Sündenbock für Benghazi ist. Aber das ist absolut falsch", sagte Feinstein. "Nach allem, was ich weiß, war es ein unerhörter persönlicher Fehltritt." Der Rücktritt sei tragisch für Petraeus als Menschen und für das Land, betonte sie im US-Sender CNN. "Er liebte den Job und hatte große Pläne", so Feinstein.

Petraeus sollte in der kommenden Woche vor einem Kongressausschuss über die Vorkommnisse in Benghazi aussagen. Diese Aufgabe wird nach Medienberichten sein designierter Nachfolger Morell übernehmen. CNN berichtete, die Bundespolizei FBI habe im Fall des Geheimnisträgers Petraeus Ermittlungen wegen eines möglichen Sicherheitsrisikos eingeleitet.

Petraeus hatte im Irak-Krieg die 101. Luftlandedivision nach Bagdad geführt und die US-Truppen im Irak befehligt. Später übernahm er das Oberkommando in Afghanistan. Seine Ernennung zum CIA-Chef im September 2011 wurde auch von den Republikanern unterstützt.

"General David Petraeus wird in einer Reihe mit Amerikas größten Kriegshelden stehen", sagte der Senator und frühere Präsidentschaftskandidat John McCain. Der republikanische Abgeordnete Peter King bezeichnete den 60-Jährigen als einen der herausragendsten und angesehensten Militärführer des Landes.

Bei der Geliebten von Petraeus soll es sich nach Angaben eines Insiders um die rund 20 Jahre jüngere Autorin Paula Broadwell handeln, die eine Biografie über den General geschrieben hat. Broadwell selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Aus Sicherheitskreisen verlautete, dass das FBI vor einigen Monaten auf Hinweise für eine außereheliche Affäre von Petraeus gestoßen sei.

Mit dem Rücktritt des CIA-Chefs wird Obamas Liste vakanter Spitzenpositionen im US-Sicherheitsapparat länger. So hatte Außenministerin Hillary Clinton schon vor der Wahl deutlich gemacht, dass sie keine zweite Amtszeit anstrebt. Der Ehefrau von Ex-Präsident Bill Clinton werden Ambitionen auf eine eigene Präsidentschaftskandidatur in vier Jahren nachgesagt. Zudem wird damit gerechnet, dass Verteidigungsminister Panetta ebenfalls nicht im Amt bleiben will.

(APA/Reuters/dpa/AFP)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

73 Kommentare
 
12

Die Lybien Gschichte nicht vertuscht

Und dem messianischen Fuehrer Probleme im Wahlkampf bereitet.... Das kostet auch einem parfuemierten General den Kopf.

wie immer, istdies keinesfalls der grund

aber interessant zu sehen, dasssoetwas fuer eine entfernungsaktion erfolgreich benutzt werden kann.....

Re: wie immer, ist dies keinesfalls der grund

Für das gewöhnliche Volk und damit für die Medien genau richtig eingefädelt, dieses Ablenkungsmanöver.

In den Machtkreisen gehts natürlich um ganz andere Zusammenhänge.

elend

Spießig wie im 19.Jahrhundert.
Ein jahrzehntelang verheirateter Mann hat ein Pantscherl.Na und? Das geht nur seine Frau,seine Freundin und ihn an. Uns nicht.Und hat auch gar nichts mit beruflicher Qualifikation zu tun.
GERADE solche Testosteron-Alphatiere haben Affären;Das lehrt die Biologie.
Die sexuelle Revolution von 1968 scheint so weit weg wie die Punischen Kriege.

Kein Sex beim CIA ?

Bei der Ehefrau .. kein Wunder, nur seine scheinhelige Entschuldigung und diese ankotzende US Doppelmoral widert regelrecht an.

Mit Hotmail wäre das nicht passiert!

Was wird Google wohl als Werbung an den den CIA Chef geschickt haben? Swinger Clubs oder Kamasutra Literatur, einfach köstlich diese Affaire.

All In

Wenn ich den Buchtitel lese denke ich mir, besser hätten sie ihn nicht wählen können haha

amüsant

und bezeichnend für eine Organisation,die für tölpelhaftes Vorgehen bekannt ist
der Chaf eines der grössten Geheimdienste der Welt ist nicht fähig,eine amoröse Affäre geheimzuhalten
was sagt Monica Lewinsky dazu

dass jemand zurücktritt, ist natürlich

hierzulande vollkommen unverständlich.Nach landläufiger Meinung kann auf vorbestrafte Politiker nicht verzichtet werden.
Der Mann wird dafür seine Gründe haben und die sind zu respektieren.Wohltuend die Bestätigung :
es gibt zum Glück keine Übermenschen.

Moralapostel USA

Naja, wenn das ein Grund ist jemand zum Rücktritt zu zwingen. Arbeit sollte Arbeit bleiben und Privatleben eben Privatleben. Unser dahingeschiedener President hat sich ja auch nicht zuerst von der Margot scheiden lassen und hat dann seine neue kennen gelernt. Deswegen war er kein besseres und kein schlechteres Staatsoberhaupt.

Moralapostel USA

Naja, wenn das ein Grund ist jemand zum Rücktritt zu zwingen. Arbeit sollte Arbeit bleiben und Privatleben eben Privatleben. Unser dahingeschiedener President hat sich ja auch nicht zuerst von der Margot scheiden lassen und hat dann seine neue kennen gelernt. Deswegen war er kein besseres und kein schlechteres Staatsoberhaupt.

arme Joan Broadwell

voellig irre deswegen zurueckzutreten. Joan Broadwell ist selbst seit vielen Jahren im Anti-Terror Bereich im Einsatz! Wo ist da die Sicherheitsluecke? Fuer die Frau ist dieser Ruecktritt Veroeffentlichung die viel groessere Tragoedie! Verheiratet, 2 Kleine Kinder, Karriere im geheimdienstnahen Bereich. Das wird schwer. Was fuer en Egoist Petraeus doch ist... wenn ich mir dieses video ansehe verstehe ich den General aber. Die Dame ist recht umwerfend und super- smart: http://www.youtube.com/watch?v=dPaf5OJSskY

Re: arme Joan Broadwell

Also ich kann da nichts Interessantes an der Frau erkennen. Sieht nicht sonderlich gut aus. Ihre Arme sehen aus wie die von nem Mann und sehr intelligent kommt sie jetzt auch nicht rüber...


Über ihren Liebhaber

ab 14:15.

vom CIA chef zum präsidenten princetons

würde ich persönlich nicht als tiefen fall bezeichnen!

Re: vom CIA chef zum präsidenten princetons

Er soll ja vermutlich auch gar nicht tief fallen - bloß den Mund halten in Zukunft (und das, wie anzunehmen ist, in mehr als einer Hinsicht)!


Re: Re: vom CIA chef zum präsidenten princetons

Nach kurzem Überlegen möchte ich unseren beiden Postings widersprechen:

Bitte, bedenken Sie, was dieser Mann war - als CIA-Chef einer der mächtigsten Männer überhaupt, nahezu in Augenhöhe mit dem Präsidenten!

Ich weiß nicht, wie man Universitätspräsident wird in den USA - aber ich stelle mir vor, dass das einem Geschäftsmann auch gelingen müsste, wenn er nur tief genug in die Tasche zu greifen bereit ist.

Mich beunruhigt dieser Fall sehr (und ich kann 'zuenderstart' weiter unten nicht zustimmen, wenn er meint, da sei "in China ein Sack Reis umgefallen").

Irgendwas läuft schief mit der Emanzipation. Ab einer gewissen Höhe darf ich keiner Frau mehr nahekommen. Ich habe damit zu rechnen, dass sie über meine Leiche gehen wird.

Irgendwer . . . .

. . . . wird schon zufrieden sein, dass P. nächste Woche - da moralisch unwürdig - nicht vor dem Untersuchungsausschuss aussagen muss . Und wenn man liest, was man noch alles mit ihm vorhatte, so haben ja vielleicht auch noch andere (eventuell die selben) Motiv genug gehabt sich rechtzeitig zu entrüsten.

Wer kann das wissen? Außer der tüchtigen Frau Feinstein natürlich - sie ist ja die Ausschuss-Vorsitzende.

Aber zu was Erheblicherem: dem Punkt "Sicherheitsrisiko".

Generell: Kontakte zu professionellen Frauen, Homoerotik oder außereheliche Affairen gelten nicht deshalb als SR, weil anzunehmen ist, dass beim Sex über die Munitionslage gesprochen wird, oder über die Verlegungstermine und Codenummern von mil. Einheiten, sondern der berühmten "Erpressbarkeit" wegen. Es wird allen Ernstes vermutet, dass ein tapferer General u. U. genügend Angst vor der Veröffentlichung von Details aus seinem Privatleben haben wird, um Geheimnisverrat zu begehen.

Über diese Selbsteinschätzung des Militärs haben wir nicht zu urteilen, und jetzt, da er abgeschossen ist, kann auch von einem SR nicht mehr die Rede sein; wohl aber ist etwas anderes an diesem Fall interessant:

Nicht, dass er schließlich mit der Kameradin den Schlafsack geteilt hat, sondern dass sie ihn lang genug für die Biographie hat interviewen können - d a s war das SR!

(Kurze Fortsetzung:)






Re: Irgendwer . . . .

(Fortsetzung:)

Und wenn wir erfahren, dass der "asketische Soldat . . . nur für seinen Beruf lebte", dann wird er mit ihr, der Elitesoldatin, die seine Feldzüge mitgemacht hat, wohl vielleicht auch über eine verborgene Liebe zur Aquarellmalerei und eine alte Schwärmerei für Elvis Presley gesprochen haben - vor allem jedoch über das was er vermuten konnte, was auch ihr an Gemeinsamem nahegehe: über Details, die weder geeignet waren ins Buch einzugehen, noch überhaupt für jemandes Ohren bestimmt waren.

Es wäre interessant, welche Karriere (militärisch oder, wahrscheinlicher: politisch) sie jetzt machen wird.

Re: Re: Irgendwer . . . .

(corr.:) Nicht: ". . . Details, die weder geeeignet . . .", sondern richtig: ". . . militärische und politische Details, die weder geeignet . . ."

Dieser mann hat rueckgrad......

er machte einen fehler - wurde ertappt - trat zurueck - hut ab

Re: Dieser mann hat rueckgrad......

laächerlich diese bigotterie der amis
wo ist da ein fehler?
als general ist er wohl ein alphatier, und sein instinkt sagtihm: du musst deinen samen in der welt verstreuen.... hat er getan!
ich sehe hier auch keinerlei SR, also warum tritt er zurück?


Gibt es bei der CIA nicht schlimmere Vergehen?...


Nach 37 Ehejahren...

Lieber Herr General,
viele Geschlechtsgenossen sagen sich:"Ich habe wohl am Tag der Hochzeit den schlimmsten Fehler begangen-diese Frau ueberhaupt zu heiraten!" ;-)

Das kann nicht der Grund sein, unmöglich, wahrscheinlich wurde ihm diese Begründung "nahegelgt".


Monica Lewinsky war es wohl nicht,

die nimmt nur Präsidenten.

 
12
AnmeldenAnmelden