USA: Der tiefe Fall des Vier-Sterne-Generals

10.11.2012 | 18:27 |  von THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

CIA-Chef David Petraeus kam seiner Biografin zu nahe. Wegen der Affäre mit der Autorin und Reserve-Offizierin endete die Karriere des hochkarätigen Militärs, der stets für allerhöchste Ämter im Gespräch war.

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Als Barack Obama nach seiner Siegesfeier in Chicago Donnerstagfrüh an seinen Schreibtisch im Oval Office des Weißen Hauses zurückkehrte, mag er zuerst seine Augen gerieben haben. Denn ganz obenauf auf dem Stapel der dringenden Aufgaben lag das Rücktrittsgesuch des CIA-Chefs David Petraeus, des untadeligen Karrieresoldaten und gefeierten „Helden“ des Umschwungs im Irak-Krieg.

Einen Tag nach seinem 60. Geburtstag bat der Vier-Sterne-General den Präsidenten in einem Vieraugengespräch am Nachmittag schließlich um seine Demissionierung wegen einer außerehelichen Affäre. Obama forderte Petraeus auf, die Entscheidung noch einmal zu überschlafen. Erst anderntags nahm er sie dann an.

In Washington platzte der Rücktritt unmittelbar vor Beginn des Wochenendes wie eine Bombe. Viele standen unter Schock. Demokraten wie Republikaner würdigten Petraeus als einen der größten Militärs der US-Geschichte – in einem Atemzug mit Dwight D. Eisenhower und George Marshall, zwei Top-Generälen an der Kreuzung zwischen Militär und Politik. Senator John McCain reihte ihn unter die Militärhelden der Nation. In einer Stadt, in der Schadenfreude und die Lust am Skandal ausgeprägt sind, schwang in den Reaktionen überall Bedauern mit.

Sogleich rankten sich jedoch Spekulationen um den völlig überraschenden Rückzug. Sollte er in Zusammenhang stehen mit dem Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi? Petraeus sollte in der kommenden Woche vor dem Geheimdienstausschuss des Kongresses über jenes Attentat vor zwei Monaten aussagen, bei dem Botschafter Chris Stevens und drei CIA-Leibwächter umkamen und das die Republikaner zu einer Politaffäre hochstilisieren wollen. Anfänglich leugneten sowohl die US-Regierung wie die CIA jeden terroristischen Hintergrund.


Liebesfalle? David Petraeus wischte freilich selbst die Gerüchte vom Tisch. „Nach mehr als 37-jähriger Ehe habe ich ein äußerst schlechtes Urteilsvermögen an den Tag gelegt, indem ich eine außereheliche Beziehung einging“, notierte er in einem Schreiben an seine CIA-Mitarbeiter im Hauptquartier in Langley in Virginia. „Ein solches Verhalten ist inakzeptabel, sowohl als Ehemann als auch als Führer einer Organisation wie der unseren.“ Als Absolvent der Militärakademie gilt für ihn ein strikter Kodex: „Das ist eine Frage der Ehre.“

Geheimdienste haben seit jeher panische Angst vor „Liebesfallen“ und Erpressung – sei es in Kriegszeiten durch Mata Haris oder im Kalten Krieg durch Ost-Spioninnen und „Romeos“. Im Zuge einer Routineüberprüfung war der Inlandsgeheimdienst FBI bereits vor Monaten auf die Autorin und Reserve-Offizierin Paula Broadwell gestoßen, die offenbar Zugang zum privaten E-Mail-Konto des CIA-Chefs erlangt hatte. Die 40-jährige Mutter zweier Kinder hatte zu Beginn des Jahres das Buch „All In: The Education of David Petraeus“ publiziert – mehr Hagiografie denn Biografie. In einem PR-Auftritt in Jon Stewarts „Daily Show“ scherzte sie denn auch: „Er kann Wasser in abgefülltes Wasser verwandeln.“

Wie sich herausstellte, hatte sie die Affäre mit Petraeus schon vor seiner Nominierung zum CIA-Chef beendet. In hunderten Liebesschwüren per E-Mail stellte Petraeus ihr hinterher aber noch nach. Begonnen hatte die Beziehung in Afghanistan. Broadwell quartierte sich im US-Hauptquartier in Kabul ein, um ihre Dissertation über Petraeus zu einem Buchprojekt auszuweiten. Während Fünfmeilen-Joggingrunden erwuchs mehr als eine professionelle Beziehung zwischen den beiden West-Point-Alumni. Petraeus verstand sich als Mentor Broadwells, die als dunkelhaariges Postergirl für ein Maschinengewehr geworben, aber auch eine Reihe von Eliteschmieden absolviert hatte. „Hinter der Maske des Oberkommandanten habe ich seine persönlichere Seite kennengelernt“, schreibt sie in „All In“. „Er trauert über die toten Soldaten in Afghanistan.“ In „Newsweek“ beschrieb sie neulich seine zwölf goldenen Führungsregeln.


„Betray us.“Ex-CIA-Agent Bob Baer sagte auf CNN, dass Affären zwischen Agenten des Hauses auf ausgedehnten Auslandseinsätzen an der Tagesordnung seien. Petraeus hätte die Beziehung zu einer Amerikanerin lediglich an offizieller Stelle melden müssen. Für Holly Petraeus, die Tochter eines Vier-Sterne-Generals in West Point mit biederem Hausmütterchen-Image und Helmfrisur, die sich im Rahmen der Konsumentenschutzbehörde für Soldatenfamilien einsetzt, bekommt indes der Slogan der liberalen Organisation „MoveOn“ eine neue Bedeutung. In einem ganzseitigen Inserat in der „New York Times“ höhnte sie 2007 über den damaligen Irak-Oberkommandanten und nannte ihn einen Betrüger: „Betray us.“

Über seine Präsidentschaftsambitionen wurde immer wieder gemunkelt, dabei wollte Petraeus angeblich „nur“ Generalstabschef werden. Der Karrieresoldat – Spitzname „Peaches“, Sohn eines holländischen Kapitäns – wird nun womöglich als Präsident der Elite-Uni Princeton eine akademische Karriere verfolgen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2012)

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73 Kommentare
 
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Die Lybien Gschichte nicht vertuscht

Und dem messianischen Fuehrer Probleme im Wahlkampf bereitet.... Das kostet auch einem parfuemierten General den Kopf.

wie immer, istdies keinesfalls der grund

aber interessant zu sehen, dasssoetwas fuer eine entfernungsaktion erfolgreich benutzt werden kann.....

Re: wie immer, ist dies keinesfalls der grund

Für das gewöhnliche Volk und damit für die Medien genau richtig eingefädelt, dieses Ablenkungsmanöver.

In den Machtkreisen gehts natürlich um ganz andere Zusammenhänge.

elend

Spießig wie im 19.Jahrhundert.
Ein jahrzehntelang verheirateter Mann hat ein Pantscherl.Na und? Das geht nur seine Frau,seine Freundin und ihn an. Uns nicht.Und hat auch gar nichts mit beruflicher Qualifikation zu tun.
GERADE solche Testosteron-Alphatiere haben Affären;Das lehrt die Biologie.
Die sexuelle Revolution von 1968 scheint so weit weg wie die Punischen Kriege.

Kein Sex beim CIA ?

Bei der Ehefrau .. kein Wunder, nur seine scheinhelige Entschuldigung und diese ankotzende US Doppelmoral widert regelrecht an.

Mit Hotmail wäre das nicht passiert!

Was wird Google wohl als Werbung an den den CIA Chef geschickt haben? Swinger Clubs oder Kamasutra Literatur, einfach köstlich diese Affaire.

All In

Wenn ich den Buchtitel lese denke ich mir, besser hätten sie ihn nicht wählen können haha

amüsant

und bezeichnend für eine Organisation,die für tölpelhaftes Vorgehen bekannt ist
der Chaf eines der grössten Geheimdienste der Welt ist nicht fähig,eine amoröse Affäre geheimzuhalten
was sagt Monica Lewinsky dazu

dass jemand zurücktritt, ist natürlich

hierzulande vollkommen unverständlich.Nach landläufiger Meinung kann auf vorbestrafte Politiker nicht verzichtet werden.
Der Mann wird dafür seine Gründe haben und die sind zu respektieren.Wohltuend die Bestätigung :
es gibt zum Glück keine Übermenschen.

Moralapostel USA

Naja, wenn das ein Grund ist jemand zum Rücktritt zu zwingen. Arbeit sollte Arbeit bleiben und Privatleben eben Privatleben. Unser dahingeschiedener President hat sich ja auch nicht zuerst von der Margot scheiden lassen und hat dann seine neue kennen gelernt. Deswegen war er kein besseres und kein schlechteres Staatsoberhaupt.

Moralapostel USA

Naja, wenn das ein Grund ist jemand zum Rücktritt zu zwingen. Arbeit sollte Arbeit bleiben und Privatleben eben Privatleben. Unser dahingeschiedener President hat sich ja auch nicht zuerst von der Margot scheiden lassen und hat dann seine neue kennen gelernt. Deswegen war er kein besseres und kein schlechteres Staatsoberhaupt.

arme Joan Broadwell

voellig irre deswegen zurueckzutreten. Joan Broadwell ist selbst seit vielen Jahren im Anti-Terror Bereich im Einsatz! Wo ist da die Sicherheitsluecke? Fuer die Frau ist dieser Ruecktritt Veroeffentlichung die viel groessere Tragoedie! Verheiratet, 2 Kleine Kinder, Karriere im geheimdienstnahen Bereich. Das wird schwer. Was fuer en Egoist Petraeus doch ist... wenn ich mir dieses video ansehe verstehe ich den General aber. Die Dame ist recht umwerfend und super- smart: http://www.youtube.com/watch?v=dPaf5OJSskY

Re: arme Joan Broadwell

Also ich kann da nichts Interessantes an der Frau erkennen. Sieht nicht sonderlich gut aus. Ihre Arme sehen aus wie die von nem Mann und sehr intelligent kommt sie jetzt auch nicht rüber...


Über ihren Liebhaber

ab 14:15.

vom CIA chef zum präsidenten princetons

würde ich persönlich nicht als tiefen fall bezeichnen!

Re: vom CIA chef zum präsidenten princetons

Er soll ja vermutlich auch gar nicht tief fallen - bloß den Mund halten in Zukunft (und das, wie anzunehmen ist, in mehr als einer Hinsicht)!


Re: Re: vom CIA chef zum präsidenten princetons

Nach kurzem Überlegen möchte ich unseren beiden Postings widersprechen:

Bitte, bedenken Sie, was dieser Mann war - als CIA-Chef einer der mächtigsten Männer überhaupt, nahezu in Augenhöhe mit dem Präsidenten!

Ich weiß nicht, wie man Universitätspräsident wird in den USA - aber ich stelle mir vor, dass das einem Geschäftsmann auch gelingen müsste, wenn er nur tief genug in die Tasche zu greifen bereit ist.

Mich beunruhigt dieser Fall sehr (und ich kann 'zuenderstart' weiter unten nicht zustimmen, wenn er meint, da sei "in China ein Sack Reis umgefallen").

Irgendwas läuft schief mit der Emanzipation. Ab einer gewissen Höhe darf ich keiner Frau mehr nahekommen. Ich habe damit zu rechnen, dass sie über meine Leiche gehen wird.

Irgendwer . . . .

. . . . wird schon zufrieden sein, dass P. nächste Woche - da moralisch unwürdig - nicht vor dem Untersuchungsausschuss aussagen muss . Und wenn man liest, was man noch alles mit ihm vorhatte, so haben ja vielleicht auch noch andere (eventuell die selben) Motiv genug gehabt sich rechtzeitig zu entrüsten.

Wer kann das wissen? Außer der tüchtigen Frau Feinstein natürlich - sie ist ja die Ausschuss-Vorsitzende.

Aber zu was Erheblicherem: dem Punkt "Sicherheitsrisiko".

Generell: Kontakte zu professionellen Frauen, Homoerotik oder außereheliche Affairen gelten nicht deshalb als SR, weil anzunehmen ist, dass beim Sex über die Munitionslage gesprochen wird, oder über die Verlegungstermine und Codenummern von mil. Einheiten, sondern der berühmten "Erpressbarkeit" wegen. Es wird allen Ernstes vermutet, dass ein tapferer General u. U. genügend Angst vor der Veröffentlichung von Details aus seinem Privatleben haben wird, um Geheimnisverrat zu begehen.

Über diese Selbsteinschätzung des Militärs haben wir nicht zu urteilen, und jetzt, da er abgeschossen ist, kann auch von einem SR nicht mehr die Rede sein; wohl aber ist etwas anderes an diesem Fall interessant:

Nicht, dass er schließlich mit der Kameradin den Schlafsack geteilt hat, sondern dass sie ihn lang genug für die Biographie hat interviewen können - d a s war das SR!

(Kurze Fortsetzung:)






Re: Irgendwer . . . .

(Fortsetzung:)

Und wenn wir erfahren, dass der "asketische Soldat . . . nur für seinen Beruf lebte", dann wird er mit ihr, der Elitesoldatin, die seine Feldzüge mitgemacht hat, wohl vielleicht auch über eine verborgene Liebe zur Aquarellmalerei und eine alte Schwärmerei für Elvis Presley gesprochen haben - vor allem jedoch über das was er vermuten konnte, was auch ihr an Gemeinsamem nahegehe: über Details, die weder geeignet waren ins Buch einzugehen, noch überhaupt für jemandes Ohren bestimmt waren.

Es wäre interessant, welche Karriere (militärisch oder, wahrscheinlicher: politisch) sie jetzt machen wird.

Re: Re: Irgendwer . . . .

(corr.:) Nicht: ". . . Details, die weder geeeignet . . .", sondern richtig: ". . . militärische und politische Details, die weder geeignet . . ."

Dieser mann hat rueckgrad......

er machte einen fehler - wurde ertappt - trat zurueck - hut ab

Re: Dieser mann hat rueckgrad......

laächerlich diese bigotterie der amis
wo ist da ein fehler?
als general ist er wohl ein alphatier, und sein instinkt sagtihm: du musst deinen samen in der welt verstreuen.... hat er getan!
ich sehe hier auch keinerlei SR, also warum tritt er zurück?


Gibt es bei der CIA nicht schlimmere Vergehen?...


Nach 37 Ehejahren...

Lieber Herr General,
viele Geschlechtsgenossen sagen sich:"Ich habe wohl am Tag der Hochzeit den schlimmsten Fehler begangen-diese Frau ueberhaupt zu heiraten!" ;-)

Das kann nicht der Grund sein, unmöglich, wahrscheinlich wurde ihm diese Begründung "nahegelgt".


Monica Lewinsky war es wohl nicht,

die nimmt nur Präsidenten.

 
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