China: Die größte Organisation der Welt

10.11.2012 | 18:28 |  von Felix Lee (Peking) (Die Presse)

Auf ihrem 18. Parteitag bestimmt die Kommunistische Partei Chinas derzeit den künftigen Kurs des Landes. Sie selbst muss sich um Nachwuchs keine Sorgen machen. In Scharen wollen Chinesen beitreten.

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Wang Qi hat sich vor einiger Zeit tatsächlich einmal die Frage gestellt: Was bringt es mir, Mitglied der Kommunistischen Partei zu sein? Beamtin ist sie nicht, eine Karriere beim Militär strebt sie auch nicht an. Und bei einem Staatsunternehmen ist sie ebenfalls nicht angestellt. Die 32-Jährige leitet ein kleines Logistikunternehmen am Rande Pekings. Inzwischen ist sie aber dennoch froh, dazuzugehören. Um den Zuschlag für ein weiteres Gelände in der Nähe ihres gepachteten Firmengrundstücks zu erhalten, hatte sie neulich bei der zuständigen Behörde ihre Parteimitgliedschaft angegeben. „Das hat mir definitiv geholfen“, erzählt sie. Und bestechen, wie sonst bei Behörden in China häufig üblich, musste sie die Beamten auch nicht. „Das gehört sich nicht unter Genossen.“

Wang Qi ist eine von 82 Millionen Mitgliedern, die Chinas Kommunistische Partei derzeit zählt. Damit ist die KP der Volksrepublik die größte und wahrscheinlich auch mächtigste Organisation der Welt. Mitgliederschwund muss sie nicht befürchten. Wer Beamter oder sonst auf eine Weise in den Staatsdienst möchte, kommt um eine Mitgliedschaft nicht herum. Aber auch wer in einem Staatsunternehmen aufsteigen will, braucht ein Parteibuch. Längst ist es auch unter jungen Privatunternehmern, Studenten, ja selbst unter Künstlern üblich, sich um eine Aufnahme zu bemühen. „Die Mitgliedschaft ist denn auch nicht so sehr ein politisches Bekenntnis“, erzählt Wang Qi. Sie bringe Status und praktische Vorteile. „Wer in China was auf sich hält, wird Kommunist.“

Schwierige Aufnahme. Und doch sind es gerade einmal rund fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung, die es tatsächlich in die Partei schaffen. „Die Aufnahme ist gar nicht so einfach“, sagt Luo Xu. Der 32-Jährige arbeitet für ein staatliches Medienunternehmen im Westen von Peking und berichtet für den dortigen Fremdsprachendienst. Acht Mitarbeiter zählt seine Abteilung. Bis auf zwei sind sie alle bei der KP. Luo hat sich bereits in seiner Schulzeit um eine Mitgliedschaft bemüht. An seiner Schule schaffte es aber nur einer von tausend. Er gehörte zunächst nicht dazu.

Als Student versuchte er es ein weiteres Mal. Er musste zunächst bei der „örtlichen Parteizelle“ einen Antrag stellen. Gleich zu Beginn des ersten Semesters belegte er einen entsprechenden Kurs. Marx stand auf dem Programm, auch die Lehren Maos – aber nur in einem Lehrbuch. Die Werke selbst musste er nicht durcharbeiten. Dafür lieferte er in regelmäßigen Abständen eine Art Gesinnungsaufsatz ab, in denen er begründete, was ihn zur Mitgliedschaft motiviert. Luo hatte im zweiten Anlauf Erfolg. Noch bevor er mit seinem Studium an der Fremdsprachenuniversität in Peking fertig war, hat ihn die Partei nach einer feierlichen Eidablegung aufgenommen.

Dabei haben Chinesen schon in der Kindheit mit der KP zu tun. Den Jungen Pionieren der Kommunistischen Partei gehört noch so gut wie jedes chinesische Kind an, sobald es in die Schule kommt. Viel Politik steht aber noch nicht auf dem Programm, aber sie lernen etwas über das große Vorbild, den braven Soldaten Lei Feng, der seinen Kameraden unermüdlich und selbstlos half und ihnen abends sogar noch die Socken wusch. Erst mit 14 beginnt der Auswahlprozess. Schüler, die mit guten Noten oder durch soziales Engagement auffallen, haben gute Chancen, dem Kommunistischen Jugendverband beizutreten. Dort beginnt dann auch der politische Unterricht. Eine Vollmitgliedschaft ist aber erst mit dem 18. Lebensjahr möglich.


Strategie statt Ideologie. Das Beitrittsalter ist ganz entscheidend. Liang Junwei hat sich erst mit 41 für die Partei interessiert. Der heute 52-Jährige war damals noch einfacher Fabrikarbeiter in einem Staatsunternehmen für Lötkolben in der Provinz Hebei. Er wollte aufsteigen. Sein damaliger Vorgesetzter wollte das auch. Aber ohne Parteibuch sah auch er keine Möglichkeit. Also hieß es für Liang: Antrag stellen, Kurs belegen und Lehrbücher durcharbeiten. „Ich hatte große Schwierigkeiten“, erzählt der gelernte Techniker. Ein Buch hatte er mehr als 20 Jahre nicht mehr angefasst. Nun musste er büffeln. Inzwischen hat er seinen Vorgesetzten beerbt, der inzwischen als Parteisekretär in der Firmenleitung sitzt. Sehr viel weiter geht es für Liang in der Partei- und damit auch Firmenhierarchie jedoch nicht. „Einen hohen Posten kann ich mir abschminken“, sagt er. Er sei der Partei zu spät beigetreten.

Lötkolbenbauer Liang nimmt regelmäßig an den Sitzungen im Betrieb teil. Dabei gehe es vor allem um Planzahlen und Firmenstrategien, erzählt Liang. Die Sitzungen seien deswegen sehr wichtig. „Nur manchmal“, sagt Liang und lacht, „schauen wir auch mal, wie das Ganze mit den Lehren von Marx im Zusammenhang steht.“ Aber das passiere wirklich selten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2012)

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19 Kommentare

Die größte Organisation der Welt

ist noch immer die katholische Kirche!

Bitte um bessere Information

Der Artikel ist leider schlecht recherchiert und ergeht sich nur in allgemeine Platitueden. Der wissende Korrespondent, muesste wissen, dass es fuer Mitglieder der kommunistischen Partei, weder ein Parteibuch, noch einen Mitgliedsausweis gibt. Ebenso ist ohne wirkliches Wissen beschrieben, wie man Mitglied der kommunistischen Partei in China wird. Von Journalisten der Presse, darf man schon einen gut recherchierten Artikel erwarten und nicht die Verfielfachung von Halbwissen und Dichtung.

Klingt wie die Wiener Stadverwaltung,

inklusive der möglichen Karrierepfade und der dazu notwendigen Voraussetzungen.

Trotz allem...

hat die chinesische Regierung mehr Erfolg als unsere. Es mag in China vieles undemokratisch sein. Aber noch schafft es die Zentralregierung das Leben der Menschen jedes Jahr zu verbessern. In den 80ern sind immerhin noch 30 Mio. (!) Menschen verhungert.
Ich spüre nicht, dass es uns jeden Tag besser geht. Und Korruption gibt es auch (Fayman mit Anzeigen, Schüssel mit Eurofighter, ect.)
Es gibt zwar in China eine härtere Zensur aber ich war dort und habe gezeigt bekommen, wie sie umgangen wird. Solche freien Meinungsäusserungen werden zwar gelöscht, aber ins Gefängnis kommt man nicht, solange man nicht die Regierung stürtzen will.
Was die neue Führung bringt wird man sehen...

Re: Trotz allem...

Hier vergleichen Sie aber Äpfel mit Schnitzel. Den Lebensstandard in einem Land zu verbessern wo noch vor 30 Jahren Millionen Menschen verhungert sind ist das Mindeste was man von einer Regierung verlangen kann. Den Lebensstandard eines Landes zu heben in dem die meisten mit Übergewicht und anderen Wohlstandsfolgen zu kämpfen haben ist da schon etwas schwieriger!

Re: Re: Trotz allem...

Trotz allem eine Ausrede. Wir können ja nur Jammern, und sei es nur wegen Übergewicht.
China hat eine massive Überbevölkerung. Bringe Sie doch mal eine ein Kind Politik in Europa durch. Da wünsch Ihnen dabei viel Spaß dabei, eher das alle abnehmen. Für uns Traurig aber Wahr, welche Länder haben den Chinesen das Know How verkauft. Wenn wir so Dumm sind, gewinnen halt andere.


ersatunlich

dass nur 5% der Gesamtbevölkerung bei der chinesischen KP sind - das war mir bisher neu. Steckt dahinter ein bestimmtes Kalkül?

btw: wer Chinas grausame Militärdiktatur ernsthaft mit den USA oder Europa gleichsetzt, sollte Nachhilfe in Demokratieunterricht, Geschichte und Politischer Bildung nehmen.

Schlecht recherchiert!

Es ist schade, dass in einer Zeitung vom Rang der Presse so ein schlecht recherchierter Artikel erscheint. Anstatt profunder Information, werden hier alte Platitueden wiedergekaut und Fakten missachtet, nur um eine Story zu haben. Ein informierter Journalist muesste wissen, dass es fuer Mitglieder der kommunistischen Partei in China weder ein Parteibuch, noch ein Ausweis existiert. Auch bei der Beschreibung wie man Mitglied der kommunistischen Partei in China wird, sind dem Herrn Korrespondenten Fehler aus Unwissenheit passiert. Mit ein bisschen mehr Wissen und Recherche waeren solche blamablen Fehler zu vermeiden, schliesslich ist die Presse eine Zeitung die auf Wissen basiert.

Nieder

mit der kommunistischen Partei Chinas und ihrem Schuetzling in Nodkorea.

Kommunisten sind wie Nazis

die brauchen wir nicht leider gibt es in Österreich noch zu viele Kommunistenliebhaber

Nicht viel Unterschied zur EU

Nur das die EU um noch eine Spur Menschenverachtender umgeht

Re: Nicht viel Unterschied zur EU

Das ist ein Hohn für alle unterdrückten Chinesen, die sich ein Leben in Europa, in einer Demokratie, nur erträumen können.

Re: Re: Nicht viel Unterschied zur EU

Wissen's, für einen Nordkoreaner mag AT und die EU wie das Paradies aussehen, aber für die, die vor der EU schon zu Wahrnehmung fähig waren, also nicht erst gegen Ende des letzten Jahrtausends geboren wurden, ist der Trend deutlich sichtbar.

Absolut sind wir natürlich noch nicht in China. Aber es bewegt sich in diese Richtung. Politisch. Die wirtschaftliche Entwicklung weist mehr in die Gegenrichtung.

Re: Re: Nicht viel Unterschied zur EU

Lustig - sie bezeichnen das EU-Regime als eine Demokratie?

Und, wann durften wir über die Vertragsänderungen abstimmen oder auch darüber, ob wir überwacht werden wollen? Aber auch ob wir den ESM Vertrag wollen?

Re: Re: Re: Nicht viel Unterschied zur EU

wäre die EU das, was sie behaupten (ein regime a la nordkorea/china), dann wären sie mit solchen äusserungen schon lange im arbeitslager gelandet.

Re: Nicht viel Unterschied zur EU

warum wandern sie dann nicht aus, wenns dort so viel besser ist als hier?

Re: Nicht viel Unterschied zur EU

China und Nordkorea muss doch ein Träumeland für Sozial"demokraten" und Grüne sein.

Chinas Führung sind Multimillionäre...

Die Sterne haben sie schon ergriffen.

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