Trümmer in Gaza, Raketen auf israelische Großstädte

16.11.2012 | 23:09 |   (Die Presse)

Ägyptens Premier Kandil reist in den Gazastreifen, um Solidarität mit den Palästinensern zu zeigen. Israel will bis zu 75.000 Reservisten mobilisieren und sperrt Verkehrsadern um den Gazastreifen. Kommt eine Bodenoffensive?

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Jerusalem. Gerade als Sanitäter die toten Körper zweier Opfer der israelischen Luftangriffe brachten, traf Ägyptens Regierungschef Hesham Kandil am Freitag im Shifa-Krankenhaus in Gaza ein. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte zwar Bereitschaft zur Feuerpause für die Zeit des Besuchs von Kandil signalisiert. Er stellte jedoch die Bedingung, dass auch die Hamas das Feuer einstellt, was nicht passiert ist. Zum zweiten Mal gingen in Tel Aviv die Sirenen los. Erstmals wurde auch Jerusalem angegriffen, die Rakete schlug außerhalb der Stadt ein, verletzt wurde niemand.

Mehr zum Thema:

Nahezu pausenlos schossen die Islamisten am Freitag Raketen auf Israel ab, und nahezu ohne Pause griff die Luftwaffe Ziele im Gazastreifen an - rund 30 Palästinenser fielen seit Mittwoch den Luftangriffen zum Opfer, darunter Zivilisten und Islamisten. Am Freitagabend wurde der Hamas-Militärchef für den mittleren Abschnitt des Gazastreifens, Ahmed Abu Jalal, zusammen mit zwei seiner Brüder und einem Nachbarn im Flüchtlingslager Al-Mughazi von einer Rakete getötet, berichtete der medizinische Notdienst des Gebiets.

„Warten auf Kairo"

„Wir können dieser Aggression nicht schweigend zusehen", hatte Ägyptens Premier Kandil Stunden zuvor aufgewühlt die Szenen im Shifa-Krankenhaus kommentiert. Für die Bevölkerung signalisiert der ägyptische Besuch eine neue Realität. Ex-Präsident Hosni Mubarak hielt während der Gefechte vor vier Jahren den Grenzübergang in Rafah gesperrt. Das Regime unter Präsident Mohammad Mursi liefert schon jetzt Hilfsgüter an die Palästinenser.

„Warten auf Kairo" überschrieb die liberale israelische Tageszeitung „Haaretz" einen Kommentar auf der Titelseite, gleich neben einer Anzeige mehrerer Friedensgruppen gegen den „Wahlkampfkrieg". Der Ausweg aus der Gewaltwelle scheint allein in ägyptischen Händen zu liegen.
Auch EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton äußerte ihre Hoffnung, dass Kandil „in der Lage sein wird, die Situation zu beruhigen". Ashton machte wie auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel den Raketenbeschuss der Hamas für die Eskalation verantwortlich.

Arsenal der Hamas ausgedünnt

Hört man die Protagonisten auf beiden Seiten, erscheint die Mission Kandils kaum realistisch. Die Hamas müsse „auf den Knien darum betteln", bevor Israel einen Waffenstillstand erwägen würde, sagt Verteidigungsminister Ehud Barak. Umgekehrt versprach der offizielle Hamas-Armeechef Mohammad Deif eine „Reaktion, die die Besatzer nie vergessen werden".

Ungeachtet der Wortgefechte dürfte die Hamas aber kein Interesse an weiterer Eskalation haben. Das Raketenarsenal der Islamisten wird, so berichten israelische Armeesprecher, mit den Luftangriffen der letzten Tage radikal ausgedünnt.
Die meisten Hamas-Raketen landen entweder in unbewohnten Gegenden oder werden abgefangen. Auch die auf Tel Aviv abgeschossenen Mittelstreckenraketen richteten keinen Schaden an.

Und für Israel bedeutet eine Bodenoffensive ein kaum kalkulierbares Risiko, trotzdem mobilisierte die Armee bereits 16.000 Reservisten, bis zu 30.000 sind gebilligt.  Und es sollen noch mehr werden: Nach Angaben von Kabinettssekretär Zvi Hauser wird nun die Mobilisierung von bis zu 75.000 Reservisten angestrebt. Dem Vorschlag müssen allerdings noch alle Kabinettsmitglieder zustimmen.

„Es ist nicht sicher, dass wir einmarschieren", meinte Verteidigungsminister Barak, „aber sollte es nötig werden, dann sind wir bereit." Offenbar in Vorbereitung einer möglichen Bodenoffensive sperrte Israel am Freitagabend  alle großen Verkehrsadern um den Gazastreifen. Die Straßen befänden sich jetzt in einem "geschlossenen Militärgebiet", sagte ein Armeesprecher.

Kandil wird nun eine Formel suchen, die beiden Seiten ermöglicht, das Feuer einzustellen, ohne das Gesicht zu verlieren. Möglich ist, dass der Tod dreier Israelis und die Raketen auf Jerusalem und Tel Aviv der radikalen Hamas als „Erfolg" ausreicht. Umgekehrt kann sich Israel mit der gelungenen Exekution des De-facto-Hamas-Armeechefs Ahmad al-Jabari und eines weiteren Hamas-Kommandanten zum Sieger erklären.

(Korrespondentin Susanne Knaul, Red., Ag.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

14 Kommentare

Der Arabische-Frühling kommt zum blühen

Der von den Medien so umjubelte Jasmin-Frühling entfaltet seine Blätter und was daraus wird wissen alle nicht.
Was sagt eigentlich St.Obama zu der Action die er eingeläutet hat?
Dass die neuen islamischen Staaten an einem Frieden mit Israel nicht interessiert sind, wird hoffentlich jeden einleuchten.
Der Irak droht schon mit der Öl-Waffe, da scheint bei der Kalkulation der USA wieder etwas schief gelaufen zu sein.
Alle die im Nahen-Osten und Nordafrika am schüren sind, die haben das Tor zur Hölle geöffnet.

Jetzt war eine Zeitlang Ruhe und plötzlich feuert die Hamas wieder hunderte Raketen auf Israel ab und tötet israelische Zivilisten

Anscheinend hat die Hamas die Zeit genutzt um wieder massenhaft Waffennachschub zu besorgen.

Somit bestätigt es sich leider wieder: Die Hamas will keinen Frieden und wollte auch nie Frieden.

Die Hamas will höchstens kurze Auszeiten um in der Zwischenzeit neue Waffen beschaffen zu können.

Die Hamas will leider Krieg und nur Krieg, sonst würde die Hamas nicht ständig neue Waffen beschaffen und Hass und Terror gegen israelische Zivilisten säen. Das ist es was menschlich so zutiefst enttäuscht und traurig macht.

Es bleibt dabei: Die NATO und insbesondere die amerikanisch-israelische Vasallin Merkel leisten wie immer wissentliche Beihilfe für Israels mörderisches Vorgehen

Woher wissen diese kriegslüsternen Verantwortlichen (siehe Kriege mit NATO-Beteiligung bzw. -Beihilfe) eigentlich immer, dass die Hamas anfängt. Und nicht Israel?

Es ist erwiesen, dass Israel schon mehrmals auch in Zeiten des Waffenstillstandes den Gazastreifen bombardiert bzw. beschossen hat. Was übrigens auch Ex-US-Präsident Carter bestätigt und zig andere Beobachter mehrmals bestätigt haben.

Wobei der Gazastreifen außerdem ein von Israel hermetisch abgeschlossenes Ghetto innerhalb Israels bildet, was nach internationalem Recht ein Verbrechen der Israelis darstellt. Und ohne internationale Hilfe würde das Elend im Gazastreifen überhaupt völlig ausufern. Israel bombardiert außerdem immer wieder die zivile Infrastruktur in den Palästinensergebieten.

Und den ständig vor sich hin schlummernden NATO-Verantwortlichen, insbesondere Frau Merkel, darf man auch auf folgendes hinweisen: Israel hat auch schon Syrien in Friedenszeiten bombardiert. Ebenso wie den Irak. Ebenso wie andere Länder der Region. Nicht umgekehrt. Fremden Luftraum und fremdes Staatsgebiet kennt Israel sowieso nicht. Praktisch alle anderen Länder im Nahen Osten werden regelmäßig immer wieder von Israels Luftwaffe überfolgen. Und Israel stiehlt nicht nur den Palästinenser immer wieder Heimatgebiete, sondern sitzt im Gegensatz zu seinen Nachbarn auch noch immer auf fremdem Staatsgebiet bzw. betrachtet diese Gebiete als seine Zonen. Nicht umgekehrt!!! So viel zu den Märchen, dass Israel niie anfangen würde

Der Angriff Israels ist gewollte Taktik der Hamas

Die Hamas wünscht sich, dass Israel einen Großangriff startet um danach Israel als den bösen Aggressor darstellen zu können. Dass dabei auch Zivilisten zu schaden kommen, ist in dem zynischen Kalkül der Hamas mit eingerechnet.

Die Kämpfer der Hamas treten als Zivilisten auf und starten ihre Raketenangriffe mitten aus Wohngebieten heraus, ein Faktum, das sehr zu meiner obigen These passt.

Die Kämpfer der Hamas sehen sich selbst als "Gotteskrieger", die einen "Märtyrertod" in Kauf nehmen für ihr Ziel. Sie provozieren Israel, warten auf einen Angriff, der viele Opfer fordern wird, um danach sagen zu können: Seht her, wie aggressiv und böse Israel ist!

Israel, so scheint es zur Zeit, ist dumm genug, in diese Falle der Hamas zu tappen. Andererseits kann man ihnen auch nicht absprechen, auf die ständigen Raketenangriffe der Hamas zu reagieren.

Re: Der Angriff Israels ist gewollte Taktik der Hamas

Hat die Hamas Frauen und Kinder in Schulen getrieben und dann mit Phosphorbomben lebendig verbrannt???Oder waren das feige Mörder ???

Das ist eine sehr gefährliche Situation

und die hat sich durch die Zusage Ägyptens weiter verschärft!
Mein Vorschlag: Journalisten befragen einmal Frauen und Kinder, ob sie gerne für die "gute Sache" sterben wollen oder ob sie sich vorstellen können, auch ohne Vater zukünftig leben können, ob ihnen ihre zerstörten Häuser gefallen?
Und die Antworten an erster Stelle veröffentlichen und dann die für den Krieg verantwortlichen Politiker zwingen, darauf zu antworten!

Soso auf Knien betteln

das heisst, Waffen niederlegen und ins Zivilleben einfügen, reicht nicht.

Was wiederum schlussfolgernd heisst, dass Israel palästinensische Zivilisten beschiesst, bis es bekniet wird.

Das kommt der Realität sehr nahe, ich hätte aber nicht gedacht, dass Barak so dumm ist, sich so zu verplappern, dass er es quasi zugibt.

wie blòd muss man eigentlich sein

einen übermächtigen gegner, der noch dazu abgezogen ist, mit raketen zu provozieren?

Re: wie blòd muss man eigentlich sein

sagt jemand, gemütlich auf der couch sitzend, der noch nie Verzweiflung am eigenen Leib verspürt hat.

Re: wie blòd muss man eigentlich sein

Nur sehr komisch das in den sehr israel freundlichen medien nichts zu hoeren oder zu lesen war,normaler weise schreien sie ja gleich laut auf wenn auch nur etwas so aehnlich aussieht wie eine rakete! Und wenn Netanjahu nicht al jabari in die luft gejagt haette,weil er zeigen muss was fuer ein harter bursche er ist und vermutlich glaubt so wieder gewaehlt zu werden dann ist das wahlkampf der schlimmsten sorte! Das die palaestinenser leben muessen wie in einem gefaengniss und sich zur wehr setzen ist nur all zu verstaendlich.Was mir sorgen macht ist das in den letzten tagen der iran zu oft genannt wird im diesen zusammenhang.

Re: wie blòd muss man eigentlich sein

vielleicht, weil man sich seiner Sache, dank der neu entstandenen islamistischen Staaten sehr sicher ist? Das islamistische
Ägypten hat bereits seine Unterstützung zugesagt.
Dass Ägypten allerdings Flüchtlinge aufnehmen würde, davon war m.W.keine Rede!

Die Hamas will einen Krieg gegen Israel beginnen, da

die arabischen Frühlingsstaaten jetzt mittun würden.

Re: wie blòd muss man eigentlich sein

Oder wie verzweifelt. Gaza ist eines der schlimmsten Ghettos der Welt, abgeschnitten, ohne Geld und ohne Perspektive. Dieses gigantische Abschiebelager gibt es nur, weil die vielen Palästinenser ansonsten die israelischen Wahlen negativ beeinflussen könnten. Traurig, dass ein moderner Staat wie Israel so etwas tut.

na schön für ihn

da kann erseinen moslembrüdern dort ja gleich einmal verklickern, dass sie eventuell eine charta haben, die vor antisemitismus und schwûlstigen mordfantasien gegen juden nur so strotzt,
dass sie homosexuelle und vermeintliche ehebrecherinnen ermorden usw usf....

AnmeldenAnmelden