Israel-Solidaritätskundgebung in Wien

21.11.2012 | 21:30 |   (DiePresse.com)

Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde kritisierte vor der Wiener Oper die einseitige Berichterstattung: "Schuld ist immer Israel".

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Etwa 500 Personen sind am Mittwoch dem Aufruf zur Solidaritätskundgebung für Israel vor der Wiener Oper gefolgt. Die Hauptkritik der Sprecher, darunter Israels Botschafter Aviv Shir-On und Oskar Deutsch, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, galt der "einseitigen Berichterstattung".

Deutsch kritisierte, dass Medien und Politik immer nur aktiv würden, wenn Israel auf einen der vielen Raketenangriffe von palästinensischer Seite reagiere. "Dann wird ein großes Medienecho erzeugt und es entsteht das Bild eines aggressiven Staates. Schuld ist immer Israel", sagte Deutsch. Shir-On betonte in seiner Ansprache, die Hamas sei für die derzeitige Eskalation verantwortlich und würde bewusst die eigene Bevölkerung als Schutzschild verwenden.

Maximilian Gottschlich, Universitätsprofessor für Publizistik, kritisierte, dass die Umkehr von Opfer und Täter die Berichterstattung durchziehe. "Der neue Antisemitismus im Gewand eines Anti-Zionismus gehört heute zum guten Ton." Laut einer Umfrage würden 42 Prozent der Österreicher der Aussage zustimmen, dass "die Israelis heute so unmenschlich mit den Palästinenser umgehen wie die Nazis mit den Juden."

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Dani Kapp, Vorstand Österreichisch-Israelische Gesellschaft, erinnerte an die geschichtlich begründete Verantwortung Österreichs gegenüber Israel und forderte von der österreichischen Regierung, gegen die Anerkennung Palästinas als Nicht-staatliches Mitglied der UN zu stimmen, die für die UNO-Generalversammlung am 29. November geplant sei.

Organisiert wurde die Veranstaltung von "Free Gaza from Hamas", ein Bündnis aus einigen Vereinen und Gesellschaften, darunter die Israelitische Kultusgemeinde, die Österreichisch-Israelische Gesellschaft, Christen an der Seite Israels-Österreich, die Basisgruppe Politikwissenschaft und die Zionistische Föderation in Österreich.

(APA)

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10 Kommentare

Eine kurze Geschichte Palästinas und Israels

Vor dem ersten Weltkrieg lebten im damals türkischen Palästina ca. 700.000 Araber und Türken sowie ca. 85.000 Juden.

1917: Die britische Regierung erklärt, die zionistische Bewegung (Herzl) bei der Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina zu unterstützen.

1922: Palästina wird Mandatsgebiet Großbritanniens. Durch die stärkere jüdische Einwanderung gibt es erste Konflikte mit arabischen Bauern. Sukzessiver Aufbau einer jüdischen Infrastruktur incl. Untergrundstreitkräften.

1930: In Palästina leben ca. 850.00 Araber und ca. 175.000 Juden.

Ab 1933: Juden-Verfolgung durch das Nazi-Regime. Sprunghafter Anstieg der jüdischen Einwanderung. Ab 1942 (Beginn der Shoah) auch illegale Einwanderung, die von den Briten auf Wunsch der Araber bekämpft wird.

1947: In Palästina leben ca. 1,3 Mio Araber und ca. 750.000 Juden.

11/1947: Teilung Palästinas durch die UNO (gegen die Stimmen aller arabischer Staaten) in ein jüdisches (55 %) und einen arabisches Gebiet (45 %).

5/1948: Proklamation des Staates Israel.
Die arabischen Nachbarstaaten erklären Israel den Krieg. Israels Armee kann den Flächenanteil auf 78 % erhöhen. Flucht und Vertreibung von ca. 750.000 arabischen Palästinensern (Nakba).

1950: Auf em Gebiet Palästinas leben ca. 1,1 Mio Juden und ca. 0,9 Mio Araber.

1967: Sechtage-Krieg: Israel besetzt den Rest Palätinas und die Sinai Halbinsel

1970: In Israel leben ca. 2,7 Mio Juden und ca. 300.000 Araber, in den besetzten Gebieten ca. 800.000 Araber.


Re: Eine kurze Geschichte Palästinas und Israels

Und wie schaut es 2013 aus?

Schuldzuweisungen

Wer will schon gerne unter Gewaltbedrohung leben? Nicht die Israeli, aber auch nicht die Palästinenser. Der Siedlungsbau der Israeli in Westjordanland = Palästina ist aggressive Besitznahme und damit Vertreibung der Palästinenser. Sollen diese das nicht als
Gewalt auffassen und sich dagegen wehren? Und wenn sie mit Worten nichts erreichen,was sollen sie dann tun, müssen wir uns fragen und dazu Stellung nehmen. Das hat nichts mit Anti-Semitismus zu tun, sondern mit einfacher Menschichkeit, mit Humanität, auf die wir in Europa stolz sind.

Re: Schuldzuweisungen

Gut geformte Sachlage!

Bin ganz deiner Meinung.

finde ich

sehr gut und wird auch schon schön langsam Zeit, dass sie einmal die Sachlage richtig stellen.

"fordert von der österreichischen Regierung, gegen die Anerkennung Palästinas als Nicht-staatliches Mitglied der UN zu stimmen"

Das kann ich unterschreiben.

Die österreichische Regierung hat sich dafür einzusetzen, Palästina als eigenstaatliches Vollmitglied der UNO anzuerkennen!

Und das eben wegen seiner geschichtlich begründeten Verantwortung!

Re: "fordert von der österreichischen Regierung, gegen die Anerkennung Palästinas als Nicht-staatliches Mitglied der UN zu stimmen"

also was können Sie unterschreiben? Ihre Antwort ist verworren!

Die Gleichsetzung einer einzigen Partei in Israel

mit ganz Israel erinnert mich fatal an andere Anti-Bewegungen, die sich immer gleich gegen das ganze Land und nicht gegen die dafür verantwortliche Partei dieses Landes gerichtet haben.

Schon aus diesem Grund ist es mehr als kontraproduktiv von Herrn Deutsch, wieder einmal von Antisemitismus zu sprechen, wenn gegen die Unverhältnismäßigkeit der israelischen Reaktion im Gaza protestiert wird. Und wenn die Terroristen 1000 mal ihre Waffen durch Zivilisten schützen lassen berechtigt das die Israelis noch lange nicht, die Zivilisten abzuschlachten!

Ich bin- weil ich gegen Netanjahu und seiner agressiven Aug um Augpolitik bin, nicht automatisch eine Befürworterin der terroristischen Hamas! Das möchte ich klarstellen! Und ich bin- weil ich gegen Netanjahu protestiere, noch lange keine Antisemitin!

Und einen Maulkorb namens Holokaust lasse ich mir von niemanden umhängen! Die IKG hat kein Recht dazu, die Meinungsfreiheit mit diesem Totschlagargument zu unterbinden!

Dani Kapp, Vorstand Österreichisch-Israelische Gesellschaft, erinnerte an die geschichtlich begründete Verantwortung Österreichs gegenüber Israel und FORDERTE von der österreichischen Regierung, gegen die Anerkennung Palästinas als Nicht-staatliches Mitglied der UN zu stimmen, die für die UNO-Generalversammlung am 29. November geplant sei.

Er kann sich etwas wünschen, Forderungen stehen diesem Herrn nicht zu. In einer Demokratie hat eine Regierung sich nach dem Volkswillen zu richten, der sich in der parlamentarischen Auseinandersetzung formt.

Österreich hat keine Verantwortung für die heutige verfehlte Politik des Landes, dem zurecht seine große Sorge gilt.

Re: Dani Kapp, Vorstand Österreichisch-Israelische Gesellschaft, erinnerte an die geschichtlich begründete Verantwortung Österreichs gegenüber Israel und FORDERTE von der österreichischen Regierung, gegen die Anerkennung Palästinas als Nicht-staatliches Mitglied der UN zu stimmen, die für die UNO-Generalversammlung am 29. November geplant sei.

"eine Regierung sich nach dem Volkswillen zu richten"
vielen Dank, jetzt ist mir klar, warum Regierung und Exekutive nicht mehr reagieren, wenn in Wien auf offener Straße dafür beschimpft werden, dass sie Juden sind, oder wenn bei der pro-Hamas-Kundgebung am Stephansplatz LAUTHALS aufgerufen wird, Israel mit waffengewalt zu zerstören.
Ich dachte ich lebe in einem Rechtsstaat. Jetzt haben Sie mir gut erklärt, wie "Rechts" in diesem Wort zu verstehen ist.

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