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Italien: Ex-Kommunist soll Linke an die Macht führen

03.12.2012 | 18:14 |  Von unserem Korrespondenten PAUL KREINER (Die Presse)

Die Sozialdemokraten, in Umfragen klar voran, haben ihren Parteichef Pier Luigi Bersani (61) zum Spitzenkandidaten für die Parlamentswahlen gekürt - und damit Silvio Berlusconi eine Comeback-Chance eröffnet.

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Rom. Das Votum ist klarer ausgefallen als erwartet: Mit 62 Prozent der Stimmen haben die Anhänger der italienischen Sozialdemokraten ihren Parteichef Pier Luigi Bersani zum Spitzenkandidaten für die Parlamentswahl im März oder April nächsten Jahres gekürt. Damit hat der 61-Jährige nach übereinstimmendem Stand der aktuellen Umfragen auch die größten Chancen, Nachfolger von Mario Monti als italienischer Regierungschef zu werden. Bersanis 37-jähriger Herausforderer Matteo Renzi, Oberbürgermeister von Florenz, kam auf 38 Prozent. An der Stichwahl beteiligten sich mit knapp drei Millionen Parteianhängern nur unwesentlich weniger als beim ersten Wahlgang vor einer Woche.

Renzi hatte mit seiner Kandidatur versucht, den alten Apparat der „Partito Democratico“ (PD) aus den Angeln zu heben und einen Generationswechsel herbeizuführen. Das Parteivolk allerdings hat sich in der Urwahl für das entschieden, was Renzi spöttisch als „Gebrauchtwagen mit Garantie“ tituliert: für das Bewährte. Renzi gestand seine Niederlage mit den Worten ein, ihm sei es „nicht gelungen, das Image des ehrgeizigen Bürschleins abzustreifen“. Bersani versprach im Gegenzug, „Raum für eine neue Generation“ zu schaffen.

Bersani, Sohn eines Tankwarts aus dem oberitalienischen Piacenza, hat sich in der Abschlussarbeit seines Philosophiestudiums zwar mit Papst Gregor dem Großen (590–604) beschäftigt, war aber danach zur ultralinken Arbeiterbewegung gestoßen und hat als Mitglied der Kommunistischen Partei deren Wandlungen bis hin zur Sozialdemokratie mitgemacht.

Dreimal – in Regierungen von Romano Prodi und Massimo D'Alema – war Bersani jeweils für etwa zwei Jahre Minister für Industrie, Infrastruktur oder Wirtschaftsentwicklung. Der Mann ohne persönliche Ausstrahlung, der auch keinen „spin doctor“ an sich heranlässt, weil er „authentisch“ erscheinen will, leitet seit drei Jahren die Partito Democratico. Bersani tritt knorrig und bieder auf, befleißigt sich eines ruppigen, arbeiternah gemeinten Tonfalls. Von sich selbst sagt er: „Unter zehn Schiffbrüchigen mitten im Meer kriegt nicht der das Kommando, der Charisma hat, sondern der, der die größte Sicherheit zu bieten vermag.“ Sein bisher fehlendes internationales Profil will sich Bersani bis zu den Parlamentswahlen auf einer Reise durch Europas Hauptstädte verschaffen. Er beginnt dieser Tage allerdings im libyschen Tripolis.

Der Wahlkampf, den Italiens Sozialdemokraten mit der Kür ihres Spitzenkandidaten angestoßen haben, verläuft bisher einseitig. Der Hauptgegner, die Partei Silvio Berlusconis, ist aufgrund ihres chaotischen Zustands vorerst weiterhin handlungsunfähig. Sie weiß noch nicht einmal, ob ihre für den 16.Dezember geplanten parteiinternen Vorwahlen stattfinden werden oder ob Berlusconi mit einer eigenen Spitzenkandidatur alle innerparteilichen Gegner zur Seite schieben will. „Wir wissen nicht mehr, wer wir sind und wohin wir gehen“, sagt Berlusconis letzter Außenminister, Franco Frattini.

 

Plant Berlusconi neue Partei?

Berlusconi überlegt offenbar auch, sein „Volk der Freiheit“ (PDL) dem Parteisekretär Angelino Alfano zu überlassen und sich mit einer Neugründung selbstständig zu machen. Diese Hypothese hat durch den Sieg Bersanis bei den sozialdemokratischen Vorwahlen neuen Auftrieb erhalten: Gegen einen 37-jährigen Renzi, da sind sich alle Kommentatoren einig, wäre Berlusconi auf keinen Fall angetreten; gegen den „alten“ Bersani („der schon länger in der Politik ist als ich“) könnte er es noch einmal versuchen.

Bei der „Sonntagsfrage“ landet Berlusconis PDL derzeit mit 16 Prozent nur mehr auf dem dritten Platz. Es führen Bersanis Sozialdemokraten mit 30 Prozent. An zweiter Stelle liegt die fundamental-oppositionelle „Fünf-Sterne-Bewegung“ des Internet-Bloggers Beppe Grillo mit 18 Prozent.

Nach aktuellem Wahlrecht kann sie dem Sieg und der Alleinregierung der Sozialdemokraten damit zwar nichts anhaben; die Art ihres künftigen Auftretens im Parlament aber ist eine der großen Unbekannten der italienischen Politik.

Auf einen Blick

Pier Luigi Bersani, der Chef der italienischen Sozialdemokraten, geht als Favorit in die Parlamentswahlen, die vermutlich im kommenden Frühjahr stattfinden. Seine Partei liegt derzeit in Umfragen mit 30 Prozent der Stimmen klar voran. Silvio Berlusconis „Volk der Freiheit“ ist auf 16 Prozent und damit auf den dritten Rang abgestürzt. Auf dem zweiten Platz rangiert die „Fünf-Sterne-Bewegung“ des Komikers Beppe Grillo mit 18 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2012)

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2 Kommentare

Berlusconi überlegt offenbar auch, sein „Volk der Freiheit“ (PDL) dem Parteisekretär Angelino Alfano zu überlassen und sich mit einer Neugründung selbstständig zu machen.

und dann kauft er sich einen phaeton....

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Gute Nacht EU.
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