Großbritannien: Ein Stück Antarktis für die Queen

18.12.2012 | 17:33 |  Von unserer Korrespondentin Julia Kastein (Die Presse)

Queen Elizabeth II. nahm zum ersten Mal in ihrer 60 Jahre währenden Regentschaft an einer Sitzung des Kabinetts teil. Die Regierung bemühte sich redlich, ihre internen Konflikte nicht vor der Monarchin auszutragen.

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London. Sie kam, saß und schwieg: Mit ihrer üblichen verbalen Zurückhaltung nahm Queen Elizabeth II. am Dienstag zum ersten Mal in ihrer 60 Jahre währenden Regentschaft Platz am sargförmigen Kabinettstisch der „Regierung ihrer Majestät“ in der Londoner Downing Street. Im königsblauen Wollkleid saß die Monarchin zwischen Premier David Cameron und Außenminister William Hague und nahm huldvoll lächelnd das Dankeschön ihrer Regierung zum diamantenen Thronjubiläum entgegen: 60 Platzsets mit historischen Motiven, für die ihre Minister zusammengelegt hatten. Beim anschließenden Besuch im „Foreign Office“ (Außenministerium) bekam die Monarchin dann quasi noch ein ganzes Land geschenkt: Ein bislang namenloser Teil des britischen Territoriums in der Antarktis soll künftig „Queen-Elizabeth-Land“ heißen.

„Über der Politik“

Mit der Einladung zur wöchentlichen Kabinettssitzung wurde der 86-Jährigen eine seltene Ehre zuteil: Zuletzt hatte ihr Vater Georg VI. während des Zweiten Weltkriegs an Sitzungen teilgenommen, davor Georg III. während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges 1781. Nach der ungeschriebenen Verfassung und den traditionellen Gepflogenheiten der britischen konstitutionellen Monarchie soll der Regent „above politics“, „über der Politik“ stehen.
Zwar gewährt die Königin dem Premier allwöchentlich Audienz – eine Mischung aus Beichtstunde und Therapiesitzung. Und sie muss Gesetze unterschreiben.
Doch sonst hält sie sich aus den Niederungen der Politik heraus. So auch gestern: Elizabeth II. hörte eine halbe Stunde lang interessiert, aber schweigend zu, wie der konservative Fraktionsführer George Young über anstehende Parlamentsgeschäfte referierte. Dabei dürfte ihr eines der besprochenen Gesetzesvorhaben besonders am Herzen liegen: Das Parlament soll demnächst die Thronfolgeregel ändern, damit das erstgeborene Kind von Prinz William und Kate Middleton, egal, ob Mädchen oder Bub, dritter Anwärter auf den Thron wird.

Britische Verfassungsexperten stritten trotzdem über den Besuch: „Ein blöde Idee“, so Rodney Barker, emeritierter Professor der London School of Economics. So würde die Queen potenziell „Dinge hören, die sie nicht hören soll“. Historikerin Jane Ridley lobte die Audienz dagegen als „Meilenstein in der Verfassung“ und „Beleg dafür, dass die Queen die Monarchie über Parteipolitik stellen kann“.
Zumal sich die Koalitionsregierung gestern mühte, ihre schwelenden Konflikte nicht vor dem Staatsoberhaupt auszutragen: Cameron und sein liberaldemokratischer Vize Nick Clegg lächelten und scherzten mit der Monarchin für die Kameras. Doch in der Zweckehe zwischen Konservativen und Liberaldemokraten kriselt es.

Angst vor einem EU-Referendum

Größter Zankapfel ist dabei Britanniens Verhältnis zu EU-Institutionen wie dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. So kritisierte der konservative Justizminister Chris Grayling gestern erneut, dass sich das Gericht zu sehr in nationale Belange einmische und etwa die Abschiebung von Terroristen verhindere. Viele Konservative fordern den Austritt Britanniens aus der Jurisdiktion des Gerichts und aus der Europäischen Menschenrechtscharta. Die Liberaldemokraten lehnen das ab. Auch über die von Cameron angestrebte Neuverhandlung der Beziehungen mit der EU gibt es Streit: Sein Vize Clegg warnte vor „falschen Versprechungen“, die letztlich zum Austritt und zur Isolation des Landes führen würden.

Zwar warben die Liberaldemokraten 2010 selbst noch für eine Volksabstimmung über Britanniens EU-Mitgliedschaft. Doch nun fürchten sie ein Referendum: Laut aktuellen Umfragen würde die Mehrheit für den Austritt stimmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2012)

 
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11 Kommentare
PENITENTIAM AGITE
19.12.2012 08:55
2

Die Briten! Monarchie! Wie hinten?

Dass es sowas in Europa noch gibt.

Antworten BM.H.
19.12.2012 10:02
2

Re: Die Briten! Monarchie! Wie hinten?

Die Republik (Österreich) sehe ich demokratiepolitisch weit weniger entwickelt als das UK.

Antworten Antworten kawa
19.12.2012 21:48
0

Re: Re: Die Briten! Monarchie! Wie hinten?

Graf ali bist du es?

Antworten Antworten PENITENTIAM AGITE
19.12.2012 10:09
1

Re: Re: Die Briten! Monarchie! Wie hinten?

Wer hat hier etwas von "demokratiepolitisch" geschrieben?
Sowas hat man im Lederhosenkellnerland sowieso noch nie gebraucht.

kawa
18.12.2012 22:03
3

mittelalterliche einstellungen

Da sieht man wie weit hinten die briten sind

Antworten BM.H.
19.12.2012 07:10
2

Re: mittelalterliche einstellungen

Seltsamerweise aber ziemlich erfolgreich und stabil damit - was man im Gegensatz zu Deutschland und Österreich gerade im 20. Jahrhundert nicht sagen kann.

Antworten Antworten kawa
19.12.2012 21:46
0

Re: Re: mittelalterliche einstellungen

Warten wir mal ab was da vom finanzplatz london noch kommen mag.

massai
18.12.2012 20:15
2

entstzlich

wenn man sich die weltgeschichte anschaut - zerstörung der kultur der nordamerikanischen indianer; sklaverei in weiten teilen afrikas und indiens, dann kann ich nur raten: briten -bleibt auf eurer insel und schaut wie ihr mit eueren schulden zu recht kommt; es besteht kein grund imperialistische gedanken zu hegen, denn de antarktis gehört nur den eisbären, und sonst niemandem.

Antworten BM.H.
19.12.2012 07:13
1

Re: entstzlich

Von der von den Briten errichteten Infrastruktur leben weite Teile Indiens noch heute. Und bei den nordamerikanischen Ureinwohnern waren die Briten nicht die Hauptschuldigen. Aber Geschichte und Geographie lernt man nicht über wikipedia.....

Antworten scro
18.12.2012 23:09
4

Re: entstzlich

Ja Eisbären und Pinguine sind echt schwer auseinander zu halten. Sehen ja auch fast gleich aus :)

Antworten Antworten massai
19.12.2012 19:40
0

Re: Re: entsetzlich

ja danke für die info- gemeint ist natürlich das folgende szenario-worst case: sollten die eisbären wegen dem durch die zivilisation verursachten treibhauseffekt und dem abschmelzen der arktis umgesiedelt werden müssen, dann bleibt vorest nur die antarktis. das ist die lösung zum thema eisbärsterben in arktis.von pinguinen können sich eisbären ev. auch ernähren.denke das könnte klappen und der evulution ein wenig zeit geben, bis die natur eine eigene lösung gefunden hat.ja das wäre auch ein tolles progarmm für die königsfamilie,welch in der geschichte nur tiere umgebracht hat. man denke an die schrecklichen jagdausflüge in indien und afrika- immer mußten die tiere für die launen die queen und ihres gemahl zahlen- jetzt soll die queen auch mal zahlen- geld hat sie genung. nun kann sie sich nicht mehr aus der verantwortung für das leben der eisbären stehlen-
with reverence for live

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