Darabos auf Werbetour im Libanon

20.12.2012 | 18:13 |  IRIS BONAVIDA (Die Presse)

Der Verteidigungsminister besucht die österreichischen UNO-Soldaten im Südlibanon. Doch diese halten wenig von seinen Berufsheerplänen in der Heimat.

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Naqoura. Draußen hat es angenehme 19 Grad, die Wellen des Mittelmeeres rauschen, daneben der Strand. Wenige Meter entfernt, getrennt von einem Stacheldrahtzaun und einer Mauer, steht der Container „Edelweiß“. Hier läuft „Ö3“ mit „Last Christmas“, der Holzofen knistert, ein Weihnachtsbaum steht in der Ecke. So versuchen die österreichischen Soldaten im Camp Naqoura im Südlibanon, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Sie werden die Feiertage hier verbringen, nach Hause können sie nicht.

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Dafür kam diese Woche Besuch aus der Heimat. „Ich durfte bereits im vergangenen Jahr hier sein, einen von euch habe ich jetzt sogar wiedererkannt“, sagt Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) bei der Weihnachtsfeier vor etwa 60 Soldaten. „Ich weiß, dass Sie einen harten Job machen. Das sieht man auch daran, dass nur rund die Hälfte an der Feier teilnehmen kann, weil die anderen im Dienst sind.“

Als neutraler Staat stehe Österreich voll hinter Friedensmissionen wie dieser im Libanon. Auch in Zukunft. „Egal, wie es in Österreich weitergeht, wir wollen weiter mit Auslandseinsätzen punkten“, sagt Darabos und kann sich einen kleinen Schwenk in Richtung Volksbefragung nicht verkneifen. Danach folgt die Bescherung: Schwarzbrot, Speck und das Versprechen, einen neuen Billardtisch zu organisieren. Im Gegenzug bekommt Darabos einen UN-Helm. Der bedankt sich artig, für ein Foto will er ihn dann aber doch nicht aufsetzen.

Seit Oktober 2011 beteiligt sich Österreich an der UNO-Mission Unifil im Libanon. Ihren Sitz haben die Soldaten nahe der Stadt Naqoura, nach der das Camp benannt wurde. Gleichzeitig ist es auch das Hauptquartier der gesamten Mission: 37 Nationen stellen gemeinsam 11.600 Soldaten. Kommandant ist der Italiener Paolo Serra. Österreich ist mit 157 Soldaten vertreten, zwei davon sind Frauen. Das Kontingent, Autcon genannt, ist für die Logistik verantwortlich, kümmert sich um Transport und „Versorgungstätigkeiten“ – und unterstützt die zivile Feuerwehr beim Brandschutz. Hauptaufgabe der UN-Mission ist es, die Gefechte zwischen Israel und dem Libanon zu verhindern, die sich immer noch im Kriegszustand befinden.

 

„Unsicherheit“ in der Truppe

Das Camp ist nur drei Kilometer von der israelischen Grenze entfernt – wobei der Begriff „Grenze“ nicht richtig ist: Vielmehr ist die sogenannte Blue Line eine Rückzugslinie, die die Länder trennt. Gekennzeichnet ist sie durch Tonnen, dahinter befindet sich ein Minenfeld, gefolgt von einem Zaun, der israelischen Patrouille – und noch einem Zaun. Zudem wird die Blue Line videoüberwacht, nachdem einige Menschen nichtsahnend in das Minenfeld gerannt waren.

Zurück im Container „Edelweiß“ versucht man, die Mission für einen Abend zu vergessen: Der Minister wird im Billard herausgefordert, der Rest konzentriert sich auf das Essen („Schon wieder Hendl!“) und Trinken. Auch wenn die Truppe aus etwa 60 Prozent Miliz- und 40 Prozent aktiven Soldaten besteht – jener Mischung also, auf die Darabos künftig setzen will –, hat kaum jemand Verständnis für seine Berufsheerpläne. „Wir haben alle die Wahlkarte beantragt“, erzählt ein junger Berufssoldat. Stimmen will er aber für die Wehrpflicht – wie die meisten seiner Kameraden. „Es herrscht eine ziemliche Unsicherheit – mir sagt keiner, was mit mir passiert, wenn wir auf ein Berufsheer umstellen.“ Ein Milizsoldat meint nur: „Zu dieser Profimiliz würde ich nicht hingehen. Jetzt kann ich entscheiden, wohin ich wann und für wie lange hingehe. Wer garantiert mir, dass ich das in Zukunft auch machen kann?“

Im Grunde sind sich viele der Soldaten aber einig: Prinzipiell hätten sie nichts gegen ein Berufsheer und die Abschaffung der Wehrpflicht. Doch es fehle ein Konzept – oder zumindest jemand, der es ihnen erklärt. Nicht viel Unterstützung also für den Minister. Aber ein Sieg bleibt – wenigstens das Billardmatch hat Darabos gewonnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2012)

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41 Kommentare
 
12

JA zur Wehrpflicht.

NEIN zum Darabuerscherl.

Re: JA zur Wehrpflicht.

Wer für die Wehrpflicht ist, ist für das Gestern.

Beweis:
Die ganzen Nabelgucker und jede Menge ausländerfeindlich Eingestellte sind dafür. Und natürlich auch all jene mit dem dümmlichen Spruch "Hot net g'schoad." Die meinen damit immer die Wehrpflicht und auch die "g'sund'n Watsch'n...
Da weiß man doch mit wem man es zu tun hat. Mit lauter ewiggestrigen Zukunftsverachtern, die keinen einzigen kleinen Schritt nach vorne wagen, sondern immer hinten nachhinken wollen hinter der Moderne.

Vorschlag

Da er als Verdienstverweigerer keine Soldaten mag soll er ohne Begleitschutz gemütlich durch die Zone wandern und die Gegenseiten fröhlich begrüßen. Als Pazifist werden sie ihn schon nicht erschießen, oder?

Re: Vorschlag

Welche "Zone"???
Die Lawinenzone? Die Hochwasserzone? Die Tragebahrezone?
Welche Zone?

2 0

Zur weiteren Erheiterung

empfehle ich die online-Version der Kronen-Zeitung: es vergeht kaum ein Tag, an dem das Berufsheer-Projekt von Darabos in den Schlagzeilen ist. Da wird verbogen und verdreht und alles mobilisiert, um weiterhin ein großes Stück vom Werbebudget der SPÖ und deren Vorfeld-Organisationen zu bekommen.

10 0

Unglaublich

wie kann nur so ein kasperl verteidigungsminister werden?

8 0

Ein RISIKO für Österreich ist es

dieses Kasperl allein wo hinfliegen zu lassen- Zitat eines anderen Politiker " its not the yellow from the egg"

Aha, will er im Libanon auch ein Berufsheer aufstellen?


2 2

ja, mit Ihnen als Vorbeter


0 2

ja, mit Ihnen als Vorbeter


0 2

ja, mit Ihnen als Vorbeter


Gut das nicht Rot Grün

die Fragen zur Volksbefragung stellen dürfen.

Sind sie für die Abschaffung der Wehrpflicht?

a Ja

b Die wehrpflichtigen Jungmänner dürfen entscheiden

9 1

Habt acht

Die SP wird sich nach der verlorenen Abstimmung bei Darabos bedanken, war es doch er, der sich quasi über Nacht gedreht hat und mit dieser Wende den Grundstein für jedwede Glaubwürdigkeit gelegt hat. Im übrigen erstaunt, dass die Partei an ihm so lange festhält, wo doch bereits bei seiner Bestellung vielen klar war, dass ein Zivi/Parteisekretär nicht als Heeresminister taugen kann.

Als "über Nacht gedreht" kann man die Haltung des Verteidigungsministers nicht bezeichnen.

Faymann hat drei Tage nach Häupls Forderung nach einer Volksbefragung am 4. Oktober 2010 das Berufsheer als "gute Variante" bezeichnet. Darabos hat den Generalstab am 8. Oktober mit der Ausarbeitung von Wehrsystemmodellen beauftragt, damals noch mit dem Argument "Es gibt ja verschiedene Varianten, wie man Wehrpflicht, Miliz- und Berufselemente mischen kann. Diese sollen dann offen diskutiert werden." Am 5. Januar 2011 war dann Darabos, nachdem am 15. Dezember eine Enquete im Hilton-Hotel abgehalten worden war, plötzlich (unter Verweis auf "erste Erfahrungen in Deutschland und Schweden") Feuer und Flamme für das Berufsheer und bezeichnete es eine Woche später im SPÖ-Parteipräsidium als "gangbare Alternative".

wer nicht taugt

und zwar mangels charakter und eignung für alles, sind häupl, cap und co. - es sind sie und nicht darabos (der über kammerhofer abgeschottet, überwacht, unter druck gesetzt wird), die österreich und das bundesheer an die NATO verkaufen. denn "profiheer" bedeutet, nur mehr 16.000 mobilmachungsstärke zu haben, die berufs- und zeitsoldaten, nicht 55.000 wie von der regierung beschlossen. die 11.000 grundwehrdiener pro halbjahr fallen ebenso weg wie 28.000 miliz. die sog. "profimiliz" soll erst binnen 11 jahren 9.300 mann haben. dh das bundesheer reduziert truppen und aufgaben radikal. keine landesverteidigung, kaum katastrophenschutz, aber andere auslandseinsätze als bisher. die "profiheer"-NATO-leute, die ihre eide auf österreich verraten, jammern, dass friedenseinsätze "anspruchslos" seien und wollen plötzlich doch "zwangsdienst" - wenn es um die verpflichtende teilnahme an auslandseinsätzen geht, die sie fordern. sie meinen damit kampfeinsätze für interessen anderer staaten.

Re: wer nicht taugt

Hat Österreich eigentlich Waffen, Munition und Ausrüstung für 55.000 Mann?

Sinn macht weniger, dafür besser ausgerüstetere Soldaten zu haben! Die Zeiten in denen die Mannstärke über Sieg oder Niederlage entschieden hat ist seit lange vorbei.

Abgesehen davon hat sich die sicherheitspolitische Lage in Europa geändert, der Kalte Krieg ist vorbei, unser Bundesheer hat neue Aufgaben zu bewältigen.

Re: Re: wer nicht taugt

Bin neugierig, wie sie ohne Mannstärke Objekte schützen wollen?

Re: Re: Re: wer nicht taugt

16.000 einsatzfähige Soldaten sind nichts? Welche Objekte wollen Sie vor was schützen?
Luftangriffe? Hier sind 18 Eurofighterpiloten effektiver als die restlichen 55.000.

Sollen die 55.000 eine Menschenkette bilden? Reichen 16.000 nicht? Welche Angriffe erwarten Sie? Von wem?

Re: Re: Re: Re: wer nicht taugt

OK, eine einfache mathematische Übung:

Wir befürchten eine terroristische Bedrohung und wollen nur die 500 wichtigsten Gebäude in Österreich (z.B. Krankenhäuser, Ministerien, Raffinerie, Tanklager, Kasernen, Umspannwerke, etc.) über einen Zeitraum von 1 Woche bewachen. Pro Objekt brauchen sie rund 50 Mann, inklusive Führungsstab, Verbindungsoffiziere,Kraftfahrer, Sani,etc.). Da die Soldaten auch mal schlafen sollten min. 2, besser 3 Schichten ergibt:

500 x 50 x 2= 50.000

Und sagen sie jetzt nicht, dass ein Terroranschlag unrealistisch ist. Siehe USA, Spanien, England, etc.).
Aber Österreich ist ja eine Insel der Seeligen und auch noch neutral. Das schützt schon.

Re: Re: Re: Re: Re: wer nicht taugt

Führen wir deine Milchmädchenrechnung fort, nehmen wir 1000 Gebäude? Und jetzt?
Oder nehmen wir durchschnittlich 100 Personen? Jetzt? Oder 3 Schichten? Und wer sagt dass das 20ig stöckige Wohnhaus geschützt/nicht geschützt wird? Angegriffen oder nicht angegriffen wird?

Ein Terroranschlag ist nicht unrealistisch, deine Aussage ist aber absoluter Schwachsinn, siehe Israel: Wehrpflicht für Männer und Frauen, 2 bzw 3 Jahre (!!!) und trotzdem ist es nicht möglich sich vor einem Terroranschlag zu schützen.

Prävention ist das Stichwort - Abhören, Beobachten, Einschleußen. Hierfür sind Grundwehrdiener nicht geeignet.


Re: Re: Re: Re: Re: Re: wer nicht taugt

Sie haben das Problem erkannt - es benötigt Infantrie. Eine Menge Infantrie. Und einen klaren Einsatzplan, was geschützt werden muss - z.B. auch gegen Panikangriffen oder Plünderungen der eigenen Bevölkerung.

Und sie sind in ihrer Argumentation in keinster Weise schlüssig. Israel hat sicher einen der besten Geheimdienste, trotzdem gibt es (natürlich)Terroranschläge. Aber wann wurde das letzte Mal eine strategisch wichtige Einrichtung getroffen? Und die IDF macht nicht nur Objektschutz sondern befindet sich mit einigen seiner Nachbarn im Kriegszustand.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: wer nicht taugt

Jetzt wird es aber schon ganz besonders ewiggestrig-witzig: "Infantrie!
Sagen Sie mal, wie alt sind Sie, dass sie solch einen Ausdruck und solch naive Denkspiele verwenden wie in Ihren Kommentaren.
Andererseits: Wahrscheinlich eh zutreffend, dieses "Infantrie" bei der Ausbildung, dem Denken und Handeln mit einer Zwangspflichtarmee.
Zur effizienten Terrorbekämpfung sind die alle ungeeignet! Dazu braucht es gut ausgebildete Profis und nicht einen Haufen Wehrpflichtiger, die in Schnellkursen an einem Sturmgewehr ausgebildet werden, um sie dann auf die (eigenen) Leute loszulassen, weil diese bösen, bösen ja plündern bei einem Terrorangriff.
Oder meinen Sie das wörtlich, dass die eigene Bevölkerung geplündert wird???!!??

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: wer nicht taugt

Was ist am Begriff "Infanterie" ewiggestrig? Das ist die übliche Bezeichnung in allen Militärs dieser Welt.

Vielleicht machen sie sich mal schlau, bevor sie sich hier noch blamieren. Sehr zu empfehlen zB. die ÖMZ.

halten wenig von seinen Berufsheerplänen?

Klar, hat doch das UO-Corps die periodischen Bezugs-Auffettungen schon eingeplant, darüberhinaus ist die familiäre Trennung für Frau & Kind eine Erholung.

Friedenssicherung im wahrsten Sinn des Wortes; Die Familie des Herrn VzLt erfährt durch erst durch die (auch persönliche) Abstinenz „des Kommandanten,“ was das ist. :-(

Re: "... erfährt erst durch die (auch persönliche) Abstinenz"

War gemeint und sollt's heißen!

Ideologie

Wenigstens kann man von keiner ideologischen Abstimmung sprechen, da beide Großparteien bis vor kurzem das genaue Gegenteil vertreten haben. Die Unterscheidbarkeit war vor diesem "Stimmungswechsel" bereits gering, doch mit dieser Sache ist die Glaubwürdigkeit endgültig verloren gegangen. Wer steht wofür und wie lange tut er das?

 
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