Lockheed Martin bastelt an revolutionärer Luft-Luft-Rakete

20.12.2012 | 18:15 |  VON WOLFGANG GREBER (DiePresse.com)

Die „Cuda“ soll weit kleiner sein als bisherige Waffen und so die Feuerkraft amerikanischer Kampfjets vervielfachen.

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WIEN. Der frühere russische Testpilot beim Flugzeughersteller Mikojan-Gurewitsch (MiG), Pawel Wlassow, brachte die Sache einst im Gespräch mit dem österreichischen Luftfahrtjournalisten Georg Mader recht grimmig auf den Punkt: „Diese neuen amerikanischen Stealth-Jets mit ihren kleinen „stealthy“ Waffenschächten mit sechs Raketen drin werden in einem echten Konflikt bald leer sein, während unsere Maschinen Salven von je zwei Raketen abfeuern, und das sechs mal. Und was macht der kleine Stealth-Angeber mit seinen leeren Schächten dann? Sterben!“

Wlassow (*1960 nahe Charkow in der Ukraine), der 1998 zum Helden der Russischen Föderation ernannt wurde und seit 2002 das Schukowski-Flugversuchsinstitut leitet, sprach damit ein grundsätzliches Problem der US-Luftwaffenrüstung an. Simpel gesagt: Jene ultramodernen Kampfjets der Typen F-22 „Raptor“ und F-35 „Lightning II“ (auch: „Joint Strike Fighter“) die in den kommenden Jahren die aktuellen Modelle der USA wie die ehrwürdigen F-16 und F-18 ablösen sollen, sind im Vergleich zu ihren modernsten russischen und chinesischen Jägerkollegen zu schwach bewaffnet – und würden in einem längeren Luftkampf wohl den kürzeren ziehen.

Dahinter wieder steckt das Problem, dass F-22 und F-35 explizit als im Radar unsichtbare „Tarnkappen“-Jets (Stealth-Jets) gestylt sind, daher sollten sie außen keine Lasten wie Raketen und Bomben tragen, weil diese Radarwellen stark reflektieren und so die Tarnkappe des Flugzeugs lüpfen. Ihre Waffen führen sie daher im Regelfall in Schächten im Flugzeuginneren mit, die nur beim Start einer Waffe kurz aufklappen.

Die Schächte aber sind beengt: In einer ultramodernen, sündteuren „Raptor“ haben sechs Mittelstrecken-Luft-Luft-Raketen vom Typ „AMRAAM“ (Advanced Medium Range Air-to-Air Missile, Reichweite je nach Variante etwa 54 bis 200 Kilometer) Platz, dazu zwei Kurzstreckenraketen wie die „Sidewinder“ (Reichweite bis etwa 35 km). In den Schacht einer F-35 passen sogar nur vier Raketen. Ihre potenziellen Gegner dagegen sind richtiggehend waffenstarrend, ein russischer Jäger vom Typ Suchoi Su-30MK etwa kann, wie erwähnt, gleich zwölf Luft-Luft-Raketen tragen. Das tut er zwar auf externen Startschienen (Pylonen), doch die Russen (aber auch Europäer und Chinesen) halten im Vergleich zu den Amerikanern im großen und ganzen wenig von perfekter Stealth-Technik: Sie setzen auf extreme Beweglichkeit, um Raketen ausweichen zu können, und überlegene Bewaffnung, die ein wahres Salvenschießen ermöglicht.

(c) Georg Mader Blick in den geöffneten Waffenschacht einer F-35.

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Die erwähnten russischen Suchois aber fliegen auch schon in Ländern wie Algerien, Venezuela, Uganda, Indien oder eben China. Und wiederholt haben in den vergangenen Jahren reale Luftkampfmanöver und computersimulierte Luftkriege ergeben, dass die US-Jets angesichts der modernen Suchois nicht toll abschneiden. Die legendäre Simulation eines möglichen Kriegs zwischen (großteils Träger-gestützten) Luftstreitkräften der USA sowie Chinas über dem Südchinesischen Meer ergab gar einen Sieg der Chinesen: Die hatten gewaltige Verluste, aber am Ende gingen den Amerikanern die Raketen aus – und dann ihre Jets.

(c) Georg Mader  Eine indonesische Suchoi SU-30MK zeigt ihre gewaltige externe Waffenlast.

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Jüngst allerdings stießen Luftfahrtexperten eher zufällig auf ein neues Waffensystem, das sich als „Game Changer“ erweisen könnte: Bei einer Luftfahrtausstellung im US-Staat Maryland konnte man in die geöffneten Waffenschächte einer F-35 sehen – und dort einige ungewöhnlich kleine Luft-Luft-Raketen entdecken: Sie waren mit 1,8 Meter nur etwa halb so lang wie eine AMRAAM und auch etwas schlanker. Auf Nachfrage blieb der Hersteller Lockheed Martin bisher wortkarg; man erfuhr aber, dass das Projekt „Cuda“ heiße und die Rakete nur etwa 40 Prozent des Volumens und mit etwa 70 Kilogramm nur gut 45 Prozent der Masse einer AMRAAM haben soll.
Die entscheidende Folge: Damit ließe sich die interne Waffenlast der von vielen als „brustschwach“ verschrienen neuen US-Jets verdoppeln bis verdreifachen: In eine Raptor könnten dann statt sechs bis acht gleich 14 Luft-Luft-Raketen passen, in eine F-35 gleich zwölf statt nur vier; „russisches Salvenfeuer“ wäre möglich und der Kampfwert der Jets gegen Feindmassen multipliziert.

(c) Lockheed Martin Die Cuda-Rakete (o.) und unten im Größenvergleich mit einer herkömmlichen "AMRAAM"-Rakete.

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Unbekannt ist allerdings bisher die Reichweite, wenngleich Beobachter von mehr als 50 Kilometer ausgehen und einen besonders starken Antrieb zu erkennen glauben. Dafür ist bekannt, dass die „Cuda“, die bisher vom US-Militär noch nicht offiziell als Projekt übernommen worden ist, keinen herkömmlichen Sprenggefechtskopf mit Annäherungszünder haben soll sondern einen rein kinetisch wirkenden „Eisenkopf“. Sprich: Die Rakete soll ihr Ziel schlicht durch Kollision zerstören, was eine sehr hochentwickelte Steuerung voraussetzen wird.

Von der F-22 existieren nur etwa 195 Stück, von der F-35, deren Bauprogramm seit Jahren stockt, fliegen in den USA jetzt etwa 90 Stück. Ob die USA wie geplant 2443 „Lightning II“ erwerben ist angesichts der Finanzkrise unklar. Auch acht andere Staaten waren bzw. sind am F-35-Programm beteiligt, etwa Großbritannien, Italien, Australien und die Niederlande. Allerdings wackeln auch bei diesen aufgrund der explodierenden Kosten (mehr als 140 Millionen Dollar pro Stück) die Bestellungen, Kanada stornierte jüngst den Auftrag über 65 Maschinen.

"Die US-Superkrieger werden zu wenige sein und sterben"

Mit der Kampfwertsteigerung durch „Cuda“ könnte Testpilot Wlassow widerlegt werden, der angesichts der schwachen US-Jet-Bewaffnung auch gesagt hatte: „Die US-Superkrieger werden überwältigt werden, sie werden zu wenige sein. Und sterben. Sie werden zuvor viele Chinesen oder Russen oder Afrikaner abschießen. Aber das macht denen und uns nix. Euch aber schon...“

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65 Kommentare
 
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schlauer als man glaubt

Jetzt versteh i endlich die Strategie vom österr. Bundesheer immerhin wird der dritte Weltkrieg jo mit Keulen und Steinen austrogn.

Lockheed Martin bastelt an revolutionärer Luft-Luft-Rakete

was man nie verstehen wird, desto komplizierter diese Jets sind , desto einfacher kann man sie runterholen.
Sogar mit einem Gewehr und der richtigen Munition am richtigen Punkt getroffen, aus ist es mit der Hi Tech !!!!

Wofür

Wofür die Menschheit ihre Hirnkraft einsetzt.........

Die Ära der Stealth-Kampfjets steht sowieso kurz vor dem Ende

Die sind nämlich mittels Passivradar zu orten, dessen Entwicklung sich kurz vor Abschluss befindet.

Re: Die Ära der Stealth-Kampfjets steht sowieso kurz vor dem Ende


Kann auch jetzt schon geortet werden!

Siehe Jugokrieg oder Iran, in beiden Fällen haben sie schon welche runtergeholt!


Re: Re: Die Ära der Stealth-Kampfjets steht sowieso kurz vor dem Ende


ist auch nicht sonderlich verwunderlich, dass selten aber doch auch mal ein "Tarnkappen" Jet oder Drohne runtergeholt werden.

Das gelingt eben auch manchmal ohne Radar. In den Zeiten bevor es Radar gab, gelang das auch.

Die Tarnkappen Jets & Drohnen sind nämlich noch immer sichtbar ;)

Re: Re: Re: Die Ära der Stealth-Kampfjets steht sowieso kurz vor dem Ende


"Alte" langwelligere Radaranlagen können sie aufspüren.

Noch besser, wenn sie vernetzt sind und das Objekt von mehreren Seiten beleuchtet wird!


Re: Re: Die Ära der Stealth-Kampfjets steht sowieso kurz vor dem Ende

Soory, aber dort haben sie keine Stealth-Kampfjets, sondern ganz gewöhnliche Drohnen runtergeholt.

Re: Re: Re: Die Ära der Stealth-Kampfjets steht sowieso kurz vor dem Ende


Es war eine Stealth-Drohne!

Und in dem anderen erwähnten Krieg war es eine F-117 Nighthawk!

Ein Tarnkappenbomber!


Re: Re: Re: Re: Die Ära der Stealth-Kampfjets steht sowieso kurz vor dem Ende

Danke für Ihre detaillierte Antwort. Sie haben Recht, diese Dinger haben sie angeblich runter geholt, obwohl die Amerikaner behaupten, es wäre ein Defekt usw. Aber das erfährt man ja nie genau ;-)

Re: Re: Re: Re: Re: Die Ära der Stealth-Kampfjets steht sowieso kurz vor dem Ende


Wenn die Amerikaner etwas behaupten, kann man davon ausgehen, daß es falsch ist!

Denn die sind die Könige der Desinformation!

Seit dem WKI kennen wir die Geschichten, seit der der Lusitania!


Hauptsache

für diesen Dreck ist immer genügend Geld vorhanden....

Re: Hauptsache

Stimmt nicht! Beim Bundesheer mangelt es permanent an allem samt Geld :-)

Re: Re: Hauptsache

Und obwohl wir in Österreich kaum Geld für das Bundesheer übrighaben, stehen wir den anderen beim Budgetdefizit um nichts nach ;-)

Wlassow

Ein grosser Name fuer eine grossen Krieger. Die Amis haben es noch nie verstanden, gute Flugzeuge zu bauen. Und nun haben sie auch weniger als ihre moeglichen Gegner.

netter artikel zur weihnachtszeit

gibts da geld von lockheed- martin
oder ist das nur hirnlos? wird, glaub ich, zeit, das presse-abo zu überdenken...

Re: netter artikel zur weihnachtszeit

ach meine güte, was hat denn das mit weihnachten zu tun? glauben sie, dass kriege, technische entwicklungen, unfälle, betrügereien oder was auch immer nicht stattfinden wegen dem 24. 12.? also wenn sie im advent nur schöne, erbauliche dinge lesen wollen, konsultieren sie einfach das pfarrblatt ihres vertrauens.

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Re: netter artikel zur weihnachtszeit

Ein Artikel der mich nicht interessiert? Ein Leser weniger!

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Die Asiaten..., immer das Selbe..

Einen Feind den man nicht sieht kann man nicht töten...
Vor allem im Luftraum wo ein Jet ohne Radar aufgeschmissen ist.

Die hohe Anzahl der Waffen hat vor allem im Luft-Boden-Kampf einen Vorteil, aber dafür setzt die USA sowieso Drohnen und Marschflugkörper ein.

Auch für Österreich

Vielleicht kann da der Graf Ali auch was machen, dass wir um mein Steuergeld bitte noch ein paar von den Jets erwerben? Ich würde dann noch sicherer schlafen können!

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... und 3 Jahre später haben dann auch Russland und China die Technologie übernommen, womit der Vorteil wieder ausgeglichen wäre ...


da Wlassow is a wüda Hunt ;-)


Der Eurofighter


ist jedem amerikanischen Muster überlegen!

Das zeigt auch dieses Beispiel!

Damit meine ich jetzt nicht unsere Maschinen, die von Darabosch mit Augenklappe und Blindenstock entmilitarisiert wurden!

Alles konnte durch die EU noch nicht ruiniert werden!

Deutsche Technologie ist immer noch führend!

Was im Artikel fehlt ist natürlich, daß man von den kleineren Raketen auch bei den anderen Flugzeugen doppelt soviele montieren kann!

Was die Überlegenheit der nichtamerikanischen Flugzeuge nochmals erhöht!


Soso......"Deutsche Technologie ist immer noch führend!"

Darum kommt ja schon alles aus Osteuropa, China und Indien.

Führend sind die Deutschen immer noch im Maulaufreissen!

Re: Soso......"Deutsche Technologie ist immer noch führend!"

Schon längst erkannt und richtig eingestuft: Der Maulheld unter den Maulhelden, unschlagbar in dieser Disziplin und anerkannter Weltmeister ist und bleibt PENTIENTAM AGITE, ein Kommentareschreiber voller Minderwertigkeitskomplexe, die er in verschiedenen Foren mittels trotteliger Beiträge vergeblich zu kompensieren versucht.
Selig fühlen sich die Armen im Geiste, wenn sie die Mao-Bibel schwingen und unbedarft von der Geschichte abgewrackten Linksideologen huldigen können.

Re: Soso......"Deutsche Technologie ist immer noch führend!"

Gegenfrage: Warum gehen Sie nicht einfach wieder dahin zurück, woher Sie gekommen sind? Wir hier sind nun einmal dem deutschen Kulturkreis zugehörig.

 
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