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Putins Presse-Show über die USA, Assad, Depardieu

20.12.2012 | 20:03 |   (DiePresse.com)

Mehr als vier Stunden stellte sich der russische Präsident der Weltpresse. Am syrischen Machthaber Assad hält Russland "nicht um jeden Preis" fest.

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Bei seiner ersten großen Pressekonferenz seit seiner Rückkehr ins Präsidentenamt hat Russlands Präsident Wladimir Putin seine langjährige Politik verteidigt. Nach 13 Jahren an der Macht könne er keine größeren Fehler sehen, die er gerne korrigieren würde, sagte Putin am Donnerstag vor internationalen Pressevertretern im Kreml. Zugleich wies er Vorwürfe zurück, das russische System sei autoritär, und übte zudem scharfe Kritik an den USA.

"Ich sehe keine großen systemischen Fehler, die ich gerne rückgängig machen oder korrigieren würde", sagte Putin, der 1999 Ministerpräsident und ein Jahr später für acht Jahre das Präsidentenamt übernahm. 2008 wurde er erneut Ministerpräsident, nachdem er nach zwei Amtszeiten in Folge nicht wieder als Präsident antreten durfte. In diesem Jahr wurde er wieder Staatschef.

Putin erklärte, er könne der Behauptung nicht zustimmen, dass das russische System autoritär sei. "Der beste Beweis ist meine Entscheidung, meinen Posten nach zwei Amtszeiten zu verlassen." Hätte er den Weg des Autoritarismus gewählt, hätte er die Verfassung geändert. "Das wäre leicht gewesen", sagte Putin.

Adoptionsverbot für US-Kinder verteidigt

Der russische Staatschef, der überzeugt ist, dass Washington für die Massenproteste in Russland gegen seine Rückkehr ins Präsidentenamt verantwortlich ist, wandte sich in seiner Ansprache auch gegen die USA. Er verteidigte dabei einen Gesetzesentwurf, der US-Bürgern die Adoption russischer Kinder verbietet. "Ich verstehe, dass dies eine emotionale Reaktion der Staatsduma war, doch ich denke, sie war angemessen", sagte Putin.

Die Duma-Entscheidung ist eine Reaktion auf das Magnitsky-Gesetz in den USA. Das US-Gesetz verbietet russischen Verantwortlichen, die in den Fall des in Haft verstorbenen Anwalts Sergej Magnitsky verwickelt sind, die Einreise in die USA. Magnitsky, der einen Finanzskandal bei der Polizei aufgedeckt hatte, wurde angeblich in Haft gefoltert. Putin sagte am Donnerstag, die USA hätten moralisch kein Recht, das russische Justizsystem zu kritisieren. "Sie haben selbst haufenweise Probleme", sagte Putin und verwies etwa auf das Lager in Guantanamo.

Der Duma-Gesetzentwurf beinhaltet auch eine Klausel, die es politischen Nichtregierungsorganisationen in Russland verbietet, Gelder aus den USA anzunehmen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte am Donnerstag, ein solches Vorgehen "trifft die russische Zivilgesellschaft insgesamt". "Das darf nicht geschehen", erklärte Amnesty-Russlandexperte Peter Franck.

Arbeit für NGO erschwert

In Russland waren zuletzt eine Reihe von Gesetzen erlassen worden, die die Arbeit von NGOs sowie die Demonstrationsrechte von Oppositionellen einschränken. Putin äußerte sich auch zu einer am Donnerstag verkündeten Haftverkürzung um zwei Jahre für den seit Jahren in Haft sitzenden Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski. Er sei in keiner Weise in den Fall verwickelt und habe "keinen Einfluss auf die Strafverfolgungsbehörden und Gerichte" ausgeübt, sagte Putin.

Ansonsten zeigte sich der Staatschef zufrieden mit der wirtschaftlichen Situation seines Landes. Die Ergebnisse seien "vor allem im Vergleich mit der Rezession in der Eurozone und dem Abschwung in den USA" gut.

Assad "nicht um jeden Preis"

Zur Haltung Russlands gegenüber Syrien sagte Putin, sein Land wolle die Regierung von Staatschef Bashar al-Assad nicht "um jeden Preis" aufrechterhalten, sondern setze auf den Dialog der Konfliktparteien. Putin warnte zugleich vor einem Erfolg der Gegner von Assad. Es sei völlig unklar, was in diesem Falle passieren werde, sagte der russische Staatschef am Donnerstag vor Journalisten in Moskau. "Wir wollen nicht, dass die heutige Opposition, einmal an der Macht, den Kampf mit der heutigen Regierung fortsetzt und dass das für immer so weitergeht", sagte Putin.

Der Präsident kritisierte, dass zunächst alles zerstört und erst dann überlegt werde, wie es weitergehe. Eine Einigung auf Grundlage eines militärischen Sieges einer Seite sei "ineffektiv", sagte Putin.

Angebot an Depardieu

Auch zu Nebensächlichem stand Putin der Weltpresse freudig Rede und Antwort. So sei er etwa bereit, dem französischen Schauspieler Gerard Depardieu einen russischen Pass auszuhändigen - falls sich dieser wirklich daran interessiert zeigt. "Falls Gerard eine Aufenthaltsgenehmigung oder einen russischen Pass haben möchte, ist das eine ausgemachte Sache", erklärte Putin am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Putin betonte, er habe enge freundschaftliche Beziehungen mit dem Schauspieler - "obwohl wir uns wenig sehen".

Am Mittwoch hatte ein Sprecher Putins Depardieus Aussage, er hätte bereits einen russischen Pass bekommen, als Scherz interpretiert. Der 63-jährige Depardieu hatte am Sonntag angekündigt, aus Empörung über Äußerungen des französischen Premierministers Jean-Marc Ayrault im Zusammenhang mit dem Steuerstreit seinen Pass abzugeben. Ayrault hatte Depardieus geplante Flucht vor den erhöhten Spitzensteuersätzen in Frankreich als "erbärmlich" bezeichnet.

Gesund und munter

Putin nahm die Pressekonferenz auch zum Anlass, seine Gesundheit zu demonstrieren. Er empfahl seinen Gegnern nicht auf sein Ende zu warten. Gespräche über die Gesundheit seien Versuche, den Zustand der Macht infrage zustellen, sagte der Präsident. "Warten Sie erst gar nicht darauf.".

Zuletzt hatte sich Putin am 14. Februar 2008, kurz vor Ende seiner zweiten Amtszeit, der Weltpresse gestellt. Den damaligen Längenrekord von 4 Stunden und 40 Minuten verpasste er nun um zehn Minuten.

(APA/AFP/dpa)

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