Nach Rücktritt: Italien rätselt über Pläne von Mario Monti

22.12.2012 | 11:57 |   (DiePresse.com)

Italiens Ex-Präsident fürchtet einen Wahlkampf gegen seinen Vorgänger Silvio Berlusconi. Die Zustimmung zu seiner Politik stürzte zuletzt auf ein Rekordtief von 33 Prozent.

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Nach seinem Rücktritt hält sich Italiens Ex-Ministerpräsident Mario Monti weiterhin bezüglich seiner politischen Zukunft bedeckt. Laut Medienangaben hat der 69-Jährige immer noch keinen Beschluss über eine mögliche Kandidatur für die Parlamentswahlen ergriffen. Eine heterogene Front gemäßigter und reformorientierter Parteien und Schwergewichte in Brüssel drängen den parteiunabhängigen Wirtschaftsprofessor, seine Kandidatur für das Premieramt einzureichen. Doch "Super-Mario" scheint immer weniger überzeugt, sich in die politische Arena stürzen zu wollen und sich in einem Wahlkampf mit ungewissem Ausgang zu engagieren.

Gemäßigte Zentrumsparteien warten in Italien nur darauf, dass Monti seine Pläne enthüllt, um ihn im Wahlkampf zu unterstützen. In Rom wächst die Front der Gruppierungen, die mit fliegenden Fahnen "Ja" zu einer zweiten Regierung Monti sagen würden. Dem gemäßigten Block gehören unter anderem namhafte Vertreter der Wirtschaft und Finanz an, wie der Präsident des italienischen Sportwagenherstellers Ferrari, Luca Cordero di Montezemolo. Doch Monti wird seine Fans höchstwahrscheinlich enttäuschen. Der Ex-Premier wird bei einer am Sonntag geplanten Pressekonferenz den italienischen Parteien voraussichtlich eine Liste von Reformen vorlegen, die seiner Ansicht nach in der kommenden Legislaturperiode unbedingt durchgesetzt werden sollten. Er selber werde jedoch den Zentrumsblock nicht in den Wahlkampf führen, berichteten italienische Medien am Samstag.

Monti will laut Gerüchten das Ergebnis der Parlamentswahlen abwarten und dann weitere Beschlüsse über seine Zukunft fassen. Der rigorose Ex-EU-Kommissar ist zwar bereit, sich weiter "in den Dienst des Landes" zu stellen, sollte man ihn dazu aufrufen, will sich jedoch nicht schon in dieser ungewissen Phase vom Techniker in einen Politiker umzuwandeln. Die Aussicht, einen Wahlkampf gegen seinen schrillen Vorgänger Silvio Berlusconi führen zu müssen, bremst Montis politische Ambitionen.

Bei den Erwägungen über seine Zukunft muss der Lombarde seinen starken Popularitätsrückgang berücksichtigen. Die Zustimmung zu Montis Politik ist angesichts seiner teils unpopulären Reformen zuletzt auf ein Rekordtief von 33 Prozent gestürzt. Bei seiner Amtsübernahme im November 2011 hatten noch gut 70 Prozent der Italiener dem als "Retter der Nation" gefeierten Monti vertraut.

Montis Zögerlichkeit sorgt für Nervosität im Zentrumsblock, dem neben Montezemolo, der Vorsitzende der christdemokratischen UDC, Pier Ferdinando Casini, und der Regierungsminister und Begründer der katholischen Hilfsorganisation Sant'Egidio, Andrea Riccardi, angehören sollten. Diese drängen, dass Monti den Reformprozess nicht unvollendet lasse, den er in den vergangenen 13 Monaten im Amt eingeleitet habe. Doch vorerst stößt ihr Appell auf taube Ohren. Ohne Montis Unterstützung ist es unwahrscheinlich, dass die Zentrumsparteien mehr als neun Prozent der Stimmen erhalten werden.

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(APA)

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4 Kommentare

Positiv

Neben Berlusconi wirkt sogar unser Grinsekanzler kompetent und staatsmännisch.

wenn Berlusconi noch einmal Ministerpräsident wird,

ist es für mich der Beweis, dass Demokratie NICHT die beste Staatsform ist.

Italiens Ex-Präsident fürchtet einen Wahlkampf gegen seinen Vorgänger Silvio Berlusconi

Noch einer, der den schwanz einzieht. das hat uns in europa noch gefehlt!

33% Zustimmung

plus Unterstützung von Parteien, welches es allein gerade mal auf 9% der Wählerstimmen bringen ist natürlich keine große Motivation, sich einem Wahlentscheid über seine politischen Aktivitäten zu stellen.

Und die Unterstützung durch "Brüsseler Schwergewichte", im Zusammenhang mit den genannten zahlen und unter Berücksichtigung des rasanten Abstiegs der Zustimmungswerte, zeigt zudem recht deutlich, mit welcher Geschwindigkeit sich "alleinwissende" Politik und niederes Wahlvolk voneinander entfernen.

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